Mittwoch, 16. Oktober 2019

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Büchereulen,

es passieren ja manchmal witzige Dinge. Da folge ich einer Autorin auf Instagram, von ihr hatte ich ein Buch gelesen und war total schockverliebt, deshalb musste ich ihr folgen. Na ja und ihre Golden Retriever sind zum knutschen, aber das nur am Rande und dann postet sie ihr neustes Werk und dieses Cover haute mich total aus den Latschen, genau meins. Jetzt kommt das witzige, da sitze ich in der Bloggerrunde bei Droemer Knaur und uns wird das Programm vorgestellt und unteranderem ein Buch, was einen Hauch von Les Miserables haben soll, da werde ich ja wach und machte mir ein Foto. Zu Hause dann, schaute ich mir alles genau an und dann viel es mir wie Schuppen von den Augen, die bringen genau die Geschichte heraus, wo mich das Cover so umgehauen hatte und von einer Autorin, die ich unbedingt weiter verfolgen möchte. Aber wie konnte der Verlag vom Cover abweichen, eine Schande. Aber kommen wir einfach zum Buch:


Die Rebellion von Laterre
1. Band
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 04.11.2019

Vor 500 Jahren versprach der Planet Laterre der Menschheit Hoffnung. Doch heute verhungern die Armen in den Straßen, während Wolken die Sterne verbergen und die herrschende Elite jedes Aufbegehren rigoros bestraft. Die Revolution wird sich dennoch nicht aufhalten lassen. Und alles wird von drei jungen Menschen abhängen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

Chatine ist eine Diebin, ein Kind der Straße, die alles tun würde, um dem brutalen Regime zu entkommen – einschließlich des Ausspionierens von Marcellus, dem Enkel des mächtigsten Mannes der Welt.

Marcellus wird von seinem Großvater darauf vorbereitet, die Macht zu übernehmen. Doch seit dem Tod seines Vaters, der als Verräter starb, plagen Marcellus immer stärkere Zweifel. Denn sein Vater hat eine kryptische Nachricht hinterlassen, die nur eine Person lesen kann: ein Mädchen namens Alouette.

Alouette ist in einer unterirdischen Zuflucht aufgewachsen, wo sie die letzte Bibliothek der Welt bewacht. Und sie hütet ein Geheimnis, das Laterre endgültig ins Chaos der Revolution stürzen wird.

Als das Schicksal Chatine, Marcellus und Alouette zusammenführt, ist nur eines gewiss: Die Zukunft von Laterre wird von ihren Entscheidungen abhängen, und davon, was sie zu opfern bereit sind: Liebe – oder Freiheit?


Ich erkenne ganz klar, einen Hauch von Les Miserables und soll ich euch was erzählen, diese Geschichte oder diesen dicken Wälzer habe ich sogar gelesen. Zu deutsch, sind es "Die Elenden" und Victor Hugo hat die Angewohnheit ausschweifend abzudriften, einen hundert Seiten lesen zu lassen, bis dann die Person auftaucht, mit der es dann weiter geht, aber was soll ich sagen, dieses Durchhalten hat sich gelohnt, die Geschichte ist großartig und ich liebe sie. Danach habe ich mir das Musical angeschaut und ich bin immer noch total begeistert. Manche Songtexte summe ich immer noch gern vor mich hin. Aber nun gut, soweit zu meiner Liebe und ich denke, die oben genannte Geschichte könnte mich genauso ansprechen. Hier ist alles etwas jünger, zukünftiger und hipper, aber wenn dieses Dreiecksspiel gut gemacht ist, werde ich bestimmt an den Seiten kleben. Ich bin sehr neugierig. Wer ist hier auch Fan? Wer hat das Buch auch auf dem Schirm? Und wollen wir zusammen zur Revolution schreiten?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich rüsten gehende, Sharon

Montag, 14. Oktober 2019

Rezension: Philip Reeve * Mortal Engines: Die verlorene Stadt

Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: TOR  
ISBN-13:
978-3596702152
Preis: 14,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 4. Teil
Erscheinungsdatum: Mai 2019
Übersetzer: Nadine Püschel und  Gesine Schröder 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Nach dem letzten Abenteuer scheint das Zeitalter des Friedens eingeläutet zu sein. General Naga ist jetzt der Anführer des Grünen Sturms und möchte mit den fahrenden Städten Frieden schließen. Der Krieg soll endlich ein Ende haben, nur sieht das nicht jeder so. In Zagwa wird ein Attentat auf seine Frau ausgeübt und somit sind alle Pläne vereitelt. In Naga flammt der alte Haas auf und alles Gute scheint zu scheitern und zu einem alles vernichtenden Schlagabtausch auszuholen. Wird das, das Ende sein? Wo sind Hester und Tom? Wer kann hier doch noch für Frieden sorgen?

Meinung:
Hier ist er nun, der letzte Teil von Mortal Engines, das Finale einer ungewöhnlichen Fantasysaga und der Abschied fällt schwer. Ich habe die ersten beiden Bände mit vollem Genuss gelesen und sehr geliebt. Teil drei hat in meinen Augen etwas geschwächelt und so war ich doch sehr gespannt, wie es mir mit dem Ende ergehen würde. Aber wer bin ich, ich musste es lesen, denn ich wollte doch wissen, wie es mit meinen, ans Herz gewachsenen Figuren, weitergeht. Ich glaube, ganz ohne Spoiler komme ich nicht aus, aber legen wir los.

Ich glaube, Philip Reeve mochte alle seine originellen Figuren so sehr, dass er sie trotz, mehreren Toden, immer wieder auftauchen lässt. Beginnen wir mit Theo, der in seiner Heimat weilt und doch nur an Wren denkt. Aber lange wird er nicht dortbleiben, denn er soll die Frau von General Naga nach Hause bringen. Während dessen ist Wren mit ihrem Vater Tom auf den Vogelpfaden unterwegs und genießt das freie Leben. Auch sie denkt an Theo und schreibt ihm. Für Tom ist die Zeit mit Wren, wie eine Erinnerung an seine Jugend mit Hester, er vermisst sie und er spürt, dass er nicht mehr lange Zeit hat. In Airhaven macht Tom eine ungewöhnliche Entdeckung, nämlich ein Blick in die Vergangenheit und seinem alten zu Hause London. Seine Sehnsucht nach dieser Zeit wird übergroß und so möchte er zum letzten Mal diese alte Ruine sehen. Währenddessen ist Hester mit Shrike unterwegs, mit ihrem Sandsegler ist sie eine gefürchtete Kopfgeldjägerin und findet ihr Leben so gar nicht schlecht. Aber dann treffen sie auf Theo und Hester hat doch ein Herz und will sich ihrer Familie stellen. Ich könnte noch einige alte, wie auch neue Figuren hier einfliessen lassen, aber das wäre zu viel, aber ihr seht, alle bekannten Gesichter vereint für das letzte große Finale.

So hat sich der Autor entschieden viele kleine Fäden zu spinnen, überall aufzutauchen, jeden seiner Figuren eine Rolle gegeben und daraus ein dickes Buch gemacht. Für meinen Geschmack war es etwas zu viel, somit hat er ständig die Geschichte ausgebremst, die Spannung genommen, zu viele Nebenfiguren einfliessen lassen und auf vielen Ebenen gekämpft. So ein richtig rasanter Fluss kam nicht zustande und das, obwohl es sehr unterhaltsam erzählt war. Das ist jetzt auch wirklich meckern auf hohem Niveau, aber wenn ich bedenke, wie ich die ersten beiden Bände regelrecht verschlungen habe und sie nicht aus den Händen legen konnte, war das Ganze hier schon entspannter. Nichtsdestotrotz hatte ich meinen Spaß an der Geschichte, es war aufregend noch einmal alte Plätze zu besuchen, viele bekannte Gesichter zu treffen und einfach der Wiedervereinigung mancher Figuren entgegenzufiebern. Denn was der Autor perfekt kann, ist, alles lebendig wirken zu lassen und mit seinem Humor noch genug Witz in manche aussichtslosen Situationen zu bringen. Dazu noch der Kampf zwischen den Grünen Sturm und den Städten machte aus allem ein würdiges Finale.

Philip Reeve hat mit seiner Saga eine außergewöhnliche Reihe geschaffen. Die rasant begonnen hat und sich dann auf vielen Ebenen ausgebreitet hat. Immerhin begann alles mit Hesters Wunsch Valentine umzubringen und gefunden hat sie Tom, ihre große Liebe. Diese beiden Figuren war ein absolutes Herzpaar. Sie die raue, kämpferische und emotionslose Frau, die sich in den naiven, freundlichen und tollpatschigen Tom verliebte. Er der Bücherwurm und sie die Killerin. Drumherum dann so viele Abenteuer, Gefahren und eine Welt, die durch ihre rollende Städten und Aktivisten ungewöhnlich war. Diese Reihe voller Spannung und Überraschungen habe ich gerne gelesen und ich denke, ich würde sie auch nochmals lesen.

Mortal Engines, die verlorene Stadt ist ein würdiger Abschluss, der keine Fragen offen lässt. Leider dadurch, aber auch ein bisschen an Spannung verliert, da die Geschichte zu viele Fäden verarbeiten muss. Ansonsten ein wunderbares Wiedersehen mit lieb gewonnen Figuren und einigen Wendungen.
 
Henry und ich werden diese Reihe vermissen und fürs Finale gibt es vier Bücherpunkte:

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Über den Autor: 


Philip Reeve ist seit vielen Jahren erfolgreicher britischer Jugendbuchautor und Illustrator. Das "Predator Cities"-Quartett stellt (zusammen mit den drei Prequel-Romanen und der "Larklight"-Trilogie) sein Hauptwerk dar. 
 
Quelle: TOR Verlag


Mortal Engines - Reihe:
 
https://www.genialokal.de/Produkt/Philip-Reeve/Mortal-Engines-Der-Gruene-Sturm_lid_38412493.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Philip-Reeve/Mortal-Engines-Krieg-der-Staedte_lid_35356762.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Philip-Reeve/Mortal-Engines-Jagd-durchs-Eis_lid_36834472.html?storeID=barbers

1. Teil: Rezension I 2. Teil: Rezension I 3. Teil: Rezension


Vielen lieben Dank an den TOR Verlag für das  Rezensionsexemplar.  



Freitag, 11. Oktober 2019

Rezension: Sarah Breen & Emer MyLysaght * OMG, diese Aisling!

Broschiert: 336 Seiten
Verlag: bold
ISBN-13:
978-3423230025
Preis: 14,90 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2019
Übersetzer: Barbara König 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Aisling ist ein einfaches Mädchen vom Land, mit ihren 28 Jahren lebt sie noch bei ihren Eltern und hat nur einen großen Traum, endlich heiraten. In ihrem Heimatort Ballygobbard reiht sich eine Hochzeit an die andere und sie hat sogar schon einen Brautstrauß gefangen, nur ihr Freund John zeigt keine Anstalten für einen Antrag. Da muss man ihn doch auf die Sprünge helfen und einen romantischen Urlaub auf Teneriffa planen. Allerdings eskaliert das Ganze und statt einen Ring am Finger, macht sie mit John Schluss und zieht nach Dublin. Es wird Zeit für Veränderungen und somit für neue Freunde. Doch ist das die richtige Entscheidung? Und wer ist in der Firma für die Fehlüberweisung Schuld, etwa Aisling? Und wie kommt es, dass sich Aisling auf einmal von drei Kerlen angezogen fühlt?

Meinung:
OMG, diese Aisling, kam als Überraschungspaket bei mir an und ich fand das alles so herzig. Immerhin liebe ich Tee und Gebäck und die Geschichte klang ganz herrlich nach witziger Unterhaltung. Dazu kommt, das so viele es schon gelesen, toll fanden und na ja, sind wir nicht alle ein bisschen Aisling, zumindest ist das der Slogan. Ich hatte mich also auf leichte Kost eingestellt und auf über quirlige Frauenfiguren. Was ich bekommen habe und wie es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Aisling ist mit ihren 28 Jahren schon wirklich spät dran, sesshaft zu werden. Immerhin herrscht das Thema heiraten ständig vor und in ihrem Dorf heiratet eine Freundin nach der anderen. Nur Aisling ist noch ohne Ring und obwohl sie schon ewig mit ihrem John zusammen ist. Dieser scheint aber gar nicht ans Heiraten zu denken, dafür haben sie ja noch ewig Zeit. Für Aisling wächst der Druck aber immer mehr und so kommt es zur Kurzschlusshandlung und sie macht Schluss. Aus und vorbei. Neuanfang und das in Dublin mit einer hippen WG. Hier gibt es Familiendramen, Partys, Wochenendtrips und Aisling mittendrin und auf der Suche nach sich selbst. Was will sie eigentlich wirklich.

Aisling einzufangen ist nicht unbedingt einfach. Als Mädchen vom Land hat sie schon ein bisschen eine naive Art und die Wertstellung im Leben ist halt eine andere, als in der Stadt. Hier ist es eben den Hof zu übernehmen, Kinder zu bekommen, klar, vorher zu heiraten und eben der ganze konservative Quatsch. Allerdings hat, man ihrem Erwachsen werden ein paar Steine in den Weg gelegt, und zwar die Erkrankung ihres Vaters, dafür ist sie bei er Familie geblieben und hat die Fahren nach Dublin immer auf sich genommen. Ihr Bruder ist in Australien und das Verhältnis zu ihrer Mutter nicht unbedingt einfach, eher etwas unterkühlt. Somit pendelt sie immer von Dublin, zu ihrer Familie oder Johns WG. Das Thema ihrer Familie gibt der ganzen Geschichte auch die Tiefe und hat für mich diesen irischen Zusammenhalt.

Tja, und somit kommen wir zu den anderen Leben von Aisling und das empfand ich als nicht lesenswert. Langatmig, oberflächlich und einfach nervig. Ständig diese innerliche Debatte wie viel Alkohol ich wann und wo trinken darf. Dann diese ständige Kleiderfrage und manche Begriffe kann ich nicht mehr hören. Sollte das wirklich hipp und modern sein, wie in großen amerikanischen Serien? Das unsere naive und unsicher Aisling nicht wirklich reinpasst, ist vorab schon klar und somit wird die Suche nach einer Zukunft echt gedehnt. Was auch immer sie anstellt, rief bei mir Unverständnis und die Frage nach dem gesunden Menschenverstand hervor. Vielleicht kann ich mich aber auch einfach nicht mehr in solche Figuren hineinversetzten. Selbst der Versuch hier noch etwas Tiefsinn reinzubringen ist bei mir komplett gescheitert. Auch frage ich mich immer noch, warum kann man nicht einfach mit seinem Freund über seine Gedanken sprechen, das hätte dieses ganze Buch überflüssig gemacht. Aber gut, sonst gäbe es viele Geschichten nicht und vielleicht ist das für diese Generation einfach die passende sich widerspiegelnde Situation.

OMG, diese Aisling, ist bestimmt für Leser, die gern chaotische-charmante Romane für zwischendurch lesen. Mit einer Figur, die etwas altbacken daherkommt und mit der großen Welle schwimmen möchte, um doch zu erkennen worin ihre Werte stecken und wer ihr Herz gewonnen hat. Es gab Momente, die ich wirklich schön fand im Buch, aber ich musste einfach zu oft den Kopf schütteln und mich ärgern. Diese Geschichte war mir wirklich zu oberflächlich, unverständlich, fragwürdig und zu sehr gewollt. Ich bin einfach nicht damit warm geworden, die Sympathien für die Figuren hielten sich in Grenzen und ich hatte einfach langatmige Lesestunden.
 
Henry und ich glauben, dass diese Geschichte ihre Leser hat, allerdings gehören wir nicht dazu, es gibt zwei Bücherpunkte:

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Über die Autorinnen:


Sarah Breen ist eine irische Journalistin, die gemeinsam mit ihrer langjährigen Freundin Emer McLysaght den Character Aisling erschaffen hat. Ihre Aisling-Storys teilen sie seit 2006 auf der von ihnen erstellten Facebook-Site »Oh My God, What a Complete Aisling«. 10 Jahre später veröffentlichten die beiden ihre gesammelten Aisling-Storys als Roman und schufen damit eine der erfolgreichsten irischen Romanfiguren der letzten Jahre.

Emer McLysaght ist eine irische Journalistin, die gemeinsam mit ihrer langjährigen Freundin Sarah Breen den Character Aisling erschaffen hat. Ihre Aisling-Storys teilen sie seit 2006 auf der von ihnen erstellten Facebook-Site »Oh My God, What a Complete Aisling«. 10 Jahre später veröffentlichten die beiden ihre gesammelten Aisling-Storys als Roman und schufen damit eine der erfolgreichsten irischen Romanfiguren der letzten Jahre.

Quelle: bold Verlag

Vielen lieben Dank an den bold Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Rezension: Stig Sæterbakken * Durch die Nacht

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten  
Verlag: Dumont  
ISBN-13: 
978-3832183653
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 17,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Juli 2019
Übersetzer: Karl-Ludwig Wetzig




Inhalt:
Karl Meyer lebt ein durchschnittliches Leben. Er ist Zahnarzt, verheiratet, hat ein hübsches Haus und zwei Kinder. Alles läuft im Einheitstrott, das Leben hat sich bequem gemacht und ist der typische bürgerliche Standard. Aber dann begeht der achtzehnjährige Sohn Suizid und lässt eine verstörte, zerrissene Familie zurück. Die Mutter ist unter Schock, die Tochter verstummt und Karl, gibt sich die Schuld. Schon vor dem Tod, stand die Familie auf der Kippe und unter einer großen Belastungsprobe, denn Karl hatte eine Liebschaft mit der jungen Mona. Nun denkt er, dass diese Affäre daran Schuld ist, dass er sich immer mehr seiner Familie entzogen, entfremdet hat und somit der Auslöser für diese Tat war. Verzweifelt versucht er der Schuldfrage auf den Grund zu gehen und läuft am Ende doch davon. Er geht auf eine Reise, in die Slowakei, zu einem Haus, das einem mit den tiefsten Ängsten konfrontiert und dem man nachsagt, entweder gebrochen oder geheilt daraus heraus geht. Was wird Karl dort finden? Kann er mit dem Tod seines Sohnes noch umgehen? Und wird die Familie mit der Trauer fertig?

Meinung:
Durch die Nacht, wurde mir ehrlich gesagt vom gesamten Dumont Verlag ans Herz gelegt. Trotz der Schwere des Textes und des schwierigen Themas, waren alle überwältig, ergriffen und schockiert von der Eindringlichkeit des Autors. Eine Geschichte also die nachdenklich macht, einen nicht loslässt und verstört entlässt. So hatte ich das zumindest verstanden und so habe ich es auch gelesen und nun, versuche ich das alles in Worte zu kleiden, was gar nicht einfach ist.

Karl Meyer beginnt seine Geschichte mit seiner Trauer, die überwältigend, übermächtig und nicht einfach zu ertragen ist. Er ist nur noch eine Hülle, die mit Schmerz gefüllt ist und die Frage nach dem warum, lässt keinen in der Familie los. Er erinnert sich zurück, wie er seine Frau kennenlernte, wie man sich am Anfang Mühe gibt, wie sich das Gefühl einstellt, das ist es und sich ein Leben zusammen aufbaut. Die Kinder kommen, das bürgerliche Leben nimmt zu und während alle um sie herum, private Dramen erleben, ist die Familie Meyer unverwüstlich. Aber dem ist nicht so. Karl lernt auf einer Party Mona kennen und seine Gefühle leben wieder auf, es kommt frischer Wind in sein Leben und er verspricht sich so viel mehr davon, als es ist. Zurück lässt er seine Familie, seine Frau begegnet ihm mit Gleichgültigkeit, sein Sohn mit Verachtung, nur seine Tochter glaubt noch an ihm. Nachdem sich die Hochgefühle gelegt haben und Karl, langsam dämmert, was ihm dieses Abenteuer kostet, möchte er zurück, in den Schoss der Familie, aber so einfach ist es wohl nicht. Und dann passiert es, die Welt bricht zusammen und es herrscht auf ewig Nacht.

Die Geschichte wird in zwei Teilen erzählt, den ersten widmet der Autor der Familie, oder besser, dem Zerfall einer Ehe. Wie sich Routine und Gefühle verändern können, wie man unbewusst auf den Abgrund zusteuert und zu spät über die Folgen nachdenkt. Dieser erste Teil hat mich hart gepackt und es standen dort so viele Kleinigkeiten, die man selber kennt, die einen überraschten, erschreckten und sofort nachdenken liessen. Dazu die Worte über Trauer, die absolut überwältigend dieses Gefühl beschrieben, die einen mit hinabzogen, fühlen und erschrecken liessen. Wie leer man sich fühlt, wie gebrochen man ist und wie die Frage, warum, einen nicht los lässt. Für mich war es so menschlich, authentisch und schockierend, wie man solche Gefühle durch Worte transportieren kann. Wie kann man über so etwas so schreiben, was einem so nahe geht. Ich denke, dass der Autor sich schon länger mit der Dunkelheit beschäftigt haben muss, um so zu schreiben, und leider ist dieses Werk auch sein letztes Buch gewesen, denn er hat später selber Suizid begangen.

Der zweite Teil der Geschichte ist die Reise von Karl, die Reise zu sich selbst, die Reise von Egoisten. Während man im ersten Teil noch Karl verstehen konnte, auch wenn er dort nicht unbedingt gut abschneidet, macht der zweite Teil ihn für mich immer unsympathischer. Aber Trauer gibt es in vielen Formen und jeder muss wohl seine eigene Art, der Verarbeitung suchen. So reist Karl durch die Welt und hofft, auf irgendeine Erlösung. Dieser Teil blieb mir etwas zu weit weg, zu fantastisch und sehr auf einen Trip angelegt. Irgendwie hatte ich gehofft, das Karl sich eher mit dem Leben seines Sohnes befassen würde, als mit seiner Schuldfrage. Aber seine Trauer ist so tief, dass es wohl kein Entkommen gibt und so schlittert er immer tiefer in die Dunkelheit ein, ohne zu erkennen, das es noch Menschen gibt, die ihn vielleicht brauchen. Und dann das Ende. Für mich ein Hammerschlag und ich musste es zweimal lesen, weil ich die Tragweite und das Ausmaß gar nicht fassen konnte.

Durch die Nacht ist mit Sicherheit kein leichtes Buch, für mal eben zum weg lesen. Es ist eine Geschichte, die unter die Haut geht, die einen packt und durchschüttelt. Bewegend, schockierend, verwirrend und lange noch nachklingend. Eine Wucht an schonungslosen Gefühlen und starker Worten.
 
Henry und ich waren von der Wortgewalt sehr beeindruckt und vergeben die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:


Stig Sæterbakken (1966–2012) gehört zu den wichtigsten norwegischen Autoren der letzten Jahrzehnte. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Essay- und Lyrikbände und arbeitete zudem als Übersetzer.

Quelle: Dumont Verlag
 
Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 
 

Mittwoch, 9. Oktober 2019

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherstreichler,

ich persönlich mag ja nicht nur spannende Weihnachtsliteratur, sondern ich liebe auch Märchen. Durch meine Kindheit liebe ich besonders gern auch russische, so wie "das bucklige Pferdchen" oder "Väterchen Frost". Diese Filme sind jedes Jahr dran und stimmen mich einfach so richtig schön. Da hat man einfach Kindheitserinnerungen, mit Düften in der Nase und Keksgeschmack im Mund. Da bin ich natürlich auch für die passenden Geschichten empfänglich und solch eine habe ich gefunden. Wollen wir es uns mal ansehen? Ja, dann los:
 

Der Bär und die Nachtigall
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 14.10.2019

In einem Dorf am Rande der Wildnis, weit im Norden Russlands, wo der Wind kalt bläst und der Schnee viele Monate des Jahres fällt, erzählt die alte Dienerin Dunja den Kindern des Grundbesitzers Pjotr Wladimirowitsch Geschichten über Zauberei, Folklore und den Winterkönig mit den frostblauen Augen. Verbotene Geschichten über eine uralte Magie. Doch für die junge, wilde Wasja sind dies weit mehr als Märchen. Sie allein kann die Geister sehen, die ihr Zuhause beschützen. Und sie allein spürt, dass sich in den Wäldern eine dunkle Magie erhebt ...


Ich finde, es wird Zeit für den Markt wieder für diese Märchen. Anders, bunt, magisch und mit viel Charme. Interessant finde ich, dass die Autorin Amerikanerin ist und anscheinend eine große Liebe zu diesem Land hat, immerhin hat sie diese Literatur studiert und mich macht es neugierig. Ob sie diesen besonderen Zauber einfangen kann? Oder ob sie was Neues daraus strickt? Vielleicht ein bisschen hipper und moderner? Ich habe es auf jeden Fall direkt auf meine Wunschliste gepackt. Wer mag die russchichen Märchen denn auch gern? Und ist euch das hübsche Cover schon aufgefallen?

Ganz liebe Grüße
Eure, schon den Titel mögende, Sharon

Freitag, 4. Oktober 2019

Rezension: Sarah Perry * Melmoth

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Eichborn
ISBN-13: 978-3847906643
Preis: 24,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2019
Übersetzer: Eva Bonné 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Helen Franklin hat sich selber ins Exil verband und sich dafür die Stadt Prag ausgesucht. Dort lebt sie einsam, zurückgezogen und voller Entbehrungen, selbst Freunde gönnt sie sich kaum welche. Einer der wenigen, kommt eines Tages völlig entrückt auf der Straße ihr entgegen. Er wirkt gehetzt, neben der Spur und gibt Helen das Gefühl, als ob er verfolgt würde. In einem Café vertraut er sich Helen an und übergibt ihr so gleich ein seltsames Manuskript. Es handelt von Melmoth, einer Legende, einer Frau in Schwarz, die einsame Seelen sammelt und schon ewig auf der Erde herum wandelt. Helen möchte sich die Sache genauer anschauen und den Freund zur Seite stehen, aber je mehr sie liest und je mehr sie sich auf die Geschichte einlässt, wird ihr das Ganze zu unheimlich. Wird sie denn nun auch verfolgt? Was steckt hinter dieser mysteriösen Frau? Und warum ist Helen überhaupt in Prag? Ist ihre Vergangenheit mit der Geschichte von Melmoth verbunden?

Meinung:
Sarah Perry hatte mich schon mit „Die Schlange von Essex“ in ihrem Bann gezogen und mich mit ihrer atmosphärischen und bildgewaltigen Sprache überrascht. Sie macht aus einer Geschichte ihr eigenes Ding und lässt Poesie, Schauerelemente, Detailliebe und ihre Figuren durch ihre Art glänzen. Nun geht es also nach Prag und trotz des unheimlichen Klappentextes, wusste ich nicht genau, was mich erwartet, aber das erzähle ich euch nun.

Die ganze Geschichte fängt schon mit einem unheimlichen Brief an und klingt in den nebeligen Straße von Prag aus. Helen Franklin, ist die Protagonisten der Geschichte und bekommt am Anfang das Manuskript, vom erst kürzlich verstorbenen Josef Hoffmann, in die Hände gedrückt. Darin erzählt er von seiner Begegnung mit Melmoth und wie diese, sein ganzes Leben begleitet hat. Es ist nicht mal nur ein Bericht, sondern eher eine Beichte über sein Leben und seine Taten, denn Hoffmann hat gesündigt. Das schleichende unheimliche Gefühl, was sich beim Lesen einstellt, soll Helen aber auch bei Tag verfolgen und somit kommt es ihr vor, als ob man sie beobachtet. Dieses Gefühl steigert sich zunehmen und auch ihre Vergangenheit taucht immer mehr ans Tageslicht auf. Helens Sünden lassen sie nicht mehr los.

Und mehr mag ich gar nicht verraten, denn man möchte einfach mehr herausbekommen, was Helen erlebt hat, wie Melmoth zu allem passt und welches Ende, das alles nehmen wird. Denn diese Geschichte ist mit den Fehlbarkeiten der Menschheit bestückt und überall wohin man sieht, gibt es im Leben von jedem einen dunklen Fleck, wo Hass, Neid, Eifersucht und Ignoranz einen Teil bestimmt und somit Melmoth auf den Plan ruft. Nicht jeder kann mit seiner Sünde leben, dieser eine Moment, kann das Leben neu bestimmen und plötzlich kämpft man mit seinem Geistern. Genau in solchen Momenten, aus den dunklen Schatten, taucht Melmoth auf, schaut genau hin, lässt noch mehr leiden, verfolgt einen und versucht, deine Begleitung fürs Leben zu werden.

Sarah Perry hat die perfekte Geschichte für den Herbst geschrieben, nämlich einen unheimlichen Schauerroman. Zum einen schafft sie mit Prag, was im Winter dunkel, recht rau und bitterlich kalt ist, einen perfekten Ort für Einsamkeit, Traurigkeit und einen Moment der Verletzlichkeit. So sind alle Figuren angreifbar und sinnen über diese unheimliche Geschichte von Josef Hoffmann nach, jeder mit seinen eigenen Gedanken und ihrem Gewicht im eigenen Leben. Dazu kommt es, dass das Buch nicht einfach zu lesen ist, weil sich die Geschichte schwer auf die Seele legt, von dunklen Gefühlen übermannt, man hofft, aber doch immer auf den einen Sonnenstrahl und das Wort Hoffnung.

Die Geschichte ist wieder mit wunderbaren Metaphern ausgekleidet, atmosphärisch düster und feinfühlig dramatisch erzählt. Ihre Figuren sind recht originell und kein bisschen sympathisch, oder zugänglich, aber genau das macht sie umso interessanter. Sie nehmen einen mit in ihr Leben, auf ihre emotionale Ebene und beschäftigen uns Leser sehr. Denn durch ihre Missetaten wirken sie auf eine unheimliche Art menschlich. So schlängeln wir uns durch Geheimnisse, werden immer wieder aus dem Dunkeln erschreckt und haben ständig das Gefühl, selbst beim Lesen beobachtet zu werden.

Melmoth ist eine düstere, unheimliche und doch packende Geschichte, die einen mitnimmt, beschäftigt und nicht so schnell loslässt.
 
Henry und ich fanden diese Schauergeschichte wie einen von Poe und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Sarah Perry wurde 1979 in Essex geboren und lebt heute in Norwich. Ihr Roman Die Schlange von Essex war einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre in England. Ausgezeichnet als Buch des Jahres 2016 der Buchhandelskette Waterstones, Gewinner des britischen Buchpreises 2017 für den besten Roman sowie für das beste Buch insgesamt. Der Roman war nominiert für den Costa Novel Award, den Dylan Thomas Prize, den Walter Scott, den Baileys und den Wellcome Book Prize.


Vielen lieben Dank an den Eichborn Velag für das  Rezensionsexemplar.