Montag, 18. Oktober 2021

Rezension: Janne Mommsen * Das Inselweihnachtswunder

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13: 
978-3499005732
Preis: 18,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2021

 
 
 
 
Inhalt:
Carola ist Inselpastorin auf Föhr im Friesendom und steckt voll in den Vorbereitungen für Heiligabend. Der Chor probt, die Predigt steht, die Vorfreude wächst, nur Carola ist etwas betrübt, denn nach der Messe ist sie allein und möchte das gar nicht sein. Aber noch ist alles möglich, aber zuerst muss sie auf die Nachbarinsel und einen Kollegen vertreten. Dort begegnet ihr Torin, der Organist ist und sie um einen Gefallen bittet. Seiner Großmutter geht es nicht gut und sie wissen nicht, ob sie das Weihnachtsfest mit erlebt und ob sie nicht jetzt schon in Familienkreis feiern könnten mit ihren Segen. Carola ist da pragmatisch und hilft der Familie und dann überschlagen sich die Ereignisse. Ein Geldkoffer wird gefunden, ein anonymer Wohltäter sorgt für Weihnachtsgerüchte, dazu die Planung des Single-Heiligabends und ein persönliches Weihnachtswunder geschieht. Was daran hat mit Carola zu tun? Wer heckt hier kleine Wunder aus? Und wird Torin die Insel wechseln?

Meinung:
Janne Mommsen ist für seine Inselbücherei bekannt und schreibt überhaupt viele Bücher übers Meer und seine Inselbewohner. Bis jetzt hatte ich noch nicht das Vergnügen, etwas vom Autor zu lesen, aber der Klappentext klang so herrlich amüsant und wärmend fürs Herz und man soll ja immer etwas Neues ausprobieren und so durfte es einziehen und gemütlich zum Herbstregen habe ich es nun gelesen. Ob mich dieses Wunder auch packen konnte, erzähle ich euch jetzt.

Carola ist jung, dynamisch, kann mit anpacken und hat für alle Probleme eine Lösung. Vielleicht nicht immer konventionell und extrem im Kern dehnbar ausgelegt, aber kreativ und mit jeder Menge Willen Gutes zu tun. Dabei bleibt sie selbst aber immer etwas im Hintertreffen, denn man sieht nicht immer die Frau unter dem Talar. So ist sie öfters allein, einsam und weiß nicht, wie sie es ändern kann, da so eine Insel ja begrenzt an Männern ist. Durch Zufall lernt sie Torin kennen, und als ob es ein Wink von Gott wäre, schweißt sie direkt ein Geldkoffer zusammen. Ein Geldkoffer, der so einigen Schwung auf Föhr mitbringt und eine Pastorin mächtig in die Bredouille bringt, denn Gotteswege sind ja nicht immer einfach und so muss sie wirklich erfinderisch sein und trotzdem den richtigen Weg finden. Aber sie ist damit ja nicht allein, ein gewisser Organist hilft tatkräftig mit, dass sich dabei vielleicht auch andere Bände knüpfen, ist doch ein schöner Nebeneffekt, wenn sie nur mal darüber sprechen würden. So bleibt es bei Carola spannend, wie Heiligabend privat bei ihr verläuft.

Ohne Frage, die Geschichte hat Spaß gemacht, vielleicht sollte man sie ein bisschen mehr zur Weihnachtszeit lesen, damit die Atmosphäre einfach noch besser passt, aber man kommt ganz gut in Vorweihnachtsstimmung. Recht erfinderisch ist der Autor, denn es ist nicht nur eine reine Liebesgeschichte, sondern auch viel Wirbel um Menschlichkeit, Glauben und Nächstenliebe ist mit dabei. So ist das Kirchliche mehr als abgedeckt, nun gut mir war das ein Ticken zu viel, aber was will ich erwarten, wenn eine Pastorin ihre Andacht hält. Für mich hätte es auch gern noch ein bisschen mehr zwischen Torin und Carola knistern können, aber so in großen und ganzen bin ich auf meine Inselgeschichtenkosten gekommen. Humorvoll, herrliche Zwiegespräche mit Gott, ein bisschen hat mich das an Camillo und Peppone erinnert und klasse Verwicklungen, Spuk und doch menschliche Zuneigung. Dieses kleine Buch hat Spaß gemacht und macht auf jeden Fall Stimmung.

Das Inselweihnachtswunder ist kuschelig zum schmunzeln und es macht Freude auf Schnee, Lichter und Bratenduft. Herrliche Unterhaltung zur weihnachtlichen Einstimmung.
 
Henry und ich fanden die Geschichte richtig süß und dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Janne Mommsen hat in seinem früheren Leben als Krankenpfleger, Werftarbeiter und Traumschiffpianist gearbeitet. Inzwischen schreibt er überwiegend Romane und Theaterstücke. Mommsen hat in Nordfriesland gewohnt und kehrt immer wieder dorthin zurück, um sich der Urkraft der Gezeiten auszusetzen.
 
 
Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.  
 

Sonntag, 17. Oktober 2021

Rezension: Jenny Fagerlund * 24 gute Taten

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten  
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832165444
Preis: 16,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2020
Übersetzer*in: Kerstin Schöps
 
 
 
 
Inhalt:
Weihnachten steht kurz vor der Türe und Emma würde am liebsten im Bett bleiben und sich vor der Außenwelt verkriechen. Aber als Besitzerin eines kleinen Geschenkladens kommt nun die beste Zeit, aber Weihnachten steht einfach unter keinem guten Stern. Ihre große Liebe Niklas ist vor zwei Jahren an Weihnachten verunglückt und ihre Trauer scheint unüberwindbar. Dabei bekommt sie viel Unterstützung von ihrer Familie und doch kommt sie aus der Melancholie nicht raus. Bis zu diesem einen Abend, wo sie einen älteren Mann im Schneesturm nach Hause begleitet und merkt, das war toll, sie fühlt sich gut und sie fasst einen Plan. Statt einen Adventskalender aus Schokolade macht sie für sich einen für gute Taten. Jeden Tag eine und sie hofft, mit diesem Projekt wieder ins Leben zurück zukehren. Aber so einfach, wie sie sich das vorstellt, ist es nicht, denn gute Taten müssen auch angenommen werden. Wird also Emma damit Erfolg haben? Wem wird sie dabei alles über dem Weg laufen? Und findet sie sich im eigenen Leben wieder zurecht?

Meinung:
Ich mag ja gern passende Bücher zur passenden Jahreszeit zu lesen und suche mir immer wieder mal welche für die Weihnachtszeit heraus, so also auch dieses. Für mich klang es nach guter Stimmungslektüre mit ein bisschen Tiefgang und herzerwärmenden Szenen. Also nicht das übliche kitschige Liebesgeplänkel, denn immerhin stehen hier 24 gute Taten an. Und es spielt in Stockholm, also mit Schnee, Kälte und dicken Handschuhen. Ob mir das nun alles gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Emma ist absolut in ihrer Trauer gefangen und das seit über zwei Jahren. Ihr fällt es schwer, vom Sofa runterzukommen, ihren Alltag zu bewältigen und die Finanzen ihres Ladens kennt sie auch nicht mehr. Wie gut das ihre Schwester Magda da nun ein Auge drauf hat oder auch nicht gut, denn diese baut unglaublichen Druck auf. Aber Emma ist resistent und will den ernst der Lage einfach nicht verstehen. So greift Magda in ihrem Laden ein, begleitet ihren Alltag und setzt ihr die Pistole auf die Brust, sie muss was tun, für sich und den Laden und verlangt ein Hobby. Sofort oder sie wird sie nicht mehr los. Woher bloß soll sich Emma nun ein Hobby suchen und warum muss Magda so nerven. Und da passiert es, auf ihren Heimweg kommt ihr eine Idee, denn den Herrn, den sie gerade nach Hause gebracht hat, war nicht nur eine gute Tat, nein, sie fühlt sich besser und so steht es fest, sie vollbringt bis Weihnachten 24 gute Taten. Allerdings ist das gar nicht einfach, den einen überrumpelt sie, bei dem anderen blitzt sie ab und doch entwickelt sich daraus eine Eigendynamik, die Emma aus ihrem Wachkoma befreit und sie ihre Umwelt endlich mit anderen Augen sehen lässt. Wie auch den jungen Mann, dem sie geholfen hat, Adam und der ihre Wege immer mal wieder kreuzt.

Die Grundidee mit dem Adventskalender der guten Taten fand ich einfach entzückend und war auf die Umsetzung sehr gespannt. Der Anfang konnte mich auch richtig einnehmen, da man Emmas Trauer spüren konnte und sich ihr auf Irgendeinerweise verbunden fühlte. So bekam die Geschichte zuerst eine ernst und verzweifelte Grundatmosphäre. Die eben ständig von der nervigen Schwester unterbrochen wurde und das war gut, denn somit war man selber entnervt und wollte Emma wachrütteln, auch die guten Taten fand ich zuerst ziemlich gelungen und teilweise ein bisschen Slapstick. Aber schaut man sich die Entwicklung an, wird der weihnachtliche Kitschglanz immer größer. Emma, die zu beginn unter Trauer und Depressionen leidet, macht eine Hundertgradwendung, sieht endlich wieder klar und packt ihr Leben an, fand ich extrem unrealistisch und je mehr ich gelesen hatte, umso mehr hat es mich gestört. Dabei ist ja klar, dass es ein Happy End Roman sein soll, aber für mich hat es leider nicht funktioniert.

Jenny Fagerlund hatte eine super Idee und begann ihre Geschichte auch richtig gut, leider ging bei mir ab der Hälfte der Spaß verloren, da es mir zu unglaubwürdig wurde. Wer das aber abschalten kann, bekommt eine süße Weihnachtsgeschichte mit viel drumherum. Also nette Unterhaltung mit neuer Lebensausrichtung binnen dreier Wochen.

24 gute Taten hat eine tolle Grundidee, die aber leider bei der Umsetzung hakte, zumindest konnte sie mich nicht überzeugen. Ist halt eine Geschichte für eine nette Zeit zwischendurch.
 
Henry und ich fanden die Geschichte für zwischendurch gut und deshalb gibt es drei Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Jenny Fagerlund wurde 1979 geboren und lebt mit ihrem Ehemann und vier Kindern in Stockholm. Sie arbeitet als freie Journalistin und hat bereits vier Romane veröffentlicht, bei DuMont erschien zuletzt ›24 gute Taten‹ (2020).
 
Quelle: Dumont Verlag

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Freitag, 15. Oktober 2021

Rezension: Petra Hartlieb * Herbst in Wien

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten  
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832181451
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 4. Teil
Erscheinungsdatum: September 2021 
 
 
 
 
Inhalt:
Für Marie und Oskar beginnt eine schwere und unberechenbare Zeit, denn der Erste Weltkrieg bringt für alle Menschen Trauer und harte Entbehrungen mit sich. So steht Marie allein mit Kind im Buchladen und versucht alles am Laufen zu halten. Oskar kehrt verletzt zurück und ist ein Schatten seiner selbst. Die Sorgen werden größer, die Nöte unüberwindbar, aber dann ist Kriegsende und Licht kehrt zurück. Es ist die Zeit um Luft holen, sich der kleinen Dinge bewusster zu werden und neue Wege zu gehen. Das Geschichtskarussell dreht sich weiter und es gibt einiges noch zu erleben. Wie wird es mit der Buchhandlung weitergehen? Sind Marie und Oskar noch immer glücklich? Und was hat Fanni mit den Frauenversammlungen zu tun?

Meinung:
Nun ist es Herbst in Wien und passend dazu gibt es den Abschlussband um Marie und Oskar von Petra Hartlieb. Was habe ich mich in die Geschichte des Dienstmädchens und dem Buchhändler verliebt, was habe ich gebangt, ob sie heiraten dürfen und wie die ersten Ehejahre verliefen. Da ist es wohl klar, dass ich auch dieses Buch einfach lesen musste und außerdem musste ich einfach mal wieder nach Wien. Ob mir die Reise dahin gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte beginnt 1931 mit einem Besuch im naturhistorischen Museum, und hier verbirgt sich so einige kleine Cliffhanger, aber auch den Gedanken, es muss viel passiert sein, aber unserem Liebespaar von einst geht es gut. So kuschelt man sich zurück in den Lesesessel und stürzt sich in das Jahr 1915, wo Oskar von der Front verletzt nach Hause kommt. Marie im Dauerstress und überfordert, aber kämpfend für ihre Familie. So durchwandert dieses Paar noch einige Höhen und Tiefen, leidet, wächst aber auch mehr zusammen und lässt Geschichte der damaligen Zeit wieder präsent werden. Armut, Krankheiten, Hungersnot, Kindstod, Krieg, aber auch die aufblühende Zeit, der Wechsel von Altverstaubten zu neuen jungen Ideen und der Kampf der Frauen für mehr Rechte. Das ist vielleicht nicht unbedingt Maries Kampf, aber Fanni ist dabei und ihre Wege sind ja immer ungewöhnlicher Natur gewesen.

Eigentlich möchte ich nicht mehr verraten, es ist ein Mix aus geschichtlichen Elementen, verwoben mit einer liebreizenden Familie. Petra Hartlieb setzt somit ihre Geschichte weiter und handelt diesmal einen viel größeren Zeitraum ab. Sie lässt viele geschichtliche Aspekte einfliessen, anklingen oder miterleben, soweit es halt die Familie betreffen kann und schließt sogar den Kreis ihrer Jahreszeitenreihe, weil sie Arthur Schnitzler noch ein Mal auftreten lässt. Alles passt zusammen, ist liebevoll arrangiert und lässt einem die Familie nur schwer wieder los, denn da kommen ja noch mehr unruhige Zeiten auf sie zu und es klingt immer wieder, durch das auch diese nicht einfach werden. Aber es ist auch gut, dass nun Schluss ist und wir eine tolle Epoche miterleben durften.

Petra Hartlieb hat mich wieder gut unterhalten, obwohl einfach der erste Band, der mit dem magischen Zauber war und mich einfach eingefangen hat. Die weiteren Bände sind zwar schön, aber einfach nicht wie der erste und leider verriet der Klappentext immer mehr, als wirklich im ganzen Buch passierte. Was für mich okay war, aber eben auch einfach nur nett. So spazierte ich gern mit Marie und Oskar durch ihr Wien nahm an der Familienplanung mit teil und saß mit ihnen am Küchentisch. Es ist wie ein Mitglied einer Familie zu sein, obwohl man nicht wirklich dabei ist. So nehme ich Abschied und weiß, diese beiden schaffen alles, denn da ist viel Liebe mit dabei.

Herbst in Wien hatte viele geschichtliche Aspekte mit im Gepäck und zeigte die harten Zeiten von Krieg auf, aber auch die Lichtblicke. Es war mal wieder wie Heimkommen gewesen. Liebevoll erzählt und nostalgisch unterhaltend.
 
Henry und ich mochten die Wienspaziergänge und deshalb gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren und ist in Oberösterreich aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und Geschichte und arbeitete danach als Pressereferentin und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. 2004 übernahm sie eine Wiener Traditionsbuchhandlung im Stadtteil Währing, heute »Hartliebs Bücher«. Davon erzählt ihr 2014 bei DuMont erschienenes Buch ›Meine wundervolle Buchhandlung‹. In ›Wenn es Frühling wird in Wien‹, ›Sommer in Wien‹ und ›Herbst in Wien‹ spielt ebendiese Buchhandlung erneut eine zentrale Rolle.
 
Quelle: Dumont Verlag
 
Wien-Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Petra-Hartlieb/Ein-Winter-in-Wien_lid_29483538.html?storeID=barbers

1. Teil: Rezension I 2. Teil: Rezension I 3. Teil: Rezension
 
Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.