Mittwoch, 28. September 2022

Rezension: Romy Fölck * Die Rückkehr der Kraniche

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13: 
978-
3805201025
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2022  

 
 
 
 
Inhalt:
Grete geht auf die fünfzig zu und lebt noch mit der Mutter Wilhelmine im Familienhaus zusammen. Nicht immer einfach, denn die alte Dame ist stur, hartnäckig und lässt sich nix sagen. Aber die Gesundheit macht nicht mehr so mit und so kommt es, dass sie ins Krankenhaus muss. Der Zustand ist bedenklich und so kommt die erfolgreiche jüngere Schwester Freya aus Berlin angerauscht und sogar Gretes Tochter Anne kommt nach Hause. Nun sind alle Hansen-Frauen unter einem Dach und das führt zu einigen Eskalationen. Vergangenheitsbewältigung, Enttäuschungen, Missverständnisse werden nun auf den Tisch gebracht, denn es ist einiges im Unklaren bei den Frauen. Aber was ist den Frauen passiert? Warum können sie nicht miteinander offen sprechen? Und welche Geheimnisse liegen zwischen ihnen?

Meinung:
Bis jetzt habe ich, glaube ich, zumindest alles von dieser Autorin gelesen und liebe ihre Krimis sehr. Sie hat einfach ein gutes Händchen für Spannung, Figuren und Timing, perfekt abgestimmt und eine Garantie für gute Lesestunden. Nun hat Romy Fölck einen Familienroman geschrieben und ganz klar muss ich diesen auch lesen. Vier starke Persönlichkeiten unter einem Dach, das kann eine explosive Mischung werden und ich bin sehr gespannt gewesen. Ob ich auch hier auf meine Kosten gekommen bin, erzähle ich euch nun.

Grete ist die älteste Tochter und hält die Familie zusammen. Sie ist diejenige, die sich selbst zurücknimmt, für jeden ein Ohr hat, die Gastgeberin spielen muss und ihre Träume hintanstellt. Ruhe und Zufriedenheit findet sie in ihren Beruf als Vogelwartin, aber selbst dort ziehen Gewitterwolken auf und ein Umbruch steht an. Da kommt es sehr ungelegen, dsas die Gesundheit der Mutter schlappmacht äußerst ungelegen.

Wilhelmine ist eine starke Frau, packt alles selbst an, lässt sich nichts sagen und kann mit Gefühlen nicht gut umgehen, erst recht nicht zeigen. Das sie nun im Krankenhaus ist, missfällt ihr sehr und das Personal kann sie zum Dringenden bleiben nicht überreden. Sie will nach Hause und ihr läuft die Zeit davon, um einige Sachen richtig zu rücken.

Freya ist eine Karrierefrau, wohnt im Berlin und wird gerade von ihrem Lebenspartner verlassen. Die letzte Chance auf Kinder und eigene Familie rinnt ihr durch die Finger. Aber es muss weitergehen und die Zügel müssen fest in den Händen gehalten werden, bis dieser Anruf von Grete kommt und sie alles stehen lässt und in die Vergangenheit fährt. Eine Vergangenheit mit vielen abgebrochenen Brücken, die immer noch eine Rolle spielen und auf sie warten.

Anne ist Gretes Tochter und Wilhelmines ein und alles, deshalb kommt auch sie direkt mit dem Zug aus Bremen angerauscht und lässt ihr Studium zurück. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist schwierig, sie möchte immer noch erfahren, wer ihr Vater ist und stößt immer auf Granit, obwohl sie auch gleichzeitig das Gefühl hat, das ihre Mutter ihr immer was verschweigt. Mit ihrer Tante kommt sie prächtig aus und kann sich auch mit ihren Geheimnissen an sie wenden. Nun sind alle unter einen Dach, und das wird eine sehr interessante Zeit für jeden von ihnen.

Familienromane sind eigentlich nicht so meins, obwohl ja jeder eine hat und somit immer genug Gesprächsstoff. Viele wünschen sich eine heile Familie, ein Rückzugsort, ein Auffangen, ein Verstehen, so wäre es ideal, aber so funktioniert es meistens nicht. Es steckt auch viel Arbeit drin, sich selbst zurückstellen und den anderen zu verstehen, für mich ist Familie mit vielen Enttäuschungen verbunden und so meide ich es, über welche zu lesen. Aber Romy Fölck bringt mich in ihrem Buch wieder in die Marsch und das ist sehr heilsam. Die Naturbeschreibungen, die Vogelbeobachtungen und allein die Beschreibungen der unterschiedlichen Ruftöne sind Balsam für die Seele und so kommt man Grete näher als geahnt. Sie ist der Dreh und Angelpunkt in der Geschichte und mit ihr fühlt man sich auch verbunden. Eine Frau, die immer für die Mutter da sein musste, die ihre Schwester mit aufgezogen hat und deren Schmerz, als sie sie urplötzlich verlies, immer noch nicht nachlässt und die eigene Tochter, der sie vieles vorenthalten muss und unter deren Abweisung sie sehr leidet, das alles geht beim Lesen sehr nah und lässt sich gut mitfühlen. Aber auch die anderen Figuren kommen nicht zu kurz und ihre Sichten berühren, verwirren und man ahnt, welche Geheimnisse in jeder schlummern.

So erzählt Romy Fölck sehr ruhig, fast melancholisch von diesen vier Frauen, lässt uns selber über Ungesagtes und Missverständnisse nachdenken und wie man darauf am besten reagiert hätte. Eine Geschichte über Verzeihen, Neuanfang und sich neu reflektieren und die Erkenntnis, es ist nie zu spät, um miteinander zu reden. Eine wehmütige, Natur belassene und schöne Geschichte, die perfekt in den Herbst passt und einen eine gute Zeit schenkt.

Die Rückkehr der Kraniche ist ruhig, nostalgisch und naturbehaftet. Ein Roman über die Missverständnisse im Leben, die oft zu tiefen Abgründen führt, weil man nicht drüber spricht. Richtig schöne Herbstunterhaltung.
 
Henry und ich haben diese herbstlichen Lesestunden genossen und dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 

 
Romy Fölck wurde 1974 in Meißen geboren. Sie studierte Jura und arbeitete viele Jahre in der Wirtschaft. Mit Mitte 30 entschied sie, ihrem Traum, Schriftstellerin zu sein, eine Chance zu geben. Sie kündigte Job und Wohnung in Leipzig und zog in den Norden. Hier lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und dem zugelaufenen Huhn Helga und schreibt Romane in einem Haus zwischen Deichen und Apfelbäumen an der Elbe.
 
 
Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.   
 

Dienstag, 27. September 2022

Rezension: Lynn Messina * Mord in bester Gesellschaft

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Thiele Verlag
ISBN-13:
978-3851795097 
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: Juli 2022
 

Übersetzer*in: Karl-Heinz Ebnet
 
 
 
 
Inhalt:
Miss Beatrice Hyde-Clare ist seit ihrem fünften Lebensjahr Vollwaise und auf die Güte ihres Onkels und seiner Familie angewiesen. Leider ist ihr Aussehen nicht so überflutend, das man sie für eine gute Partie hält, und so gilt sie schon mit sechsundzwanzig als alte Jungfer. Sie schmiegt sich in ihr Schicksal, was bleibt ihr auch anderes übrig und macht das, was ihre Tante wünscht, sie bleibt unsichtbar. Beatrice hält sich zurück, bleibt eher stumm und im Hintergrund und liebt Bücher. Und das wird ihr zum Verhängnis. Ihr geht nämlich der Lesestoff aus und so sucht sie nachts die Bibliothek auf, um für Nachschub zu sorgen und stolpert dabei über eine Leiche. Aber nicht nur der Tote ist anwesend, sondern auch der Arrogante von sich überzeugte Duke of Kesgrave. Ist er der Täter? Soll sie ihre Unsichtbarkeit abstreifen und zur Detektivin werden? Und ist der Duke ein guter Ermittlungspartner?

Meinung:
Wir alle sind seit Netflix die „Bridgerton“ populär gemacht hat im Regency-Zeitalter Fieber. Was ich schon beachtlich finde, da die Romane ja eher als Liebesklatsch und Kitsch abgetan werden. Mit Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt, was die Filmcrew aus dem ursprünglichen Stoff gezaubert hat, durchaus etwas Zeitnahes. Aber hier steht nicht die Liebe im Vordergrund, sondern Mord und ich bin gespannt, ob mich Beatrice überzeugen kann. Ob mir also diese Mischung gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Beatrice Hyde-Clare ist eine junge Frau, die sich keiner Verträumtheit hingibt, sondern sich ihrer Position in der Gesellschaft durchaus bewusst ist. Sie ist nur ein geduldetes Mündel und hat so zu funktionieren, wie sich ihre Gönner das wünschen. Und da sie keinen Galan auf der Tanzsaison abgegriffen hat, muss sie sich noch mehr bemühen und unsichtbar bleiben. Unsichtbar sein ist ihr ganz großes Talent, sie hält sich gern im Hintergrund, beobachtet ihre Umgebung und amüsiert sich köstlich mit sich selbst. Bloß nicht auffallen, der Tante Schaden einbringen und sich stundenlange Vorträge über Betragen anhören. Dabei ist sie keine einfältige dumme Gans, nein, sie liest alles, was ihr unter die Finger kommt und ist durch aus als intelligent zu bezeichnen, auch wenn sei ab und an Flausen im Kopf hat. Nun ist sie also auf diesen Landsitz, wohin ihre Tante von einer alten Schulfreundin eingeladen wurde und möchte einen weiteren Gast, nämlich den Duke of Kesgrave alle Törtchen dieser Erde an den Kopf werfen für seine Arroganz und Überheblichkeit. Das sie ausgerechnet in der Nacht den Duke in der Bibliothek trifft und das auch noch über eine Leiche gebeugt ist der Beginn ihres Schlagabtausches, der aus Fremden Detektivpartner macht.

Lynn Messina hat wohl mit ihrer Figur Beatrice Hyde-Clare eine Figur geschaffen, die sich großer Beliebtheit bewährt, denn in Amerika gibt es schon 10 Bände über diese junge, unverblümte Frau. Ganz klar spürt man hier die große Jane-Austen-Liebe von der Autorin, immerhin ist ihrer Protagonisten nicht die Ehe das allerwichtigste, sondern intellektuelle Unterhaltung. Ihr Äußeres ist nicht en vogue und sie weiß, das sie auf dem Heiratsmarkt nicht weit oben steht und so einem Schicksal als alte Gouvernante für die Kinder ihrer Familie enden wird. Aber sie gönnt sich auch ein bisschen Spaß und dieser ist dem Duke of Kesgrave zu ärgern. Allein wirft sie nämlich schon gern die Etikette über Board und bietet dem Mann, der das sagen in der Gesellschaft hat, die Stirn, und allein wie sie ihm die Ehe androht, ist schon ein Blick ins Buch wert. Herrlich altklug, aber gewitzt kommt Beatrice daher und weißt so manchen Snob in seine Schranken, aber wehe, ihre Tante ist in der Nähe, dann hat sie für die nächsten Tage mit langen ausgiebigen Vorträgen zu rechnen.

Ich gestehe, ich fand den Auftakt ganz gut gelungen, allerdings fand ich manche Wortwahl nicht so gut gelungen, da weiß ich nicht, ob es an der Übersetzung lag oder ob die Autorin unbedingt solche altmodischen Wörter verwendet hat, die heute kein Mensch mehr kennt und man nachschlagen musste. Und Beatrice ausgedehnte Gedankengänge zu ihrem Schicksal, es ist okay, zu beschreiben, wie schwierig ihre Lage ist und hat durchaus Berechtigung zur Verdeutlichung der gesellschaftlichen Etikette, aber bitte nicht ständig bei jedem großen Ereignis im Buch. So wurde nämlich ab und zu die Fahrt aus der Geschichte genommen und alles wurde etwas sperrig. Allerdings, die Gespräche mit den beiden Hauptakteuren waren wirklich herrlich in Szene gesetzt. Witzig, scharfkantig, schlagfertig mit einer Prise Schmetterlinge im Bauch. Je mehr die Geschichte voranschreitet, umso mehr entdecken wir doch eine Veränderung der Gefühle der beiden zueinander. Exquisit war Beatrice Abgang vom Duke und der fast Ohnmachtsanfall der Tante, ich denke, wenn man solche starken Figuren mag, ist man hier genau richtig. Der nächste Fall lässt somit nicht lange auf sich warten und erscheint noch diesem Monat. Übrigens, der Fall war gar nicht mal schlecht durchdacht und war durchaus knifflig.

Mord in bester Gesellschaft ist ein gelungener Auftakt mit einer Mischung aus Liebe und Krimi. Gewitzt erzählt, mit kleinen Längen, aber durchaus klasse unterhaltend. Die Regency-Zeit hat also noch viel mehr zu bieten. Beatrice darf man zum zweiten Tanz eh Ermittlung bitten.
 
Henry und ich hatten amüsante heitere Bücherstunden und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 

 
LYNN MESSINA ist Autorin von vierzehn Romanen, darunter Fashionistas, der in sechzehn Sprachen übersetzt wurde. Ihre Essays und Kolumnen erschienen in verschiedenen Magazinen und Zeitungen, unter anderem der New York Times. Lynn Messina lebt mit ihren Söhnen in New York. Mit ihrer Regency-Krimi-Serie, in deren Mittelpunkt die scharfsichtige Beatrice Hyde-Clare steht, eroberte sie die amerikanischen Bestsellerlisten.
 
 
Beatrice Hyde-Clare Reihe:
 

2. Teil ET: 29.09.2022
 
Vielen lieben Dank an den Thiele Verlag für das Rezensionsexemplar. 
 

Montag, 5. September 2022

Rezension: Leonie Swann * Miss Sharp macht Urlaub

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten 
Verlag: Goldmann
ISBN-13: 978-3442315932
Preis: 22,00 EUR 
E-Book: 15,99 EUR 
Reihe: 2. Teil
Erscheinungsdatum: Juli 2022 
 
 
 
 
Inhalt:
Edwina gewinnt ein Preisausschreiben und zwar eine Reise in ein Luxus-Wellness-Hotel nach Cornwell ans Meer. Nun steht die Frage im Raum, wer darf sie begleiten. Da Edwina eher die Schildkröte als einem ihrer WG-Mitglieder mitnehmen möchte, entscheidet man einfach über ihren Kopf hinweg. Und so fahren sie einfach alle, die einen, weil sie auch mal Urlaub machen wollen und die anderen, weil die Heizung kaputt ist und sie nicht frieren wollen. Aber wer glaubt, dass sich die Rentner erholen, der hat sich getäuscht. Agnes beobachtet einen Mord, Edwina stolpert über eine Leiche und es soll nicht die Letzte bleiben. Wer treibt im Hotel sein Unwesen? Wer hat hier böse Absichten? Und warum geraten die Rentner-WG-Mitglieder selbst unter Mordverdacht?

Meinung:
Leonie Swann und hier wiederhole ich mich bestimmt, hat mich damals mit ihrem Schaf Miss Marple aus Glennkill extrem glücklich gemacht und dieses unbeschwerte Glücksgefühl hatte ich auch bei ihrer Rentner-WG. Kauzige Figuren mit ihren Alterswehwehchen und mit einer großen Portion sich selbst in die größten Probleme zu manövrieren. So erhoffte ich mir mit Miss Sharp und ihren unfreiwilligen Urlaub beste Leseunterhaltung und ob ich diese bekommen habe, erzähle ich euch nun.

Es ist windig, kalt und nass. So mag Agnes gar nicht nach Hause, viel lieber würde sie sich gemütlich vor einem Kaminfeuer niederlassen und eine schöne Tasse Tee trinken, aber nein, sie muss raus auf die Straße und nach Hause. Das sie dabei über einen Toten im Glockenturm in der Kirche stolpert, ist ihr egal, mit Mordfällen hat sie erst mal genug zutun gehabt. Sie möchte viel lieber wissen, woher sie einen guten Monteur für ihre Heizung bekommt, denn der Zustand im Haus wird immer schlimmer. Zu Hause grüblerisch angekommen, passiert auch schon die nächste Überraschung und alle eröffnen Agnes, dass Edwina eine Reise gewonnen hat. Aufregung, wildes Durcheinander und Gezanke macht sich in der kleinen Runde breit. Edwina will keinen lebenden Anwesenden mitnehmen und alle wollen mal aus den Trott und der Kälte im Haus raus. So entscheidet Charlie einfach, dass sie alle fahren und bucht entsprechende Zimmer nach. Auf nach Cornwell und zu einem Verwöhnurlaub. Begeistert kommt die Rentner-WG an, Pläne werden geschmiedet, Tagesprogramme erstellt und Agnes schläft einfach im Teezimmer ein. Die anderen sind anstrengend, aber die Wärme tut gut und so kommt vielleicht auch Agnes auf ihre kosten. Aber bevor sich auch wirklich ein Gefühl von Urlaub einstellen kann, beobachtet Agnes in der Bar einen Mord. Sie sieht, wie jemand die Klippen hinunter gestürzt wird und bevor sie sich überlegen kann, ob sie nun ermitteln will oder nicht, gerät sie selbst in den Focus des Mörders.

Ihr könnt es euch sicher schon denken, es war ein herrlicher Klamauk. Allein die Figuren mit ihren Eigenheiten sind schon der Knaller. So gibt es Geschichten noch zusätzlich am Rande und jeder rückt so ab und zu in den Vordergrund. Diesmal vor allem Edwina, Bernadette und natürlich Agnes, aber Hola die Waldfee, allein diese drei haben es faustdick hinter den Ohren und eine Vergangenheit, die sich immer wieder in ihrem Leben hervortut. So erleben unsere kauzigen, verschroben und total speziellen Figuren einen Urlaub, der nicht wirklich entspannend ist. Sie schnüffeln sich durch die Hotelräume und entdecken so nicht nur eine weitere Leiche, sondern geraten selbst in den Fokus. Ich weiß nicht, woher die Autorin ihre Ideen nimmt, aber hier sprüht es vor Einfällen.

So passiert auf jeder Seite so viel und erstaunt mit einigen Wendungen. Die Handlung hat somit einige Kniffe, Überraschungen und Verwicklungen parat, die klasse unterhalten und einem den Alltag gut ausblenden lassen, denn es ist gar nicht so einfach, bei der Fülle einen Mörder zu finden. Leonie Swann hat mir mit ihrer Geschichte ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, hat mich mit ihrem schwarzen Humor zum Grinsen gebracht und mir eine tolle Lesezeit bereitet. Vielleicht war es manchmal ein bisschen zu dick aufgetragen und auch ein bisschen zu viel Geschehen, aber mir hat es dem Spaß nicht genommen und so darf Miss Sharp gern wieder ermitteln.

Miss Sharp macht Urlaub, ist british, skurril und herrlich zum Abschalten. Eine Rentner-WG im Urlaubsstress, oder sollte man besser Ermittlungsstress sagen. Richtig gute Unterhaltung mit Augenzwinkern.
 
Henry und ich mögen skurrile Geschichten und Figuren und so gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:

 
Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen »Glennkill« und »Garou« gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England.
 
 
Miss Sharp ermittelt - Reihe:
 

 1. Teil: Rezension


Vielen lieben Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar.
 

Montag, 8. August 2022

Rezension: Bella Mackie * How to kill your family

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore
ISBN-13: 
978-3453273702 
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Juni 2022
 

Übersetzer*in: Stephan Glietsch
 
 
 
 
Inhalt:
Grace Bernard hatte einen schweren Start ins Leben. Eine Mutter, die alles für sie tat, aber es fehlte an allen Ecken und Enden. Und ein Vater, der sich verleugnet. Als die Mutter stirbt, wird Grace zur besten Freundin der Mutter gegeben, danach wächst sie in der Familie ihres besten Freundes auf. Und Grace entwickelt einen Plan, sie will Rache! Und diese wird am besten kalt serviert. Ihr Vater soll büßen und so stehen acht Menschen auf ihrer Todesliste. Doch wird Grace ihren Plan erfolgreich umsetzen können? Kann sie nach dem Erbe greifen? Und wird sie damit davon kommen?

Meinung:
Ach Familie, jeder hat eine und jeder kann da mitreden. Da gibt es immer eine Menge Stoff und mal ehrlich, manchmal möchte man seiner Familie schon was antun. Leider kann ich bei vielen negativen Familiengeschichten mitreden und da packte mich der Titel des Buches doch direkt. Wir wünschen uns doch alle eine Familie, die einen auffängt, gut behandelt und wertschätzt, einfach ein Platz, der einen immer Geborgenheit gibt, leider ist das nicht immer gegeben und so kann man sich seine Familie nicht aussuchen. Allerdings kann man sich eigenen Ersatz suchen und vieles mit Humor nehmen, das macht es leichter oder man liest ein Buch, wo jemand einen perfiden Plan sich ausdenkt. Grace ist also meine Heldin und ob sie das auch noch nach dem Lesen ist, erzähle ich euch nun.

Ich überlege die ganze Zeit, wie ich am Besten anfange, um einfach den Clou nicht zu verraten und sage einfach, dieses Buch beginnt nicht so wie gedacht mit dem Anfang, denn Grace steckt schon mittendrin und erzählt ihre Geschichte, indem sie diese aufschreibt. Beginnt mit ihrer Kindheit, der alleinerziehenden Mutter, der Armut, in der sie Leben, der übergroßen Liebe von ihrer Mama und auch von deren frühen Tod. Erst da realisiert Grace, das ihr Leben hätte auch ganz anders aussehen können. Sie findet einen Karton, beginnt zu hinterfragen und entdeckt, dass sie das Produkt einer kurzen Affäre ist. Während ihre Mutter diesen Mann immer noch liebte, hat er sie aus seinem Leben verbannt und nicht nur sie, sondern erst Recht die uneheliche Tochter. Dieser reiche Mann aus noch einer reicheren Familie spielt sich in der Öffentlichkeit auf und lässt seine Tochter in der Gosse zurück. Je mehr also Grace über ihn hört, liest und heraus findet, um so mehr wächst in ihr der Wunsch nach Rache. Dazu kommt das Grace ein kluger Kopf und eine gute Beobachterin ist. Außerdem neigt sie zur Einzelgängerin und hat verdammt viel Ausdauer. Ihr Plan ist kalt, erbarmungslos und tückisch und doch schleicht sich große Sympathie ein für diese junge Frau und ihren Machtkampf.

Bella Mackie schreibt das, was wir alle bestimmt schon gerne mal gemacht hätten, bei einer Familienfeier ein bisschen Arsen versprühen, nur das ihre Protagonistin aus ganz anderen Holz ist und Rache an einer Familie verübt, die teilweise von ihrer Existenz gar nichts weiß. Aber diese reiche, versnobte Familie hat so einiges auf dem Kerbholz, das sich das Mitleid auch ein bisschen im Grenzen hält. So erzählt die Autorin mit jeder Menge Zynismus, böse, düster und mit extrem trocknen schwarzen Humor ein Racheakt mit so einigen Leichen. Diese Figur ist unglaublich ehrlich fies, immer mit einem Augenzwickern, als ob man vieles nicht selbst schon gedacht hätte und lässt sich zu vielen im Leben aus. Da kommen so einige Themen ans Tageslicht und ihr Einfallsreichtum ist wirklich schrecklich hartnäckig. Diese junge Frau will alles, will Rache für ihre unglückliche Mutter, will die Wahrheit ans Licht, er Öffentlichkeit bringen, aller Welt die Augen öffnen und den Untergang für diese Familie einleiten. Dieser Ehrgeiz macht sie allerdings auch blind für ihre Umgebung und so hat ihr Plan und das Schicksal noch einiges mehr für sie parat.

Diese Autorin kann richtig böse sein und scharfzüngig, allerdings verliert sie auch dadurch gern mal den Faden, schweift etwas zu sehr in der Gesellschaftsbeurteilung ab und macht dadurch das Lesen etwas zäher. Nicht das es mir nicht gefallen hätte, amüsieren ist eher der richtige Ausdruck, aber die Spannung ist dann auch leider dahin. Somit kommen Spannungsleser nicht wirklich auf ihre Kosten, aber jeder, der es auch mal gesellschaftlicher böser mag und sich dabei prächtig unterhalten lässt, wird hier perfekt bedient. Für mich ein gelungener Ausflug ins Familien-Rache-Geschäft mit einer Heldin, die es einen nicht immer leicht macht und doch möchte man ihr nur das beste Wünschen, nämlich den eigenen Frieden.

How to kill your familiy, ist ein unterhaltender Roman über das töten der eigenen Familie. Bitterböse, zynisch, clever gemacht.
 
Henry und ich hatten amüsante Lesestunden und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 

 
Bella Mackie, Journalistin und Autorin, hat für den Guardian, die Vogue und das Vice Magazine geschrieben. »How To Kill Your Family« ist ihr erster Roman, der bereits kurz nach Erscheinen die britischen Bestsellerlisten stürmte. Bella Mackie ist mit dem BBC-Radiomoderator Greg James verheiratet und lebt in London.
 
Quelle: Heyne Hardcore 
 
Vielen lieben Dank an den Heyne Hardcore Verlag für das Rezensionsexemplar.
 

Montag, 11. Juli 2022

Rezension: Mia Newman * Wo die Liebe dich findet

Taschenbuch: 331 Seiten
Verlag: Independently published    
ISBN-13:
979-8770688467
Preis: 13,00 EUR
E-Book: 4,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Juni 2022
 
 
 
 
Inhalt:
Amy Brooks ist eine waschechte New Yorkerin, arbeitet als Fotografin für eine Zeitung und wird für Bilder nach Montana geschickt. Ausgerechnet Landschaftsfotografie, was nicht ihr Spezialgebiet ist, aber der Koffer ist gepackt und es geht in die große Weite. Zurück lässt sie Kopfschmerzen, einen launischen, selbstverliebten Freund und jede Menge Selbstzweifel. Vor Ort wird sie von einem Cowboy abgeholt, der wortkarg, grummelig, doch sehr interessant wirkt und sich als Jackson Redwood vorstellt. Er ist der Enkel des Ranch-Besitzers und wird so einige Male Amys Weg kreuzen. Die unendliche Weite der Landschaft beeindruckt Amy sehr, das Gefühl zur Ruhe zu kommen, stellt sich ein und auch ihre Gedanken um ihr eigenes Leben nehmen an Fahrt zu. Erst recht, wenn sie Jackson begegnet und auch er scheint ihre Nähe zu suchen. Je mehr Zeit sie zusammen verbringen, umso mehr lässt er sie hinter seiner Fassade schauen, aber der Schatten auf seiner Seele ist schwer verankert. Wird Amy hinter Jacksons Geheimnis kommen? Was wird Montana mit ihr selbst anstellen? Oder hat sie schon ihren Platz gefunden?

Meinung:
Ich finde, zur Sommerzeit muss auch ein Liebesroman her, etwas, was einem zum Schmunzeln bringt, das eigene Herz mit flattern lässt und man am Ende selig zurückgelassen wird. Und da kommt eine Lieblingsautorin ins Spiel, die mich immer begeistert, mich mitreißt und mich zum Fangirl macht. Diesmal unter Pseudonym und sie entführt uns ins Land der Cowboys. Ich bin ehrlich, Western waren nie meins, dass Einzige was ich romantisch fand, war der Marlboro-Mann aus der Werbung im Kino. Und nun das! Ich möchte auch nach Montana und mir einen Cowboyhut verdienen und warum erzähle ich euch jetzt.

Amy Brooks steckt in ihrem Leben fest, hat viele Selbstzweifel und wird von ihren Freund recht kleingehalten. Er ist der große Autor und sie nur eine Hobbyknippserin. Wenn er also ruft, muss Amy springen. Aber nicht nur das wird immer schwerer zu ertragen, auch New York, ihre Heimat wird immer lauter, stressiger und so fragt sie sich, ob sie im Leben falsch abgebogen ist. Denn Amy hatte mal ganz andere Träume und nun sorgt ihre Freundin Susan dafür, dass sie für den Auftrag nach Montana fliegen muss. Sie macht es und lässt den nörgelnden Freund zurück, um am Flughafen einen wortkargen Cowboy zu begegnen. Für Amy nicht unbedingt der beste Start, immerhin ist es Dunkel und statt freundlich empfangen zu werden, hat sie das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Und doch zieht es sie zu Jackson.

Jackson Redwood ist ein Mann mit Vergangenheit, der sich selbst die Schuld gibt und damit schlecht leben kann. Wortkarg, grummelig und immer mit einer Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen läuft er über die Ranch. Menschen sind nicht seins, er fühlt sich in der Gegenwart von Pferden wohler, die versteht er und sie verstehen ihn. Und Amys Nähe wird mit jedem Tag mehr zu seinem Alltag. Ihr zeigt er sein Montana, ihr erklärt er die Bedeutung eines Cowboyhutes und ihr erlaubt er manchmal durch die Schatten zu gucken. Amy bewegt etwas in ihm, aber auch die Angst ist sein ständiger Begleiter.

Mia Newman hat einen mit nach Montana genommen, wo es Weite gibt, viel Landschaft, das Gefühl von Freiheit und den Wunsch, selbst auf den Rücken eines Pferdes zu sitzen. Nicht das ich das wirklich will, aber gedanklich ist man voll dabei und möchte auch gern neben einen Cowboy reiten und einen Sonnenaufgang miterleben. Und durch ihre Protagonistin hat sie das Gefühl ganz wunderbar transportiert, wie eine Großstadtpflanze auf die atemberaubende Landschaft aus Grün trifft. Wie beeindruckend und wie solch ein Anblick einen innerlich zur Ruhe kommen lässt. Dazu kommt noch die Begegnung von Unterschieden, ein bisschen Vorurteilen und doch gegenseitigen Interesse. Was zuerst ablehnend wirkt, ist ein abklopfen, dann ein Heranwagen und ein Öffnen der Seele. Man spürt die Funken, man erkennt das Flattern in der Magengegend, das tosen der Gefühle und den Rausch des Verliebtseins. Einfach herrlich und solch ein großer Spaß. Mir war gar nicht mehr bewusst, wie viel Freude mir solch eine Geschichte bereiten kann.

Und ganz klar tragen hier die beiden Protagonisten einen großen Anteil. Amy findet man einfach sofort sympathisch, wie sie sich in ihrem Leben verfahren hat und einfach viel mehr ist, als sie sich eingesteht. Dazu Jackson, der so einige Klischees eines Cowboys erfüllt und doch immer wieder überrascht. Ihr Wortspiel und Wortwitz miteinander ist herrlich auflockernd und sehr unterhaltsam. Nun bin ich voll im Cowboymodus und muss dieses aufblitzen von einer neuen Fangirl-Mania irgendwie verarbeiten. Also Frau Mia Newman, ich fürchte, sie müssen uns nochmals mitnehmen nach Montana, oder ich muss alle Western schauen, aber das ist nicht wirklich ein Vergleich, so mit Romantik haben die es ja nicht wirklich. Wie ihr seht, ich bin extrem glücklich mit dieser Geschichte, einfach genau die richtige Mischung für eine Liebesgeschichte, ohne zu kitschig zu werden. Yes Ma‘am, ich mag mehr davon.

Wo die Liebe dich findet, ist ein perfekter Sommerroman mit Höhen und Tiefen und der richtigen Mischung. Aufschlagen, wohlfühlen und ein Flugticket buchen.
 
Henry und ich hatten eine fantastische Lesezeit und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 

Mia Newman ist das Pseudonym einer deutschen Schriftstellerin, die erfolgreich für mehrerer renommierte Buchverlage Romane schreibt.

Als Mia Newman widmet sie sich den großen Gefühlen und aufregenden Liebesgeschichten, die zu Herzen gehen und eine Auszeit vom Alltag bieten sollen.

Quelle: Amazon

Vielen lieben Dank an Mia Newman für das Rezensionsexemplar.