Mittwoch, 13. Oktober 2021

Rezension: Benjamin Myers * Der perfekte Kreis

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13: 
978-3832181581 
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: September 2021
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
 
 
 
 
 
Inhalt:
Redbone und Calvert haben auch für den Sommer 1989 große Pläne, denn sie wollen weitere Kornkreise machen und diesmal den perfekten. Eine ihrer wichtigsten Regel ist, dieses im Geheimen zu tun und so brodelt die Gerüchteküche vor sich hin, vom Jungenstreich bis Außerirdische ist alles drin. Allerdings ist es den beiden Freunden egal, nur das jetzt jederzeit jemand auftauchen könnte, beeinträchtigt ihre Arbeit. So verstoßen sie nicht nur gegen Regeln, Verordnungen und Gesetze, sondern müssen höllisch aufpassen und schnell agieren. Ihr Traum ist es, den schönsten und perfekten Kreis zu schaffen und damit ihre Freiheit zu erlangen. Wird es den beiden Freunden gelingen? Werden sie doch noch erwischt? Und welche Überraschungen hat dieser Sommer für sie parat?

Meinung:
Benjamin Myers hat mich letztes Jahr mit seinem Roman „Offene See“ begeistert, seine poetischen Sätze, seine bildlichen Landschaftsbeschreibungen und diese kluge, ruhige Erzählweise hatten es mir so angetan. Ein ganz besonderes Buch und ein richtiger Schatz zu einer komischen Zeit. Nun kommt sein nächstes Buch und meine Vorfreude war ziemlich groß, auch wenn ich die Worte vom Verlag im Kopf widerhallen höre, das es ja ganz anders ist. War mir egal, denn der Genuss von schönen Worten ist einfach zu reizvoll. Ob ich auf meine Kosten gekommen bin, erzähle ich euch nun.

Calvert und Redbone sind Freunde, aber auch beide Suchende nach einem Platz in der Welt. Obwohl sie sich schon lange kennen, wissen sie nicht alles übereinander, so kennt Calvert den Vornamen seines Freundes nicht wirklich, aber das ist auch für beide nicht wichtig, die Chemie passt und ihre Verbundenheit stimmt. Für beide ist die Erschaffung von Kornkreisen auch eine kleine Therapie. Calvert muss die Schrecken von seiner Militärzeit verarbeiten und kann vieles nicht mehr ertragen. Während Redbone, die Revolution gegen den Staat anzetteln möchte. So wird in der Heimlichkeit geplant, in der Nacht ausgeführt und alle Pläne danach vernichtet. Sie sind ein Team, sie sind die Besten und sie haben beide ihre Gründe für ihre Kornkreise. Aber was sie beide unbedingt schaffen wollen, ist Schönheit und den perfekten Kreis, der alles überragt und worauf sie beide mit stolz blicken können.

Benjamin Myers hat seine Geschichte diesmal so unterteilt, dass jedes Kapitel für einen Kornkreis steht. So fangen wir mit dem ersten Projekt des Sommers 1989 an und lernen beide Protagonisten kennen, schweifen in jedem Kapitel auch in die Vergangenheit und bauen eine Bindung auf. Außerdem ist es überaus interessant, wie sich mit zunehmendem Sommer und das Interesse der Medien die beiden Erschaffer immer wieder in brenzlige Situationen führt und manchmal muss man einfach beim Lesen kichern. Und ganz klar steht im Vordergrund Benjamin Myers großartige Landschaftsbeschreibung. Hier hört man das Gras flüstern, die Ähren im Wind tanzen und wie das Korn aus den Hülsen platzt. Es ist ein Genuss für die Seele und eine Schönheit an Worten, die einen packt und glücklich macht. Ich bin gern mit diesem ungewöhnlichen Team losgezogen, durch die Felder gestreift und habe mich vor Hasen erschreckt. Dazu dann noch die poetischen Sätze des Autors und man ist gefangen in der Schönheit der Sprache. Was mir aber auch gefallen hat, ist der kritische Blick, der hier ganz toll mit eingewoben wurde und schon 1989 auf den Klimawandel aufmerksam macht.

Ja, die Geschichte ist anders und ist vielleicht auch nicht so humorvoll, aber sie entschleunigt einen genauso schön wie sein Debüt und ich mag Bücher, die mir bewusst die Schönheit der Sätze zeigen, die mich innehalten lassen und manches noch einmal lesen lassen, weil es einfach so herrlich wahr und einmalig ist. Hier geht es um Freundschaft, Kraft und Freiheit, das zu tun, was man möchte und doch nicht immer kann. Dazu diese Poesie, die Klugheit der Worte, ein bisschen Melancholie und Natur satt. Herrlich zu lesen und ein Genuss für die Sinne.

Der perfekte Kreis ist für mich wieder sehr gelungen, denn Natur, Freundschaft und die Schönheit der Worte haben hier Platz gefunden und einen aufs Neue bestens unterhalten. Genuss, Zauber und famose Natur.
 
Henry und ich mögen diesen Schriftsteller einfach und deshalb die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine literarischen Arbeiten hat er mehrere Preise erhalten. Sein Roman ›Offene See‹ (DuMont 2020) stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde mit dem Preis des unabhängigen Buchhandels als Lieblingsbuch des Jahres ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.
 
Quelle: Dumont Verlag

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

2 Kommentare:

  1. Hi Sharon!

    Ich hatte letztes Jahr "Offene See" bei Giselas Blog entdeckt - das ist ja kein typisches Buch für mich, also eigentlich fern meiner Genre-Wohlfühlzone, aber sie hatte mich definitiv neugierig gemacht.
    Gelesen hab ich es bisher leider noch nicht und schwupps ist schon sein nächstes Buch erschienen.
    Das hört sich auch wieder ganz toll an! Vor allem wenn der Schreibstil so faszinierend ist, das mag ich ja besonders.

    Vielen Dank für die Vorstellung, komme auf jeden Fall auf die Wunschliste.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hi Aleshanee,

      die Buchwelt dreht so schnell und bei der Masse an Neuerscheinungen kommt man doch oft nicht nach, aber du kannst dich so auf die Bücher freuen. Landschaft pur und so ruhige stille Geschichten mit Kraft. Ich bin ja fast ein bisschen neidisch, weil du sie noch entdecken darfst. Auf jeden Fall ganz viel Freude beim Lesen.

      Sehr gern geschehen und danke für dein Kommentar.
      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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