Freitag, 15. Februar 2019

Rezension: Antti Tuomainen * Palm Beach, Finland

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13:
978-3498065560
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Januar 2019
Übersetzer: Niina Katariina Wagner und Jan Costin Wagner




Inhalt:
Olivia Kosk erbt das Haus ihres verstorbenen Vaters und möchte hier ein neues Leben beginnen. Nur dumm, dass das Haus vom neuen Investor der Ferienanlage ins Auge genommen wird und er große Pläne mit dem Grundstück hat. Irgendwie muss Frau Kosk verkaufen wollen und da ist es doch perfekt, wenn sie in ihrer Küche einen Toten findet. Aber so nicht, Olivia will nicht weg und die Polizei tappt bei den Tätern weiter im Dunklen. So im Dunklen, das man sogar einen verdecken Ermittler einschleust, der sich das ganze ansehen soll. Doch nicht nur der Polizist Jan Nyman bucht sich in Palm Beach ein, sondern auch der Bruder des Verstorbenen. Der möchte Rache für seinen Bruder, und da jeder bestechlich in der Ferienanlage zu sein scheint, legt er eine Belohnung aus und wirbelt, so einige Personen auf. Wird man den Fall noch aufklären können? Kann Olivia ihr Haus noch behalten? Und wie viele Tote wird es noch geben?

Meinung:
Ich habe letztes Jahr „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ vom Autor mit großer Begeisterung gelesen. Ich hatte schon lange nicht mehr solch schwarzen Humor und eine Situationskomik vom Feinsten gelesen. Herrlich, skurril und mit jeder Menge einzigartiger Figuren. Natürlich habe ich mir das auch bei Palm Beach gewünscht, und ob sich mein Kurzurlaub dahin gelohnt hat, erzähle ich euch nun.

Allein die einleitenden Worte sind böser schwarzer und zynischer Humor und gleich vorab, man muss das unbedingt mögen, sonst funktioniert die Geschichte nicht. So lernen wir im ersten Kapitel zwei Jugendfreunde kennen, Chico und Robin und der Traum von schnellem Geld. Diese beiden sollen nämlich Olivia mit Streichen aus ihrem Haus vertreiben nur dumm, das diese beiden, nicht die hellsten Lichter auf der Torte sind, denn sie begegnen bei ihrem ersten Versuch nämlich einen Fremden, der sie attackiert und aus Versehen, hat der am Ende einen Genickbruch. Ups. So war das nicht geplant gewesen, aber die Polizei denkt nun, sie haben es mit absoluten Profis zu tun und schicken einen verdeckten Ermittler, um der Sache auf dem Grund zu gehen und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Der Polizist Jan Nyman kommt an und als Erstes verliebt er sich in Olivia. Sie will aber von Männern nix mehr wissen, da sie schon zwei Ehemänner durchgefüttert hat. Nun ist sie pleite und hat ein Haus, was sanierungsbedürftig ist. Aber nicht nur das, nun explodiert auch noch ihr Gartenhaus mit Sauna, wer steckt da bloß dahinter. Tja und dann mietet sich auch noch ein neuer Gast in Palm Beach ein, der genauso neugierige Fragen stellt wie Jan, aber hier mit Belohnungsgeld lockt. Da dieses Feriendorf chronisch pleite ist, wird nun wild ermittelt, um das Geld zu bekommen.

Diese ganze Geschichte ist wieder total verrückt und skurril und Herr Tuomainen ist wohl ein Meister der Situationskomik und des Slapsticks. Man kommt gar nicht zum Glätten der Lachfalten, da kommt auch schon die nächste Aktion. Ganz klar die Geschichte lebt von ihren Figuren und deren Handlungen. Allein unsere beiden Ganoven, die eigentlich die Loser ihres eigenen Lebens sind, sind schon eine ganz eigene Nummer. Sie stiefeln durch das Geschehen, versuchen ihr bestes und handeln sich doch nur mehr Ärger ein und das auch noch Selbst verschuldet. Dazu der echte Bösewicht, der es vormacht und uns schaudern lässt. Dieser Mix aus vermasseln und geplantem, ermittelnden und falsch interpretiertem, ist verdammt unterhaltend und macht wirklich riesigen Spaß zu lesen. Dabei driftet der Autor aber nicht ins Lächerliche oder Kindische ab, sondern hält seinen trockenen Humor gradlinig bei, ohne ins Absurdes abzustürzen.

Des Weiteren kommt jede Figur auch zu Wort, ihre Sicht wird erzählt und gibt uns bestimmte Einblicke für unsere Interpretation. So baut sich die Geschichte Stück für Stück auf und wird immer runder und nachvollziehbarer. Aber ich warne vor und das hat mich beim Lesen ein bisschen behindert, es ist nämlich kein Buch, was man nebenbei lesen sollte. Die Geschichte ist recht komplex und durch seine Figuren und allein die Namen, nicht immer leicht einprägsam, dadurch musste ich mich schon sehr konzentrieren und habe die Lektüre, dann auf ein Wochenende verschoben, wo ich mehr Zeit und freie Gedanken hatte. Das ging vielleicht nur mir so und ist vielleicht meinen stressigen Job zu verschulden, aber ich wollte es erwähnen, das es nicht mal so eben zu lesen ist.

Palm Beach Finland ist definitiv eine Reise wert, aber bitte packt den dicken Pullover ein, denn es könnte stürmisch werden. Extrem Humorvoll, brutal und absolut skurril, manchmal hatte man die Bilder richtig vor Augen mitlaufend und seine Pointen waren auf den Punkt. Böser Finne.
 
Henry und ich finden, das Geschichten von diesen Finnen genauso viel Spaß machen, wie ein Die Hard Film und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 

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Über den Autor:


Antti Tuomainen, Jahrgang 1971, ist einer der angesehensten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde u.a. mit dem Clue Award, dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet, seine Romane erscheinen in über 25 Ländern. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

Quelle: Rowohlt Verlag


Weitere Werke bei Rowohlt:

https://www.genialokal.de/Produkt/Antti-Tuomainen/Die-letzten-Meter-bis-zum-Friedhof_lid_32842857.html?storeID=barbers


Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.  

Mittwoch, 13. Februar 2019

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherabenteuerer,

momentan hat mich die Begeisterung für die Spannungsliteratur fest in der Hand, aber natürlich lasse ich auch den Blick in andere Genres schweifen und da hat mich ein Buch gepackt. Es ist ganz in Blau gehalten und hat mich ein bisschen an eine andere Fantasysaga erinnert, aber psst, ich verrate nicht welche. Na klar musste ich auch den Klappentext lesen und schwups, war ich schon verzaubert und wollte es am liebsten sofort lesen. Dieser Auftakt kommt übrigens aus Frankreich und hat dort jede Menge junger Leser begeistert, die Presse feiert es und es soll sogar Vergleiche mit Harry Potter gezogen werden. Originell, zauberhaft und bestechend. Ja, wie soll man dann um dieses Buch drum herum kommen, oder? Schaut es euch mal an:

 
Die Verlobten des Winters
1. Band
Verlag: Insel
Erscheinungsdatum: 11.03.2019

Am liebsten versteckt sie sich hinter ihrer dicken Brille und einem Schal, der ihr bis zu den Füßen reicht. Dabei ist Ophelia eine ganz besondere junge Frau: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie und kümmert sich hingebungsvoll um das Erbe der Ahnen. Bis ihr eines Tages Unheilvolles verkündet wird: Ophelia soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen namens Thorn heiraten. Was hat es mit der Verlobung auf sich? Wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Und warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia ahnt nicht, welche tödlichen Intrigen sie auf ihrer Reise erwarten, und macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.


Überrascht hat mich, dass sich dieser Schatz nicht die üblichen Jugendbuch Verlage geschnappt hat, sondern es aus ganz anderer Richtung kommt, vielleicht ist es deshalb mir besonders ins Auge gesprungen. Außerdem klingt es nach einer tollen Heldin, sympathisches schüchternes Mädchen, was der Welt zeigt, wo der Hammer hängt. Das klingt nach Abenteuer, neuen Welten und unglaublichem Lesespaß, hach, ich bin jetzt schon in Aufbruchsstimmung um Ophelia kennenzulernen. Wie gefällt euch die Geschichte? Ist sie euch auch schon aufgefallen? Und wartet sie auch schon auf der Wunschliste auf euch?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich sofort ins Abenteuer werfen gehende, Sharon
 

Montag, 11. Februar 2019

Rezension: Ellen Dunne * Schwarze Seele: Ein Fall für Patsy Logan

Taschenbuch: 379 Seiten
Verlag: Insel
ISBN-13: 
978-3458363835
Preis: 10,95 EUR
E-Book: 10,99 EUR
Reihe: 2. Teil
Erscheinungsdatum: Januar 2019 



Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Patsy hat gerade so einen richtigen Lauf im Leben, nämlich abwärts. Privat kämpft sie mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch, den körperlichen Nebenwirkungen und das immer weiter auseinanderdriften als Ehepaar. Beruflich bekommt sie einen betrunkenen Iren auf den Tisch, und da sie nun mal irische Wurzeln und der Sprache mehr als mächtig ist, ist sie auch die beste Ermittlerin dafür. Nur will sie den Fall nicht gleich als Unfall abtun, da es keine Spuren gibt. Die Kollegen sind genervt, der Chef nicht auf ihrer Seite, aber ihr Gefühl, das hier etwas nicht stimmt, ist übergroß. Nur kann sie sich selbst und den Verdächtigen nicht trauen. Jeder hat ein Motiv, jeder gerät ins Fadenkreuz der Ermittlung und Patsy läuft ihren Instinkt hinterher. Wird sie sich schlussendlich wiederfinden? Kann sie den Fall noch lösen? Und bekommt sie ihr Privatleben wieder ins reine?

Meinung:
Ellen Dunne hat eine unglaublich tolle Art zu erzählen und einem mit ihrem Humor um den kleinen Finger zu wickeln. So habe ich Patsy Logans ersten Teil förmlich verschlungen und fand den Auftakt perfekt gelungen. Ein großer Fall und eine ziemlich taffe Figur, davon möchte man mehr aus der Krimiwelt haben und so habe ich den zweiten Band förmlich herbeigesehnt. Nun ist er da, nun ist er gelesen und nun bekommt ihr meine Meinung zu lesen. Also los Patsy.

Patsy Logan ist an einem Punkt angelangt, der ihr Leben entweder neu sortiert, oder in den Abgrund treibt. Ihr Mann und sie wollen ein Kind bekommen, aber der ganze Kampf zwischen Hoffen und Bangen setzt beiden immer mehr zu. Die Hormonbehandlung ist kaum noch zu ertragen und die immer wieder aufkommende Enttäuschung eine zunehmende Belastung. Das Paar schwankt zwischen Vorwürfen, Gefühlen und Worten, die keiner sagen möchte, hin und her. Es ist also eine Frage der Zeit, bis die emotionale Bombe zwischen den beiden hochgeht und zeigt, was dann noch übrig ist. Dazu kommt auch noch, dass Patsys kleiner Bruder zu Besuch kommt und die Situation noch beschleunigt, da er eine speziale Beziehung zu seiner Schwester hat. Sie reibt sich nämlich für ihn immer auf, was in den Augen ihres Mannes nicht gut ist und es allein dadurch zu Streit und Unmut kommt. So gibt es gerade keinen Ort für Patsy, der sie auffängt und ihre Gedanken zur Ruhe kommen lässt, bis auf den Fall, der sie ablenkt. Aber Patsy ist nicht hundertprozentig bei der Sache und das wird zum Problem.

Ich sage es gleich vorab, der Fall ist hier gar nicht so der Renner, obwohl er in meinen Augen recht gut eingebunden ist und die Zerrissenheit unserer Kommissarin widerspiegelt. Hier steht eher Patsy im Vordergrund, die zu einer Entscheidung in ihrem Leben kommen muss und so ist der zweite Band mehr eine Überleitung, ein Tor in eine neue Welt, zu ein neues Danach vielleicht. Aber kommen wir zurück zu den Toten, wenn also Patsy nicht nach Irland fährt, kommt halt Irland zu ihr. Der Tote ist also Ire und ertrinkt im Schwabinger Bach im englischen Garten, zumindest hat das doch schon mal Stil. Dabei schleppt er im Hintergrund eine ganze Horde Menschen mit Motiv mit, die ihn das Ableben durchaus gönnen. Eine Schwester, die ihr Erbe bedroht sieht, eine Ehefrau, die zu ihrer Jugendliebe nach München geflohen ist, natürlich die Jugendliebe Steve und noch einige andere. So wird jeder befragt, aber des Rätsels Lösung soll sich nicht offenbaren. Jeder von den Verdächtigen sagt nicht die Wahrheit und jedes Puzzlestück passt nicht zum anderen, es ist eine Suche im Dunklen und wird von den Kollegen still belächelt, die den Betrunkenen gerne als Unfallopfer abstempeln möchten, Akte zu und gut ist.

So treibt die Autorin nicht nur uns Leser voran, wild zu spekulieren, sondern auch Patsy in die Verzweiflung. Dabei spielt ihr Privatleben eine große Rolle, aber auch ihr Team hat einige Sperenzchen parat, es soll einfach nicht rund laufen. Außerdem bringen ein die Rückblenden immer wieder auf eine andere Spur und ich finde das schon Recht geschickt gemacht und an der Nase herumgeführt. Gut der Fall, ist nicht so groß wie der Erste, aber durchweg unterhaltend und spannend geschrieben. Ich bin unglaublich gern wieder mit Patsy losgezogen, weil sie einfach eine Frau ist, die man spürt, deren Schmerz greifbar ist und die einen nah geht. So leidet man mit, man merkt, wie schwer das alles für sie ist und wie das Leben einen in die Ecke treibt, das ist hier verdammt gut beschrieben und der Realität sehr nah. Deshalb fand ich auch den zweiten Teil stark, mutig und düsterer. Und eins steht ganz klar fest, ich brauche mehr von Patsy. Eine tolle Frau und ungebrochen.

Schwarze Seele besticht hier nicht durch den Fall, sondern den Figuren, den Irrungen und Wirrungen. Ich fand die Geschichte spannend, authentisch und gut eingefangen. Ein Kampf auf jeder Seite und Patsy ist eine Kämpferin. Weiter so.
 
Henry und ich mögen diese lebensstarke realistische Protagonistin und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Ellen Dunne, 1977 geboren, arbeitete als Texterin/Konzeptionistin in Werbeagenturen, danach in verschiedenen Positionen bei Google im Europa-Hauptquartier in Dublin. Sie lebte in Berlin, München und Mexiko-Stadt, seit 2004 in Dublin. Von ihr wurden bereits zwei Kriminalromane veröffentlicht. Harte Landung ist der Auftakt einer neuen Krimireihe im insel taschenbuch.

Quelle: Insel Verlag


Patsy Logan Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Ellen-Dunne/Harte-Landung_lid_31533031.html?storeID=barbers

1. Fall I Rezension


Vielen lieben Dank an den Insel Verlag für dieses Rezensionsexemplar.