Montag, 12. März 2018

Rezension: Karoline Cvancara * Horak hasste es, sich zu ärgern

Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Wortreich
ISBN-13:
978-3903091405 
Preis: 14,90 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: Februar 2018




Inhalt:
Erwin Horak möchte nur eins im Leben, nämlich seine Ruhe. Allerdings bekommt er diese nicht. Im Berufsleben muss er eine Horde wildgewordener heranwachsender Schüler bändigen, im privaten Leben nerven ihm die Nachbarn, da taucht nämlich ständig irgendwoher einer auf. Und dann muss er sich das Gejammer von seinem alten Kollegenfreund anhören, der in Pension gegangen ist und nichts mit sich anzufangen weiß. Erwin möchte doch nur Ruhe und diese findet er sonst im Café Hummel, seine mürrische und abweisende Art hat über Jahre seine Kundenbehandlung untermauert und so ist er zwar unter Menschen, aber wird schön in Ruhe gelassen. Bis eines Abends ein Wolkenbruch in Wien seine Ruhe zum Einsturz bringt, als eine Dame an seinen Tisch tritt und sich erdreistet Platz zunehmen. Aber das überaus Schlimmste ist, sie kommt immer wieder und Erwin‘s Ruhe ist futsch. Wird er seinen ruhigen Platz irgendwann wieder haben? Warum lehnt Erwin seine Umwelt so ab? Und was wird dieser Sommer noch für ihn bereithalten?

Meinung:
Karoline Cvancara hatte mich mit ihrem Buch „Am Tiefpunkt genial“ total gut unterhalten, so beschwingt und glücklich zurück gelassen, das ich höchst erfreut war, das jetzt, was Neues kommt. Und allein der Klappentext ließ meine Mundwinkel nach oben wandern und meine Lachmuskeln spielten einen Tusch. Sprich, ich war so gespannt, in voller Erwartungshaltung, und ob sie mich wieder absolut begeistern konnte, erzähle ich euch nun.

Wer mich kennt, weiß, ich liebe Wien. Wien ist die Hauptstadt meines Herzens und dort fühle ich mich immer zu Hause. So beginnt auch der Anfang einfach mit einer Episode aus den Alltag Wiens. Es ist Sommer, es ist heiß und der Verkehr läuft nicht rund. Ich war sofort in der Geschichte, ich habe die Hitze über den Asphalt gesehen, die Schweißperlen gespürt, wie sich die Gemüter erhitzen und wie eine Kleinigkeit, den größten Streit verursacht. Die Atmosphäre war zum Greifen, der Kinofilm in meinem Kopf war sofort angelaufen und die Kamera ging höher, ein Fenster öffnete sich und Professor Erwin Horak trat auf. Verärgert, endgenervt, überbrodelnd wütend über die Unzulänglichkeit seiner Mitmenschen. Und so lernen wir, den ersten Hauptprotagonisten kennen.

Erwin Horak ist ein mürrischer Mann, der immer vom schlimmsten ausgeht und einfach für sich bleiben möchte. Keine Freunde, keine Familie, keine Frau, alles viel zu lästig und störend. Nicht mal im Beruf findet er seine Erfüllung. Das Einzige was ihn mehr oder minder zufriedenstellt, ist eine Platte zu hören und dabei eine Zigarre zu rauchen. Im ersten Moment findet man ihn schon ein wenig boshaft, ein unangenehmer Zeitgenosse und irgendwie nicht ansatzweise sympathisch und doch schleicht sich dieser Kerl in mein Leserherz. Denn es gilt harte Schale, weicher Kern, wenn man diesen denn findet.

Seinen Gegenpart übernimmt Elfriede Steiner, deren Leben ein wenig aus den Fugen geraten ist und die jetzt ein Neues beginnen möchte. Nach langen Ehejahren ist sie nämlich aufgewacht und wusste nicht mehr, wer sie ist, so gab es eine Scheidung und ein neues Leben. Dazu gehört eine neue Wohnung und ein neues Lokal, nämlich das Café Hummel und hier nimmt das Schicksal seinen Lauf. Elfriede, die gern draußen sitzt, muss sich wegen Regen einen neuen Platz suchen, und da nichts mehr frei ist, einen Tisch zu dem sie sich dazu setzen kann. Die Wahl fällt auf Herrn Horaks Tisch und die besten Tischgespräche nehmen ihren Lauf. Elfriede ist zuerst von dem Benehmen des Herrn empört und findet ihn mehr als unverschämt, aber dann legt sich ein Schalter um und die Herausforderung diese Auster aus der Reserve zu locken ist ihr neuer Abendplan, der äußerst amüsant ist und sie sofort sympathisch macht.

Diese beiden Figuren sind unglaublich gut dargestellt und beleben diese Geschichte auf äußerst wundersame Weise. Ihre Gespräche steigern sich zu gekonnt schwarz humorigen Schlagabtäuschen und mein Herz hat gelacht und mitgefiebert, welcher nun den Sieg erringen wird. Aber auch wenn die Geschichte davon lebt, gibt es noch viele andere Kleinigkeiten, die zusätzlich mit einfließen, nämlich das Leben, wenn man älter wird. Vielleicht macht sich die junge Generation darüber keine Gedanken, aber das kommt schon noch von ganz alleine und hier ist es wunderbar in Worte gefasst. Pensionierung und was dann. Ich hatte wieder ganz wunderbare Lesestunden, mit einem Ausflug in meine Lieblingsstadt und das große Vergnügen zwei ganz tolle Wiener Figuren kennenzulernen und für mich waren sie lebensecht. Beim nächsten Besuch werde ich bestimmt neben ihnen sitzen und mich köstlich amüsieren. Das Leben macht nämlich nach lange nicht das, was man will, sondern überrascht immer wieder aufs Neue.

Karoline Cvancara hat mich wieder sehr glücklich gemacht, denn sie trifft einfach die besten Töne. Ihre Beschreibungen sind ein Genuss, hier Humor einfach göttlich und ich kann nur sagen, es wird wieder Zeit für einen Cafébesuch. Wer gern authentische Geschichten mit Witz mag, in welche man sich wieder erkennt und die einfach Spaß am Nachdenken machen, der sollte hier zugreifen, es lohnt sich sehr.
 
Henry und ich fanden die Momentaufnahmen fantastisch und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Karoline Cvancara, geboren 1974 in Wien, Studium der Publizistik, Musikwissenschaften und Psychologie, lebt und arbeitet in der Wiener Josefstadt. War zehn Jahre tätig als Musikjournalistin. 1993 Gründung der Jazz-Zeitschrift “Jazz & More”. Seit 2002 literarische Veröffentlichungen in den Zeitschriften „Dum“, „Wienzeile“ und „&Radieschen“.  Mitglieder der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung. 2006 erschien ihr erster Roman „Schlaflos“ (VIZA edit.)


Weitere Werke:

https://www.genialokal.de/Produkt/Karoline-Cvancara/Am-Tiefpunkt-genial_lid_28646163.html?storeID=barbers


 Vielen lieben Dank an den Wortreich Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

  1. Servus, Inga.
    Der grantelnde Wiener ist schon ein Unikat in der weit aufgefächerten Rubrik der Lebenssinn-Nörgler. Immer könnte von irgendwo ein unerwünschtes Haar zum Sprung in die Suppe ansetzen - nicht auszuhalten, sowas.
    Gern hat der Schauspieler Hans Moser eben diese Rollen des doch lieben Kaktus gegeben, weswegen er mir gleich in den Sinn kam.

    Und so ist das Leben; da will man nur die Ruhe hinter langwierig errichtetem Mauerwerk genießen - und dann kommt da auf einmal diese Frau!

    Treffliches Cover übrigens. Ähnlich trefflich übrigens wie Dein Bild von zum Tusch aufspielenden Lachmuskeln.

    bonté

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    1. Grüß dich Robert,

      oh ja, die ignorierenden Ober, aber das hat schon alles seinen Charme ...lach... also zu mir waren sie bis jetzt alle nett. Eher die Damen waren nicht freundlich ... Zum schauspielern ideal!

      Immer diese Frauen, wie gut das es sie gibt ...lach... das Leben wäre doch viel zu eintönig, ohne uns :-)

      Dafür hat die Verlegerin wirklich ein Händchen und meinem Humor.

      Ganz liebe Grüße und schönen Wochenstart
      Inga

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