Freitag, 4. Oktober 2019

Rezension: Sarah Perry * Melmoth

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Eichborn
ISBN-13: 978-3847906643
Preis: 24,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2019
Übersetzer: Eva Bonné 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Helen Franklin hat sich selber ins Exil verband und sich dafür die Stadt Prag ausgesucht. Dort lebt sie einsam, zurückgezogen und voller Entbehrungen, selbst Freunde gönnt sie sich kaum welche. Einer der wenigen, kommt eines Tages völlig entrückt auf der Straße ihr entgegen. Er wirkt gehetzt, neben der Spur und gibt Helen das Gefühl, als ob er verfolgt würde. In einem Café vertraut er sich Helen an und übergibt ihr so gleich ein seltsames Manuskript. Es handelt von Melmoth, einer Legende, einer Frau in Schwarz, die einsame Seelen sammelt und schon ewig auf der Erde herum wandelt. Helen möchte sich die Sache genauer anschauen und den Freund zur Seite stehen, aber je mehr sie liest und je mehr sie sich auf die Geschichte einlässt, wird ihr das Ganze zu unheimlich. Wird sie denn nun auch verfolgt? Was steckt hinter dieser mysteriösen Frau? Und warum ist Helen überhaupt in Prag? Ist ihre Vergangenheit mit der Geschichte von Melmoth verbunden?

Meinung:
Sarah Perry hatte mich schon mit „Die Schlange von Essex“ in ihrem Bann gezogen und mich mit ihrer atmosphärischen und bildgewaltigen Sprache überrascht. Sie macht aus einer Geschichte ihr eigenes Ding und lässt Poesie, Schauerelemente, Detailliebe und ihre Figuren durch ihre Art glänzen. Nun geht es also nach Prag und trotz des unheimlichen Klappentextes, wusste ich nicht genau, was mich erwartet, aber das erzähle ich euch nun.

Die ganze Geschichte fängt schon mit einem unheimlichen Brief an und klingt in den nebeligen Straße von Prag aus. Helen Franklin, ist die Protagonisten der Geschichte und bekommt am Anfang das Manuskript, vom erst kürzlich verstorbenen Josef Hoffmann, in die Hände gedrückt. Darin erzählt er von seiner Begegnung mit Melmoth und wie diese, sein ganzes Leben begleitet hat. Es ist nicht mal nur ein Bericht, sondern eher eine Beichte über sein Leben und seine Taten, denn Hoffmann hat gesündigt. Das schleichende unheimliche Gefühl, was sich beim Lesen einstellt, soll Helen aber auch bei Tag verfolgen und somit kommt es ihr vor, als ob man sie beobachtet. Dieses Gefühl steigert sich zunehmen und auch ihre Vergangenheit taucht immer mehr ans Tageslicht auf. Helens Sünden lassen sie nicht mehr los.

Und mehr mag ich gar nicht verraten, denn man möchte einfach mehr herausbekommen, was Helen erlebt hat, wie Melmoth zu allem passt und welches Ende, das alles nehmen wird. Denn diese Geschichte ist mit den Fehlbarkeiten der Menschheit bestückt und überall wohin man sieht, gibt es im Leben von jedem einen dunklen Fleck, wo Hass, Neid, Eifersucht und Ignoranz einen Teil bestimmt und somit Melmoth auf den Plan ruft. Nicht jeder kann mit seiner Sünde leben, dieser eine Moment, kann das Leben neu bestimmen und plötzlich kämpft man mit seinem Geistern. Genau in solchen Momenten, aus den dunklen Schatten, taucht Melmoth auf, schaut genau hin, lässt noch mehr leiden, verfolgt einen und versucht, deine Begleitung fürs Leben zu werden.

Sarah Perry hat die perfekte Geschichte für den Herbst geschrieben, nämlich einen unheimlichen Schauerroman. Zum einen schafft sie mit Prag, was im Winter dunkel, recht rau und bitterlich kalt ist, einen perfekten Ort für Einsamkeit, Traurigkeit und einen Moment der Verletzlichkeit. So sind alle Figuren angreifbar und sinnen über diese unheimliche Geschichte von Josef Hoffmann nach, jeder mit seinen eigenen Gedanken und ihrem Gewicht im eigenen Leben. Dazu kommt es, dass das Buch nicht einfach zu lesen ist, weil sich die Geschichte schwer auf die Seele legt, von dunklen Gefühlen übermannt, man hofft, aber doch immer auf den einen Sonnenstrahl und das Wort Hoffnung.

Die Geschichte ist wieder mit wunderbaren Metaphern ausgekleidet, atmosphärisch düster und feinfühlig dramatisch erzählt. Ihre Figuren sind recht originell und kein bisschen sympathisch, oder zugänglich, aber genau das macht sie umso interessanter. Sie nehmen einen mit in ihr Leben, auf ihre emotionale Ebene und beschäftigen uns Leser sehr. Denn durch ihre Missetaten wirken sie auf eine unheimliche Art menschlich. So schlängeln wir uns durch Geheimnisse, werden immer wieder aus dem Dunkeln erschreckt und haben ständig das Gefühl, selbst beim Lesen beobachtet zu werden.

Melmoth ist eine düstere, unheimliche und doch packende Geschichte, die einen mitnimmt, beschäftigt und nicht so schnell loslässt.
 
Henry und ich fanden diese Schauergeschichte wie einen von Poe und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Sarah Perry wurde 1979 in Essex geboren und lebt heute in Norwich. Ihr Roman Die Schlange von Essex war einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre in England. Ausgezeichnet als Buch des Jahres 2016 der Buchhandelskette Waterstones, Gewinner des britischen Buchpreises 2017 für den besten Roman sowie für das beste Buch insgesamt. Der Roman war nominiert für den Costa Novel Award, den Dylan Thomas Prize, den Walter Scott, den Baileys und den Wellcome Book Prize.


Vielen lieben Dank an den Eichborn Velag für das  Rezensionsexemplar.



Kommentare:

  1. Ahoi, Inga.
    Angesichts der literarischen & filmischen Vergangenheit, die Prag umgibt (was mystische Geschichten & das Cinema des Grusels angeht), so ist die Metropole eine ideale Wahl der Autorin.
    bontè

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    1. Hallo Robert,

      da gebe ich dir voll und ganz Recht! Perfekt für solch eine Geschichte :-)

      Hab eine gute Woche
      Inga

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  2. Hi Inga!

    Endlich mal eine positive Rezension zu dem Buch!
    Ich mochte "Die Schlange von Essex" auch total gerne, leider war dann das Debüt, das sie danach rausgebracht haben (Nach mir die Flut) gar nicht meins.

    Aber Melmoth wollte ich trotzdem versuchen, bisher hatte ich dazu aber eher negative Rezensionen gesehen.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      es ist ja alles Geschmackssache, aber ich mag solche Geschichten irgendwie gern. Das Debüt habe ich noch nicht einmal gelesen, das macht mir Angst.

      Vielen Dank für deinen Besuch und ganz liebe Grüße
      Inga

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    2. Haha, ja, das war leider ... naja, ich weiß nicht wie ich das in Worte fassen soll. Ich habs einfach nicht verstanden. Vielleicht geht es anderen Lesern damit besser, aber ich hab allgemein keine so guten Rezensionen dazu gesehen (zu ihrem Debüt)

      Aber "Melmoth" ist inzwischen bei mir angekommen und steht auf meiner Leseliste für November :)

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    3. Dann wünsche ich dir tolle Lesestunden in Prag!!!

      Schönen Sonntag wünsche ich dir

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