Mittwoch, 22. Januar 2020

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherentdecker,

dieses Jahr beginnt wirklich vielversprechend gut, denn Antti Tuomainen bringt ein neues Buch raus. Dieser Mann kann so verdammt humorvoll und auch gefühlvoll schreiben, dabei geht er in die Tiefe, die einen so sehr berührt. Die verwendete Sprache ist herrlich und seine Slapstick-Komödie ist eine der Besten, die ich bis jetzt gelesen habe. Da freut sich doch mein Leserherz extrem drauf und wir schauen uns das neuste Werk doch einfach mal an:


Klein Sibirien
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 28.01.2020

Rallye-Fahrer Tarvainen rast mit zu viel Promille und Selbstmordgedanken durch die schneebedeckte Einöde Nordfinnlands, als es am Himmel aufblitzt und kurz darauf etwas in sein Auto kracht. Das Etwas entpuppt sich als äußerst wertvoller Meteorit, so viel ist schnell allen Bewohnern des Örtchens Hurmevaara klar. Der Schatz wird vorübergehend in die Obhut von Pfarrer Joel gegeben, der als ehemaliger Militär nicht ganz kampfunerfahren ist. Was sich auszahlt, denn von dem Meteoriten hat auch das organisierte Verbrechen schon Wind bekommen.
Dabei hat Joel ganz andere Probleme. Seine Frau ist schwanger, nur wohl leider nicht von ihm. Und so kämpft er gegen Berufskriminelle und andere Schatzsucher und fragt sich derweil, was für ihn in den Sternen steht. 


Der Inhalt ist wieder typisch für den Autor, ein bisschen skurrile mit menschlichen Problemen bestückt und klingt richtig gut. Ich bin ein Fan von diesem Autor und ich finde, er ist hier noch nicht genug bekannt, also schaut es euch bitte mal genauer an. Das ist bestimmt wieder ein ganz großartiger Roman. Habt ihr es den schon entdeckt? Wie findet ihr den Inhalt? Und wer ist diesem Autor auch verfallen?

Ganz liebe Grüße
Eure, schon das Buch in den Händen halten dürfende, Sharon

Montag, 20. Januar 2020

Rezension: Melanie Raabe * Die Wälder

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: btb        
ISBN-13: 978-3442757534
Preis: 16,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR 
Reihe: 1/1  
Erscheinungsdatum: Dezember 2019 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Nina kommt von einer sehr langen Schicht aus dem Krankenhaus nach Hause und erhält dort die Nachricht, das ihr bester Freund Tim gestorben ist. Tim, eine Freundschaft aus Kindertagen, die das Erwachsenwerden überdauert hat und der sie vor seinem Tod noch mehrfach probiert hat zu erreichen. Nina kann es nicht fassen und entdeckt in der Post noch einen Brief von Tim, mit einer Aufgabe. Sie soll seine Schwester finden und den Täter stellen. Das bedeutet zurück ins Dorf ihrer Kindheit, in die endlosen unheimlichen Wälder und sich erneut der Vergangenheit stellen. Ein Plan, der unwirklich ist, unausführbar und doch ist es Tim‘s letzter Wille. Kann Nina diesen Wunsch erfüllen? Stellt sie sich der Vergangenheit? Wird sie zu den Ort zurückkehren, denn sie niemals mehr betreten wollte?

Meinung:
Die Wälder, ist der vierte Thriller, den Melanie Raabe beim btb Verlag veröffentlicht hat und da ich ihre Bücher immer sehr mochte, musste ich natürlich auch diesen lesen. Mit ihrem ersten Thriller „Die Falle“ hatte sie mich so begeistert, ihrer Art zu erzählen, ist so fesselnd gewesen und macht einfach Spaß. Nun habe ich mich in die düsteren Wälder begeben und ob ich heile daraus hervorgegangen bin, erzähle ich euch nun.

Nina ist mit ihrem Beruf verheiratet, als Ärztin ist sie damit vollkommen ausgefüllt und ansonsten hat sie ihren Hund. Ihr soziales Umfeld hält sich damit in Grenzen, aber mit Tim hatte sie immer Kontakt gehalten. Dabei begann diese Freundschaft in Kindheitstagen und obwohl sie damals verzog, hatten sie das besondere Glück ihre Verbundenheit zu bewahren. Deshalb trifft sie sein Tod auch wie ein Schock und die damit verbundene Aufgabe in einem großen Zwiespalt. Immerhin ist in ihrer Kindheit was Schlimmes passiert, was ihr handeln und denken geprägt hat und was keiner aus der damaligen Truppe wirklich überwunden hat. Zu den anderen hat sie nicht mehr wirklich Kontakt, aber was soll sie diesen auch erzählen, dass sie eine Aufgabe von Tim bekommen hat. Nun schwankt Nina mit sich, soll sie sich dem allen stellen, oder Vernunft bewahren und nicht dem Irrsinn verfallen.

Somit ist Nina auch unsere Hauptprotagonistin und oft schwer zu verstehen. Eine Ärztin die sich einen irren Plan annimmt und Hals über Kopf agiert. Aber damit ist sie nicht die Einzige auch David, der beste Freund von Tim taucht in den Plan auf und als Polizist reagiert er nicht besser als Nina. Der Versuch das alles besser zu verstehen, befindet sich in ihrer Kindheit, wo ein Verbrechen stattgefunden hat, was die Kinder damals mehr als nur traumatisiert hat. Dieses Erlebnis hat ihr Erwachsenwerden beeinflusst und bestimmt in den Tiefen, ihres Unterbewusstseins immer noch über ihre Ängste und Gefühle. Keiner der damaligen vier konnte damit abschliessen und nun, durch Tim, stehen sie vor der Auflösung, aber ist das der richtige Weg dazu.

Melanie Raabe ist eine Geschichtenerzählerin und ihr Sound ist einfach unglaublich toll und atmosphärisch und macht aus ihren Büchern etwas Sogmäßiges. Man spürt ihre Geschichten förmlich körperlich mit und davon lebt auch dieses Buch, nämlich von der Atmosphäre. Wenn sie von den Wäldern spricht, bekommt man Gänsehaut, kann die Nacht sehen, das Unheil schmecken und schaut sich auch ganz gern über die Schulter, ob da auch wirklich kein böser Nachbar steht. Aber das allein reicht für einen Thriller nicht ganz aus, oder? Die Idee, abwechselnd die Kapitel mit der Aufgabe und dann mit den Kindheitserinnerungen zu erzählen, passt am Anfang schon ganz gut und hat auch einen kleinen Clou, der ein bisschen in die Irre führt, aber es füllt auch mehr Seiten. Was aber wirklich überraschte, dass die Lösung einfach unspektakulär mittendrin erscheint und mehr im Sande verläuft, als einen zu packen und erstaunt zurückzulassen. Ich glaube hier passt einfach die Bezeichnung Thriller nicht so gut, es ist eher ein Roman, denn im Grunde geht es um die vier Freunde und wie ein schlimmes Erlebnis das eigene Leben unbewusst bestimmt.

Die Wälder sind toll geschrieben und das führt durch die Geschichte, aber es zieht sich auch sehr in die Länge. Dazu kommt, dass die Handlung der Figuren für einen selbst nicht immer ganz schlüssig ist und die Spannung, ist oft ein bisschen für den Leser manipuliert. Aber ich habe es trotzdem gern gelesen, den Anfang fand ich wirklich stark und diese kleinen Unheimlichkeiten perfekt in Szene gesetzt, aber ansonsten kam nicht so viel Inhalt, vielleicht ein bisschen zu wenig und mit der Auflösung bin ich nicht wirklich ganz glücklich, denn diese passierte 100 Seiten vor Ende und danach kam eigentlich mehr, als die Reinigung für die Kindheitsgeschehnisse.

Die Wälder sind definitiv anders als erwartet, atmosphärisch, absolut, eine Fallstudie, was ein Trauma in der Kindheit mit vier Freunden macht. Aber als Thriller fand ich es etwas mager und auch an einigen Stellen fragwürdig. 

Henry und ich fanden die Atmosphäre klasse, aber die Story etwas mau, deshalb drei Bücherpunkte:
 
__________________________________________________________________________
  
Über die Autorin:


MELANIE RAABE wurde 1981 in Jena geboren. Nach dem Studium arbeitete sie tagsüber als Journalistin – und schrieb nachts heimlich Bücher. 2015 erschien DIE FALLE, 2016 folgte DIE WAHRHEIT, 2018 dann DER SCHATTEN. Ihre Romane werden in über 20 Ländern veröffentlicht, mehrere Verfilmungen sind in Arbeit. Melanie Raabe betreibt zudem gemeinsam mit der Künstlerin Laura Kampf einen erfolgreichen wöchentlichen Podcast rund um das Thema Kreativität, „Raabe & Kampf“. Melanie Raabe lebt und arbeitet in Köln.

Quelle: btb Verlag

Weitere Romane von Melanie Raabe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/Der-Schatten_lid_36759808.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/Die-Falle_lid_25995775.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/DIE-WAHRHEIT_lid_29702068.html?storeID=barbers



Vielen lieben Dank an den btb Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Freitag, 17. Januar 2020

Rezension: Bernhard Aichner * Der Fund

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: btb
ISBN-13:
978-3442757831
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2019 



Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Rita ist Supermarktverkäuferin, verheiratet und lebt zurückgezogen in einem Mehrfamilienbunker. Stoisch, stagniert nimmt sie ihr Leben hin, aber das war mal anders, sie hatte große Träume. Nun räumt sie Ware ein und öffnet ein Paket, was ihre Jugendgedanken wieder erwachen lässt, soll sie es mit nach Hause nehmen und ihr Leben ändern? Oder wie immer vorbildlich und klein sein. Rita muss sich entscheiden und wird somit ein Fall für die Kriminalpolizei, denn Rita ist tot und lässt tausend Fragen offen zurück. Für seine Kollegen bei der Polizei ist der Fall offiziell abgeschlossen, aber einer möchte der Wahrheit auf den Grund gehen und überschüttet Ritas Umfeld mit Fragen. Vielen Fragen, guten Fragen und unangenehmen Fragen und tritt dabei jeden auf die Füße. Wird er die richtigen Fragen stellen? Was ist mit Rita passiert? Und werden wir die Wahrheit erfahren?

Meinung:
Bernhard Aichner ist ein Garant für megagute Thriller, die einen umhauen und verdammt gut unterhalten. Ich bin also ein Aichner Fan und musste mir auch den neusten Band sofort zulegen, ohne vorher den Inhalt zu kennen, und tja, dieser ist auch ein bisschen kryptisch. So richtig weiß man nicht, worum es geht und doch möchte man wissen, was dieser gelbe Buchschnitt zu verbergen hat. Ob mir die Lösung des Ganzen gefallen hat, erzähle ich euch jetzt.

Die Geschichte und das ist der absolute Clou daran, wird abwechselnd erzählt. Da haben wir Rita, die im Lager steht und eine Entdeckung macht, die ihr ganzes Leben verändern wird. Und danach kommt der Polizist, der sein Gegenüber mit Fragen überschüttet, umso mehr über Rita zu erfahren. Somit tauchen wir in Ritas jetzt ein und begeben uns gleichzeitig in ihre Vergangenheit. Wer ist also Rita? Wie verlief ihr Leben? Und genau das macht der Autor so geschickt, dass man gar nicht schnell genug lesen kann, weil man zum Einen Ritas Abenteuer miterleben möchte und dabei immer mehr den Atem anhält. Oder zum Zweiten, erleben möchte, wenn der Polizist, dessen Namen wir nicht erfahren, als Nächstes verhört. Wie er sich immer mehr an die Wahrheit heranschleicht, wie er geschickt die Fäden in der Hand hält und äußerst genial, die Leute mit ihren eigenen Antworten zu Fall bringt. Allein für diesen Schachzug der Erzählung ist Bernhard Aichner einfach zu bewundern. Seine Art zu schreiben ist unverwechselbar und hat eine Stimme, die einfach umhaut.

Zur Geschichte selbst, mag ich gar nicht viel verraten, denn jedes Wort zu viel, würde zu viel verraten und ich möchte auf gar keinen Fall, das ihr euch das Lesevergnügen verderbt. Vielleicht nur so viel, es ist wieder auch typisch Aichner, etwas fett aufgetragen, ein Ausflug in die Verbrecherwelt und die Jagd, dieser wieder zu entkommen. Dazu ein bisschen Schicksal, viel Leben und natürlich fließt auch ein bisschen Blut. Aber wie sagt der Autor immer so schön: Alles wird gut, Schnuggis und das mit einem überraschenden und wirklich bombastischen Manöver.

Ich bin ehrlich gesagt total begeistert gewesen und mochte diese Idee um Rita sehr. Allein wie er Rita beschreibt, ist total klasse und zeigt, dass er sich Menschen genau anschaut und beobachtet und eine Figur schafft, die man einfach nur mag und trotzdem, ist das Leben echt Mist zu ihr. Umso realer ist das Ganze und vermischt wieder Leben mit Gangstergeschichten. Hach, ich mag das. Und ich liebe seine Art der Dialoge und da der Polizist nur Dialoge hat, bin ich voll auf meine Kosten gekommen. Wie kann man nur durch einen Dialog eine Figur so getreu in seinem eigenen Kopf Form an nehmen lassen, das ist unglaublich und doch klappt das perfekt. Das ist einfach die absolute Stärke von Bernhard Aichner und man darf doch wieder sehr gespannt sein, was er sich für uns als Nächstes ausspinnt.

Der Fund ist ein absoluter Schachzug an Erzählkunst und hat mich total umgehauen. Dazu eine Figur die einem nahe geht und Unterhaltung, die man nicht schnell genug verschlingen kann. Absolut großartig!
 
Henry und ich finden diesen Autor einfach Hammer und es gibt wieder die vollen Bücherpunkte:
 
__________________________________________________________________________
  
Über den Autor:
 


Bernhard Aichner (1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Burgdorfer Krimipreis 2014, dem Crime Cologne Award 2015 und dem Friedrich Glauser Preis 2017.

Die Thriller seiner Totenfrau-Trilogie standen monatelang an der Spitze der Bestsellerlisten. Die Romane wurden in 16 Länder verkauft, u.a. auch nach USA und England. Mit BÖSLAND schloss er 2018 an seine internationalen Erfolge an.

Quelle: btb Verlag