Montag, 20. August 2018

BÜCHERPOST im Juli ...

Hallo meine Bücherhochstapler,

die heißen Sommertage sind wohl jetzt rum und die Sonne küsst uns abends nicht mehr ganz so lang. Nun gut, ich brauche am Tag keine 36 Grad, aber ich fand die angenehmen Abende draußen mit Buch schon ziemlich schön. Nun benötige ich wieder Strickjacke und Socken, aber ich will nicht meckern. Klar gab es auch im Juli einige Neuzugänge und diese mag ich euch natürlich zeigen. Ein wirklich schöner bunter Mix aus Allerei, aber schaut doch mal hier:

Dexter, mein kleines Baby! 
(Ich fürchte, das wird er immer bei mir sein.)


 
Fangen wir doch traditionell mit dem Buchstapel vom Buchhändler an. "Die Morde von Pye Hall": Ich habe von dem Autor noch nix gelesen, aber besitze schon einige Bücher von ihm. Die Krimis klingen einfach genial, ich muss da mal ran. "High Dive" ist ein Mix aus Tatsachen und Fiction über den Anschlag auf Margaret Thatcher, das hat mich total interessiert und deshalb hatte ich das sogar vorbestellt. "Der Schatten" war auch vorbestellt und es gibt hier zu auch schon eine Rezension. Lange ersehnt, schnell verschlungen und für gut befunden. "Mama Tandoori" habe ich mir auf einer Lesung von Ernest van der Kwast gegönnt. Ich habe zwar auch seine anderen Bücher, aber das ist wohl eins seiner ersten Geschichten gewesen und seine Persönlichste. "Hilft auch bei Liebeskummer" ist ein Briefroman aus französischer Feder und klang absolut zauberhaft. Zu Hause ist mir dann aufgefallen, dass ich das Buch sogar auf meiner Wunschliste stehen hatte, allerdings das Hardcover und dieses trägt einen anderen Titel. Tückisch, oder?

 
Dieser Stapel sind Prämien von "Was liest du" gewidmet. Ich bin da ja von Anfang an Mitglied, aber die Prämien sind so selten, dass diese Drei, riesiger Zufall waren und vor allem drei Bücher, die mich auch interessierten. "Strafe" ist sogar relativ aktuell und ich mag unbedingt von diesem Autor was lesen, also habe ich sofort zugegriffen. "Acht Berge" ist mir letztes Jahr schon ins Auge gefallen, aber irgendwie nicht den Weg nach Hause gefunden. Immerhin von einem Italiener, ein Bestseller und überaus hübsch, tolle Prämie. "Förster, mein Förster" ist auch so ein Buch, was ich vom Cover her kenne, aber nicht in der Hand hatte. Aber mal ehrlich, so ein Roadtrip geht ja irgendwie immer. Das war doch ein richtig guter Fang!

 
Ein hübscher Stapel aus dem Jugendbereich. "Children of Blood and Bone" hier hat mich der Verlag vergessen und dann doch noch schnell das Ebook geschickt. War für mich absolut okay und dann fing ich an zu lesen und ich war total begeistert und da musste ich mir noch das Hardcover kaufen. Ja, ich bin irre! Aber lieb irre. Übrigens gibt es auch hierzu eine Rezension. "Undying: Das Vermächtnis" ist vom Autoren Duo Spooner/Kaufmann und diese beiden hatten mich schon mit einer anderen Reihe eingefangen, also muss ich das hier lesen. "Elian und Lira: Das Wilde Herz der See" kam ganz überraschend vom Verlag. Ganz lieben Dank! Allerdings bin ich sehr skeptisch und war erst gar nicht so angetan, nun kommen aber immer mehr positive Stimmen und somit sollte ich wohl doch den Ganzen eine Chance geben und reinlesen. Vielleicht ist es am Ende genau meins, wer weiß das schon ...lach...

 
Dieser Stapel ist ein bunter Mix aus Spannung und Gefühlen. "Bluthaus" ist der zweite Teil von Romy Fölcks Krimi Reihe und ich freu mich euphorisch darauf. Erscheint übrigens Ende September. "Walter muss weg" ist eine neue Reihe von Thomas Raab und allein der Titel ist doch schon Bombe. Das wird als Übernächstes gelesen, erscheint nämlich Anfang September. "Die Farben meines Herzens" ist auch Überraschungspost, auch hier vielen Dank. Bin mir aber irgendwie nicht sicher, ob es meins ist, obwohl das Cover recht hübsch ist, überzeugt mich nicht der Klappentext. Ich bin diesmal echt schlimm ... was! Aber ich freue mich über jede Überraschungspost, das ist ja auch ein großes Lob an einen, gell.

 
Dieser letzte Stapel hat mein Herz schon sehr erfreut und auf einen Schatz darf ich mich noch freuen. "Ins Dunkel" ist ein australischer Thriller und der zweite Band für Aaron Falk. Der erste Teil hatte mich absolut überzeugt und wie mir der Zweite gefallen hat, könnt ihr in meiner Rezension nachlesen. "Narren und Sterbliche" ist ein historischer Roman und eine Homage an Shakespeare. Diese Geschichte ist bildgewaltig, humorvoll und genausogut wie ein Theaterstück. Dieses Buch habe ich sehr lieb gewonnen und wie lieb, könnt ihr auch in meiner Rezension nachlesen. "Heilige und andere Tote" auf dieses Buch freue ich mich schon mega, es geht nach Irland und es wird bestimmt wieder schaurig schön. Dieser Buchschatz erscheint Mitte September, das solltet ihr euch vormerken.


Nun ist der Streifzug durch meine Juli Ausbeute schon vorbei und sind das nicht tolle Bücherschätze. Dieser wilde und bunte Mix wollte hier unbedingt einziehen und ist herzlich willkommen. Was mich besonders freut, ich habe schon einige davon begeistert gelesen. Der August läuft auch schon auf Hochtouren für mehr Bücher und wird mit Sicherheit nicht übersichtlicher ...hihi... aber was soll es, ich mag viele Bücher. Wie sah denn euer Juli aus? Ist eins meiner Bücher vielleicht auch bei euch eingezogen? Und welches möchtet ihr am liebsten sofort lesen? Ach, Bücher sind was Feines.  

Ganz liebe Grüße,
Eure, sich an ihren vorläufigen Leseplan haltende, Sharon 

Freitag, 17. August 2018

Rezension: Alessia Gazzola * Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube

Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Thiele   
ISBN-13:
978-3851794076 
Preis: 15,00 EUR
E-Book: 11,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2018
Übersetzer: Renée Legrand


 
Leseprobe? Kaufen? 



Inhalt:
Emma de Tessent sieht ihn ganz klar vor sich, den lang ersehnten Arbeitsvertrag der Filmfirma Fairmont. Endlich kann sie den Kittel der ewigen Praktikantin abstreifen und richtig durchstarten. Nur leider sind Träume auch manchmal Schäume und so steht Emma, am Ende ihres Praktikums auf der Straße. Gefrustet, verärgert und ihrem gewünschten Leben weit zurück, muss sie sich dem Arbeitsmarkt stellen. Allerdings ist diese Branche nicht einfach und so spielt das Schicksal ein anderes Spiel mit ihr. Aber wird Emma aufgeben? Nein, das steht ganz und gar nicht auf ihrem Plan. Eher schickt sie alle Filmproduzenten in die Hölle, auch den attraktiven Schnösel Pietro Scalzi, dessen Vorstellungsgespräch der Horror war. So geht Emma vielleicht ein paar Umwege, aber ihren großen romantischen Traum verliert sie nicht aus den Augen. Was wird Emma finden? Werden sich die Wege von Pietro Scalzi und Emma nochmals kreuzen? Und wird es für die Jane-Austen Liebhaberin ein Happy End geben?

Meinung:
Eine italienische Geschichte, die locker und leicht daher kommt und auch noch einen Aufkleber mit Bestseller trägt, ist mein Untergang. Dann muss ich das Buch natürlich lesen, ist ja fast Pflicht. Außerdem wer möchte nicht bei diesen Temperaturen in Rom sein, oder einfach das Leben genießen und seien wir ehrlich, wir wollen alle ein Happy End. Nun habe ich es gelesen, und ob es mich überzeugen konnte, erzähle ich euch nun.

Emma de Tessent ist eine arbeitsreiche und tüchtige ewige Praktikantin, die etwas naiv jahrelang an ihren Arbeitsvertrag glaubt. Dabei sollte sie es doch besser wissen, immerhin ist sie mit ihren exzellenten Uni-Abschlüssen überqualifiziert. Dazu kommt noch, dass es privat auch nicht so toll läuft, sie lebt mit ihren dreißig, immer noch bei ihrer Mutter und träumt von einer alten glyzininenbewachsenen Villa, die sie sich nie im Leben leisten kann. Außerdem hat sie eine Schwester mit zwei Nichten und einen Schwager, der es mit der Treue nicht so hält. Überall in ihren Leben herrschen somit Brandherde vor und ihr eigenes Leben läuft auch eher aus dem Ruder. Dabei hatte sie schon für die Firma fast Filmrechte von einem Autor in Sack und Pack, der nie verkaufen wollte. Aber auch das liegt jetzt auf Eis. Nun heißt es überlegen und neu orientieren.

Ehrlich gesagt möchte ich gar nicht mehr zum Inhalt verraten, genügend Stoff ist auf jeden Fall da und noch einiges mehr. Familiengeheimnisse, Verwünschungen, Ehebruch, Versteckspiel der Gefühle und, und, und. Also an Abwechslung mangelt es nicht, genug Stoff um erzählt zu werden. Dazu kommt noch ein lockerer, witziger und heiterer Schreibstil, dass man das Gefühl hat, nur so durch die Geschichte zu schweben. Und das ist der Punkt, sie kommt nicht wirklich glaubwürdig rüber, oft ist das Geschehen überzogen und zu dick aufgetragen. Außerdem ist die Portion Humor schon recht groß, dass es nicht immer mein Geschmack war. Was ich Schade fand, ist, dass alle Kapitel für sich standen und so die Geschichte etwas abgehackt wirkte. Auch war mir die Liebesgeschichte zu unterkühlt, es brodelte zwar, aber da hätte ich mir eine Portion mehr gewünscht. Die Leichtigkeit das Leben zu bestreiten und am Ende immer ein Licht zu sehen, herrscht hier vor und lässt den Tiefgang für die Figuren einfach außen vor, hier gibt es nur leichten Wellengang.

Nichtsdestotrotz hatte ich eine wirklich unterhaltene Lektüre, die perfekt zu den sommerlichen Temperaturen passt, und einen kurzweilig aus dem Alltag entführt. Locker und leicht, gut für zwischendurch, aber mehr nicht.
 
Henry und ich hatten heitere sonnige Lesestunden und vergeben dafür drei Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Alessia Gazzola, 1982 in Messina geboren, ist Chirurgin und Gerichtsmedizinerin. Sie reist, liest und kocht gerne. Mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Töchtern lebt sie in Verona. Sie schrieb erfolgreich Kriminalromane um eine Gerichtsmedizinerin bevor sie mit der Komödie Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube einen echten Coup landete. Das Buch wurde als moderner Jane-Austen-Roman gefeiert, eroberte die Herzen der Leserinnen im Sturm und war monatelang in den Top-Ten der italienischen Bestsellerliste.

Quelle: Thiele Verlag


Vielen lieben Dank an den Thiele Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Mittwoch, 15. August 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherabenteurer,

ihr habt von Spannungsromanen noch nicht genug! Dann habe ich vielleicht wieder was für euch. Wie wäre es mit einer skurrilen Gangstergeschichte. Einer Geschichte, die man sich auch gut als Fernsehserie vorstellen könnte. Einer Geschichte, die zwischen den Grauzonen von Schwarz und Weiß spielen. Wer also jetzt immer noch dabei ist, sollte sich das Buch hier mal genauer anschauen:
 

Safe
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 21.08.2018

Ricky Mendoza, genannt Ghost, ist Panzerknacker, der beste von L.A. Früher war er Gangster, jetzt knackt er für die Polizei die Safes der Banden. Doch Ghost plant einen Coup. Er will Geld abzweigen, sehr viel Geld. Nicht aus Eigennutz – das hätte er vielleicht getan, bevor er in der Krebsklinik Rose kennenlernte. Rose ist lange tot, Ghost wurde geheilt. Doch nun ist der Tumor zurück. Ghost wird sterben. Bis dahin will er den Bösen nehmen und den Armen geben. Ein Dead Man Walking.
Rudy Reyes, genannt Glasses, ist die rechte Hand des Drogenkönigs. Er hat eine solide Verbrecherkarriere hinter sich, aber er hat auch Familie in Mexiko, wo die Kartelle ganze Dörfer abschlachten. Glasses fühlt sich mitschuldig, er will ein neues Leben beginnen. Mit der Polizei arbeitet er seit längerem zusammen; gerade hat er eine Liste mit den Gelddepots der Gangs geliefert. Vielleicht ist auch er ein Dead Man Walking.
Über Umwege gelangt Ghost an die Liste. Er zögert nur kurz und setzt sich dann mit dem durchgeknalltesten Verbrecher in Verbindung, den er kennt: Es ist sein eigener Stiefbruder. Mit ihm zusammen will er den Coup durchziehen. Doch der Mob ist ihnen bald auf den Fersen. Schließlich steht Ghost dem Drogenkönig gegenüber. Alle wissen: Sterben muss Ghost so oder so. Und das gibt ihm die Macht, Bedingungen zu stellen.


Also mich reizt diese Geschichte wirklich sehr. Zum Einen finde ich es spannend, wie jemand, der nichts mehr zu verlieren hat, sein restliches Leben bestimmt. Zum Anderen finde ich den Robin Hood Aspekt irgendwie witzig. Die ganze Geschichte könnte richtig fett daher kommen und deshalb mag ich sie lesen, weil ganz ehrlich, gucken, würde ich sie auf jeden Fall. Was sagt ihr denn zum Buch? Wie findet ihr diese Gangstersache? Und habt ihr vom Autor schon was gelesen?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich schon mal das passende Gangsteroutfit heraussuchen gehende, Sharon

Dienstag, 14. August 2018

Rezension: Claire Messud * Das brennende Mädchen

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten 
ISBN-13: 978-3455003925
Preis: 20,00 EUR 
E-Book: 15,99 EUR 
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: August 2018
Übersetzer: Monika Baark 

 
Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Julia und Cassie. Cassie und Julia, zwei Mädchen und eine große Freundschaft. Sie fühlen sich wie Schwestern, benehmen sich wie siamesische Zwillinge und können sich ein Leben ohne einander nicht vorstellen. Unzertrennlich, draufgängerisch und unbeschwert erleben sie ihren letzten gemeinsamen Sommer, bevor sie die Schule wechseln und alles anders wird. Die Freundschaft verliert sich, obwohl nichts Schlimmes passiert ist, kann Julia sie nicht wieder finden, trotz ihrer Bemühungen. Aber was hat die beiden so verändert? Kannten sie sich wirklich so gut? Und wie erklärt sich Julia diese Freundschaft von damals?

Meinung:
Normalerweise hätte mich der Inhalt nicht ganz angesprochen, aber der Vermerk mit New York Times Bestseller und, und, und, sind einfach extrem verlockend. So was zieht am Ende doch bei mir und ich werde neugierig und nehme das Buch zur Hand. Das brennende Mädchen ist auch nun ausgelesen, aber ob ich schlussendlich auch für die Geschichte entbrannt bin, erzähle ich euch nun.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert und der Erste widmet sich den einen letzten Sommer, wo alles noch gut war. Da haben wir die besonnene und schlaue Julia. Die aus wohlerzogenem Hause kommt und deren Weg irgendwie schon gefestigt vorbestimmt ist. Dagegen steht Cassie, draufgängerisch und auch etwas übermütig, die von ihrer Mutter allein groß gezogen wird, da ihr Vater schon verstorben ist. Tja, und wo man jetzt schon weis, wie auch ihr Leben aussehen wird. Beide kennen sich ewig, beide haben den festen Glauben, dass es ein Leben ohne ihre Freundschaft nicht geben wird, da es einfach undenkbar ist. So stromern sie durch die Gegend, erzählen sich Geheimnisse und suchen sich einen Platz, nur für sich. Es ist die Zeit, wo die Zukunft in weiter Ferne liegt und man sich einfach nicht vorstellen kann, dass sich der gegenwärtige Zustand je ändern wird. Die Beschreibungen der Autorin lassen einen selbst die jugendliche Naivität nochmals nachspüren und Erinnerungen wach werden. Tja, und man spürt schon, was kommen wird.

Der zweite Teil widmet sich dann dem Umbruch. Julia ist eine schlaue Schülerin, die an der weitergehenden Schule direkt gefördert wird und deren Leistungen mit denen von Cassie weit auseinanderliegen. So kommt es, das beide in der Schule wenig Miteinander zu tun haben und sich die Freundinnen immer weiter entfernen. Während Julia an der Freundschaft festhält und sich irgendwie bemüht, ändert sich der Wirkungskreis von Cassie ganz gravierend, ihre Interessen gelten nun mehr Partys und Jungs. Schnell ist zu spüren, dass die einstige Unbefangenheit, in Bemühen und Unnahbarkeit umschlägt. Dabei ist bei dem beiden gar nix passiert, nur der Lebensweg hat sich extrem verändert und gerade in der Zeit des Heranwachsens, kann dieser auch Freundschaften lahmlegen. Und so schlittern wir auch direkt in den dritten Teil, wo sich alles noch einmal verschärft und die Konturen an Härte und Klarheit gewinnen. Wie gut kennen wir unseren gegenüber und können wir ihm auch noch helfen, wenn wir nicht mehr so wirklich wissen, wie dieser tickt? Julia muss einiges lernen, was das Heranwachsen so mit sich bringt.

Claire Messud nimmt sich einer Freundschaft an und lässt uns den Wandel von Zeit und Raum miterleben. Dabei gewährt sie uns Einblicke in unsere eigene Jugend und Wahrnehmung. Wo wir einst dachten, da passt kein Blatt zwischen uns, wird ein klaffender Abgrund draus. Wege, die ganz klar, in die gleiche Richtung gehen, biegen Kilometer weit voneinander ab und es ist die Frage, lohnt sich die Kraft dran festzuhalten? Diese Erfahrung mussten wir bestimmt alle schon mal machen und es tut weh, loslassen zu müssen. Sich von dem Gefühl, der Unsterblichkeit einer Freundschaft zu lösen und nicht dran zu zerbrechen. Aber nicht nur das ist Thema dieser Geschichte, da stecken noch einige andere zwischenmenschliche Dinge drin und die Erfahrung, der erste Blick bedeutet nicht, jemanden wirklich zu kennen. Und wie genau schau ich hin und wie interpretiere ich Schicksale besser.

Die Autorin beschreibt ruhig, ausdehnend und intensiv von dieser Freundschaft und den auf- und ab‘s derer. Dabei steht ganz klar Julia mit ihrer Sicht im Mittelpunkt. Und jetzt muss ich was gestehen, mir fallen solche Geschichten immer im ersten Moment sehr schwer, da ich nicht weiß wohin soll das führen, was will uns der Autor sagen. Somit kann ich nicht immer das Gelesene genießen und suche nach dem großen Ganzen. Das befindet sich aber hier in der Erzählung und kommt oft etwas zu lang und ausschweifend daher, obwohl es kein langes Buch ist. Was mein Geschmack betrifft, war es mir einfach zu unaufgeregt, schön zu lesen, aber dadurch, dass es kaum Fahrt aufnimmt, etwas zäh zu lesen. So ist es etwas für schöne Sommertage mit Zeit.

Das brennende Mädchen ist eine Geschichte über die Freundschaft und das man diesen Veränderungsweg nicht immer aufhalten kann. Toll, sehr lebensklug erzählt, aber auch mit einigen Längen.
 

Henry und ich hatten erwachende Kindheitserinnerungen und vergeben dafür vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Claire Messud, geboren 1966, stammt aus einer kanadisch-französischen Familie und wuchs in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien auf. Sie studierte an der Yale University sowie an der Cambridge University. Ihr Großstadtroman Des Kaisers Kinder war ein weltweiter Erfolg. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Colleges und ist mit dem britischen Literaturkritiker James Wood verheiratet; das Paar hat zwei Kinder und lebt in Washington, D.C. und in Somerville, Massachusetts.


Vielen lieben Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Freitag, 10. August 2018

Rezenion: Jane Harper * Ins Dunkel


Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13:
978-3499274732
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 2. Fall
Erscheinungsdatum: Juli 2018
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann 




Inhalt:
Aaron Falk ist zurück in Melbourne und steckt bis zum Hals in Arbeit. Er und seine Kollegin sind einer korrupten Firma, wegen denn Verdacht der Geldwäsche auf der Spur und höllisch unter Druck. Da kommt es natürlich gar nicht gut, dass ihre Informantin sich auf einer betrieblichen Wanderung befindet. Alice Russel kennt nämlich nicht nur die Machenschaften der BaileyTennants, sondern auch die dunklen Geheimnisse ihrer Mitstreiterinnen. Noch schlimmer wird es allerdings, als Alice in der Wildnis zurückbleibt und nur ihre vier anderen Kolleginnen wieder auftauchen. Wo ist Alice? Was ist dort draußen in der grünen Wildnis passiert? Und wie kommt jetzt Falk an die notwendingen Verträge dran?

Meinung:
Nach ihren beeindruckendem Debüt legt die Autorin Jane Harper nun den zweiten Fall für Aaron Falk vor. Was soll ich sagen, nachdem mich Teil eins so begeistert hatte, ist es ja wohl naheliegend das ich unbedingt auch Teil zwei lesen wollte. Diesmal soll Falk auch wirklich in seinem Metier agieren und doch wird er wieder mit ungeahnten Problemen konfrontiert. Ob mich der zweite Fall auch begeistern konnte, erzähle ich euch nun?

Aaron Falk ist aus der Vergangenheit zurück und wieder an Ort und Stelle in der Gegenwart, aber die alten Geister lassen ihn auch immer noch nicht in Ruhe. So lebt er noch allein und pflegt bis auf seinen Job, keine weiteren großen Kontakte. Aber nun hat er eine Kollegin und diese durchschaut seine ruhige Art auf eine ganz besondere Weise. So bekommen wir nicht nur einen neuen Fall zu sehen, sondern schreiten mit Aarons Neufindung weiter voran.

Wirklich beeindruckt hat mich auf dem Klappentext der erste Satz: „Grausamer als die Natur, ist nur der Mensch.“ Und gleichzeitig auch daran erinnert, wie grausam man seinem gegenüber sein kann. Das nimmt sich die Autorin, hier auch wirklich vor, in die Abgründe von Schicksalen zu schauen und uns sogar mitzunehmen. Der Ausgang der Geschichte ist nämlich, dass die besagte Firma mit ihren Angestellten eine Trekkingtour macht und nach vier Tagen Wildnis, sollen sich alle besser kennen und ein Team sein. Bei der Männertour sind zumindest alle an dem Treffpunkt nach vier Tagen wieder aufgetaucht, aber die Frauen lassen auf sich warten. Irgendwann sind auch diese da, zwar am falschen Ort, aber da, nur halt völlig aufgelöst, verletzt und eine fehlte. Ausgerechnet die Informantin von Aaron Falk. So kommen diese Ermittler überhaupt ins Spiel und an den Ort des Geschehens, in die grüne Hölle.

Jane Harper erzählt ziemlich geschickt ihre Geschichte in zwei Zügen. Erst kommen die Ermittlungen von Aaron Falk dran und dann erfahren wir in Rückblenden aus verschiedenen Sichten, was sich wirklich auf dieser Tour zugetragen hat. Das alles hat einen perfekten Effekt, man spekuliert nämlich immer mit. Diese fünf Frauen haben nämlich alle ihr Päckchen zu tragen, und da jede zu Wort kommt, enthüllen sich immer mehr Unstimmigkeiten, Zwietracht, Hass und Macht. Hier stimmt es wirklich, Frauen können unglaublich grausam sein. Durch diese Konstellation ist auch wirklich jede verdächtig und man fragt sich auch ständig, was ist passiert. So erleben wir erst ein heiter erzwungenes Aufbrechen, dann verlaufen sie sich und je mehr passiert, umso mehr brodelt es an der Oberfläche. Schuld, Unfähigkeit und persönliche Abneigung lassen sich in der Wildnis immer schlechter verstecken und die Masken fallen Stück für Stück.

Diese Autorin kann einen wirklich atmosphärisch einfangen und dann so geschickt einflechten, dass man selbst mittendrin steht. Man kann wirklich die Wildnis und die streitenden Furien sehen und dieses Intermezzo hat mir richtig gut gefallen. Die Ermittlungen selber blieben ehrlich gesagt etwas blass zurück, was mich aber nicht gestört hat. So waren die Befragungen interessant und das zwischen den Zeilen lesen auf jeden Fall spannend genug, dass man schnell weiterlesen wollte. Welchen Faden ich aber wirklich überflüssig fand, war die des Sohns des Serienmörders, das sollte für Verwirrung sorgen, aber kam mir echt zu lahm rüber und manche Fäden sollten einfach ruhen.

Ins Dunkel ist nicht nur der Weg in den grünen Dschungel, sondern auch die Sicht in die menschlichen Abgründe. Jane Harper hat hier geschickt erzählt, einen tollen Erzählbogen gewählt und einen richtig gut unterhalten. Ich mag ihren Aaron Falk und freu mich auf den nächsten atmosphärischen Fall in Australien.


Henry und ich mögen einfach diesen Ermittler und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Jane Harper ist Journalistin beim Herald Sun. Sie lebt in Melbourne. Mit ihrem Erstling «Hitze» gewann sie den wichtigsten britischen Krimipreis, den «Gold Dagger».

Quelle: Rowohlt Verlag

Aaron Falk - Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Jane-Harper/Hitze_lid_34809223.html?storeID=barbers

1. Teil I Rezension 


Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Mittwoch, 8. August 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherseitenumblätterer,

es ist ja so schwer gutes Personal zu finden! Kennt ihr diesen Ausspruch. Also ich kenne ihn nur aus entsprechenden historischen Filmen oder aus Geschichten mit gut betuchten und versnobten Figuren. Aber es ist jedes Mal herrlich mit anzusehen, wie die Bediensteten leise durchs Haus schleichen, jeden Wunsch erfüllen und doch ganz ärmlich Leben. Dabei haben sie Einblicke in Familiendramen und Geheimnisse. Eine eigene Welt sozusagen und irgendwie sehr interessant, wenn auch noch ein Toter dabei drin vorkommt, oder? Dann schaut mal hier, ob es euch auch anspricht:
 

Ich war Diener im Hause Hobbs
Verlag: KiWi
Erscheinungsdatum: 16.08.2018

»Es war ein schlampiger Tag. Dies ist eine einfache Geschichte.«

Es war Christian, der Diener der Zürcher Anwaltsfamilie Hobbs, der den Toten im Gartenpavillon neben der blutbespritzten Chaiselongue fand. Jahre später blickt er zurück und versucht zu verstehen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Erinnerungen an seine Jugend im österreichischen Feldkirch drängen sich scheinbar zufällig in die Rekonstruktion: Vier genialisch provinzielle Jungs rezitieren am sommerlichen See in sagenhaften Anzügen Zweig und Hesse, haben ihre ganz eigene Theorie zu Frauen mit Locken und das gute Gefühl, dies alles wäre erst der Anfang. Christian erzählt vom Auseinanderdriften der Freunde, von seinen ersten Jahren im Hobbs’schen Haushalt, von verwirrenden nächtlichen Zimmerbesuchen, liebevoll inszenierten Familienporträts und dem fatalen Moment, als die einnehmende Hausherrin seinen alten Freunden begegnet. Und während er die Untiefen der eigenen Schuld auslotet, kommt er einem großen Geheimnis auf die Spur.


Hier scheint also der Butler nicht der Täter zu sein, aber so ganz ohne Schuld ist er auch nicht. Ich mag solche Geschichten, die mit Doppelzüngigkeit erzählt werden, die mit dem Schein spielen und einen um die Ecken gucken lassen. Deshalb ist es sofort auf meine Wunschliste gelandet und muss näher ins Auge gefasst werden. Was sagt ihr dem zum Buch? Mögt ihr solche Geschichten? Oder müssen es die guten alten historischen Schmöker sein? Und was sagt ihr zum Cover? Ausgesprochen hübsch, finde ich.

Ganz liebe Grüße
Eure, den Staubwedel schwingende, Sharon

Montag, 6. August 2018

Rezension: Tomi Adeyemi * Children of Blood and Bone: Goldener Zorn


Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Verlag: FJB
ISBN-13:
978-3841440297
Preis: 18,99 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/3
Erscheinungsdatum: Juni 2018
Übersetzer: Andrea Fischer


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Inhalt:
Zélies Welt ist von Angst und Armut durchwandert. Einst gehörte Magie zu ihr, aber das wurde ihrem Volk vom König genommen, seit der Blutnacht werden sie alle geknechtet und leben am Rande der Gesellschaft. Aber Zélie ist eine Kämpferin und will sich diese Ungerechtigkeit nicht gefallen lassen. Mit dieser Einstellung ist sie immer wieder eine Belastung für ihren Vater und ihrem Bruder und so versucht sie sich einzuschränken, um nicht noch mehr aufzufallen. Auf dem Markt fällt ihr allerdings eine Flüchtige in die Arme, und obwohl Zélie gerade geschworen hat, ruhiger zu werden, kann sie diese arme Elende nicht hängen lassen und gerät somit erst recht ins Fadenkreuz. Ohne es zu ahnen, hält Zélie durch ihre Rettung ein wichtiges Artefakt der Magie in den Händen und hat die Möglichkeit, diese neu zu erwecken und ihrem Volk die Hoffnung wieder zugeben. Wird Zélie dieses Abenteuer antreten? Kann sie der Arme des Königs entfliehen, vor allem dem Kronprinzen? Und wird die Magie wieder belebt werden?

Meinung:
Dieses Buch ist schon vorab ein absoluter Hype, auf der Bestsellerliste ganz oben und sogar schon in Verfilmung für die Kinos. Aber ist es das auch wirklich wert, warum geht so eine Welle durch die Medien? Das waren meine Fragen und ich glaube, es ist die Begründung der Autorin. Sie konnte die Nachrichten nicht mehr anmachen, ohne die ständigen Horrornews über polizeiliche Gewalt gegenüber Schwarzen. Sie selbst ist nigerianischer Herkunft und in ihr keimte der Wunsch nach Gerechtigkeit und somit zu dieser Geschichte. Sie wollte ein Fantasyroman schreiben, mit einer Botschaft gegen Rassismus und Unterdrückung. Lassen wir es mal dahingestellt sein, ob sie auch wirklich mit ihrer Botschaft ankommt, aber gelesen wird diese Geschichte auf jeden Fall. Ich konnte mir nicht wirklich was darunter vorstellen und bin recht unvoreingenommen ans Buch rangegangen. Wie und ob es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte spielt in einer Welt, die sich Orisha nennt und in dieser Welt, sind die Menschen schwarz, was durch ständige Benennung lebendig im Kopf des Lesers erhalten bleibt. Es gibt einen König, der durch seine grausamen Art, ein ganzes Volk fast niedergemetzelt hat, um die Magie auszumerzen und lässt die übrig gebliebenen im Staub dahinvegetieren. Man kann diese Ausgestoßenen recht gut erkennen, denn sie tragen weißes Haar. Aber die Magie ist nicht ganz weg und das macht den König unruhig, denn die magischen drei Artefakte lassen sich nicht zerstören und der Widerstand ist spürbar. Und da kommen wir zu unserer Hauptprotagonistin Zélie.

Zélie ist eine Kämpferin, sie versucht stark zu sein und will gegen die Ungerechtigkeit kämpfen und sich auflehnen. Allerdings bringt sie dadurch immer den Rest ihrer Familie in Gefahr. So versucht sie, ihnen zuliebe einen Gang runter zu schalten, allerdings zieht Zélie ungünstige Situationen förmlich an. Das Chaos bricht einfach in ihrer Umgebung immer aus, egal wie sie sich verhält. Sie ist eine starke Persönlichkeit und sehr impulsiv, wie gut ist es da, dass ihr großer Bruder immer im Hintergrund steht und auf sie aufpassen möchte. Allerdings ist er diesem Unterfangen nicht immer gewachsen. Durch den Tod der Mutter und dem gebrochenen Vater hängen die beiden Geschwister sehr aneinander und so geht der Bruder natürlich mit auf ihre Abenteuerreise.

Ich möchte gar nicht mehr zu den Figuren verraten, denn nicht nur Zélie und ihr Bruder gehören zu den Hauptfiguren, sondern auch ein anderes Geschwisterpaar, was nicht unterschiedlicher sein könnte. Die Autorin spielt hier mit den Gegensätzen, arm gegen reich, freier Wille gegen manipulative Ansichten, Hoffnung gegen Pflichterfüllung. Allein das hätte der Gesichte gereicht, aber hier muss die Autorin auch noch die Liebe mit einfließen lassen. Zwei Geschwisterpaare, zwei Lieben, für meinen Geschmack hätte eine gereicht, und zwar die ruhiger und leicht anbahnende. Diese fand ich schön zu lesen, das knistern zu hören und doch nicht so zu können, wie man möchte, da Welten zwischen zwei Menschen stehen. Zélie dagegen bekommt zuerst eine Hassliebe, dann überbrodelt und überschwappt alles, um dann jegliches Gefühl zu vernichten. In meinen Augen hätte es die Geschichte gar nicht gebraucht, da diese beiden Figuren schon allein, einen Kampf auszutragen hatten.

Aber was soll ich zum Rest der Geschichte sagen, sie war atemberaubend. Klar, nicht wirklich was Neues vorhanden, aber unglaublich fesselnd, mitreißend und absolut magisch geschildert. Dieses Setting war so atmosphärisch und bildlastig geschildert und allein die starken Figuren machten mir diese Geschichte zu einem absoluten Genuss. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen und bin wirklich durch die Seiten geflogen. Eine spannende Szene folgte der nächsten, und wenn man denkt, man kommt zum Luft holen, ereilt einen schon die nächste actiongeladene Begegnung von Gut und Böse. Hier kommt alles Drin vor, Entwicklung der Hauptfiguren, ein Spannungsbogen, der zum Zerreißen gespannt ist, Intrigen vom Feinsten, aber auch Gewalt und Verrat. Die Autoren mischt das alles gut zusammen und lässt uns zwischen brutalen aber auch zarten Szenen hin und her pendeln, außerdem hat sie ein ziemlich spekulierendes Ende hingelegt, so dass man einfach weiter lesen muss.

Children of Blood and Bone ist ein Wahnsinns Auftakt, der überrascht, mitreißt und einen atemlos zurücklässt, wie eine Achterbahnfahrt aus bangen und hoffen!
 
Henry und ich wurden richtig magisch an den Lesesessel festgebunden und vergeben dafür die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 

Tomi Adeyemi, geboren 1993, ist eine amerikanische Autorin nigerianischer Herkunft. Von ihren Wurzeln hat sie sich zum stärksten Fantasy-Debüt der letzten Jahre inspirieren lassen, das direkt auf Platz 1 der »New York Times«-Bestsellerliste einstieg. Nachdem sie ihr Literaturstudium in Harvard erfolgreich abgeschlossen hatte, widmete sie sich der westafrikanischen Mythologie und Kultur. Gerade schreibt sie am zweiten Band der »Children of Blood and Bone«-Trilogie.

Quelle: S. Fischer Verlag 

Vielen lieben Dank an den FJB Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

Sonntag, 5. August 2018

Rezension: Theresa Hannig * Die Optimierer

Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe  
ISBN-13: 978-3404208876  
Preis: 10,00 EUR
E-Book: 8,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: September 2017 



Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Samson Freitag genießt den Luxus, mit dem eigenen Auto zum nächsten Termin zu fahren. Dort wartet nämlich seine nächste Beratung auf ihn, eine junge Frau, deren beruflichen Wünsche sich durch ihn verwirklichen sollen. Samson Freitag ist nämlich Lebensberater und hält sich strikt an das Protokoll. Alle ihn vorliegenden Informationen hat er schon ausgewertet, er wartet nur noch das Gespräch ab, um der jungen Frau sein Urteil vorzutragen. Das Urteil fällt nicht positiv für die junge Frau aus und genau dieser Fall, soll Samson noch nach verfolgen. Er steht nämlich kurz vor der Beförderung und es fehlen ihm nur noch ein paar Punkte, da hat sein Leben etwas anderes vor. Es steuert nämlich immer mehr den Abgrund entgegen und das System setzt alles daran, ihn zu optimieren. Was hat Samson angestellt? Wieso gleiten ihm alle Fäden aus den Händen? Und was wird das System mit ihm machen?

Meinung:
Ein Debüt, was schon mehrfach ausgezeichnet wurde und was sich unser Buchklub ausgesucht hat. Mich hatte die Inhaltsangabe ein bisschen an Georg Orwells 1984 erinnert und das war nicht wirklich meine beste Schullektüre, also war ich gespannt, wie mir diese Zukunft gefallen würde. Tja, und ob sie mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Vielleicht ist es ganz gut, wenn man kurz vorab auf den Rahmen der Handlung eingeht. Wir leben im Jahr 2052, die Bundesrepublik Europa hat sich vom Rest der Welt abgekapselt. Der Wohlstand ist für alle Bürger gesichert und es gibt für jeden ein Grundeinkommen, aber auch die eigenen Fähigkeiten zur Verwirklichung stehen zur Verfügung. Damit man den besten Beruf für sich findet, gibt es vom Staat die Agentur für Lebensberatung. Diese Organisation überwacht jeden Einzelnen in der Gesellschaft, damit jeder den richtigen Platz findet. Außerdem gibt es ein soziales Punktesystem, was besonders engagierte Bürger auszeichnet. Außerdem wird jeden alleinstehenden Haushalt ein hoch entwickelter Roboter zur Seite gestellt, damit für Sicherheit und Wohlgefühl gesorgt ist. Hier merkt man doch schon ganz hervorragend, dass der Staat alles dafür tut, seine Bevölkerung zu überwachen.

Samson Freitag ist ein Musterbeispiel am perfekten Bürger. Er hat immer seine Punkte im Blick, hält sich an die Regeln und versucht jeden als gutes Vorbild voranzugehen. Allerdings fragt man sich schnell, hat der Typ auch eine Persönlichkeit? Ist er so in seinem Regelsystem gefangen, das er seine Umwelt gefühlsmäßig gar nicht wahrnimmt. Und dann passiert diese Beratung und alles fängt an zu kippen. Denn sein Urteil hat fatale Folgen, es ist wie, wenn ein Dominostein umfällt und alles mitreißt. Und plötzlich steht Samson da, am Abgrund und versucht alles Mögliche um aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen. Aber je mehr er kämpft und je mehr er sich bemüht, wird es nur noch schlimmer. Sein heiß geliebtes System, wonach er lebt und was seine absolute Überzeugung hat, lässt ihm im Stich und macht ihm das Leben zur Hölle.

Es ist schon eine Neuauflage vom „Big Brother is watching you“ und so sehr erschreckend. Natürlich ist das ganze Szenario an unsere Zeit angepasst und es entsteht einfach ein mulmiges Gefühl beim Lesen. Allein dieses sozial Punkte System macht absolut Angst, wenn man hört, das so etwas seit 2017 in China auch existiert. Außerdem fallen einem viele kleine Dinge im Buch auf, die man selber im Hier und Jetzt tätigt und so bekommt das alles eine Realität, die erschreckt. Hier herrscht ein System vor, was alle überwacht und das hört nicht vor der Haustür auf, nein, es geht noch viel weiter. Dann noch der Protagonist, der absolut unsympathisch rüber kommt und das auch so sein muss. Er ist eigentlich nur eine Hülle der Gesellschaft, freier Wille Fehlanzeige und immer schön auf der richtigen Spur bleiben. Eine Freundin hat er nur wegen der sozialen Punkte und der Gedanke über einen Heiratsantrag hat in seinem Leben nichts mit Liebe zu tun, sondern das weitere Aufsteigen im Punkteranking. Ganz ehrlich es rüttelt an einem und erschreckt, es macht einen oft sprachlos und lässt einen die Gänsehaut den Rücken hinablaufen, wenn man parallelen im eigenen Leben findet.

Theresa Hannig hat hier wirklich einen tollen Plot entworfen, hat den Albtraum gut inszeniert und dabei sogmäßig geschrieben. Man bleibt trotz der Sympathielosigkeit an Samson dran und will wissen, wie es endet. Tja, und hier war sie wirklich ziemlich schnell und sehr überraschend, sodass es nach einem zweiten Band schrie. Und wie ich jetzt auch weiß, wird wohl noch ein zweiter Teil folgen.

Die Optimierer ist ein wirklich tolles Debüt, was eigentlich den Klassiker „1984“ reloadet hat. Oder eine Folge wie in Black Mirror ist, nur eben halt in Buchform und die eigene Fantasie, ist oft noch schlimmer. Verdammt erschreckend, aber fesselnd und unglaublich besorgniserregend, lässt es einen zurück. Die Zukunft kommt, hoffentlich nicht diese.
 
Henry und ich hatten so oft das Gefühl im falschen Film zu sein, da die Realität so nah ist, dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:

Theresa Hannig wurde 1984 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Philosophie und VWL und arbeitete als Softwareentwicklerin, Beraterin für IT-Sicherheit und als Projektmanagerin von Solaranlagen. Mit ihrem Debütroman Die Optimierer gewann sie den Stefan-Lübbe-Preis 2016. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Nähe von München.