Freitag, 25. Mai 2018

Rezension: Verena Carl * Die Lichter unter uns


Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: S. Fischer
ISBN-13: 
978-3103973631
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: April 2017




Inhalt:
Anna macht mit ihrer Familie Urlaub auf Sizilien, aber sie fühlt sich einsam, ist es das, was sie mal wollte? Die Tochter hängt nur an dem Vater, der mag nicht ans Wasser und von den einstigen Erinnerungen an die Flitterwochen hier im Ort, ist vielleicht ein Hauch übrigen geblieben. Sind sie noch dasselbe Paar? So schlendert Anna abends alleine los, gönnt sich einen Drink und beobachtet ein Paar. Beide jung, beide verhalten, beide still und doch spürt Anna die Verbundenheit. Als sich die Frau umdreht, erkennt Anna, dass diese schwanger ist und verliert sich selbst in Erinnerungen, aber dann kommt ein älterer Mann auf das Paar zu und er küsst besitzergreifend, die junge Frau. Hat Anna da was falsch interpretiert? Wer ist der Mann? Und führt er das Leben, was sie immer wollte? Ist er glücklich?

Meinung:
Diese Geschichte reizte mich aus zwei Gründen zu lesen, erstens Sizilien. Wasser, köstliche Gerüche, ein ganz anderes Lebensgefühl. Und der zweite Grund, die Frage, wovon träume ich und lebe ich meinem Traum. Bin ich glücklich? Fragen wir uns das nicht alle mal an einem Punkt in unserem Leben. Passt mein Leben zu mir, fühle ich mich darin wohl? Auf die Sicht der Autorin war ich deshalb gespannt. Wie setzt sie das um, kann solch eine Geschichte überzeugen. Tja, und das versuche ich nun mal, euch zu erzählen.

Ihr kennt das doch auch, man sitzt im Urlaub im Café, beobachtet Menschen und strickt sich deren Geschichten zusammen. Da ist eine Familie mit lachenden Kindern, aber die Eltern schweigen, dahinter versteckt sich doch jede Menge Spekulationsstoff. Oder Paare, die sich viel erzählen, sich in die Augen schauen, oder doch lieber aufs Handy. Das Erraten, wie lange jemand zusammen ist, kann man doch durch viele kleine Gesten erahnen. Beobachten und interpretieren ist ein wunderbarer Zeitvertreib, aber man kann den Leuten am Ende nur vor dem Kopf gucken, und ob jemand wirklich glücklich ist, in seinem Leben ist nicht immer leicht zu deuten.

Anna ist es zum Beginn der Geschichte nicht. Sie ist am Punkt angelangt, um ihr Leben zu hinterfragen. Im Prinzip hat man sich im Leben bequem gemacht, führt das typische Familienleben, arbeitet aber nicht an mehr dran. So bleibt oft das Paar, nämlich die Eltern, auf der Strecke und es quälen die Alltagssorgen und der Kampf um die Liebe der Kinder. Das alles fängt die Autorin ziemlich gut ein, ganz ehrlich, rasiermesserscharf, aber trotzdem berührt es nicht ganz. Ich habe trotzdem eine Distanz zwischen mir und Anna gespürt, wir sind reserviert miteinander umgegangen und manchmal war ich doch weit weg.

Dann haben wir Alexanders Geschichte, die sich abwechselnd mit Annas vermischt. Er ist Anwalt und möchte eigentlich wie Anna einen Urlaub der Erinnerungen machen, nicht wie bei Anna, die Flitterwochen aufleben, sondern die Familie. Bei Alexander geht es um den Sohn, sein erwachsender Sohn und um Versöhnung. Alexander hat nämlich aus seiner Geliebten, eine werdende Mutter gemacht und seine Ehefrau ist in dem ganzen Ehechaos verstorben. Nun bleiben die zwei Männer zurück und können nicht wirklich was miteinander anfangen und zwischen ihnen, Zoe, die neue Frau an Alexanders Seite. Aber wie viel Schein und Sein liegt in dieser Beziehung? Wer spielt hier wem was vor? Und welche Glücksskala findet hier überhaupt Verwendung? Nach außen hin scheinen alle drei ein Leben voller Wohlstand und Zufriedenheit zu leben, aber sobald man in die Köpfe schaut und das dürfen wir, denn jeder kommt zu Wort, ist es ein Desaster an Lebenslügen. Welche verrate ich natürlich nicht.

So lebt diese Geschichte von diesen beiden Familien, denn oberflächlichen Blick und dem eigenen interpretieren. Die Geschichte plätschert deshalb auch ein wenig dahin und berichtet eher über Lebensgeschichten und verworfenen Träumen, als wirklich Handlung aufzubauen. Aber manchmal braucht eine Gesichte auch nicht mehr, als den Blick des Lesers auf Gefühle zu lenken und ihm somit über sich selbst zum Nachdenken zu bringen. Denn die Frage nach dem Glück und was es für jeden bedeutet, ist doch ein wichtiges Detail im Leben. Ob die Personen noch ihr Glück und ihre Zufriedenheit finden werden, muss man selber herausfinden.

Verena Carl hat mich selbst in den Urlaub gebracht und die wunderbare Müßigkeit an freier Zeit spüren lassen und den Blick in die Runde. Gern schaut man anderen zu und gern bildet man sich was ein, aber man darf nicht sein eigenes Wohlgefühl vergessen. Ein interessanter Ansatz und eine aufrichtige Erzählung, die man aber mögen muss.
 
Henry und ich fanden die Idee nicht schlecht, einen Blick in die unbequeme Komfortzone zweier Familien zu werfen, nur sprang der Funke nicht ganz über und so gibt es drei Bücherpunkte: 

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Über die Autorin:

Verena Carl wurde 1969 geboren und lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Sie lernte ihr Handwerk an der Deutschen Journalistenschule und schreibt unter anderem für »Brigitte« und »Merian«. Sie veröffentlichte zahlreiche Kinderbücher und -hörspiele und eine Reihe von Romanen. Für ihr literarisches Werk wurde sie unter anderem zweimal mit dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet. Im Frühjahr 2018 erschien ihr neuer Roman »Die Lichter unter uns«.


Vielen lieben Dank an den S. Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 23. Mai 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherstreichler,

machmal gibt es auch historische Romane, die mir ins Auge fallen und mein Bücherherz höher schlagen lassen. Obwohl ich eher selten Historisches lese, aber es gibt so Themen, da bin ich sofort dabei. Wie zum Beispiel Theater und Shakespeare, diese Welt ist so unglaublich faszinierend und zu der Zeit absolut aufblühend. Außerdem ist es fremd, bunt und eine ganz eigene Welt. Aber schaut doch mal selbst:


Narren und Sterbliche
Verlag: Wunderlich
Erscheinungsdatum: 24.07.2018

Der Winter 1595 ist kalt. Das macht auch den Mitgliedern der Theatertruppe von William Shakespeare zu schaffen, einer von vielen in London. Die Stadt ist seit längerem vom Theaterfieber ergriffen, neu entstandene Schauspielhäuser vor den Toren der Stadt fassen Tausende Zuschauer, die sich mit Bühnenstücken, Tanz, Zoten und dressierten Bären unterhalten lassen. Halbseidenes Gesindel sind diese Schauspieler in den Augen der puritanischen Obrigkeit, die alle Bühnen verbieten will. Aber viele im Hochadel lieben das Theater, und auch die Königin tut es.
Zur Hochzeit einer hochgestellten Dame soll die Truppe ein neues Stück auf die Bühne bringen, eine Komödie mit dem Titel „Der Sommernachtstraum“. Mit von der Partie: Richard, William Shakespeares jüngerer Bruder, vom Älteren wenig geliebt und auf der Bühne nur in Frauenrollen geduldet.
Dann geschieht eine Katastrophe: Ein konkurrierendes Schauspielhaus lässt das Stück stehlen. Aber Richard weiß, wie die Uraufführung zu retten ist. Er wird das Stück zurückstehlen und damit William dazu bringen, ihn endlich zu respektieren, ihm endlich eine Männerrolle zu geben – und dann fehlt ihm zu seinem Glück nur noch die Hand der schönen Silvia…


Bernard Cornwell ist ein Spezialist für historische Romane und schreibt absolut fesselnd und keine Spur langweilig, zumindest fand ich das bei der Uhtred Saga so und nun London mit Shakespeare. Außerdem nimmt er ein absolutes Lieblingsstück von mir dran, nämlich "Der Sommernachtstraum", das kann nur gut werden. Also, wer liest gern historische Romane? Wer kennt schon Geschichten von Bernard Cornwell? Und wer findet diese Zeit auch so spannend wie ich? Ach, ich bin ganz entzückt und freue mich ganz famos darauf.

Ganz liebe Grüße
Eure, sich vielleicht das Werk noch mal lesende, Sharon

Dienstag, 22. Mai 2018

Rezension: Christine Féret-Fleury * Das Mädchen, das in der Metro las


Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832198862
Preis: 18,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Mai 2018
Übersetzer: Sylvia Spatz




Inhalt:
Juliette nimmt jeden Morgen zur Arbeit die Metro und verbringt die Zeit damit zu lesen und sich in ferne Welten zu träumen, oder zu beobachten. Nämlich die anderen Leser, wie die Frau mit dem immer gleichen Kochbuch, oder der Mann, der aus seinem Sachbuch über Insekten ein richtig kleines Ritual zu feiern schien, oder die junge Frau, die immer auf Seite 247 in Tränen aufgelöst ist. Menschen die Lesen weckten Juliettes Neugier und sie fragte sich, was das jeweilige Buch in ihnen auslöste. Als sie sich aber an einem Tag entschied früher auszusteigen und ein Stück zu laufen, da ahnte sie noch nicht, dass dieser Spaziergang ihr Leben verändert würde. Durch Zufall, oder Eingebung begegnet sie Soliman und seinem Reich voller Bücher und der Aufgabe, das richtige Buch für die richtige Person zu erwählen, denn Bücher haben Macht, das Leben zu beeinflussen. Wird sich Juliette der Aufgabe stellen? Was wird sie noch über Bücher erfahren? Und hat sie die Gabe, das richtige Buch auszuwählen?

Meinung:
Ich fürchte ja fast, ich bin dem Charme französischer Bücher einfach erlegen. Wenn dann auch noch eine Geschichte über Bücher mich erreicht, ist es sogar noch schlimmer, wie soll man da nicht dem Zauber verfallen. Allerdings hatte auch ich schon mal die Ausnahme in der Hand und nach dem Lesen die Frage im Kopf, was wollte mir der Autor da erzählen. Manchmal neigt der Franzose auch zu sehr zum abstrakten und ein normal Sterblicher versteht es nicht. Ob das aber hier zutrifft, erzähle ich euch nun.

Der Beginn ist auch direkt die erste Metrofahrt zur Arbeit und wir lernen Juliette kennen. Eine junge Frau, die eine richtig gute Beobachterin ist. Sie hat mich ein bisschen an die fabelhafte Amelie erinnert, da auch sie auf ihre Umgebung immer ein ganz besonderes Augenmerk hat und die Dinge anders wahrnimmt, als man selbst. So schlendert sie in ihren Leben lieber allein umher und genießt ihre Routine. Aber am liebsten streift sie durch Bücher und lässt sich regelmäßig in Geschichten hineinfallen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ihr beim Spaziergang ein Buch auffällt, was zwischen die Türpfosten geklemmt steckt, damit ein junges Mädchen, die Tür leichter aufbekommt. Tja uns so findet Juliette Soliman. Einen dünnen Mann, in einem Meer aus Büchern, der Beginn einer Reise zu Juliette und ihren Leben.

Soliman ist nämlich kein Buchhändler oder Bibliothekar, sondern er bestückt seine Kuriere mit Büchern. Eine Art Bookcrossing, wo ein Buch auf Reise geht und überall seine Leser findet. Aber hier sucht sich nicht das Buch, den Leser aus. Sondern der Kurier sucht das richtige Buch für den Leser aus, nämlich genau das, was er gerade für sein Leben braucht. Lebt der Leser in Groll, braucht er eine Geschichte, die ihn besänftigt, zum Beispiel. Tja, und da Juliette gerade da ist, kann sie doch auch ein Päckchen Bücher mitnehmen und dafür den richtigen Leser aussuchen und so wird Juliette auch Kurier. Aber der Aufgabe gewachsen fühlt sie sich gar nicht und so braucht es unbedingt noch ein Schlüsselereignis um sie in die eigene richtige Richtung zu schubsen. Mehr wird hier nicht verraten.

Ich mach es kurz, wer Bücher liebt, wird sich hier absolut wohlfühlen, aber auch danach eine Wunschliste haben, die Zentner schwer ist. Die Autorin spinnt hier einen ganz besonderen Zauber und lässt die Liebe zu Büchern absolut zelebrieren. Juliette, die immer im Leben nach etwas gesucht hat, sich aber nie getraut hat, über sich selbst hinauszuwachsen, wird hier reifen und sich ihrer neu gewonnenen Leidenschaft stellen. Eine Geschichte, die nicht nur Bücher im Mittelpunkt stellt, sondern auch Mut, sein eigenes Leben neu zu sortieren und erblühen zu lassen. Allein der Ansatz der Geschichte, für jeden Leser, das richtige Buch zu finden, fand ich absolut magisch und davon hätte ich ewig noch mehr lesen können, aber es ist ja nur Juliettes Anfang.

Das Mädchen, das in der Metro las, ist Buchzauber pur, mit jeder menge Charme, und dem Wunsch direkt alle genannten Bücher selbst zu lesen. Ich glaube danach, werden wir Lesende mit ihren Büchern anders beobachten und überlegen, ist das, das richtige Buch für ihm oder sie. Absolut herrlich zu lesen.
 
Henry und ich vergeben für diese locker und leichte Liebeserklärung ans Buch die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Christine Féret-Fleury arbeitete viele Jahre als Lektorin in einem französischen Verlagshaus, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Sie hat mehrere Jugendbücher und Erwachsenenromane geschrieben, die prämiert und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Quelle: Dumont Verlag


Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.