Freitag, 21. September 2018

Rezension: Delphine de Vigan * Loyalitäten


Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13: 
978-3832183592 
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: September 2018
Übersetzer: Doris Heinemann 


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Inhalt:
Théo ist ein unauffälliger Schüler, still, selbstständig und schreibt gute Noten und doch hat seine Lehrerin ein komisches Gefühl bei Ihm. Auch die Mutter von seinem besten Freund beäugt die Freundschaft kritisch und misstrauisch. So ganz unbegründet ist der Verdacht auch nicht, denn hinter Théo stehen zwei zerstrittene Eltern, eine schlimme Scheidung und Kontakt untereinander schon lange nicht mehr. Théo muss so zwischen einer unglücklichen Mutter und einen depressiven Vater hin und her pendeln. Keiner will von anderen was wissen und jeder erdrückt ihn mit seiner Last. Das wird Théo zu viel, er ist mit diesen Leben überfordert und sucht dringend einen Ausweg. Diesen findet er in der Wärme von Alkohol und dem Taubheitsgefühl. Wie lang wird das gut gehen? Wem wird Théos zerbrochene Seele auffallen? Und wie weit darf Loyalität zu den Eltern gehen?

Meinung:
Delphine de Vigan hat ein neues Buch und wieder kein leichtes Thema gewählt. Loyalitäten begleiten uns unbewusst den ganzen Tag. Wir entscheiden nach Gefühl und Zuneigung, Verschweigen oder vermitteln, weil wir loyal zu jemanden stehen. Aber wo kommt das her, wann hört das auf und ist man immer gerecht? Das versucht die Autorin mit der Geschichte eines Scheidungskindes einzufangen und nimmt wie immer das Skalpell der genauen Beobachtung in die Hand. Ob mir diese Geschichte gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte wird aus mehreren Sichten geschildert. Da haben wir natürlich zuerst Théo, er ist zwölf und hat schon die Last zwei erwachsener zu tragen, nämlich die seiner Eltern. Als Scheidungskind muss er zwischen Vater und Mutter hin und her pendeln und darf keinen vom anderen erzählen. Er versucht es jedem Recht zu machen und wird von ihren Gefühlen erdrückt. Der Vater rutscht in eine Lebenskrise und Depression, Théo darf es aber keinem erzählen, so ist die Zeit bei seinem Vater extrem belastend. Aber sobald er bei der Mutter ist, muss er alles abstreifen und darf nicht zeigen, wie fertig er sich fühlt. Er wandert durch die starken Gefühlswelten seiner Eltern, deren Gefühle er nicht verletzten möchte, und muss dabei ein Minenfeld durchlaufen. So versucht er, seinem Alltag unbemerkt und fast durchsichtig zu überleben. Der einzige Lichtblick ist seine Freundschaft zu Mathis und das Geheimnis des Alkohols.

Da bekommen wir auch schon die zweite Sicht Mathis, der Théo schon lange zur Seite steht und seinem Freund bei seiner Trinkerei besteht. Erst ist es ein Spaß, aber bald fühlt sich Mathis nicht mehr wohl bei der Sache und macht sich Sorgen um seinen Freund. Er weiß das Théo zu Hause Probleme hat, kann sie aber nicht ganz greifen und ist hilflos. Aber auch bei Mathis zu Hause ist nicht alles in Butter und hier haben wir die nächste Stimme. Mathis Mutter Cécile hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen und entdeckt ein Geheimnis in ihrer Ehe, was diese komplett in einem anderen Licht erscheinen lässt. Aber obwohl sie damit mehr als ausgelastet ist, ist ihr die Freundschaft von ihrem Sohn Mathis mit Théo ein Dorn im Auge, da sie diesen Jungen merkwürdig findet und er einen schlechten Einfluss auf Mathis hat. So versucht sie immer wieder, Mathis zu überreden auch mit anderen Kindern sich anzufreunden.

Und die letzte Stimme ist Hélène, eine Lehrerin von Théo und die Einzige, die ahnt, dass mit Théo etwas nicht stimmt. Sie beobachtet ihn genau und merkt kleine Veränderungen, kann diese aber nicht so konkretisieren, dass das Schulamt was unternimmt. Aber sie bleibt am Ball und je mehr sie sich hineinsteigert, bringt sie sich selbst und ihren Job in Gefahr. Dabei kann sie sich vorstellen, was mit Théo nicht stimmt, da sie selbst ein Opfer von Missbrauch in der Kindheit war.

So wechselt die Geschichte ständig die Perspektive und wirft ein ganzes Spektrum an Loyalitätsfragen auf. Zum einen die Loyalität zu den Eltern, zur Freundschaft, zu seinem Partner und natürlich zur Schule. Alle befinden sich in irgendeiner Zwickmühle, keiner möchte so gern aus der Komfortzone raus und keiner wirklich was hinterfragen. Jeder ist mit der eigenen Last erdrückt und versucht sich ohne große Explosionen durch die Probleme zu schiffen. So wird ein Kind dazu genötigt für jeden Elternteil eine Rolle zu spielen und die Wahrheit für sich zu behalten, weil sie selbst zu feige sind. Man will es ja Mama und Papa recht machen, ein guter Sohn sein und geliebt werden. So sind wir erzogen, wir wollen geliebt werden und sind allein schon deshalb loyal. Delphine de Vigan ist selbst ein Scheidungskind und kann aus ganz persönlichen Gründen hier ein wirklich genaues Bild geben. Das beschreibt sie auch wieder ganz kurz und mit treffenden Worten, dass es direkt ins Herz trifft und man sich selbst in einigen Situationen wieder findet. Dieses kleine Buch hat eine unglaubliche Wucht in sich, man spürt die Ohnmacht, die Hilflosigkeit und die Wut und weiß, genau so ist sie, unsere Welt, in der wir nicht mehr richtig hingucken.

Loyalitäten ist ein starkes Buch, was mit Gesellschaftskritik, Offenheit und Weisheit ans Werk geht und ein ganz genaues erschreckendes Bild wiedergibt. Dabei packt es einem und berührt emotional sehr. Diese Autorin hat es wirklich drauf seine Leser Themen zu erklären und diese kritisch nachdenklich zurück zulassen. Dickes Kompliment dafür.
 
Henry und ich hatten trotz des ernsten Themas, eine ziemlich gute Zeit und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Delphine de Vigan, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Bei DuMont erschien 2017 ihr Debütroman ›Tage ohne Hunger‹. Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.

Quelle: Dumont Verlag

Weitere Werke der Autorin aus dem Dumont Verlag:

https://www.genialokal.de/Produkt/Delphine-de-Vigan/Nach-einer-wahren-Geschichte_lid_29712191.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Delphine-de-Vigan/Tage-ohne-Hunger_lid_32884930.html?storeID=barbers

 Rezension I --

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar. 


Mittwoch, 19. September 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherabenteurer,

die kuschelige und gemütliche Jahreszeit beginnt und da muss doch auch die passende Literatur her. Wie wäre es da mit einem neuen Fantasy Epos zum Wegträumen, eintauchen und entführen lassen. Neue Welten entdecken, passt doch perfekt in die dunkle Jahreszeit. Kuscheldecke, Tee und dann Magie, Intrigen, Mut und viele verschiedene Figuren, das klingt doch nach tollem Kopfkino und eine perfekte Zeit. Findet ihr das auch so? Dann schaut mal hier:



Die Krone der Dunkelheit
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 02.Oktober 2018

Magie ist in Thobria, dem Land der Menschen, verboten – doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Zwillingsbruder entführt und seitdem versucht Freya verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland, das von magischen Wesen und grausamen Kreaturen, den Elva, bewohnt wird. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf den Weg dorthin und muss ungeahnten Gefahren ins Auge blicken.
Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Ihr gesamtes Dorf wurde einst von blutrünstigen Elva ausgelöscht, und Ceylan sehnt sich nicht nur nach Rache, sondern möchte auch um jeden Preis verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht. Doch ihr Ungehorsam bringt sie bei den Wächtern immer wieder in Schwierigkeiten, bis sie schließlich bestraft wird: Sie soll als Repräsentantin an der Krönung des Fae-Prinzen teilnehmen. Dafür muss sie nach Melidrian reisen, in ein Land, in dem es vor Feinden nur so wimmelt.  
Und während sich die beiden Frauen ihrem Schicksal stellen, regt sich eine dunkle Macht in der Anderswelt, welche Thobria und Melidrian gleichermaßen bedrohen wird ...


Na, was sagt ihr zum Buch? Ich habe ja schon von Laura Kneidel Fantasy Bücher gelesen und habe mich mega gut unterhalten gefühlt, da ist was Neues doch immer einen Blick wert. Die Autorin ist gerade aber auch mega fett im Geschäft und schreibt wie am Fließband, aber ich freu mich sehr für sie und das es auch wieder Fantasy gibt. Also, was soll ich lange um den heißen Brei herumreden, ich freu mich darauf. Wer denn auch? Wer hat schon was von ihr gelesen? Und steht dieses Buch auch auf eurer Wunschliste?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich vor Vorfreude die händereibende, Sharon

Montag, 17. September 2018

Rezension: Jess Kidd * Heilige und andere Tote

Gebundene Ausgabe: 382 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13:
978-3832198909
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2018
Übersetzer: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann 


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Inhalt:
Maud Drennan ist Sozialbetreuerin und bekommt einen besonders schweren Fall zugeteilt. Viele ihrer Kollegen haben schon aufgegeben und nun ist sie die letzte Chance von Cathal Flood. Ein alter Antiquitäten- und Kuriositätenhändler, der seit dem Tod seiner Frau allein lebt und sich alle Fremden mit Beschimpfungen und seinem überfluteten Messie-Anwesen vom Leib hält. Aber er hat die Rechnung ohne Maud gemacht, diese behält die Ruhe, geht mit einer Unerschrockenheit gegen Müll und Bewohner an und lässt sich nicht in die Flucht schlagen. Obwohl sie Bridlemere mehr als unheimlich empfindet und sie über einige Geheimnisse zu stolpern droht. Denn ihr werden Botschaften zugespielt und diese lassen vermuten, das Mr. Flood auch noch eine Tochter hatte. Aber wo ist sie? Und warum spricht er nicht von ihr? Tja, und was ist mit seinem Sohn? Denn diese Verbindung ist durch Hass durchwoben. Maud möchte am liebsten gar nix wissen, wird aber wegen ihrer Freundin zur Detektivin und bekommt Unterstützung von einigen Heiligen, die nur sie sehen kann.

Meinung:
Ich habe mich schwer in das Debüt der Autorin verliebt gehabt und konnte die Freude kaum bändigen, als ich hörte, dass nun ein zweites Buch an den Start geht. Ihre Gesichten aus Geheimnissen, Menschenschicksalen und ihren Geistern sind so wunderbar sprachlich verstrickt und herrlich zu lesen. Nun steht also eine Sozialarbeiterin im Mittelpunkt und ihr folgt eine ganze Horde schrulliger Heiliger. Das wird bestimmt ein Spaß, und ob es einer wurde, erzähle ich euch nun.

Maud Drennan ist in ihrem Job richtig gut und deshalb auch der letzte Versuch für Mr. Flood, bevor es sonst ins Altenheim geht. Sie bewahrt stoische ihre Ruhe, flippt nicht direkt aus und kämpft einfach unerbittlich weiter. Sie stellt sich Dreck, Müll und Mr. Flood im Weg, und ob er will oder nicht, so langsam zeigt es Wirkung. Dabei ist Maud alles andere als innerlich ruhig, denn auch sie hat eine Vergangenheit und ihr Päckchen zu tragen, das sie in Form einer Horde Heiliger hinterher rennt. Diese verstorbenen Märtyrer kann nur sie sehen und auch hören und das ist nicht immer toll. Und da sie nun für Übernatürliches empfänglich ist, bekommt sie in dem Haus Botschaften zugespielt. Zuerst erreicht sie auf ganz dramatischem Weg ein Foto, was ein Geschwisterpaar zeigt, wo das Gesicht des Mädchens ein Brandloch hat. Erst will sie es wegtun, aber dann zeigt sie es doch Renata, ihrer Vermieterin und Freundin und diese liebt Kriminalfälle. So kommt es, das sie beide anfangen detektivisch vorzugehen. Allerdings spitzt sich die Lage immer mehr zu und es tauchen nicht nur neue Botschaften auf, sondern auch Gewalt, dass ihre Ermittlung unterbinden soll. Aber sie ist nicht gewillt klein beizugeben und ihre Heiligen unterstützen sie dabei.

Was soll ich sagen, klingt gut und ist gut. Ich mochte Maud unglaublich gern und das gilt irgendwie für alle Figuren im Buch, ob Gut oder Böse. Sie alle haben so eine tolle Aura und sind so liebevoll beschrieben und in Szene gesetzt, dass man sie einfach sieht und gern mehr Zeit mit ihnen hätte, als die Buchseiten hergeben. Dann die unglaubliche Wortwahl der Autorin, ihre Beschreibungen, ihre fast schon poetischen Verknüpfungen lassen einen einfach herrlich seufzen, dabei ist der Inhalt manchmal gar nicht nett. So gibt es schlimme Szenen und diese werden aber so unglaublich mit Worten geschildert, das man ein bisschen zwischen den Zeilen lesen muss, um die Genauigkeit zu bekommen, aber genau das macht das Magische an den Geschichten aus. Es sind nicht nur die Geister, sondern die Wörter. Aber auch die Geister haben es in sich, zynisch, schlecht launig und doch zauberhaft in ihrer Schrulligkeit. Ich bin immer wieder total entzückt, wie toll sie das alles hinbekommt und aus einem Familiendrama solch ein Hokuspokus erwachen lassen kann. Ah, ich habe noch den einzigartigen Mr. Flood vergessen zu erwähnen, aber ich glaube, denn muss jeder selber kennenlernen.

Heilige und andere Tote ist wieder herrlich skurril, aber mit dem gewissen magischen Etwas, was einfach einmalig ist und wahnsinnig gut unterhält. Schicksale werden geheimnisumwoben verpackt und mit warmherzigen Figuren ausgestattet. Entdecken und mit rätseln wird inklusive mitgeliefert. Ach, ich möchte mehr, viel mehr, solcher magischen Bücher.
 
Henry und ich hatten unbändige Lesefreude und vergeben dafür die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
 


Jess Kidd hat Creative Writing an der St. Mary’s University in Twickenham studiert. Seit 2011 unterrichtet sie dieses Fach. Bei DuMont erschien 2017 ihr Debütroman ›Der Freund der Toten‹, der auf der Krimi-Bestenliste stand. Die Autorin lebt mit ihrer Tochter in West London.

Quelle: Dumont Verlag

Weitere Werke der Autorin:

https://www.genialokal.de/Produkt/Jess-Kidd/Der-Freund-der-Toten_lid_31876516.html?storeID=barbers

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.