Freitag, 15. Oktober 2021

Rezension: Petra Hartlieb * Herbst in Wien

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten  
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832181451
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 4. Teil
Erscheinungsdatum: September 2021 
 
 
 
 
Inhalt:
Für Marie und Oskar beginnt eine schwere und unberechenbare Zeit, denn der Erste Weltkrieg bringt für alle Menschen Trauer und harte Entbehrungen mit sich. So steht Marie allein mit Kind im Buchladen und versucht alles am Laufen zu halten. Oskar kehrt verletzt zurück und ist ein Schatten seiner selbst. Die Sorgen werden größer, die Nöte unüberwindbar, aber dann ist Kriegsende und Licht kehrt zurück. Es ist die Zeit um Luft holen, sich der kleinen Dinge bewusster zu werden und neue Wege zu gehen. Das Geschichtskarussell dreht sich weiter und es gibt einiges noch zu erleben. Wie wird es mit der Buchhandlung weitergehen? Sind Marie und Oskar noch immer glücklich? Und was hat Fanni mit den Frauenversammlungen zu tun?

Meinung:
Nun ist es Herbst in Wien und passend dazu gibt es den Abschlussband um Marie und Oskar von Petra Hartlieb. Was habe ich mich in die Geschichte des Dienstmädchens und dem Buchhändler verliebt, was habe ich gebangt, ob sie heiraten dürfen und wie die ersten Ehejahre verliefen. Da ist es wohl klar, dass ich auch dieses Buch einfach lesen musste und außerdem musste ich einfach mal wieder nach Wien. Ob mir die Reise dahin gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte beginnt 1931 mit einem Besuch im naturhistorischen Museum, und hier verbirgt sich so einige kleine Cliffhanger, aber auch den Gedanken, es muss viel passiert sein, aber unserem Liebespaar von einst geht es gut. So kuschelt man sich zurück in den Lesesessel und stürzt sich in das Jahr 1915, wo Oskar von der Front verletzt nach Hause kommt. Marie im Dauerstress und überfordert, aber kämpfend für ihre Familie. So durchwandert dieses Paar noch einige Höhen und Tiefen, leidet, wächst aber auch mehr zusammen und lässt Geschichte der damaligen Zeit wieder präsent werden. Armut, Krankheiten, Hungersnot, Kindstod, Krieg, aber auch die aufblühende Zeit, der Wechsel von Altverstaubten zu neuen jungen Ideen und der Kampf der Frauen für mehr Rechte. Das ist vielleicht nicht unbedingt Maries Kampf, aber Fanni ist dabei und ihre Wege sind ja immer ungewöhnlicher Natur gewesen.

Eigentlich möchte ich nicht mehr verraten, es ist ein Mix aus geschichtlichen Elementen, verwoben mit einer liebreizenden Familie. Petra Hartlieb setzt somit ihre Geschichte weiter und handelt diesmal einen viel größeren Zeitraum ab. Sie lässt viele geschichtliche Aspekte einfliessen, anklingen oder miterleben, soweit es halt die Familie betreffen kann und schließt sogar den Kreis ihrer Jahreszeitenreihe, weil sie Arthur Schnitzler noch ein Mal auftreten lässt. Alles passt zusammen, ist liebevoll arrangiert und lässt einem die Familie nur schwer wieder los, denn da kommen ja noch mehr unruhige Zeiten auf sie zu und es klingt immer wieder, durch das auch diese nicht einfach werden. Aber es ist auch gut, dass nun Schluss ist und wir eine tolle Epoche miterleben durften.

Petra Hartlieb hat mich wieder gut unterhalten, obwohl einfach der erste Band, der mit dem magischen Zauber war und mich einfach eingefangen hat. Die weiteren Bände sind zwar schön, aber einfach nicht wie der erste und leider verriet der Klappentext immer mehr, als wirklich im ganzen Buch passierte. Was für mich okay war, aber eben auch einfach nur nett. So spazierte ich gern mit Marie und Oskar durch ihr Wien nahm an der Familienplanung mit teil und saß mit ihnen am Küchentisch. Es ist wie ein Mitglied einer Familie zu sein, obwohl man nicht wirklich dabei ist. So nehme ich Abschied und weiß, diese beiden schaffen alles, denn da ist viel Liebe mit dabei.

Herbst in Wien hatte viele geschichtliche Aspekte mit im Gepäck und zeigte die harten Zeiten von Krieg auf, aber auch die Lichtblicke. Es war mal wieder wie Heimkommen gewesen. Liebevoll erzählt und nostalgisch unterhaltend.
 
Henry und ich mochten die Wienspaziergänge und deshalb gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren und ist in Oberösterreich aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und Geschichte und arbeitete danach als Pressereferentin und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. 2004 übernahm sie eine Wiener Traditionsbuchhandlung im Stadtteil Währing, heute »Hartliebs Bücher«. Davon erzählt ihr 2014 bei DuMont erschienenes Buch ›Meine wundervolle Buchhandlung‹. In ›Wenn es Frühling wird in Wien‹, ›Sommer in Wien‹ und ›Herbst in Wien‹ spielt ebendiese Buchhandlung erneut eine zentrale Rolle.
 
Quelle: Dumont Verlag
 
Wien-Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Petra-Hartlieb/Ein-Winter-in-Wien_lid_29483538.html?storeID=barbers

1. Teil: Rezension I 2. Teil: Rezension I 3. Teil: Rezension
 
Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.   

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Rezension: Benjamin Myers * Der perfekte Kreis

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13: 
978-3832181581 
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: September 2021
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
 
 
 
 
 
Inhalt:
Redbone und Calvert haben auch für den Sommer 1989 große Pläne, denn sie wollen weitere Kornkreise machen und diesmal den perfekten. Eine ihrer wichtigsten Regel ist, dieses im Geheimen zu tun und so brodelt die Gerüchteküche vor sich hin, vom Jungenstreich bis Außerirdische ist alles drin. Allerdings ist es den beiden Freunden egal, nur das jetzt jederzeit jemand auftauchen könnte, beeinträchtigt ihre Arbeit. So verstoßen sie nicht nur gegen Regeln, Verordnungen und Gesetze, sondern müssen höllisch aufpassen und schnell agieren. Ihr Traum ist es, den schönsten und perfekten Kreis zu schaffen und damit ihre Freiheit zu erlangen. Wird es den beiden Freunden gelingen? Werden sie doch noch erwischt? Und welche Überraschungen hat dieser Sommer für sie parat?

Meinung:
Benjamin Myers hat mich letztes Jahr mit seinem Roman „Offene See“ begeistert, seine poetischen Sätze, seine bildlichen Landschaftsbeschreibungen und diese kluge, ruhige Erzählweise hatten es mir so angetan. Ein ganz besonderes Buch und ein richtiger Schatz zu einer komischen Zeit. Nun kommt sein nächstes Buch und meine Vorfreude war ziemlich groß, auch wenn ich die Worte vom Verlag im Kopf widerhallen höre, das es ja ganz anders ist. War mir egal, denn der Genuss von schönen Worten ist einfach zu reizvoll. Ob ich auf meine Kosten gekommen bin, erzähle ich euch nun.

Calvert und Redbone sind Freunde, aber auch beide Suchende nach einem Platz in der Welt. Obwohl sie sich schon lange kennen, wissen sie nicht alles übereinander, so kennt Calvert den Vornamen seines Freundes nicht wirklich, aber das ist auch für beide nicht wichtig, die Chemie passt und ihre Verbundenheit stimmt. Für beide ist die Erschaffung von Kornkreisen auch eine kleine Therapie. Calvert muss die Schrecken von seiner Militärzeit verarbeiten und kann vieles nicht mehr ertragen. Während Redbone, die Revolution gegen den Staat anzetteln möchte. So wird in der Heimlichkeit geplant, in der Nacht ausgeführt und alle Pläne danach vernichtet. Sie sind ein Team, sie sind die Besten und sie haben beide ihre Gründe für ihre Kornkreise. Aber was sie beide unbedingt schaffen wollen, ist Schönheit und den perfekten Kreis, der alles überragt und worauf sie beide mit stolz blicken können.

Benjamin Myers hat seine Geschichte diesmal so unterteilt, dass jedes Kapitel für einen Kornkreis steht. So fangen wir mit dem ersten Projekt des Sommers 1989 an und lernen beide Protagonisten kennen, schweifen in jedem Kapitel auch in die Vergangenheit und bauen eine Bindung auf. Außerdem ist es überaus interessant, wie sich mit zunehmendem Sommer und das Interesse der Medien die beiden Erschaffer immer wieder in brenzlige Situationen führt und manchmal muss man einfach beim Lesen kichern. Und ganz klar steht im Vordergrund Benjamin Myers großartige Landschaftsbeschreibung. Hier hört man das Gras flüstern, die Ähren im Wind tanzen und wie das Korn aus den Hülsen platzt. Es ist ein Genuss für die Seele und eine Schönheit an Worten, die einen packt und glücklich macht. Ich bin gern mit diesem ungewöhnlichen Team losgezogen, durch die Felder gestreift und habe mich vor Hasen erschreckt. Dazu dann noch die poetischen Sätze des Autors und man ist gefangen in der Schönheit der Sprache. Was mir aber auch gefallen hat, ist der kritische Blick, der hier ganz toll mit eingewoben wurde und schon 1989 auf den Klimawandel aufmerksam macht.

Ja, die Geschichte ist anders und ist vielleicht auch nicht so humorvoll, aber sie entschleunigt einen genauso schön wie sein Debüt und ich mag Bücher, die mir bewusst die Schönheit der Sätze zeigen, die mich innehalten lassen und manches noch einmal lesen lassen, weil es einfach so herrlich wahr und einmalig ist. Hier geht es um Freundschaft, Kraft und Freiheit, das zu tun, was man möchte und doch nicht immer kann. Dazu diese Poesie, die Klugheit der Worte, ein bisschen Melancholie und Natur satt. Herrlich zu lesen und ein Genuss für die Sinne.

Der perfekte Kreis ist für mich wieder sehr gelungen, denn Natur, Freundschaft und die Schönheit der Worte haben hier Platz gefunden und einen aufs Neue bestens unterhalten. Genuss, Zauber und famose Natur.
 
Henry und ich mögen diesen Schriftsteller einfach und deshalb die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine literarischen Arbeiten hat er mehrere Preise erhalten. Sein Roman ›Offene See‹ (DuMont 2020) stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde mit dem Preis des unabhängigen Buchhandels als Lieblingsbuch des Jahres ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.
 
Quelle: Dumont Verlag

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Montag, 11. Oktober 2021

Rezension: Adriana Popescu * Wie ein Schatten im Sommer

Broschiert: 480 Seiten
Verlag: cbj  
ISBN-13:
978-3570314395
Preis: 14,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2021  

 
 
 
 
Inhalt:
Ein Dorf am Ende der Welt ist das neue Zuhause vom Großstadtmädchen Vio und der Neubeginn, den sich ihre ganze Familie erhofft. Nun heißt es, alles auf Neustart und am besten direkt mal Freunde finden. Dieses Vorhaben gelingt Vio ganz spielend, denn durch den verdammt netten Pizzaboten bekommt sie nicht nur den besten Fremdenführer, sondern auch direkt Anschluss an seine nette Clique. So erscheint es doch ein guter Sommer zu werden, am Badesee liegen, durch die Rapsfelder mit dem Rad fahren und sich in Konstantin verlieben. Diese wunderbare sommerliche Idylle wird aber immer wieder von fremdenfeindlichen Aktionen getrübt und auch in der Clique ist nicht alles so positiv und offen, erst recht, wenn die Kumpels von Konstantins Bruder Robin auftauchen. Dumme Sprüche, Hass und viel Lärm begleiten diese und auf irgendeine weise ist Konstantin manchmal dabei. Vio ist verwirrt, er wird doch nicht mit diesen Typen zutun haben? Aber wer von denen hat die Sprüche ans Asylheim gesprüht? Und ist diese Idylle nur trügerisch?

Meinung:

Ein Jahr ohne Jugendbuch von Adriana Popescu, ist wie Sommer ohne Sonne, also ein absolutes Muss. So war ich doch sehr froh zu sehen, dass es da was Neues gibt und da ich die Bücher von ihr liebe, habe ich nicht ein Mal den Klappentext gelesen, sondern einfach direkt mit der ersten Seite gestartet. Ob ich wieder ein neues Lieblingsbuch gefunden habe, erzähle ich euch nun.

Vio lässt München hinter sich und das mit einigen schweren Gepäck, böse Erinnerungen, Enttäuschungen und den Willen, alles neu zu starten, Fehler nicht zu wiederholen und auf Neustart zu drücken. Nun ist sie auf dem Land angekommen, ein Dorf mit 3.331 Seelen und die Frage gibt es hier überhaupt Jugendliche, mit denen sie sich anfreunden möchte und siehe da, es geht ganz leicht, dank Konstantin. Der liebt sein Dorf und möchte auch, das sich Vio hier wohlfühlt und vielleicht auch ein bisschen mehr. Der Anfang ist also für Vio getan, aber auch die Ernüchterung folgt als am Badesee, die Gastarbeiter schwimmen gehen und so einige fremdenfeindliche Sprüche fallen. Vio ist genervt und offenbart, das auch sie Immigrationshintergründe hat und da beginnt die Scheinheiligewelt. Das hört man ja gar nicht? Wie bist du denn hier hergekommen? Kannst du die Sprache? Und, und, und. Genau dem wollte sie entgehen und ist doch wieder mittendrin. Was Vio aber zu schaffen macht, ist Konstantin, denn er ist ihr wichtig und seine Meinung umso mehr.

Konstantin ist so ein Junge, der jeden alles Recht machen möchte, der nicht wirklich eine Meinung hat und unangenehmen Dingen lieber aus dem Weg geht. Zumindest war das so und nun ist Vio da. Sie sieht ihn und nicht den Bruder, der immer im Vordergrund steht, der immer alles besser macht und in dessen Schatten Konstantin steht und auf ein Mal fällt der Spot auf ihn. Nicht nur Vio hat Interesse an ihm, sondern von jetzt auf gleich wollen die Freunde seines Bruders auch mit ihm abhängen. Tja, und bevor sich Konstantin drüber im klaren ist, zieht ihn alles immer tiefer in einen Schatten, aus dem er nicht weiß, wie er wieder herauskommt.

Adriana Popescu hat es wieder geschafft und einen in einem Lesesog hineingesogen, denn dieses Buch mag man nicht aus der Hand legen, dafür steht man sogar früher auf. Es ist wieder ganz toll, locker, leicht verständlich, gibt einen so ein gutes Gefühl und behandelt doch so ein schweres Thema. Seien wir ehrlich, mir macht die momentane politische Entwicklung Angst und gerade in einigen Ecken sogar noch viel mehr. Wie wichtig ist da so ein Buch, ein Blick auf beide Seiten und den Mut zu finden, was zu ändern. Diese verankerten dummen Sprüche beeinflussen einen und so bekommt der Hass auf alles, was fremd ist, immer Nahrung. Vor allem was es nicht alles dummes gibt, ich bin sogar wegen meinen dunklen Haar als Teenager angefeindet worden, und das ist doch mehr als bekloppt, aber nun reichen ja oft nicht mehr nur dumme Sprüche, auch Taten müssen vollbracht werden. Die Hemmschwelle sinkt und man hat das Gefühl, die Verblödung ist auf dem Vormarsch. Damit dieser Kreislauf gebrochen werden kann, bin ich froh, dass es solche Bücher gibt, dass man sieht, wie schnell man abrutschen kann oder welche Angst man immer bei sich trägt. Wir müssen aufklären und kein Schritt nach rechts abdriften. Danke an die Autorin für dieses Buch und diese große Botschaft.

Wie ein Schatten im Sommer ist aufrüttelnd, packend und doch auch ein schöner Sommerroman, der zu Herzen geht. Darin eine Botschaft, die uns alle etwas angeht und wonach wir leben sollten. Chapeu an Adriana Popescu, die mit diesem Buch ihre Stärke noch mehr gezeigt hat.
 
Henry und ich fanden es klasse und somit gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Adriana Popescu, in München geboren, arbeitete als Drehbuchautorin fürs Fernsehen, schrieb für verschiedene Zeitschriften und studierte Literaturwissenschaften, bevor sie sich ausschließlich dem Schreiben von Romanen widmete. Mittlerweile harrt eine große Fangemeinde ihren nächsten Veröffentlichungen entgegen, die in mehreren großen Publikumsverlagen erscheinen.
 
Quelle: cbj Verlag

Vielen lieben Dank an den cbj Verlag für das  Rezensionsexemplar.