Montag, 30. März 2020

Rezension: Nick Hornby * Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: KiWi
ISBN-13:
978-3462054101
Preis: 18,00 EUR    
E-Book: 16,99 EUR    
Reihe: 1/1   
Erscheinungsdatum: März 2020
Übersetzer: Ingo Herzke 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Louise und Tom sind verheiratet, haben zwei Kinder und stecken mittendrin in einer handfesten Krise. Ihr Lösungsversuch ist der Besuch bei einer Paartherapie. Somit treffen sie sich jede Woche dort, zuerst in einem Pub, um gemeinsam dann über die Straße zu laufen und ihrer Ehe noch eine Chance zu geben. Warum sie in diese Schieflage geraten sind, wieso ihre Beziehung nicht funktioniert, erfahren wir durch die beiden selbst, in dem sie vor der Therapie im Pub darüber sprechen. Was ist also los bei den beiden? Kann die Therapie überhaupt helfen? Und was machen diese Gespräche vorab mit den beiden?

Meinung:
Nick Hornby konnte mich schon einmal sehr begeistern, sein klarer Blick auf die Dinge, seine authentische Erzählweise und sein schwarzer Humor, trifft oft den Nagel auf den Kopf und macht seine Geschichten zu einem wahren Vergnügen. Eine Paartherapie klingt doch nach guten Lesestoff, und ein ähnliches Buch hatte ich vor Jahren schon von einem anderen Autor gelesen und mochte, hierzu schon die schönen Seitenhiebe der Geschlechter. Nun schau ich mir die englische Variante an und wie sie mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Tom ist ein arbeitsloser Musikkritiker, der sich zu Hause gehen lässt und sich selbst etwas zu viel bemitleidet. Seine Frau Louise dagegen ist Ärztin, beruflich voll eingespannt und ihre beiden Jungs halten sie auch auf Trap. Nun allerdings steckt die Ehe nicht nur dahin schleichend in der Krise, sondern auch hoch offiziell, denn Louise hat Tom betrogen. Sie hatte eine Affäre und bringt somit alles ins Rollen. Bevor es aber zu Trennung, zum Hinschmeißen vieler gemeinsamer Jahr, kommt, will Tom eine Therapie machen. Somit treffen sie sich einmal in der Woche, gehen vorab in ein Pub und sitzen zusammen bei Wein und Bier und philosophieren über ihre Ehe.

Somit hätten wir den Ausgangspunkt, denn die eigentlich Therapiesitzungen bekommen wir nie zu Gesicht. Außer wir hören, wie die beiden darüber sprechen. Im Grunde versuchen beide ihre Probleme selbst zu ergründen, den anderen ernsthaft zu verstehen und diese Chance für ehrliche Gespräche zu ergreifen. Dadurch gewinnt dieses Buch seinen Tiefgang, denn beide sind so schön unaufgeregt, natürlich, normal und man hat das Gefühl, ja so sieht echtes Leben aus, wenn man sich aus den Augen verliert und sich nicht mehr bemüht um den anderen. Eine Ehe ist keine Selbstverständlichkeit, es ist auch Arbeit und das diese beiden nichts getan haben, merkt man. Nebeneinander her leben und sich über den anderen beklagen, das war die Devise. Nun sehen sich die beiden mit anderen Augen, versuchen zu verstehen und nachzuempfinden und das führt manchmal zu sehr interessanten Gesprächen.

Nick Hornby legt mit seiner Geschichte genau den Finger in die Wunde von so vielen Paaren, sich einfach nicht mehr sehen. Dazu hilft ihn seine genaue Beobachtungsgabe und sein toller Humor zu gute, denn diese beiden fühlen sich nicht nur echt an, sie haben auch dieses herrlich sympathische Antihelden-Syndrom an sich. So fühlt man sich mit ihnen Verbunden, muss über viele Aspekte schmunzeln und man spürt die Veränderungen an ihnen selbst. Erst dieses Gehabe, dann gehen wir halt zur Therapie, dann sind wir wütend, wollen gar nicht mehr retten, bleiben, verstehen, suhlt sich lieber im eigenen Schmerz, dann das Vermissten, das Gefühl etwas zu verlieren und vielleicht am Ende den anderen verstehen. Es ist ein wahrer Prozess, der hier vollzogen wird, und das in zehn Akten. Denn diese Geschichte ist wie ein Theaterspiel und macht einfach gute Laune es zu lesen.

Ich habe mich in einigen Situationen ein bisschen wiedererkannt und musste bei einigen Stellen die Augen rollen. Ja, es ist eine amüsante, aber auch nachhallende Geschichte. Kurzweilig, aber auch fesselnd und wieder typisch für den Autor. Mir hat aber das damalige Buch einen Ticken besser gefallen, vielleicht wegen dem schönen Knaller am Ende, an dem ich mich noch erinnern kann. Aber trotzdem hat diese Geschichte was und es ist ein herrliches Buch zum Lachen und innehalten.

Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst, ist ein amüsanter Einblick in ein Eheleben, mit wunderbaren Schlagabtausch, Standpunktvertretungen und eine Paartherapie, ohne Therapie. Authentisch, amüsant, ehrlich und ernsthaft.
 
Henry und ich hatten einen herrlichen literarischen Sonntag zusammen und dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 



Nick Hornby, 1957 geboren, studierte in Cambridge und arbeitete zunächst als Lehrer. Er ist Autor zahlreicher Bestseller: »High Fidelity«, verfilmt mit John Cusack und Iben Hjejle, »About a Boy«, verfilmt mit Hugh Grant, »A Long Way Down«, verfilmt mit Pierce Brosnan, »How to Be Good«, »Slam« und »Juliet, Naked«, sowie weiterer Bücher über Literatur und Musik. Nick Hornby lebt in London.

Quelle: KiWi Verlag


Vielen lieben Dank an den KiWi Verlag für das  Rezensionsexemplar. 

Mittwoch, 25. März 2020

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherstapelüberspringer,

was für eine Zeit! Die Buchläden müssen schließen, unteranderen, wie viele andere Läden auch, aber jede Buchhandlung, oder Laden lässt sich etwas einfallen, um ihre Kunden doch noch zu erreichen. Mein Lieblingsbuchhändler liefert portofrei nach Hause und ist unter Ausnutzung seiner Kommunikationsmöglichkeiten für jeden da. Also bitte kauft lokal. Aber nicht nur vor Ort ist was los, nein, auch das Netz bringt Lesungen, die Verlage lassen sich Aktionen einfallen, es blüht eine wahre Solidarität auf und so ist es außerdem wichtig, auch den Büchern die jetzt erscheinen Beachtung zu schenken, denn diese haben es gerade besonders schwer. Vorbildlich gehe ich voran und widme mich hier einen April Titel. Ich habe mich heute für einen Krimi entschieden, mit einer guten Portion Humor und denn benötigen wir doch alle. Also schauen wir uns das Buch an:


Die Toten vom Lärchensee
Band: 2
Verlag: KiWi
Erscheinungsdatum: 08.04.2020

Mitten in der Hitzewelle des Jahrhunderts soll Arno Bussi einen Mord aufklären, der sich schon vor fünf Jahren am idyllischen Tiroler Lärchensee ereignet hat. Damals ertrank der Seewirt, nachdem er betäubt ins Wasser geworfen wurde. Die Polizei tappte im Dunkeln. Jetzt will Innenminister Qualtinger endlich Resultate sehen und schickt seinen »Spezialfreund«, Inspektor Arno Bussi, nach Tirol. Als dort ein weiterer Einwohner stirbt, wird aus dem kalten Fall ein brandheißer, und der Arno ahnt: Will er dem Mörder auf die Schliche kommen, muss er zuerst das Rätsel vom Lärchensee lösen …


Gerade Tirol hat es schwer erwischt, kleine Anekdote am Rande, mein Kollege, der jeden beim kleinsten Husten heimschickt, fährt natürlich Ski fahren nach Ischgl und kommt mit Fieber heim. Der Chef meinte schon, mit dem Spot muss er später leben und ich sage euch, der kommt garantiert. Aber zurück zum Buch, Inspektor Bussi der Widerwillen nach Tirol geschickt wurde, ermittelt nun zum Zweiten mal und es klingt doch richtig gut. Außerdem finde ich die Covergestaltung sehr originell und mag den netten Seitenhieb aus Idylle und Verbrechen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich Teil eins noch lesen muss, aber das wäre doch die perfekt Mittagspausenlektüre im Homeoffice, oder was meint ihr? Habt ihr Arno Bussi schon kennengelernt? Mögt ihr auch mal etwas Heiteres lesen? Und packt es auf eure Wunschliste, der Autor meinte, es ist bis jetzt sein bester Krimi!!!

Ganz liebe Grüße
Eure, jetzt Lust auf ein Spaghettieis habende, Sharon

Freitag, 20. März 2020

Rezension: Matthias Politycki * Das kann uns keiner nehmen

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten 
ISBN-13: 978-3455009248
Preis: 22,00 EUR 
E-Book: 16,99 EUR 
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: März 2020 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Hans hat sich etwas vorgenommen, und zwar mit der Vergangenheit ins reine zu kommen und eine damalige abgebrochene Tour zu Ende zu bringen. Nun steht er hier, am Gipfel des Kilimandscharo und die nächste Katastrophe steht auch nicht mehr weit. Unten im Krater trifft er auf den Ur-Bayern Tscharli und als ob dieser Typ nicht schon reichen würde, zieht ein Schneesturm auf. Diese Nacht, schweißt die beiden wider Willen zusammen und es soll erst der Anfang von ihrer gemeinsamen Reise sein. Denn Tscharli will Hans sein Afrika zeigen und so wird es zu einem rasanten Trip, der lustig und wahnsinnig beginnt und beide sich im Verlauf den anderem gegenüber öffnet. Beide haben mit dem Leben noch eine Rechnung offen, doch wird genug Zeit sein diese zu begleichen? In Afrika fährt der Tod gern mit und sie haben schon den Kibo überstanden, wird er sich noch einen holen? Und was hat die beiden so schwer im Leben getroffen?

Meinung:
Afrika ist so gar nicht mein Land, es reizt mich überhaupt nicht und deshalb mach ich auch rein literarisch immer einen Bogen drumherum. Nun allerdings machte mich diese Geschichte neugierig, diese beiden Typen sprachen mich auf irgendeiner weise an und somit musste ich diesem Land eine Chance geben und es doch noch entdecken. Wie es mir schlussendlich gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Hans ist Autor und hat mit Afrika noch eine Rechnung offen. Er war schon einmal in diesem Land und das es nicht gut geendet hat, lässt er von Anfang an durchblicken und ist auch die zentrale Frage. Was ist damals passiert? Er ist vorsichtig, hält sich zurück und versucht, eigentlich mehr Afrika zu umschiffen, als wirklich dort zu sein. Das fällt natürlich auf, wenn jemand als Schatten dabei ist und sich erzkonservativ aus allem raushält. Das ist natürlich für Tscharli ein gefundenes Fressen, er ist laut, vulgär, macht ständig ein Späßchen und ist umso beliebter bei den Einheimischen. Hans ist von dieser Person genervt, empfindet seine Gegenwart als störend und doch gerät seine Reise immer mehr in Tscharlis Richtung. Es sind zwei Charaktere, die sich im wahren Leben niemals begegnet wären und sich schon gar nicht ausgetauscht hätten. Zwei total verschiedene Welten und das macht sie beide interessant, denn unter der Oberfläche ist nicht alles gut.

So ziehen sie nach dem Berg, wo man schon merkt, das Tscharli nicht auf gesundheitlich Höchstniveau ist, ins Inland und bevor sich Hans versieht, wird er mit geschleppt, nein sogar in die Pflicht genommen auf diesen Chaoten aufzupassen. Am Anfang ist er noch sauer, erbost und bestürzt, das er seine Reise nun ganz anders gestalten muss und gewinnt doch immer mehr Frieden mit sich selbst. Für beide Figuren ist es eine Wohltat, den anderen dabei zu haben und es entwickelt sich eine Freundschaft daraus. In dieser Woche wird nicht nur Party gemacht und wilde Entdeckungstouren gestartet, nein, es soll auch die Vergangenheit erzählt werden, aber das tun die beiden wohl besser selbst.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, aber es ging am Ende doch in eine ganz andere Richtung. Vielleicht wäre mir eine Reise auf dem Berg lieber gewesen, als eine Party Tour mit Tscharli, denn das ist es zuerst auch. Ein Reisebericht von zwei ungleichen Gefährten von Kibo, nach Daressalam und Sansibar. Während wir noch auf dem Kilimandscharo waren und von dessen Element, was erstaunlich, beängstigend und abenteuerlich war, wird die Tour zum Besäufnis. Zumindest endet jeder Abend so und es wird gefeiert. Vielleicht ist es der Figur geschuldet, denn Tscharli ist ein Lebemann, der das Leben genießen möchte, es fühlen möchte und Freude daran hat. Er ist immer gut gelaunt und bei den Einheimischen sehr beliebt, weil er zu allem einen Spruch hat und einen Lacher. Er liebt dieses Land und er kann es auch leben, was aber alles einen Hintergrund hat, den wir erst später erfahren. Während Hans oft überfordert und mit der lockeren Art zu kämpfen hat. Aber so ist halt Afrika.

So bin ich doch extrem unschlüssig, wie ich es am Ende bewerten soll, zu lesen war es wie eine Bergwanderung. Zu Anfang noch voll enthusiastisch, viel ich irgendwann zu gemächlich und am Ende eher beschwerlich ab. Ohne Frage, es war ein absolut gelungener Reisebericht, man hatte Land und vor allem Leute vor Augen. Das Leben war spürbar und auch meine Ängste zu dem Land spielten mit hinein. Somit war es für mich absolut stimmig. Die Figuren, gerade der Tscharli waren sehr originell und ja, ich denke, solch eine Erscheinung wird es geben, aber ich würde ihn im Leben auch nicht begegnen und ja, solche Bekanntschaften macht man nur, wenn das Leben es so entscheidet. Für diese Reise war es gut, allerdings waren mir oft seine Partys und seine laute Art einfach zu viel. Und Hans der Vernünftige nimmt sich der Sache auch noch voll an. Die Lebens- und Liebesgeschichten waren berührend, aber auch sehr sehr langatmig und gerade zum Ende hin, wurde es recht beschwerlich. Man fragt sich am Ende, wie viel von dieser Geschichte hat der Autor wirklich erlebt, denn mit Afrika hatte er auch so seine Erfahrung gemacht.

Das kann uns keiner nehmen, ist die Geschichte über Freundschaft, die unerwartet kommt und einen nicht kalt zurücklässt, manchmal mit heilender Wirkung. Interessant erzählt, aber für meinen Geschmack, etwas zu viel und Afrika ist immer noch nicht mein Land.
 
Henry und ich fanden dieses Buch ein bisschen wie eine Berg und Talfahrt und vergeben deshalb drei Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 


Matthias Politycki schreibt, seitdem er 16 ist und wurde schon mit seinem opulenten Romandebüt als "Formfex im Sprachfels" (Die Welt) gefeiert. Sein Werk besteht heute aus über 30 Büchern, darunter mehrere Romane, Erzähl- und Gedichtbände sowie vielbeachtete Sachbücher und Reisereportagen. Er gilt als großer Stilist und ist einer der vielseitigsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Weiberroman, eine Hommage an die siebziger und achtziger Jahre, ist eines der zentralen Werke der literarischen Postmoderne; als "einer der schönsten Schelmenromane unserer Zeit" (Radio Bremen) wurde seine Kreuzfahrtsatire In 180 Tagen um die Welt zum Bestseller. Sieben Jahre nach seinem als "wahrer Monolith" (Stern) gerühmten Roman Samarkand Samarkand erscheint 2020 ein neuer großer Roman, für den er um ein Haar in Afrika gestorben wäre. Gerettet hat ihn die Liebe einer Frau.


Vielen lieben Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar.