Sonntag, 27. August 2023

Rezension: Lioba Werrelmann * Tod in Siebenbürgen: Paul Schwartzmüller ermittelt

Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Eichborn
ISBN-13:
978-3847901198
Preis: 17,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: Februar 2023




Inhalt:
Paul Schwartzmüller ist freier Journalist und lebt in Köln. In dem Augenblick, wo die Chefredakteurin ihm über die Vakanz seiner Stelle spricht, erhält Paul ein Einschreiben aus Rumänien. In diesem wird ihm mitgeteilt, dass seine Tante Zinzi verstorben ist und ihm ihren Hof hinterlassen hat. Die Nachricht haut Paul erst einmal um, seit seiner Kindheit war er nicht mehr dort und nun muss er sich um einen Bauernhof kümmern, von seiner Vergangenheit kaum zu reden. So fliegt er nach Siebenbürgen und ist überrascht, wie wenig sich alles verändert hat, und zu seinem großen Glück begegnet er auch noch seinen besten Freund aus Kindheitstagen wieder, Sorin und es hätte nicht herzlicher sein können. Aber schnell schlägt die Stimmung um, Sorin wird wegen Mords verhaftet, der Bauernhof ist nicht unbelebt und Maia macht ihm das Leben schwer. Wo soll Paul nur anfangen? Soll er seinen Freund helfen? Und wie sieht es mit seiner Familiengeschichte aus? Wird er sich dieser endlich stellen?

Meinung:
Es gibt gerade viele Krimi-Reihen und auch sehr viele mit regionalem Bezug. Somit ist die Qual der Wahl schon ziemlich groß und man muss schon Abwegen. Hier sprach mich so einiges an wie Siebenbürgen, Schloss Bran und natürlich der mystische Touch rundum Dracula. Das versprach eine gute Mischung aus Hausmannskost, Geschichte und Spannung zu sein. Und das Cover ist wirklich auch ein Hingucker. Und ob sich das alles auch gelohnt hat, erzähle ich euch nun.

Paul Schwartzmüller ist in Siebenbürgen geboren, als Teenager nach Deutschland gekommen und hat nie wieder zurückgeschaut. Warum auch, denn sein Vater hat ihm glauben lassen, dass seine Tante Zinzi schon längst verstorben ist. Nun ist er ein erwachsener Mann, Journalist geworden und jetzt holt ihn doch die Vergangenheit ein. Er muss nach Rumänien reisen, nur dort kann er alles regeln und so ein bisschen fühlt er sich unwohl. Aber dort scheint sich nichts verändert zu haben, es ist immer noch das gleiche Dorf, die gleiche Straße und die gleichen Häuser, als ob Paul nie weggewesen wäre. Seine Gefühlswelt übermannt ihn und tausend Kindheitserinnerungen werden wach. Erstrecht, als sein Freund aus Kindheitstagen auftaucht, zusammen im Teich schwimmen, die Jugendstreiche wieder aufleben lassen und Sorin hat noch einiges mehr für Paul auf Lager. Bis der Spaß vorbei ist und Sorin verhaftet wird. Paul muss nun entscheiden, helfen oder einfach alles hinter sich lassen und nie wieder umschauen. Aber Paul hat noch so viele offene Fragen und auch seine Tante Zinzi so einige Geheimnisse.

Was für ein gelungener Plot! Wir haben einen Mann, der sich vor der eigenen Geschichte drückt oder dem einfach ganz vieles Verborgen geblieben ist und er nie den Mut hatte, dem nachzugehen und das als Journalist. Dann Rumänien, Siebenbürgen mit einer Geschichte, die man gar nicht kennt oder die einfach nicht so präsent ist wie bei anderen Ländern. Geschichte über dunkle Kapitel in der Vergangenheit und auch heute hat man so einige Nachwehen und Auswirkungen davon. Dazu die lokale Küche und die scheint deftig köstlich zu sein, zumindest hatte ich bei dem Buch ständig Hunger und mit Appetit zu kämpfen, da nimmt man locker beim Lesen ein paar Kilo zu. Und dann natürlich der Mythos Dracula, Fürst der Dunkelheit, Schrecken auf den Schlachtfeld, Verführer und Blutsauger, diese Figur ist immer noch geheimnisvoll, sagenumwogend und für mich immer noch en vogue. Eine perfekte Mischung also aus Geschichte, Aberglaube und Regionalen.

Lioba Werrelmann hat aber nicht nur die perfekte Mischung ausgesucht, nein, sie erzählt auch noch ganz wunderbar. Beschreibt die Landschaft malerisch, lässt vor einen die Bäuerlichkeit des Dorfes aufblitzen und baut geschickt Geschichte mit ein. Dazu hat sie wirklich passende Figuren gezeichnet, die neugierig auf mehr machen und richtig gut Unterhalten. Mit Paul hat sie jemanden erschaffen, der etwas blauäugig durch die Welt läuft, dadurch aber sympathisch ist und immer wieder überrascht wird. Manchmal fragte ich mich, ist er wirklich Journalist, er hinkt in so vielen hinterher. Maia dagegen ist eine Frau, die ihren Mann steht und Paul manchmal das Fürchten lernt. Und so viele mehr, die einfach supergut eingeflochten wurden. Aber nicht nur die Geschichte aus der Vergangenheit ist interessant, nein, auch die Gegenwart hat so ihre Problematik und ich finde es klasse auch diese Aspekte miteinfließen zulassen. Bereicherung an ärmeren Ländern, Korruption, Umweltsünden und noch einige Themen mehr. Ich sag ja, der Mord ist eher Nebensache, Siebenbürgen ist Programm. Und obwohl es viel scheint, ist alles wohl dosiert, gut gesetzt und spannend geschrieben.

Tod in Siebenbürgen ist ein Auftakt zu einer Reihe und ich bin so was von dabei, wenn die Reise dahin wieder losgeht. Für mich nicht nur ein Krimi, sondern so viel mehr.

Henry und ich fiebern den nächsten Teil entgegen und so gibt es fünf Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Lioba Werrelmann, Jahrgang 1970, stammt aus dem Rheinland, hat Politische Wissenschaften studiert, volontierte und ist seit 1989 für verschiedene Tageszeitungen, Radio- und TV-Anstalten (WDR/ARD) als Redakteurin und Kommentatorin tätig, vor allem in Köln und Berlin. Für ihren ersten Kriminalroman HINTERHAUS gewann sie 2020 den renommierten Friedrich-Glauser-Preis für das beste Debüt.
 
Quelle: Eichborn Verlag 
 
Vielen lieben Dank an den Eichborn Velag für das  Rezensionsexemplar.
 

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