Montag, 18. Oktober 2021

Rezension: Janne Mommsen * Das Inselweihnachtswunder

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13: 
978-3499005732
Preis: 18,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2021

 
 
 
 
Inhalt:
Carola ist Inselpastorin auf Föhr im Friesendom und steckt voll in den Vorbereitungen für Heiligabend. Der Chor probt, die Predigt steht, die Vorfreude wächst, nur Carola ist etwas betrübt, denn nach der Messe ist sie allein und möchte das gar nicht sein. Aber noch ist alles möglich, aber zuerst muss sie auf die Nachbarinsel und einen Kollegen vertreten. Dort begegnet ihr Torin, der Organist ist und sie um einen Gefallen bittet. Seiner Großmutter geht es nicht gut und sie wissen nicht, ob sie das Weihnachtsfest mit erlebt und ob sie nicht jetzt schon in Familienkreis feiern könnten mit ihren Segen. Carola ist da pragmatisch und hilft der Familie und dann überschlagen sich die Ereignisse. Ein Geldkoffer wird gefunden, ein anonymer Wohltäter sorgt für Weihnachtsgerüchte, dazu die Planung des Single-Heiligabends und ein persönliches Weihnachtswunder geschieht. Was daran hat mit Carola zu tun? Wer heckt hier kleine Wunder aus? Und wird Torin die Insel wechseln?

Meinung:
Janne Mommsen ist für seine Inselbücherei bekannt und schreibt überhaupt viele Bücher übers Meer und seine Inselbewohner. Bis jetzt hatte ich noch nicht das Vergnügen, etwas vom Autor zu lesen, aber der Klappentext klang so herrlich amüsant und wärmend fürs Herz und man soll ja immer etwas Neues ausprobieren und so durfte es einziehen und gemütlich zum Herbstregen habe ich es nun gelesen. Ob mich dieses Wunder auch packen konnte, erzähle ich euch jetzt.

Carola ist jung, dynamisch, kann mit anpacken und hat für alle Probleme eine Lösung. Vielleicht nicht immer konventionell und extrem im Kern dehnbar ausgelegt, aber kreativ und mit jeder Menge Willen Gutes zu tun. Dabei bleibt sie selbst aber immer etwas im Hintertreffen, denn man sieht nicht immer die Frau unter dem Talar. So ist sie öfters allein, einsam und weiß nicht, wie sie es ändern kann, da so eine Insel ja begrenzt an Männern ist. Durch Zufall lernt sie Torin kennen, und als ob es ein Wink von Gott wäre, schweißt sie direkt ein Geldkoffer zusammen. Ein Geldkoffer, der so einigen Schwung auf Föhr mitbringt und eine Pastorin mächtig in die Bredouille bringt, denn Gotteswege sind ja nicht immer einfach und so muss sie wirklich erfinderisch sein und trotzdem den richtigen Weg finden. Aber sie ist damit ja nicht allein, ein gewisser Organist hilft tatkräftig mit, dass sich dabei vielleicht auch andere Bände knüpfen, ist doch ein schöner Nebeneffekt, wenn sie nur mal darüber sprechen würden. So bleibt es bei Carola spannend, wie Heiligabend privat bei ihr verläuft.

Ohne Frage, die Geschichte hat Spaß gemacht, vielleicht sollte man sie ein bisschen mehr zur Weihnachtszeit lesen, damit die Atmosphäre einfach noch besser passt, aber man kommt ganz gut in Vorweihnachtsstimmung. Recht erfinderisch ist der Autor, denn es ist nicht nur eine reine Liebesgeschichte, sondern auch viel Wirbel um Menschlichkeit, Glauben und Nächstenliebe ist mit dabei. So ist das Kirchliche mehr als abgedeckt, nun gut mir war das ein Ticken zu viel, aber was will ich erwarten, wenn eine Pastorin ihre Andacht hält. Für mich hätte es auch gern noch ein bisschen mehr zwischen Torin und Carola knistern können, aber so in großen und ganzen bin ich auf meine Inselgeschichtenkosten gekommen. Humorvoll, herrliche Zwiegespräche mit Gott, ein bisschen hat mich das an Camillo und Peppone erinnert und klasse Verwicklungen, Spuk und doch menschliche Zuneigung. Dieses kleine Buch hat Spaß gemacht und macht auf jeden Fall Stimmung.

Das Inselweihnachtswunder ist kuschelig zum schmunzeln und es macht Freude auf Schnee, Lichter und Bratenduft. Herrliche Unterhaltung zur weihnachtlichen Einstimmung.
 
Henry und ich fanden die Geschichte richtig süß und dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Janne Mommsen hat in seinem früheren Leben als Krankenpfleger, Werftarbeiter und Traumschiffpianist gearbeitet. Inzwischen schreibt er überwiegend Romane und Theaterstücke. Mommsen hat in Nordfriesland gewohnt und kehrt immer wieder dorthin zurück, um sich der Urkraft der Gezeiten auszusetzen.
 
 
Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.  
 

Sonntag, 17. Oktober 2021

Rezension: Jenny Fagerlund * 24 gute Taten

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten  
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832165444
Preis: 16,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2020
Übersetzer*in: Kerstin Schöps
 
 
 
 
Inhalt:
Weihnachten steht kurz vor der Türe und Emma würde am liebsten im Bett bleiben und sich vor der Außenwelt verkriechen. Aber als Besitzerin eines kleinen Geschenkladens kommt nun die beste Zeit, aber Weihnachten steht einfach unter keinem guten Stern. Ihre große Liebe Niklas ist vor zwei Jahren an Weihnachten verunglückt und ihre Trauer scheint unüberwindbar. Dabei bekommt sie viel Unterstützung von ihrer Familie und doch kommt sie aus der Melancholie nicht raus. Bis zu diesem einen Abend, wo sie einen älteren Mann im Schneesturm nach Hause begleitet und merkt, das war toll, sie fühlt sich gut und sie fasst einen Plan. Statt einen Adventskalender aus Schokolade macht sie für sich einen für gute Taten. Jeden Tag eine und sie hofft, mit diesem Projekt wieder ins Leben zurück zukehren. Aber so einfach, wie sie sich das vorstellt, ist es nicht, denn gute Taten müssen auch angenommen werden. Wird also Emma damit Erfolg haben? Wem wird sie dabei alles über dem Weg laufen? Und findet sie sich im eigenen Leben wieder zurecht?

Meinung:
Ich mag ja gern passende Bücher zur passenden Jahreszeit zu lesen und suche mir immer wieder mal welche für die Weihnachtszeit heraus, so also auch dieses. Für mich klang es nach guter Stimmungslektüre mit ein bisschen Tiefgang und herzerwärmenden Szenen. Also nicht das übliche kitschige Liebesgeplänkel, denn immerhin stehen hier 24 gute Taten an. Und es spielt in Stockholm, also mit Schnee, Kälte und dicken Handschuhen. Ob mir das nun alles gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Emma ist absolut in ihrer Trauer gefangen und das seit über zwei Jahren. Ihr fällt es schwer, vom Sofa runterzukommen, ihren Alltag zu bewältigen und die Finanzen ihres Ladens kennt sie auch nicht mehr. Wie gut das ihre Schwester Magda da nun ein Auge drauf hat oder auch nicht gut, denn diese baut unglaublichen Druck auf. Aber Emma ist resistent und will den ernst der Lage einfach nicht verstehen. So greift Magda in ihrem Laden ein, begleitet ihren Alltag und setzt ihr die Pistole auf die Brust, sie muss was tun, für sich und den Laden und verlangt ein Hobby. Sofort oder sie wird sie nicht mehr los. Woher bloß soll sich Emma nun ein Hobby suchen und warum muss Magda so nerven. Und da passiert es, auf ihren Heimweg kommt ihr eine Idee, denn den Herrn, den sie gerade nach Hause gebracht hat, war nicht nur eine gute Tat, nein, sie fühlt sich besser und so steht es fest, sie vollbringt bis Weihnachten 24 gute Taten. Allerdings ist das gar nicht einfach, den einen überrumpelt sie, bei dem anderen blitzt sie ab und doch entwickelt sich daraus eine Eigendynamik, die Emma aus ihrem Wachkoma befreit und sie ihre Umwelt endlich mit anderen Augen sehen lässt. Wie auch den jungen Mann, dem sie geholfen hat, Adam und der ihre Wege immer mal wieder kreuzt.

Die Grundidee mit dem Adventskalender der guten Taten fand ich einfach entzückend und war auf die Umsetzung sehr gespannt. Der Anfang konnte mich auch richtig einnehmen, da man Emmas Trauer spüren konnte und sich ihr auf Irgendeinerweise verbunden fühlte. So bekam die Geschichte zuerst eine ernst und verzweifelte Grundatmosphäre. Die eben ständig von der nervigen Schwester unterbrochen wurde und das war gut, denn somit war man selber entnervt und wollte Emma wachrütteln, auch die guten Taten fand ich zuerst ziemlich gelungen und teilweise ein bisschen Slapstick. Aber schaut man sich die Entwicklung an, wird der weihnachtliche Kitschglanz immer größer. Emma, die zu beginn unter Trauer und Depressionen leidet, macht eine Hundertgradwendung, sieht endlich wieder klar und packt ihr Leben an, fand ich extrem unrealistisch und je mehr ich gelesen hatte, umso mehr hat es mich gestört. Dabei ist ja klar, dass es ein Happy End Roman sein soll, aber für mich hat es leider nicht funktioniert.

Jenny Fagerlund hatte eine super Idee und begann ihre Geschichte auch richtig gut, leider ging bei mir ab der Hälfte der Spaß verloren, da es mir zu unglaubwürdig wurde. Wer das aber abschalten kann, bekommt eine süße Weihnachtsgeschichte mit viel drumherum. Also nette Unterhaltung mit neuer Lebensausrichtung binnen dreier Wochen.

24 gute Taten hat eine tolle Grundidee, die aber leider bei der Umsetzung hakte, zumindest konnte sie mich nicht überzeugen. Ist halt eine Geschichte für eine nette Zeit zwischendurch.
 
Henry und ich fanden die Geschichte für zwischendurch gut und deshalb gibt es drei Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Jenny Fagerlund wurde 1979 geboren und lebt mit ihrem Ehemann und vier Kindern in Stockholm. Sie arbeitet als freie Journalistin und hat bereits vier Romane veröffentlicht, bei DuMont erschien zuletzt ›24 gute Taten‹ (2020).
 
Quelle: Dumont Verlag

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Freitag, 15. Oktober 2021

Rezension: Petra Hartlieb * Herbst in Wien

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten  
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832181451
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 4. Teil
Erscheinungsdatum: September 2021 
 
 
 
 
Inhalt:
Für Marie und Oskar beginnt eine schwere und unberechenbare Zeit, denn der Erste Weltkrieg bringt für alle Menschen Trauer und harte Entbehrungen mit sich. So steht Marie allein mit Kind im Buchladen und versucht alles am Laufen zu halten. Oskar kehrt verletzt zurück und ist ein Schatten seiner selbst. Die Sorgen werden größer, die Nöte unüberwindbar, aber dann ist Kriegsende und Licht kehrt zurück. Es ist die Zeit um Luft holen, sich der kleinen Dinge bewusster zu werden und neue Wege zu gehen. Das Geschichtskarussell dreht sich weiter und es gibt einiges noch zu erleben. Wie wird es mit der Buchhandlung weitergehen? Sind Marie und Oskar noch immer glücklich? Und was hat Fanni mit den Frauenversammlungen zu tun?

Meinung:
Nun ist es Herbst in Wien und passend dazu gibt es den Abschlussband um Marie und Oskar von Petra Hartlieb. Was habe ich mich in die Geschichte des Dienstmädchens und dem Buchhändler verliebt, was habe ich gebangt, ob sie heiraten dürfen und wie die ersten Ehejahre verliefen. Da ist es wohl klar, dass ich auch dieses Buch einfach lesen musste und außerdem musste ich einfach mal wieder nach Wien. Ob mir die Reise dahin gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte beginnt 1931 mit einem Besuch im naturhistorischen Museum, und hier verbirgt sich so einige kleine Cliffhanger, aber auch den Gedanken, es muss viel passiert sein, aber unserem Liebespaar von einst geht es gut. So kuschelt man sich zurück in den Lesesessel und stürzt sich in das Jahr 1915, wo Oskar von der Front verletzt nach Hause kommt. Marie im Dauerstress und überfordert, aber kämpfend für ihre Familie. So durchwandert dieses Paar noch einige Höhen und Tiefen, leidet, wächst aber auch mehr zusammen und lässt Geschichte der damaligen Zeit wieder präsent werden. Armut, Krankheiten, Hungersnot, Kindstod, Krieg, aber auch die aufblühende Zeit, der Wechsel von Altverstaubten zu neuen jungen Ideen und der Kampf der Frauen für mehr Rechte. Das ist vielleicht nicht unbedingt Maries Kampf, aber Fanni ist dabei und ihre Wege sind ja immer ungewöhnlicher Natur gewesen.

Eigentlich möchte ich nicht mehr verraten, es ist ein Mix aus geschichtlichen Elementen, verwoben mit einer liebreizenden Familie. Petra Hartlieb setzt somit ihre Geschichte weiter und handelt diesmal einen viel größeren Zeitraum ab. Sie lässt viele geschichtliche Aspekte einfliessen, anklingen oder miterleben, soweit es halt die Familie betreffen kann und schließt sogar den Kreis ihrer Jahreszeitenreihe, weil sie Arthur Schnitzler noch ein Mal auftreten lässt. Alles passt zusammen, ist liebevoll arrangiert und lässt einem die Familie nur schwer wieder los, denn da kommen ja noch mehr unruhige Zeiten auf sie zu und es klingt immer wieder, durch das auch diese nicht einfach werden. Aber es ist auch gut, dass nun Schluss ist und wir eine tolle Epoche miterleben durften.

Petra Hartlieb hat mich wieder gut unterhalten, obwohl einfach der erste Band, der mit dem magischen Zauber war und mich einfach eingefangen hat. Die weiteren Bände sind zwar schön, aber einfach nicht wie der erste und leider verriet der Klappentext immer mehr, als wirklich im ganzen Buch passierte. Was für mich okay war, aber eben auch einfach nur nett. So spazierte ich gern mit Marie und Oskar durch ihr Wien nahm an der Familienplanung mit teil und saß mit ihnen am Küchentisch. Es ist wie ein Mitglied einer Familie zu sein, obwohl man nicht wirklich dabei ist. So nehme ich Abschied und weiß, diese beiden schaffen alles, denn da ist viel Liebe mit dabei.

Herbst in Wien hatte viele geschichtliche Aspekte mit im Gepäck und zeigte die harten Zeiten von Krieg auf, aber auch die Lichtblicke. Es war mal wieder wie Heimkommen gewesen. Liebevoll erzählt und nostalgisch unterhaltend.
 
Henry und ich mochten die Wienspaziergänge und deshalb gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren und ist in Oberösterreich aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und Geschichte und arbeitete danach als Pressereferentin und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. 2004 übernahm sie eine Wiener Traditionsbuchhandlung im Stadtteil Währing, heute »Hartliebs Bücher«. Davon erzählt ihr 2014 bei DuMont erschienenes Buch ›Meine wundervolle Buchhandlung‹. In ›Wenn es Frühling wird in Wien‹, ›Sommer in Wien‹ und ›Herbst in Wien‹ spielt ebendiese Buchhandlung erneut eine zentrale Rolle.
 
Quelle: Dumont Verlag
 
Wien-Reihe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Petra-Hartlieb/Ein-Winter-in-Wien_lid_29483538.html?storeID=barbers

1. Teil: Rezension I 2. Teil: Rezension I 3. Teil: Rezension
 
Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.   

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Rezension: Benjamin Myers * Der perfekte Kreis

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13: 
978-3832181581 
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: September 2021
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
 
 
 
 
 
Inhalt:
Redbone und Calvert haben auch für den Sommer 1989 große Pläne, denn sie wollen weitere Kornkreise machen und diesmal den perfekten. Eine ihrer wichtigsten Regel ist, dieses im Geheimen zu tun und so brodelt die Gerüchteküche vor sich hin, vom Jungenstreich bis Außerirdische ist alles drin. Allerdings ist es den beiden Freunden egal, nur das jetzt jederzeit jemand auftauchen könnte, beeinträchtigt ihre Arbeit. So verstoßen sie nicht nur gegen Regeln, Verordnungen und Gesetze, sondern müssen höllisch aufpassen und schnell agieren. Ihr Traum ist es, den schönsten und perfekten Kreis zu schaffen und damit ihre Freiheit zu erlangen. Wird es den beiden Freunden gelingen? Werden sie doch noch erwischt? Und welche Überraschungen hat dieser Sommer für sie parat?

Meinung:
Benjamin Myers hat mich letztes Jahr mit seinem Roman „Offene See“ begeistert, seine poetischen Sätze, seine bildlichen Landschaftsbeschreibungen und diese kluge, ruhige Erzählweise hatten es mir so angetan. Ein ganz besonderes Buch und ein richtiger Schatz zu einer komischen Zeit. Nun kommt sein nächstes Buch und meine Vorfreude war ziemlich groß, auch wenn ich die Worte vom Verlag im Kopf widerhallen höre, das es ja ganz anders ist. War mir egal, denn der Genuss von schönen Worten ist einfach zu reizvoll. Ob ich auf meine Kosten gekommen bin, erzähle ich euch nun.

Calvert und Redbone sind Freunde, aber auch beide Suchende nach einem Platz in der Welt. Obwohl sie sich schon lange kennen, wissen sie nicht alles übereinander, so kennt Calvert den Vornamen seines Freundes nicht wirklich, aber das ist auch für beide nicht wichtig, die Chemie passt und ihre Verbundenheit stimmt. Für beide ist die Erschaffung von Kornkreisen auch eine kleine Therapie. Calvert muss die Schrecken von seiner Militärzeit verarbeiten und kann vieles nicht mehr ertragen. Während Redbone, die Revolution gegen den Staat anzetteln möchte. So wird in der Heimlichkeit geplant, in der Nacht ausgeführt und alle Pläne danach vernichtet. Sie sind ein Team, sie sind die Besten und sie haben beide ihre Gründe für ihre Kornkreise. Aber was sie beide unbedingt schaffen wollen, ist Schönheit und den perfekten Kreis, der alles überragt und worauf sie beide mit stolz blicken können.

Benjamin Myers hat seine Geschichte diesmal so unterteilt, dass jedes Kapitel für einen Kornkreis steht. So fangen wir mit dem ersten Projekt des Sommers 1989 an und lernen beide Protagonisten kennen, schweifen in jedem Kapitel auch in die Vergangenheit und bauen eine Bindung auf. Außerdem ist es überaus interessant, wie sich mit zunehmendem Sommer und das Interesse der Medien die beiden Erschaffer immer wieder in brenzlige Situationen führt und manchmal muss man einfach beim Lesen kichern. Und ganz klar steht im Vordergrund Benjamin Myers großartige Landschaftsbeschreibung. Hier hört man das Gras flüstern, die Ähren im Wind tanzen und wie das Korn aus den Hülsen platzt. Es ist ein Genuss für die Seele und eine Schönheit an Worten, die einen packt und glücklich macht. Ich bin gern mit diesem ungewöhnlichen Team losgezogen, durch die Felder gestreift und habe mich vor Hasen erschreckt. Dazu dann noch die poetischen Sätze des Autors und man ist gefangen in der Schönheit der Sprache. Was mir aber auch gefallen hat, ist der kritische Blick, der hier ganz toll mit eingewoben wurde und schon 1989 auf den Klimawandel aufmerksam macht.

Ja, die Geschichte ist anders und ist vielleicht auch nicht so humorvoll, aber sie entschleunigt einen genauso schön wie sein Debüt und ich mag Bücher, die mir bewusst die Schönheit der Sätze zeigen, die mich innehalten lassen und manches noch einmal lesen lassen, weil es einfach so herrlich wahr und einmalig ist. Hier geht es um Freundschaft, Kraft und Freiheit, das zu tun, was man möchte und doch nicht immer kann. Dazu diese Poesie, die Klugheit der Worte, ein bisschen Melancholie und Natur satt. Herrlich zu lesen und ein Genuss für die Sinne.

Der perfekte Kreis ist für mich wieder sehr gelungen, denn Natur, Freundschaft und die Schönheit der Worte haben hier Platz gefunden und einen aufs Neue bestens unterhalten. Genuss, Zauber und famose Natur.
 
Henry und ich mögen diesen Schriftsteller einfach und deshalb die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine literarischen Arbeiten hat er mehrere Preise erhalten. Sein Roman ›Offene See‹ (DuMont 2020) stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde mit dem Preis des unabhängigen Buchhandels als Lieblingsbuch des Jahres ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.
 
Quelle: Dumont Verlag

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Montag, 11. Oktober 2021

Rezension: Adriana Popescu * Wie ein Schatten im Sommer

Broschiert: 480 Seiten
Verlag: cbj  
ISBN-13:
978-3570314395
Preis: 14,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2021  

 
 
 
 
Inhalt:
Ein Dorf am Ende der Welt ist das neue Zuhause vom Großstadtmädchen Vio und der Neubeginn, den sich ihre ganze Familie erhofft. Nun heißt es, alles auf Neustart und am besten direkt mal Freunde finden. Dieses Vorhaben gelingt Vio ganz spielend, denn durch den verdammt netten Pizzaboten bekommt sie nicht nur den besten Fremdenführer, sondern auch direkt Anschluss an seine nette Clique. So erscheint es doch ein guter Sommer zu werden, am Badesee liegen, durch die Rapsfelder mit dem Rad fahren und sich in Konstantin verlieben. Diese wunderbare sommerliche Idylle wird aber immer wieder von fremdenfeindlichen Aktionen getrübt und auch in der Clique ist nicht alles so positiv und offen, erst recht, wenn die Kumpels von Konstantins Bruder Robin auftauchen. Dumme Sprüche, Hass und viel Lärm begleiten diese und auf irgendeine weise ist Konstantin manchmal dabei. Vio ist verwirrt, er wird doch nicht mit diesen Typen zutun haben? Aber wer von denen hat die Sprüche ans Asylheim gesprüht? Und ist diese Idylle nur trügerisch?

Meinung:

Ein Jahr ohne Jugendbuch von Adriana Popescu, ist wie Sommer ohne Sonne, also ein absolutes Muss. So war ich doch sehr froh zu sehen, dass es da was Neues gibt und da ich die Bücher von ihr liebe, habe ich nicht ein Mal den Klappentext gelesen, sondern einfach direkt mit der ersten Seite gestartet. Ob ich wieder ein neues Lieblingsbuch gefunden habe, erzähle ich euch nun.

Vio lässt München hinter sich und das mit einigen schweren Gepäck, böse Erinnerungen, Enttäuschungen und den Willen, alles neu zu starten, Fehler nicht zu wiederholen und auf Neustart zu drücken. Nun ist sie auf dem Land angekommen, ein Dorf mit 3.331 Seelen und die Frage gibt es hier überhaupt Jugendliche, mit denen sie sich anfreunden möchte und siehe da, es geht ganz leicht, dank Konstantin. Der liebt sein Dorf und möchte auch, das sich Vio hier wohlfühlt und vielleicht auch ein bisschen mehr. Der Anfang ist also für Vio getan, aber auch die Ernüchterung folgt als am Badesee, die Gastarbeiter schwimmen gehen und so einige fremdenfeindliche Sprüche fallen. Vio ist genervt und offenbart, das auch sie Immigrationshintergründe hat und da beginnt die Scheinheiligewelt. Das hört man ja gar nicht? Wie bist du denn hier hergekommen? Kannst du die Sprache? Und, und, und. Genau dem wollte sie entgehen und ist doch wieder mittendrin. Was Vio aber zu schaffen macht, ist Konstantin, denn er ist ihr wichtig und seine Meinung umso mehr.

Konstantin ist so ein Junge, der jeden alles Recht machen möchte, der nicht wirklich eine Meinung hat und unangenehmen Dingen lieber aus dem Weg geht. Zumindest war das so und nun ist Vio da. Sie sieht ihn und nicht den Bruder, der immer im Vordergrund steht, der immer alles besser macht und in dessen Schatten Konstantin steht und auf ein Mal fällt der Spot auf ihn. Nicht nur Vio hat Interesse an ihm, sondern von jetzt auf gleich wollen die Freunde seines Bruders auch mit ihm abhängen. Tja, und bevor sich Konstantin drüber im klaren ist, zieht ihn alles immer tiefer in einen Schatten, aus dem er nicht weiß, wie er wieder herauskommt.

Adriana Popescu hat es wieder geschafft und einen in einem Lesesog hineingesogen, denn dieses Buch mag man nicht aus der Hand legen, dafür steht man sogar früher auf. Es ist wieder ganz toll, locker, leicht verständlich, gibt einen so ein gutes Gefühl und behandelt doch so ein schweres Thema. Seien wir ehrlich, mir macht die momentane politische Entwicklung Angst und gerade in einigen Ecken sogar noch viel mehr. Wie wichtig ist da so ein Buch, ein Blick auf beide Seiten und den Mut zu finden, was zu ändern. Diese verankerten dummen Sprüche beeinflussen einen und so bekommt der Hass auf alles, was fremd ist, immer Nahrung. Vor allem was es nicht alles dummes gibt, ich bin sogar wegen meinen dunklen Haar als Teenager angefeindet worden, und das ist doch mehr als bekloppt, aber nun reichen ja oft nicht mehr nur dumme Sprüche, auch Taten müssen vollbracht werden. Die Hemmschwelle sinkt und man hat das Gefühl, die Verblödung ist auf dem Vormarsch. Damit dieser Kreislauf gebrochen werden kann, bin ich froh, dass es solche Bücher gibt, dass man sieht, wie schnell man abrutschen kann oder welche Angst man immer bei sich trägt. Wir müssen aufklären und kein Schritt nach rechts abdriften. Danke an die Autorin für dieses Buch und diese große Botschaft.

Wie ein Schatten im Sommer ist aufrüttelnd, packend und doch auch ein schöner Sommerroman, der zu Herzen geht. Darin eine Botschaft, die uns alle etwas angeht und wonach wir leben sollten. Chapeu an Adriana Popescu, die mit diesem Buch ihre Stärke noch mehr gezeigt hat.
 
Henry und ich fanden es klasse und somit gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Adriana Popescu, in München geboren, arbeitete als Drehbuchautorin fürs Fernsehen, schrieb für verschiedene Zeitschriften und studierte Literaturwissenschaften, bevor sie sich ausschließlich dem Schreiben von Romanen widmete. Mittlerweile harrt eine große Fangemeinde ihren nächsten Veröffentlichungen entgegen, die in mehreren großen Publikumsverlagen erscheinen.
 
Quelle: cbj Verlag

Vielen lieben Dank an den cbj Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Samstag, 2. Oktober 2021

Rezension: Sabine Schoder * Immer ist ein verdammt langes Wort

Broschiert: 352 Seiten
Verlag: S. Fischer
ISBN-13: 
978-3737357432
Preis: 14,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2020
 
 
 
 
Inhalt:
Rena hat schwere Monate hinter sich und doch ist noch nicht alles wieder heil. Seit diesem Unfall steht ihr Leben kopf. Koma, Schmerzen, die sie immer noch begleiten und auch noch Gedächtnislücken. Manchmal erwacht sie aus Situationen heraus, die sie sich selbst nicht erklären kann. Aber in ihr steckt auch eine Kämpferin und das hält sie zusammen. Sie muss stark sein für ihre Mutter und sich. Nun muss sie auch noch nach dem Krankenhaus eine neue Wohnung suchen, da ihre Mutter dazu nicht in der Lage ist. Und schwups landen sie in einer ungewöhnlichen Gegend, einem sozialen Brennpunkt und Rena versucht es sich schön und gut zu reden, immerhin ist dort viel Grün. Doch das Leben ist unberechenbar und während sie versucht, es sich und ihrer Mutter angenehm zu machen, fällt ein Junge vom Balkon über ihr in ihre Wohnung. Was für Auswirkungen wohl diese Begegnung haben wird? Wird Rena ihre Gedächtnislücken überwinden? Und hat Liebe überhaupt einen Platz in ihrem Leben?

Meinung:
Sabine Schoder hat mir schon wunderbare Lesestunden beschert, mich mit ihrem Humor und den verpackten ernsten Themen überzeugt. So ist ja auch ganz klar, dass ich dieses Buch lesen musste und es ist sogar mit dem Delia Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurden. Kein Wunder bei der Autorin, aber ob sie mich mit dieser Geschichte auch überzeugen konnte, erzähle ich euch nun.

Rena hatte einen Unfall, der es in sich hatte und der sie für einige Zeit aus dem Leben gerissen hat. Koma, künstliche Hüfte, Schmerzen und Gedächtnislücken. An den Unfall kann sie sich nur verschwommen erinnern und irgendwie passen die Dinge nicht zusammen. Nun steht sie also wieder im Leben und das ist auch schon wieder ziemlich chaotisch. Ihre Mutter hat nämlich in der Zwischenzeit nicht nur ihren Job verloren, sondern auch ihr Zuhause und Rena muss alles in die Hand nehmen. Überhaupt ist die Beziehung Mutter-Tochter eher umgekehrt, denn Rena muss für diese instabile und psychische kranke Ma da sein. Nun also eine neue Wohnung, eine neue Umgebung und der Versuch, sich dort einzuleben. Es fällt allen beiden schwer, aber Rena muss positiv denken, darf nicht wanken oder zweifeln, weil sonst ihre Familie noch mehr auseinander bricht. Dabei geht es ihr noch gar nicht gut und die Schmerzen sind manchmal übermächtig, dazu kommt, dass sie immer wieder in Situationen gerät, an die sie sich später nicht mehr erinnern kann oder Erinnerungen hat, die sie selbst gar nicht kennt. Sie ist nicht auf der Höhe und als ob das nicht schon alles schwer genug ist, fällt ein junger Mann vom Balkon über ihr vor ihre Füße. Kick mit zwei verschiedenen farbigen Augen, ein Typ, der charmant mit anpacken kann und eine Schulter zum Anlehnen. Rena ist verwirrt, überfordert und kann es nicht glauben, muss sie sich jetzt, ausgerechnet jetzt, verliebt.

Die Geschichte fängt schwer an, fast melancholisch und belastet einen mit Rena‘s Schicksal stark, so ein junger Mensch und dann solch ein Unfall. Das überhaupt so eine starke Frau aus ihr geworden ist, ist wirklich verwunderlich, aber wenn nicht, sie, würde die Welt um sie herum noch mehr zerbrechen. So ist man sofort an ihrer Seite, möchte mehr von ihr wissen, ihr irgendwie helfen und ist total euphorisch als Kick auftaucht. Ihre bissigen und gleichzeitig humorvollen Gespräche hellen die Buchseiten auf und vertreiben auch die dunklen Wolken um Rena und doch passt irgendwas nicht zusammen. Dieses Suchen nach Antworten begleitet uns die ganze Zeit und ist ein großer Bestandteil der Geschichte. Und während man sucht, bahnt sich eine zarte Liebe heran und Geheimnisse werden aufgedeckt, bis die Autorin das ganze mit einem großen Knall aufdeckt.

Sabine Schoder hat für mich eine besondere Art zu ihren Figuren und ihren Themen, sie passen einfach und gehen immer viel tiefer als gedacht. Dazu kommen immer die klugen und herrlich humorigen Dialoge und somit bekommt sie mich immer. Sie nimmt Jugendliche ernst, gibt ihnen in ihren Büchern besonderen Raum und trifft Themen, die einen Packen und mehr als nur realistisch sind. Ihre Protagonisten sind aus dem Leben und das macht sie alle so einmalig, allerdings hatte ich irgendwie mit dem Ende ein Problem. Ohne Frage, es passte, machte aus allem Sinn und doch ist mir diese Lösung nun ja nicht ganz meins gewesen. Die Logikfehler, die mehrfach schon erwähnt worden, finde ich persönlich nicht Schwerwiegen und manches muss man doch einfach unter künstlerischer Freiheit verbuchen dürfen. Aber trotz meiner Skepsis fand ich es wieder klasse geschrieben und ich hatte ganz wunderbare Lesestunden. Sabine Schoder hat schon ein sehr glückliches Händchen für solche Geschichten.

Immer ist ein verdammt langes Wort, ist wieder richtig gut gelungen und machte wirklich große Freude beim Verschlingen. Humorvoll, tiefgehend und mit einer Prise Wahrheitssuche. Nicht mein letztes Buch von ihr.
 
Henry und ich hatten vergnügliche Lesestunden und dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Sabine Schoder, Jahrgang 1982, hat Grafikdesign in Wien studiert und sich dort Hals über Kopf verliebt. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Vorarlberg und widmet sich nach dem Erfolg ihres Jugendromans ›Liebe ist was für Idioten. Wie mich.‹ hauptberuflich dem Schreiben.
 
 
Vielen lieben Dank an den S. Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar.