Freitag, 15. November 2019

Rezension: Dana von Suffrin * Otto


Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: KiWi
ISBN-13:
978-3462052572
Preis: 20,00 EUR  
E-Book: 16,99 EUR   
Reihe: 1/1   
Erscheinungsdatum: August 2019 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Timna und Babi eilen ins Krankenhaus, denn ihr Vater liegt dort und ruft nach seinen Töchtern. Er schreit ständig nach seinen Kindern und lässt sich nicht abwimmeln und trotz, dass die Kinder immer parieren, lässt er nichts Gutes hören. Otto ist alt und wird zum Pflegefall, vom Krankenhaus kommt er nach Hause und wird für seine Lieben ein hartes Los. Er macht es keinem leicht und hält alle im Atem, weil er einfach ein starrköpfiger, sturer, aufbrausender, manipulativer jüdischer Familienpatriarch ist. Aber ist er wirklich ein böser alter Mann? Wie gehen die Töchter mit so einen Vater um? Und was macht das Alter mit einem?

Meinung:
Otto ist eine Familiengeschichte, die mich persönlich allein vom Klappentext nicht kalt gelassen hat. Auch mein Vater, hatte nach einer schweren Krankheit solche Anfälle von „ihr müsst euch kümmern“, „dafür seid ihr meine Kinder“, „das ist Familie“ und man selber schluckt und denkt sich seinen Teil, immer ruhig bleiben, bloß nicht aufregen. Das geht vielleicht eine Weile gut, aber auf Dauer! Das wollte ich von diesen Schwestern wissen, gibt es noch schlimmer Exemplar von Vätern und wie hält man durch. Also musste ich es einfach lesen und hier kommt meine Meinung.

Otto ist unausstehlich, auf den ersten Blick möchte man nichts mit ihm zu tun haben und doch, nimmt man sich der Geschichte um ihn immer mehr an. Denn dieser Mann hat auch seine Geschichte und diese wird Stück für Stück frei gelegt. So wird aus dem Tyrann ein Mensch, der zwar im alter schwer zu ertragen ist und doch ein Herz hat und es gut meint. Seine Art seinen Töchtern gegenüber ist trotzdem schwer zu ertragen und so schwankt man auch mit ihnen zusammen zwischen Hass und Liebe.

Die beiden Schwestern stecken in den Klauen der Pflicht fest und es ist auch schwierig, da eine Grenze zu ziehen. Man bekommt als Kind schon immer die Werte vermittelt, sich um die Eltern im Alter zu kümmern, und somit ist man einfach in einer emotionalen Zwickmühle. Man schlägt sich mit Ärger, Wut und Unverständnis rum und stellt das eigene Leben hinten an. Ich konnte sie zum einen gut verstehen, aber das sie so gar nichts aus ihren eigenen Leben machten, fand ich auch extrem schade, aber vielleicht fehlt ihnen auch einfach die Kraft dazu. Allerdings bei dem Elternhaus auch nicht ungewöhnlich.

Dana von Suffrin lässt nicht nur das Thema Seniorenalter in ihren Roman einfliessen, sondern auch Ottos Lebensgeschichte als Jude aus Siebenbürgen. Seine Kultur, sein Spießbürgertum, seine Geizigkeit, aber auch seinen Weg, ein gebildeter Mann, der sich von seiner Familie trennt und auszieht, um sein Leben zu führen, im fremden Deutschland. Was in der jüdischen Geschichte nicht unbedingt gut abschneidet, es ja gar nicht kann. Es erzählt von seinen Höhen und Tiefen, wie er versucht, seinen Töchtern was zu bieten und um sie vernünftig zu erziehen. Aber auch von seinem Scheitern.

Ich bin ein bisschen hin und her gerissen von diesem Buch. Die Lebensgeschichte von dieser wirklich merkwürdigen Familie, aber vor allem von Otto, fand ich recht unterhaltsam. Auch das man hinter die Fassade gucken konnte und so statt einem Tyrannen einen gut meinenden Vater entdecken konnte. Trotzdem fand ich die Lösung der Schwestern eher traurig, beide finden ihren Mittelpunkt im Leben nicht, sind ihrem Vater hörig und können ihr Leben nicht selbst führen. So stecken sie einfach fest und ergeben sich eher ihrem Schicksal, als brave Töchter. Somit kommt, aber auch die Spannungen von Kinderpflicht rüber, sich immer kümmern, aber heißt das auch gleichzeitig Selbstaufgabe?

Otto ist auf jeden Fall ein Buch mit dem Ansatz zum Nachdenken. Es ist unglaublich traurig, aber auch mit einer großen Portion Komik drin, obwohl schon eher böser Sarkasmus. Eigentlich eine Farbskala der Liebe, nicht einfach, aber hier und da immer auf Messerschneide. Der Drahtseilakt diese trotz der Umstände immer wieder zu finden und zu offenbaren, das ist das große Kunststück. Mir hat diese ungewöhnliche Geschichte gefallen.
 
Henry und ich fanden dieses Buch außergewöhnlich und dafür gibt es vier Bücherpunkte:
 
__________________________________________________________________________
  
Über die Autorin:


Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Komparatistik in München, Neapel und Jerusalem. Seit 2009 ist sie Museums- und Stadtführerin in München. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, seitdem Postdoc an der LMU. Sie lebt in München. 

Quelle: KiWi Verlag 

Vielen lieben Dank an den Kiwi Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

Mittwoch, 13. November 2019

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherreisenden,

für mich kommt langsam die Zeit, wo ich mich sonntags vor den Fernseher einrolle und ein Märchen schaue. Traditionen muss man ja pflegen und so schaue ich auch jedes Jahr meine Lieblinge. Ein Lieblingsfilm von meiner Mutter ist "Die Schneekönigin" und da habe ich nun ein Buch gefunden, was so ein bisschen einen solchen Ansatz hat. Dazu kommt, dass mich diese Autorin schon mit einem ihrer Werke vollkommen verzaubert hatte und poetisch begeister hat. Bevor ich nun lange drumherum schreibe, schauen wir es uns doch einfach an, oder? Los geht es:
 

Rabenherz & Eismund
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 25.11.2019

Das Land über dem gefrorenen Himmel hat Mailin bisher für ein schönes Märchen gehalten, mehr nicht. Als eines Tages ihre Freundin Silja angeblich ins Reich des Winterkönigs entführt wird, macht die unerschrockene Mailin sich auf einen gefährlichen Weg. Toma aus dem Clan der Elchreiter und Birgida, selbst eine Gefangene des Winterkönigs, helfen ihr, sich in dessen Schloss einzuschleichen – doch was hat es mit dem rätselhaften Eisprinzen auf sich, den sie in einem geheimen Trakt entdecken und den sie alle drei aus ihren Träumen kennen? 


Nina Blazon hat wieder die magische Feder ausgepackt und trifft damit genau meinen Nerv. Es klingt so ein bisschen nach der Schneekönigin und Schneeweißchen und Rosenrot, zumindest fühle ich mich direkt daran erinnert. Wie seht ihr das denn? Außerdem finde ich dieses Cover wieder ganz besonders hübsch gelungen und allein das ist ja schon wieder ein Kaufargument. Ich finde, es passt perfekt in die Winterzeit zum Träumen, sich verlieren und märchenhaften Geschichten. Was bin ich gespannt, was Frau Blazon hier erzählen wird und ich glaube, ich muss es haben. Ist es euch auch schon aufgefallen? Steht es schon auf eurer Wunschliste? Und wer kennt schon Bücher von der Autorin?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich ihre Playliste für Advent zusammenstellen gehende, Sharon

Montag, 11. November 2019

Rezension: Romy Fölck * Sterbekammer

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3785726549
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 3. Teil
Erscheinungsdatum: September 2019 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Frida Paulsen ist jetzt wieder im Polizeidienst und bekommt direkt einen neuen Chef vor die Nase. Dieser hat das Küken im Team direkt auf dem Kicker und macht ihr das Leben etwas schwer. So möchte sie sich beweisen und eilt beim Hilferuf einer Nachbarin direkt zur alten abgelegenen Deichmühle. Der Hund vom Besitzer bellt ziemlich aufgeregt und als Frida sich zum Haus Zugang verschafft, findet sie diesen tot an der Treppe. Es sieht nach Unfall aus, bis Frida durch Zufall, in der Küche eine Klappe findet und bei genauerer Untersuchung in einem Gefängnis steht. Die Kollegen werden dazu gerufen und die böse Vorahnung macht Gewissheit platz, hier wurde eine Frau gefangen gehalten und die Spuren führen zu einen alten Fall und einer jungen Frau. Aber wo ist das Opfer hin? Können Frida und Haverkorn Licht in den Fall bringen? Und wer steckt hinter der Entführung?

Meinung:
Romy Fölck ist eine ganz tolle sympathische Frau und ihre Krimireihe ist ein absoluter Garant für gute spannende Unterhaltung. Hier passt das Team, das Setting und die Fälle, man könnte sagen, es ist eine nordische harmonierende Symphonie und ich mag das. Nun liefert sie schon den dritten Teil ab und ich kann vielleicht schon verraten, dass ich es an zwei Tagen aus gelesen hatte. Wie mein Urteil nun ausfällt, erzähle ich euch nun.

Eigentlich kennt ihr ja schon das Team, aber vielleicht verrate ich ein bisschen was zum Stand der Dinge. Frida lebt nun bei ihren Eltern auf den Apfelhof und die Sorgen darum werden nicht kleiner. Dazu hat sie sich endlich entschieden, wieder in den Polizeidienst zurückzukehren und bei der Kriminalpolizei zu arbeiten. Sie gliedert sich ein, versucht wo sie kann zu unterstützen und muss sich den neuen Chef direkt entgegenstellen. Für sie brennt so, überall ein kleines Feuer und Frida muss sich beweisen. Aber es tut sich einiges und auch die Liebe brennt ein bisschen mit. Bei Haverkorn stehen auch alle Ampeln auf Veränderung. Er ist noch krankgeschrieben vom letzten Fall und erholt sich mit seiner Tochter zusammen. Für beide eine ungewohnte Situation, aber auch ein Gedanke von Um- und Aufbruch liegt in der Luft. Eigentlich möchte er gern seinen Dienst beenden, aber Frida und der neue Fall, lassen ihn nicht los. Das Team wächst immer mehr zusammen und es macht solchen Spaß, diesen dabei zuzusehen. Ich mag beide unglaublich gern und fülle mich in ihrer Mitte pudelwohl.

Aber auch die Fälle haben es in sich. Natürlich spielt auch das Setting in den Büchern eine große Rolle. Viel plattes Land, dazu Natur pur, Obstbauern und das passende Wetter. Diesmal Sommer, mit ziemlich hohen Temperaturen und einen Fall, der das Blut gefrieren lässt. Eine Entführung, die schon fast zehn Jahre zurückliegt und die damals keine Spuren hinterlassen hat und jetzt kommt der Fall wieder hoch. Man findet Spuren und die Gewissheit, hier liegt ein schweres Verbrechen vor, aber wer steckt da hinter. Die Suche sieht aussichtslos aus und die Spuren werden wieder kalt, aber unsere Ermittler bleiben dran.

Romy Fölck schreibt unglaublich spannend und extrem geschickt. Sie füttert uns mit kleinen Details, führt uns zu einer schrecklichen Vergangenheit, breitet somit ein großes Puzzle aus und lässt uns Teil für Teil zusammen fügen. Das macht sie so perfekt, dass man das Buch einfach nicht loslassen kann und einfach weiterlesen muss. Aber damit nicht genug, denn sie streut noch Gedanken der entführten Frau ein und ohne das sie ins genaue Geschehen eingeht, lässt sie genug Raum, damit man sich die Gräuel vorstellen kann. Dieser Fall hatte es wirklich in sich und hat den Atem anhalten lassen und das, obwohl mir ziemlich früh klar war, wer dahinter steckt. Ich sag ja, die Frau hat es verdammt drauf.

Sterbekammer kann das hohe Niveau seiner Vorgänger halten und bietet uns einen extrem starken Kriminalfall. Für mich eine richtig tolle Reihe, fesselnd, spannend und atmosphärisch. Was bin ich froh, dass Frau Fölck am vierten Band schreibt, denn die Marsch hat bestimmt noch so viel zu bieten und ich habe noch lange nicht genug.
 

Henry und ich finden diese Reihe ganz große Klasse und für diesen Teil gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
__________________________________________________________________________
  
Über die Autorin:


ROMY FÖLCK wurde 1974 in Meißen geboren. Sie studierte Jura, ging in die Wirtschaft und arbeitete zehn Jahre für ein großes Unternehmen in Leipzig. Mit Mitte dreißig entschied sie, ihren großen Traum vom Schreiben zu leben. Sie kündigte Job und Wohnung und zog in den Norden. Mit ihrem Mann lebt sie heute in einem Haus in der Elbmarsch bei Hamburg, wo ihre Romane entstehen. Ihre Affinität zum Norden kommt nicht von ungefähr, verbrachte doch ihr Vater seine ersten Lebensjahre in Ostfriesland. TOTENWEG ist der erste Band ihrer Krimiserie um die beiden Ermittler Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn.



Elbmarsch-Krimi Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Romy-Foelck/Totenweg_lid_34473753.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Romy-Foelck/Bluthaus_lid_36951933.html?storeID=barbers

1. Teil: Rezension I 2. Teil: Rezension

Vielen lieben Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar.