Dienstag, 14. August 2018

Rezension: Claire Messud * Das brennende Mädchen

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten 
ISBN-13: 978-3455003925
Preis: 20,00 EUR 
E-Book: 15,99 EUR 
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: August 2018
Übersetzer: Monika Baark 

 
Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Julia und Cassie. Cassie und Julia, zwei Mädchen und eine große Freundschaft. Sie fühlen sich wie Schwestern, benehmen sich wie siamesische Zwillinge und können sich ein Leben ohne einander nicht vorstellen. Unzertrennlich, draufgängerisch und unbeschwert erleben sie ihren letzten gemeinsamen Sommer, bevor sie die Schule wechseln und alles anders wird. Die Freundschaft verliert sich, obwohl nichts Schlimmes passiert ist, kann Julia sie nicht wieder finden, trotz ihrer Bemühungen. Aber was hat die beiden so verändert? Kannten sie sich wirklich so gut? Und wie erklärt sich Julia diese Freundschaft von damals?

Meinung:
Normalerweise hätte mich der Inhalt nicht ganz angesprochen, aber der Vermerk mit New York Times Bestseller und, und, und, sind einfach extrem verlockend. So was zieht am Ende doch bei mir und ich werde neugierig und nehme das Buch zur Hand. Das brennende Mädchen ist auch nun ausgelesen, aber ob ich schlussendlich auch für die Geschichte entbrannt bin, erzähle ich euch nun.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert und der Erste widmet sich den einen letzten Sommer, wo alles noch gut war. Da haben wir die besonnene und schlaue Julia. Die aus wohlerzogenem Hause kommt und deren Weg irgendwie schon gefestigt vorbestimmt ist. Dagegen steht Cassie, draufgängerisch und auch etwas übermütig, die von ihrer Mutter allein groß gezogen wird, da ihr Vater schon verstorben ist. Tja, und wo man jetzt schon weis, wie auch ihr Leben aussehen wird. Beide kennen sich ewig, beide haben den festen Glauben, dass es ein Leben ohne ihre Freundschaft nicht geben wird, da es einfach undenkbar ist. So stromern sie durch die Gegend, erzählen sich Geheimnisse und suchen sich einen Platz, nur für sich. Es ist die Zeit, wo die Zukunft in weiter Ferne liegt und man sich einfach nicht vorstellen kann, dass sich der gegenwärtige Zustand je ändern wird. Die Beschreibungen der Autorin lassen einen selbst die jugendliche Naivität nochmals nachspüren und Erinnerungen wach werden. Tja, und man spürt schon, was kommen wird.

Der zweite Teil widmet sich dann dem Umbruch. Julia ist eine schlaue Schülerin, die an der weitergehenden Schule direkt gefördert wird und deren Leistungen mit denen von Cassie weit auseinanderliegen. So kommt es, das beide in der Schule wenig Miteinander zu tun haben und sich die Freundinnen immer weiter entfernen. Während Julia an der Freundschaft festhält und sich irgendwie bemüht, ändert sich der Wirkungskreis von Cassie ganz gravierend, ihre Interessen gelten nun mehr Partys und Jungs. Schnell ist zu spüren, dass die einstige Unbefangenheit, in Bemühen und Unnahbarkeit umschlägt. Dabei ist bei dem beiden gar nix passiert, nur der Lebensweg hat sich extrem verändert und gerade in der Zeit des Heranwachsens, kann dieser auch Freundschaften lahmlegen. Und so schlittern wir auch direkt in den dritten Teil, wo sich alles noch einmal verschärft und die Konturen an Härte und Klarheit gewinnen. Wie gut kennen wir unseren gegenüber und können wir ihm auch noch helfen, wenn wir nicht mehr so wirklich wissen, wie dieser tickt? Julia muss einiges lernen, was das Heranwachsen so mit sich bringt.

Claire Messud nimmt sich einer Freundschaft an und lässt uns den Wandel von Zeit und Raum miterleben. Dabei gewährt sie uns Einblicke in unsere eigene Jugend und Wahrnehmung. Wo wir einst dachten, da passt kein Blatt zwischen uns, wird ein klaffender Abgrund draus. Wege, die ganz klar, in die gleiche Richtung gehen, biegen Kilometer weit voneinander ab und es ist die Frage, lohnt sich die Kraft dran festzuhalten? Diese Erfahrung mussten wir bestimmt alle schon mal machen und es tut weh, loslassen zu müssen. Sich von dem Gefühl, der Unsterblichkeit einer Freundschaft zu lösen und nicht dran zu zerbrechen. Aber nicht nur das ist Thema dieser Geschichte, da stecken noch einige andere zwischenmenschliche Dinge drin und die Erfahrung, der erste Blick bedeutet nicht, jemanden wirklich zu kennen. Und wie genau schau ich hin und wie interpretiere ich Schicksale besser.

Die Autorin beschreibt ruhig, ausdehnend und intensiv von dieser Freundschaft und den auf- und ab‘s derer. Dabei steht ganz klar Julia mit ihrer Sicht im Mittelpunkt. Und jetzt muss ich was gestehen, mir fallen solche Geschichten immer im ersten Moment sehr schwer, da ich nicht weiß wohin soll das führen, was will uns der Autor sagen. Somit kann ich nicht immer das Gelesene genießen und suche nach dem großen Ganzen. Das befindet sich aber hier in der Erzählung und kommt oft etwas zu lang und ausschweifend daher, obwohl es kein langes Buch ist. Was mein Geschmack betrifft, war es mir einfach zu unaufgeregt, schön zu lesen, aber dadurch, dass es kaum Fahrt aufnimmt, etwas zäh zu lesen. So ist es etwas für schöne Sommertage mit Zeit.

Das brennende Mädchen ist eine Geschichte über die Freundschaft und das man diesen Veränderungsweg nicht immer aufhalten kann. Toll, sehr lebensklug erzählt, aber auch mit einigen Längen.
 

Henry und ich hatten erwachende Kindheitserinnerungen und vergeben dafür vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Claire Messud, geboren 1966, stammt aus einer kanadisch-französischen Familie und wuchs in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien auf. Sie studierte an der Yale University sowie an der Cambridge University. Ihr Großstadtroman Des Kaisers Kinder war ein weltweiter Erfolg. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Colleges und ist mit dem britischen Literaturkritiker James Wood verheiratet; das Paar hat zwei Kinder und lebt in Washington, D.C. und in Somerville, Massachusetts.


Vielen lieben Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Freitag, 10. August 2018

Rezenion: Jane Harper * Ins Dunkel


Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13:
978-3499274732
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 2. Fall
Erscheinungsdatum: Juli 2018
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann 




Inhalt:
Aaron Falk ist zurück in Melbourne und steckt bis zum Hals in Arbeit. Er und seine Kollegin sind einer korrupten Firma, wegen denn Verdacht der Geldwäsche auf der Spur und höllisch unter Druck. Da kommt es natürlich gar nicht gut, dass ihre Informantin sich auf einer betrieblichen Wanderung befindet. Alice Russel kennt nämlich nicht nur die Machenschaften der BaileyTennants, sondern auch die dunklen Geheimnisse ihrer Mitstreiterinnen. Noch schlimmer wird es allerdings, als Alice in der Wildnis zurückbleibt und nur ihre vier anderen Kolleginnen wieder auftauchen. Wo ist Alice? Was ist dort draußen in der grünen Wildnis passiert? Und wie kommt jetzt Falk an die notwendingen Verträge dran?

Meinung:
Nach ihren beeindruckendem Debüt legt die Autorin Jane Harper nun den zweiten Fall für Aaron Falk vor. Was soll ich sagen, nachdem mich Teil eins so begeistert hatte, ist es ja wohl naheliegend das ich unbedingt auch Teil zwei lesen wollte. Diesmal soll Falk auch wirklich in seinem Metier agieren und doch wird er wieder mit ungeahnten Problemen konfrontiert. Ob mich der zweite Fall auch begeistern konnte, erzähle ich euch nun?

Aaron Falk ist aus der Vergangenheit zurück und wieder an Ort und Stelle in der Gegenwart, aber die alten Geister lassen ihn auch immer noch nicht in Ruhe. So lebt er noch allein und pflegt bis auf seinen Job, keine weiteren großen Kontakte. Aber nun hat er eine Kollegin und diese durchschaut seine ruhige Art auf eine ganz besondere Weise. So bekommen wir nicht nur einen neuen Fall zu sehen, sondern schreiten mit Aarons Neufindung weiter voran.

Wirklich beeindruckt hat mich auf dem Klappentext der erste Satz: „Grausamer als die Natur, ist nur der Mensch.“ Und gleichzeitig auch daran erinnert, wie grausam man seinem gegenüber sein kann. Das nimmt sich die Autorin, hier auch wirklich vor, in die Abgründe von Schicksalen zu schauen und uns sogar mitzunehmen. Der Ausgang der Geschichte ist nämlich, dass die besagte Firma mit ihren Angestellten eine Trekkingtour macht und nach vier Tagen Wildnis, sollen sich alle besser kennen und ein Team sein. Bei der Männertour sind zumindest alle an dem Treffpunkt nach vier Tagen wieder aufgetaucht, aber die Frauen lassen auf sich warten. Irgendwann sind auch diese da, zwar am falschen Ort, aber da, nur halt völlig aufgelöst, verletzt und eine fehlte. Ausgerechnet die Informantin von Aaron Falk. So kommen diese Ermittler überhaupt ins Spiel und an den Ort des Geschehens, in die grüne Hölle.

Jane Harper erzählt ziemlich geschickt ihre Geschichte in zwei Zügen. Erst kommen die Ermittlungen von Aaron Falk dran und dann erfahren wir in Rückblenden aus verschiedenen Sichten, was sich wirklich auf dieser Tour zugetragen hat. Das alles hat einen perfekten Effekt, man spekuliert nämlich immer mit. Diese fünf Frauen haben nämlich alle ihr Päckchen zu tragen, und da jede zu Wort kommt, enthüllen sich immer mehr Unstimmigkeiten, Zwietracht, Hass und Macht. Hier stimmt es wirklich, Frauen können unglaublich grausam sein. Durch diese Konstellation ist auch wirklich jede verdächtig und man fragt sich auch ständig, was ist passiert. So erleben wir erst ein heiter erzwungenes Aufbrechen, dann verlaufen sie sich und je mehr passiert, umso mehr brodelt es an der Oberfläche. Schuld, Unfähigkeit und persönliche Abneigung lassen sich in der Wildnis immer schlechter verstecken und die Masken fallen Stück für Stück.

Diese Autorin kann einen wirklich atmosphärisch einfangen und dann so geschickt einflechten, dass man selbst mittendrin steht. Man kann wirklich die Wildnis und die streitenden Furien sehen und dieses Intermezzo hat mir richtig gut gefallen. Die Ermittlungen selber blieben ehrlich gesagt etwas blass zurück, was mich aber nicht gestört hat. So waren die Befragungen interessant und das zwischen den Zeilen lesen auf jeden Fall spannend genug, dass man schnell weiterlesen wollte. Welchen Faden ich aber wirklich überflüssig fand, war die des Sohns des Serienmörders, das sollte für Verwirrung sorgen, aber kam mir echt zu lahm rüber und manche Fäden sollten einfach ruhen.

Ins Dunkel ist nicht nur der Weg in den grünen Dschungel, sondern auch die Sicht in die menschlichen Abgründe. Jane Harper hat hier geschickt erzählt, einen tollen Erzählbogen gewählt und einen richtig gut unterhalten. Ich mag ihren Aaron Falk und freu mich auf den nächsten atmosphärischen Fall in Australien.


Henry und ich mögen einfach diesen Ermittler und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Jane Harper ist Journalistin beim Herald Sun. Sie lebt in Melbourne. Mit ihrem Erstling «Hitze» gewann sie den wichtigsten britischen Krimipreis, den «Gold Dagger».

Quelle: Rowohlt Verlag

Aaron Falk - Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Jane-Harper/Hitze_lid_34809223.html?storeID=barbers

1. Teil I Rezension 


Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Mittwoch, 8. August 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherseitenumblätterer,

es ist ja so schwer gutes Personal zu finden! Kennt ihr diesen Ausspruch. Also ich kenne ihn nur aus entsprechenden historischen Filmen oder aus Geschichten mit gut betuchten und versnobten Figuren. Aber es ist jedes Mal herrlich mit anzusehen, wie die Bediensteten leise durchs Haus schleichen, jeden Wunsch erfüllen und doch ganz ärmlich Leben. Dabei haben sie Einblicke in Familiendramen und Geheimnisse. Eine eigene Welt sozusagen und irgendwie sehr interessant, wenn auch noch ein Toter dabei drin vorkommt, oder? Dann schaut mal hier, ob es euch auch anspricht:
 

Ich war Diener im Hause Hobbs
Verlag: KiWi
Erscheinungsdatum: 16.08.2018

»Es war ein schlampiger Tag. Dies ist eine einfache Geschichte.«

Es war Christian, der Diener der Zürcher Anwaltsfamilie Hobbs, der den Toten im Gartenpavillon neben der blutbespritzten Chaiselongue fand. Jahre später blickt er zurück und versucht zu verstehen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Erinnerungen an seine Jugend im österreichischen Feldkirch drängen sich scheinbar zufällig in die Rekonstruktion: Vier genialisch provinzielle Jungs rezitieren am sommerlichen See in sagenhaften Anzügen Zweig und Hesse, haben ihre ganz eigene Theorie zu Frauen mit Locken und das gute Gefühl, dies alles wäre erst der Anfang. Christian erzählt vom Auseinanderdriften der Freunde, von seinen ersten Jahren im Hobbs’schen Haushalt, von verwirrenden nächtlichen Zimmerbesuchen, liebevoll inszenierten Familienporträts und dem fatalen Moment, als die einnehmende Hausherrin seinen alten Freunden begegnet. Und während er die Untiefen der eigenen Schuld auslotet, kommt er einem großen Geheimnis auf die Spur.


Hier scheint also der Butler nicht der Täter zu sein, aber so ganz ohne Schuld ist er auch nicht. Ich mag solche Geschichten, die mit Doppelzüngigkeit erzählt werden, die mit dem Schein spielen und einen um die Ecken gucken lassen. Deshalb ist es sofort auf meine Wunschliste gelandet und muss näher ins Auge gefasst werden. Was sagt ihr dem zum Buch? Mögt ihr solche Geschichten? Oder müssen es die guten alten historischen Schmöker sein? Und was sagt ihr zum Cover? Ausgesprochen hübsch, finde ich.

Ganz liebe Grüße
Eure, den Staubwedel schwingende, Sharon