Freitag, 26. Januar 2018

Rezension: Jay Asher * Tote Mädchen lügen nicht

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: cbj  
ISBN-13:
978-3570308431
Preis: 8,99 EUR
E-Book: 8,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Oktober 2012
Übersetzer: Knut Krüger
 
 
 
 
Inhalt:
Clay kommt nach der Schule nach Hause und hat ein Paket bekommen. Verwundert öffnet er es und sieht Kassetten vor sich. Woher soll er bloß einen passenden Rekorder herbekommen. Die Lösung, in der Werkstatt seines Vaters. Er legt die erste Kassette ein und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, eine Mitschülerin, Hannah, mit der er im Kino gejobbt hat, Hannah, das Mädchen, was er gerne näher gekannt hätte und Hannah, die sich vor zwei Wochen das Leben genommen hat. Ihre Stimme verrät, dass es 13 Kassettenseiten zu hören gibt und 13 Gründe für ihre Tat und wer dieses Paket bekommt, muss ihre Geschichte hören, weiterschicken an den Nächsten, wenn dieser das nicht macht, wird alles an die Öffentlichkeit gelangen. Clay ist geschockt, verwirrt, in Panik, weil er nicht weiß, was er getan hat. Nun ist es wohl an der Zeit, sich seinen Ängsten zu stellen und Hannahs Beweggründe zu hören. Was wird sie wohl in den Selbstmord getrieben haben? Welchen Anteil daran hat Clay? Und gab es wirklichen keinen Ausweg?

Meinung:
Ich muss gestehen, dass dieses Buch schon länger auf meinem Reader schlummerte und ich einfach nicht die Zeit dafür fand. Nun gibt es die Netflix Serie, die für unglaublich viel Wirbel gesorgt hat und ich muss sagen, ich war neugierig. Schaue ich die Serie, oder lese ich das Buch. Nach der ersten Folge war klar, ich möchte beides und somit rutschte das Buch ganz nach oben in meinem Leseplan. Was ich davon halte und ob ich mich nun bereit für die Serie fühle, erzähle ich euch jetzt.

Eigentlich hört das Buch mit dem Ende auf. Ein unausgeschlafener, ernüchterter, verstörter und innerlich zorniger junger Mann ist auf der Post und möchte ein Paket abgeben. Da wird uns schon klar, dass die Kost der Kassetten nicht einfach wird und schwups sind wir am Anfang und lernen Clay kennen. Ein netter Typ, vielleicht ein bisschen schüchtern, aber in der Schule anerkannt und mit einem guten Ruf. Warum ausgerechnet er diese Kassetten bekommt, ist natürlich das Spannende daran, da Clay wirkt, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Mit zitternden Händen nimmt er sich die Kassetten vor und eine innerliche Unruhe packt ihn sofort. Was hat er getan, um Hannah dahin zu treiben, wo es kein zurück mehr gibt. Oder was hat er nicht getan. Clay ist der Verzweiflung nah, warum tut sie ihm das an? Warum muss er sich das anhören? Und wer hat wirklich Schuld an ihrem Selbstmord? Mit einer Mischung aus, sich den Tatsachen stellen und sein schlechtes Gewissen zu Geiseln fängt Clay an zuzuhören und eins ist klar, die Wahrheit sieht immer anders aus.

Mir fiel an so vielen Stellen ein, wie grausam doch der Mensch ist. Wie dumm die Jugend und die Weitsicht, eben ein Lernprozess ist und nicht sofort angeboren. Es ist dieses typische Klischee, junges hübsches Mädchen, eigentlich unnahbar und dann gibt es dieses Gerücht, was ein pubertierender Junge in die Welt setzt. Was daraus resultiert ist ein Gemisch aus Neid, schlechtem Ruf, Vertrauensverlust, böse Nachrede und Einsamkeit. Tja, und als ob das nicht schon genug ist, türmen sich die Ereignisse darauf. Es ist, wie ein Dominostein, der ins Rollen kommt und erst aufhört, wenn man nicht mehr kann. Was Hannah am Ende zum Aufgeben gebracht hat, müsst ihr selber lesen. Aber was Clay zwischen den Zeilen sagt, ist nicht zu verachten. Immerhin hören wir Hannah monoton zu und können nicht mehr eingreifen.

Innerlich nimmt einen das Buch schon ganz schön mit. Es beschreibt wirklich diese Abwärtsspirale und wie so eine Entwicklung immer mehr Fahrt aufnimmt. Was viele Lügen, Betrug, Gehässigkeit, falscher Eifer oder das nicht hinterfragen aus einem Menschen macht. Dieses Mädchen steht im Mittelpunkt so vieler charakterschwacher Einzelpersönlichkeiten und muss sich deren Intrigen stellen, ohne laut zu werden. Still trägt sie ihr Leiden, still lässt sie alles über sich ergehen und doch zerbricht sie daran. Aber hier kommt mein Einwand, zum Ende hin scheint sie sich mit ihrer Rolle abgefunden zu haben und es förmlich herbei zusehen, dass es noch schlimmer wird. Da hat alles in mir geschrien und ich bin mit Clay völlig einig, das sie es hätte nicht soweit kommen lassen dürfen, da gab es andere Lösungen. Überhaupt hat mir der kritische Blick von Clay gut getan. Auch wenn er erst jetzt diese Seite hört und uns die andere aufzeigt, sehen wir, wie schnell wir was hinnehmen, nicht nachfragen und somit nicht verstehen. Clay war nah dran, aber wie soll ein selbst heranwachsender Mensch, so in die Tiefe schauen können.

Was wir auf jeden Fall aus diesem Schicksal lernen, genauer hinsehen! Stimmen die Gerüchte, die der Lieblingsschüler loslässt, gibt es nicht immer zwei Seiten. Stempelt den betroffenen Menschen nicht ab, sondern hört ihn an und es ist nie eine Lösung still abzutreten. Ich selbst war Mobbingopfer in der Schule, aber auch diese Zeit geht rum und macht euch hoffentlich stärker. Ein Buch, das auf jeden Fall zum Nachdenken einlädt und Erinnerungen wachruft.

Jay Asher hat auf jeden Fall, ein ziemlich brisantes Thema, ungewöhnlich, aber ziemlich treffend umgesetzt und uns den Wahnsinn aufgezeigt, was Kleinigkeiten für eine Kraft haben, sich in Lawinen zu verwandeln. Auch wenn ich mit einigen nicht übereinstimme, fand ich die Lektüre schon ziemlich treffend.
 
Henry und ich sind immer noch stark berührt und vergeben vier Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:

Jay Asher ist der Autor des weltweiten Millionenbestsellers »Tote Mädchen lügen nicht«, der in 37 Länder verkauft, u.a. für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde und wochenlang die Spiegelbestsellerliste besetzte. Der Roman wird als 13-teilige Serie auf Netflix ausgestrahlt. Sein zweiter Jugendroman, »Wir beide, irgendwann«, entstand in der Zusammenarbeit mit der Co-Autorin Carolyn Mackler. Jay Asher lebt in Kalifornien, wo auch sein neuester Roman »Dein Leuchten« spielt.

Quelle: cbj Verlag


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