Mittwoch, 30. März 2022

Rezension: Christina Stein * Dreivierteltot

Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Sauerländer
ISBN-13: 978-3737359146
Preis: 13,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Februar 2022
 
 
 
 
Inhalt:
Emma und ihr Freund Jon wandern den schottischen West Highland Way. Es sollte der Urlaub werden, aber die Stimmung ist gereizt und das Laufen extrem beschwerlich. Dann taucht auch noch ein komischer Typ auf, Sky, der einfach mit ihr flirtet und als ob das nicht schon unverschämt wäre, bekommt sie auch noch blöde Nachrichten von ihrer Freundin. So hatte sie sich das alles nicht vorgestellt, aber es kommt noch schlimmer, auf ihren Weg finden sie eine Tote und die ist alles andere als unbekannt. Wen wird Emma finden? Was ist das nur für ein furchtbarer Trip? Und kann Emma Klarheit in das Chaos schaffen?

Meinung:
Hier ist also der dritte Thriller von Christina Stein und ich kann behaupten, ich habe sie alle gelesen, inhaliert, verschlungen oder aufgefressen. Somit bin ich wohl ein kleines Fan-Girl und liebe einfach ihre spannenden, sogwirkenden Jugendthriller sehr. Nun entführt sie uns nach Schottland und ob mir diese Wanderung auch so zusagte wie ihre beiden anderen Bücher, erzähle ich euch nun.

Emma steht allein mitten auf dem schottischen West Highland Way und fragt sich, warum sie sich das nur angetan hat. Eigentlich wollten doch Jon und sie diese Tour genießen und Pläne für die Zukunft schmieden, aber irgendwie ist daran nicht zu denken, denn ihr Freund rennt vorneweg und sie kommt kaum hinterher. Aber das ist nicht das Einzige, was sie stört, nein, auch die komischen Blicke der anderen Wanderer machen ihr zu schaffen und da gibt es noch Sky mit seinem Hund. Während also Emma immer weiter läuft, ihren Freund verflucht, nehmen die Merkwürdigkeiten um sie herum immer mehr zu, was dazu führt, das sie sich immer unwohlerfühlt und langsam an ihrer Wahrnehmung zweifelt. Bildet sie sich das alles ein oder passiert das wirklich?

Tja, und genau das ist die große Frage und damit spielt die Autorin mit uns Lesern. Können wir den glauben, was wir lesen? Was passiert da mit Emma? Oder ist das alles ein großes Katz-Maus-Spiel, nur wer ist wer? Christina Stein kann einfach einen komplett in eine Geschichte hineinziehen, sie so intensiv erzählen, dass man in einen richtigen Lesesog verfällt und erst aufhören kann, wenn man das Rätsel geknackt hat. So wandern wir mit Emma los, wundern uns über ihre komische Beziehung, hängen uns daran auf und merken nicht gleich, das ihr Umfeld auch komisch auf unsere Hauptprotagonistin reagiert. Und dann diese Freundin, muss diese wirklich im Liebesurlaub auftauchen und sich mit Emma treffen. Viele Faktoren und Kleinigkeiten, die einen zu Beginn verwundern, ärgern und irgendwann am eigenen gelesenen zweifeln lassen. So hetzt man durch die Seiten, ist verstört bei manchem Geschehen und wundert sich über einige Figuren. Geschickt schifft uns die Autorin immer mehr in die schottischen Highlands ein und lässt uns mit vielen Fragezeichen einfach stehen und baut auch noch Rückblenden ein, die nicht wirklich zur Erleuchtung führen. Dabei erzählt Christina Stein intensiv, flott und rätselhaft.

Außerdem hat die Autorin noch ein tolles Setting gewählt mit perfekter Atmosphäre, Nebel, Regen und Sonnenschein. Da bekommt so eine kleine Moorlandschaft doch einen ganz besonderen Reiz. Ich habe dieses Buch schnell verschlungen und hatte wirklich meine kleinen Schauer dabei, es packt ein, lässt einen nicht los und hat wieder eine tolle Sogwirkung. Allerdings kann dieses hier nicht mit seinen Vorgängern mithalten, so fühlte ich mich zwar bestens unterhaltend, aber der Knall fehlte zumindest für mich, aber das hat dem Spaß daran nicht gestört. Für mich war es wieder beste und knifflige Unterhaltung, die dem Alltag ausblenden konnte und das ist Gold wert.

Dreivierteltot ist nicht nur eine Wanderung durch die schottischen Highlands, sondern eine Jagd nach der eigenen Wahrnehmung. Rasant, fesselnd und mörderisch.
 
Henry und ich hatten packende Lesestunden und dafür vergeben wir vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Christina Stein, geboren 1978 in Bonn,  liebt es spannende, gleichzeitig aber auch romantische Jugendthriller zu schreiben. Für ihre Kurzgeschichten und ihr Romandebüt wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in Eltville am Rhein.
 
Quelle: Sauerländer Verlag  
 
Weitere Werke der Autorin:
 

 
Vielen lieben Dank an den Sauerländer Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Montag, 28. März 2022

Rezension: Julia Fischer * Der Salon: Wunder einer neuen Zeit

Broschiert: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3785727607
Preis: 14,90 EUR
E-Book: 4,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: Februar 2022
 
 
 
 
Inhalt:
Leni macht eine Friseurlehre bei ihrer Mutter im beschaulichen Herbsthausen und hat große Träume. Ihren ersten Schritt macht sie damit, dass sie in einem vornehmen Friseur in München anfängt und dort fleißig voranschreitet. Währenddessen hadert ihr Bruder Hans mit seinem Medizinstudium und kämpft mit seinem Gewissen, seiner Scham und seinem Stolz. Seine eigentliche Liebe gehört der Jazzmusik und einer verheirateten Frau, Charlotte. Drei Menschen im Strudel der Zeit, mit Höhen und Tiefen und dem Aufbruch in eine neue Ära. Wird Leni auch noch Zeit für ihr Herz haben? Für was wird sich Hans entscheiden? Und kann Charlotte der Ehehölle entfliehen?

Meinung:
Julia Fischer hat ja schon lange einen Platz in meinem Bücherregal und zwar einen Stammplatz und was liebe ich ihre Art zu schreiben und ihre Bücher. Nun wagt sie sich an etwas Historisches ran und lässt die Zeit nach dem Krieg beziehungsweise die Fünfzigerjahre mit ihren wirtschaftlichen Aufschwung in München erblühen. Der Auftakt zu einer Familiensaga und ob mir dieser gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Wir schreiben das Jahr 1956 und befinden uns in Herbsthausen ganz in der Nähe von München. Dort lebt Käthe Landmann mit ihren Kindern Hans und Leni und dort wartet sie immer noch auf die Rückkehr ihres Mannes Otto aus dem Krieg. Keiner glaubt mehr an dieses Wunder, aber Käthe hält sich daran fest und gibt alles für ihre Kinder. Leni muss früh in den Friseursalon mit einsteigen, damit sie das Studium für den Hans finanzieren können. Medizin muss es sein, wie der Vater sich das gewünscht hat. Allerdings haben beide Kinder auch noch Träume und die sich einzugestehen und zu verwirklichen ist hier die Geschichte. Immerhin ist es eine Zeit im Aufbruch und im Wandeln und doch liegt über allem noch der Hauch der Vergangenheit und die Zwänge der Gesellschaft werden wieder enger. Während Leni also zur starken, anpackenden Frau heranwächst, was die Männerwelt nicht wirklich ertragen kann, muss sich Hans sich selbst und seiner Familie stellen.

Was für packende Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen und durch ihre Verschiedenheit einen geschichtlichen Rundumblick bieten. Während Leni aus der Provinz kommt und sich durch ihren Fleiß und ihrem Talent was aufbaut, hadert ihr Bruder ständig mit sich selbst. Das Andenken des Vaters nicht zu beschmutzen und doch ist der Kriegsschatten auf seiner Seele groß, außerdem schuften seine Mutter und Schwester so hart für ihn, das kann doch nicht vergebens sein, und doch liegt ihm die Medizin nicht, seine Gabe ist die Musik und darin geht er auf. Und über Hans kommen noch mehr Figuren ins Spiel, Charlotte ein ehemaliges Mannequin, welche in einer Ehehölle steckt und in die er sich unsterblich verliebt, sowie seine Freunde Karl, Schorch und Frieda. Frieda ist die einzige Medizinstudentin und muss sich so einige Sprüche anhören, aber sie kann sie alle elegant parieren. Schorsch hat der Krieg große Verluste zugesetzt, die sein Leben heute noch beeinflussen. Er ist ruhig, hilfsbereit und heimlich in Leni verliebt. Ein besonnener Mann, der sich selbst sehr zurücknimmt, um für jeden da zu sein. Und Karl aus gutem Hause, dessen Lebensweg schon vorgeschrieben ist, der sich nicht wirklich bemühen muss, da ihm alles zufliegt, auch Lenis Herz.

So lässt die Autorin verdammt viel einfließen, da haben wir die Gedanken nach dem Krieg, die Scham, das Vergessen und die Ausbeutung der Geächteten. Den Verlust von geliebten Menschen, das Sehnen nach vergangenen Zeiten und die Ohnmacht, das auch die Verbrecher wieder mit in der Politik Amt regieren. Auch das Frauenbild finde ich richtig gut eingefangen, wie sie trotz ihrer Arbeit beim Aufbau des Landes wieder hinter ihren Herd gestellt werden und alle ihrer Rechte aberkannt, das Bild ist schauderhaft und Leni hierin eine Revolutionärin. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, das Modell sein Früher geächtet und als billig empfunden wurde und heute will es jedes junge Mädchen werden. Es ist verrückt und noch gar nicht so lange her. Auch Fridas Rolle ist gut eingebunden und lässt auch so einige Einblicke einfliessen. Außerdem lässt Julia Fischer diese Zeit durch ihre Worte und Beschreibungen richtig bildgewaltig aufblühen und man sieht alles in Farbe und gestochen scharf.

Somit hat mich der Auftakt gepackt, diese Zeitreise war ein Genuss und das Ende einfach tragisch, das man einfach wissen möchte, wie geht es weiter, was passiert noch und tauchen alle Figuren wieder auf. Wie gut das die Autorin verraten hat, dass dieses Jahr noch der zweite Band erscheint, das macht mich glücklich und freut mich immens, denn ich muss wissen, wie es weitergeht. Ein Auftakt, der jedes Abendprogramm blass aussehen lässt und man lieber zu diesem Buch greift, absolut packend aufregend ist und einem regelrecht in die Seiten hineinzieht.

Der Salon ist mehr als nur ein Familienroman, es ist eine Zeitreise und ein geschichtlicher Ritt, der fabelhaft unterhält, einen ergreift, auf eine Gefühlsachterbahn schickt und besser als Kino ist. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.
 
Henry und ich lieben Geschichten von Julia Fischer und auch diese bekommt die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
 

 
Julia Fischer ist eine deutsche Schauspielerin, Sprecherin und Schriftstellerin. Die Mutter dreier Kinder und Tochter des Komödienstadel-Regisseurs Olf Fischer und der Schauspielerin Ursula Herion lebt mit ihrer Familie in München und hat schon als Kind auf Pumuckel-Schallplatten und im Kinderfunk mitgewirkt, später den Beruf der Schauspielerin ergriffen sowie verschiedene Magazine im Bayerischen Fernsehen moderiert.
In den letzten Jahren kamen unzählige Hörbuchproduktionen hinzu (unter anderem als deutsche Stimme von Agatha Raisin). Außerdem hat Julia Fischer seit einigen Jahren das Schreiben für sich entdeckt und seit 2014 bereits vier eigene Romane veröffentlicht, für die sie zahlreiche begeisterte Feedbacks erhalten hat.
 
 
 
Vielen lieben Dank an Julia Fischer für dieses Rezensionsexemplar.   
 

Mittwoch, 2. März 2022

Rezension: Paolo Riva * Flüssiges Gold: Commissario Lucas erster Fall

Broschiert: 302 Seiten 
ISBN-13: 978-3455013290
Preis: 16,00 EUR 
E-Book: 9,99 EUR 
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: März 2022
 
 
 
 
Inhalt:
Es ist Markttag im idyllischen Montegiardino, die Sonne lacht, das Café ist gut besucht, die Stimmen vom Markt sind heiter und die Schlange am Olivenölstand wie immer lang. Commissario Luca liebt sein kleines Heimatstädtchen und schlendert über den Markt, um die ersten Steinpilze zu ergattern, dabei wird geplaudert, gelacht und sich verabredet. Bis ein Schuss fällt und das ruhige Treiben beendet. In Montegiardino passiert sonst nie etwas, das Höchste ist Mal ein Verkehrsdelikt und nun wurde eine Frau angeschossen. Luca eilt zur Hilfe und fordert Verstärkung an, aber hier steckt wohl mehr dahinter und Luca muss ermitteln. Wer hatte es auf Signora Gori abgesehen? Wer hat da geschossen? Und was verschweigen die Olivenbauern in dieser Region vor Luca?

Meinung:
Ein neuer Commissario steht am Start und der Verlag meinte, das wäre doch auch was für mich. Immerhin, wer sehnt sich gerade nicht nach Sonne, Ruhe und Unbeschwertheit, so schnappte ich mir direkt diesen Bella-Italia-Krimi und schnupperte in die Seiten und schwups waren 150 Seiten schon verschlungen. Ob mich nun Luca auch überzeugen konnte, erzähle ich euch jetzt.

Commissario Luca ist der italienische Bruno (Franzose und eine Figur aus der Buchreihe von Martin Walker). Ein Dorfpolizist, der gutes Essen liebt, seine Heimat willkommen heißt und für jeden im Ort ein Ohr hat. Dazu kommt, dass ihn die Damenwelt anhimmelt und erst recht einen Witwer mit einer kleinen Tochter. So lebt er auf dem Berg mit Emma und seinen drei Eseln, idyllisch, harmonisch und friedlich. Aber das war nicht immer so, unser Commissario hatte auch ein Leben davor und dieses war bei weitem nicht so beschaulich wie jetzt. Aber was man gelernt hat, hat man gelernt und so sind seine polizeilichen Antennen direkt ausgefahren und sein Ermittlungstrieb erwacht. In seinem Dorf wird keiner angeschossen und auch eine patzige Vice-Questora lässt er nicht so einfach auf seine Mitmenschen los. So hat Luca auf einmal viel mehr zu tun als sonst, aber er geht darin auf und lässt sich nicht ausspielen.

Paolo Riva hat definitiv einen Good-Feel-Krimi geschrieben, der einen in sommerliche Stimmung bringt, Lust auf Pasta macht und Sehnsucht nach der Toskana weckt. Es versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung, man wird selber ruhiger und fühlt sich wohl, auch wenn dort ein Verbrechen passiert, möchte man doch eher die Esel füttern oder mit am Tisch sitzen, wenn es Pasta und Wein gibt. Somit passt die Atmosphäre für mich ganz gut. Luca ist auch sympathisch, auch wenn er ein bisschen zu sehr als Gutmensch rüber kommt, er dürfte auch gern ein bisschen rauer sein oder impulsiver, aber nein, er ist ein bisschen schüchtern und manchmal ein bisschen begriffsstutzig, was die Frauenwelt anbelangt. Ansonsten ist der Fall auch gut angesiedelt, Olivenhaine und der ganze Skandal ums wertvolle Olivenöl, darüber hatte ich schon einen Roman gelesen, und hier kratzt der Autor auch nur an der Oberfläche, aber ich fand es trotzdem gut eingeflochten und lässt einen so manchen Einkauf überdenken.

So ist dieser Auftakt für mich gelungen, hat mich ins sonnige Italien versetzt, hat mich mit einem guten Gefühl zurückgelassen, auch wenn hier noch ein bisschen mehr Potenzial drin gesteckt hat, so war einiges doch ein bisschen platt und vorhersehbar. Commisaario Luca ist halt keine Brunetti oder Montalbano, aber muss er auch gar nicht sein. Für mich passte halt die Grundstimmung und ich mag nun mal auch Cosy-Krimis unglaublich gern, die nicht immer politisch oder total verstrickt sein müssen, sondern einfach gut unterhalten und Laune machen. Tja, und Luca steckt am Ende ja doch noch in großen Schwierigkeiten, da muss man doch weiterlesen.

Flüssiges Gold ist ein Auftakt zu einer neuen italienischen Krimireihe, die in der idyllischen Toskana spielt und uns ins Dolce Vita Feeling versetzt. Gute Unterhaltung, Atmosphäre passt und richtig guter Cosy-Crime. Nun muss es heute Pasta geben.
 
Henry und ich hatten eine gute Lesezeit und dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Paolo Riva wurde 1977 in Balerna/Tessin in der italienischsprachigen Schweiz geboren. Seine Mutter ist Italienerin, sein Vater Deutsch-Schweizer. Er studierte deutsche Philologie in München und Philosophie in Rom. In Zürich arbeitete er lange als Werbetexter. »Commissario Luca« ist sein Debüt als Romanautor. Riva lebt mit seiner Familie, Hunden und Eseln auf einem Hof in der südlichen Toskana.
 
Quelle: Hoffmann und Campe  
 
Vielen lieben Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar.