Donnerstag, 23. August 2018

Rezension: Sabine Schoder * Liebe ist so scheißkompliziert


Broschiert: 400 Seiten
Verlag: S. Fischer
ISBN-13:
978-3733504069
Preis: 14,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2018




Inhalt:
Nele ist einfach zu groß für ihre Umwelt, mit ihren eins neunzig schaut sie immer über alle Köpfe, und obwohl sie keiner übersieht, ist sie trotzdem eine Außenseiterin. Diesen Zustand versucht sie mit Humor zu nehmen und hängt an ihren Nachbarn und besten Freund Tom. Doch dann knallt sie mit ihrer Nase gegen eine aufschwingende Tür und so richtig in Fahrt, will Nele ihren Gegenüber anmotzen, als sie auf einmal den Kopf heben, statt Senken muss. Diese Begegnung mit Jerome, den Basketballstar der Schule soll nicht die Einzige bleiben. Auf einer Party stürzen beide zusammen ab, und obwohl Nele an ihren Erinnerungen zweifelt, weiß sie, dass das Video, was am nächsten Tag online ist und sie definitiv mit zu wenig Kleidung zeigt, nur von einem gemacht worden sein kann. Hat Jerome mit ihren Gefühlen gespielt? Ist das Video wirklich von ihm? Und warum kann Nele es einfach nicht glauben und hat trotzdem Schmetterlinge im Bauch?

Meinung:
Ein neuer Roman von Sabine Schoder, mit zwei ganz neuen Protagonisten und einen wichtigem Hintergrundthema, nämlich Mobbing. Für mich war ihr Debüt „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ ein absolut überraschendes Highlight. Gar nicht auf dem Schirm gehabt und dann hat die Geschichte total bei mir eingeschlagen. Humorvoll und mit starken Figuren, somit bedeutet ein neuer Roman von der Autorin, auch eine tolle und große Liebesgeschichte. Ob ich mich hier irren sollte, erzähle ich euch jetzt.

Nele hält sich selbst für eine Riesin und statt das passende Selbstbewusstsein zu haben, versucht sie sich klein zu machen und am besten unsichtbar zu sein. Das gelingt ihr natürlich so gar nicht. Der Einzige, der immer zu ihr hält, ist ihr Freund und Nachbar Tom. Obwohl er ziemlich wortgewandt ist und Nele nicht hängen lässt, hat er eine schlimme Eigenschaft, er kifft nämlich leidenschaftlich gern. Das das nicht das beste Hobby in der Schule ist, muss auch ständig Nele in Erfahrung bringen. So lebt sie das typische ereignislose Teenagerleben und träumt doch von den einen Jungen, der sie endlich küsst. Sogar ihre kleine Schwester scheint aus dem Rosa rausgewachsen zu sein und einen heimlichen Schwarm zu haben. Wo bitte sind die großen Männer! So kommt es, dass Nele eines Tages mehr oder minder einen Zusammenstoß mit Tür und Jerome hat, dem Basketballstar der Schule. Und als ob das Schicksal dieses Ereignis vorbestimmt hat, treffen diese beiden immer wieder aufeinander, nicht immer glücklich, aber mit explosionsartigem Hormonausstoß. Was eigentlich vielversprechend beginnt, macht dieses Video kaputt.

Aber an dieser Schule gibt es nicht nur Riesinnen, Kiffer, Klatschblogger und unschuldige Groupies, nein, diese Schule hat auch einige komische Vorkommnisse, die gezielt einige Schüler betreffen. So hat Nele nicht nur mit ihren Gefühlen zu kämpfen, sondern hat auch ein Ohr für die Gerüchteküche, besonders die, die sich um Jerome drehen. Denn obwohl er der Star ist, steht er oft allein im Abseits und wirkt unnahbar.

Der Anfang fiel mir diesmal etwas schwerer, da ich es zuerst etwas langatmig fand und mich in dem Humor etwas eingrooven musste. Außerdem fand ich das ständige Kiffen, sehr im Mittelpunkt und ich dachte schon, wann kommt der richtige Typ und wann die brenzlige Szene. Da man schon einiges vom Klappentext halt weiß, war ich etwas ungeduldig. Aber dann nimmt die Geschichte total an Fahrt auf und lässt einen nicht mehr los. Ich habe die Seiten förmlich in mich hineingesaugt und erst aufgehört, als die Danksagung endete. Diese Autorin hat es einfach drauf, einen mit zu reißen, wieder ins Teenageralter zu transformieren und genau die Probleme von damals aufschimmern zu lassen. Dabei ist sie immer so nah dran und das machen ihre Geschichten so besonders, sie fühlen sich real an und das mit starken Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen.

Und was hat sie sich diesmal für tolle Protagonisten entschieden. Nele sympathisch und herzallerliebst. Die ihr eigenes Potenzial gar nicht wahrnimmt und viel Zuwenig zu sich steht und dann dieser Jerome. Also wenn der mal den Mund aufmacht und in Flirtlaune ist, kommen da ganz tolle Sprüche raus und mein Gott, was hatte ich selber für Schmetterlinge im Bauch, wenn es zwischenmenschliche Szenen gab. Wo zum Teufel waren bei mir in der Schule diese Basketballer! Ich glaube, ich habe den Sport total unterschätzt. Aber nicht nur, dass sie wieder eine ganz zauberhafte Liebesgeschichte geschrieben hat, sie hat auch die perfekte Balance zum Tiefgang gefunden. Denn Mobbing ist so schrecklich und je nach Persönlichkeit, kann es nicht auszuhalten sein. Dieses schlimme Thema hat Sabine Schoder perfekt mit eingebettet und toll rübergebracht. Ich finde zwar, dass der Hintergrund zu Jerome etwas zu dick aufgetragen war, denn es gibt ja keinen Helden mehr ohne schlimme Schicksalsschläge, war es schlussendlich aber passend und nicht wirklich störend, das macht der Gute ja mit seinem Einsatz wieder weg.

Liebe ist so scheisskompliziert. Jawohl, aber auch wunderbar, herzerfrischend und absolut hinreißend schön. Sabine Schoder + Schreiben = Liebe! Große Liebe. Mehr mehr mehr ...
 
Henry und ich sind schwer verliebt in dieses Buch und könnten es sofort nochmals lesen, dafür muss es die vollen Bücherpunkte geben:
 
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Über die Autorin:


Sabine Schoder, Jahrgang 1982, hat Grafikdesign in Wien studiert und sich dort Hals über Kopf verliebt. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Vorarlberg und widmet sich nach dem Erfolg ihres Jugendromans ›Liebe ist was für Idioten. Wie mich.‹ hauptberuflich dem Schreiben.


Weitere Werke der Autoren:

https://www.genialokal.de/Produkt/Sabine-Schoder/Liebe-ist-was-fuer-Idioten-Wie-mich-_lid_27531415.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Sabine-Schoder/So-was-passiert-nur-Idioten-Wie-uns-_lid_32821354.html?storeID=barbers


 1. Teil: Rezension I 2. Teil


Vielen lieben Dank an den S. Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 


Kommentare:

  1. "Sabine Schoder + Schreiben = Liebe! Große Liebe." Ich stimme dir sowas von zu! :-) Ich finde auch, ihre Geschichten und Charaktere wirken immer so lebensecht und real. Nele ist mir richtig ans Herz gewachsen und wie du habe ich die Geschichte total verschlungen.

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    1. Hallo Friederike,

      das ist so schön, das wir uns so einig sind und es war absoluter Lesegenuss. Jetzt heißt es wieder auf Neues warten. Aber das machen wir gern :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  2. Servus, Inga.
    Stets hedauerlich, dass Menschen andere Menschen schief von der Seite betrachten, weil sie - in ihren verengten Augen - nicht einer (willkürlichen) "Norm" entsprechen. Rothaarige Frauen wurden in Deutschland noch vor sechs Jahrzehnten als "Hexen" bezeichnet.
    Grösse wird besonders Frauen gern als Stigma angelastet...warum auch immer. Der miefige Kleingeist sollte eigentlich passé sein, aber die Ausgrenzung funktioniert eben immer noch.

    Wobei mir konkret die Frage kommt, wie der obige Roman gewirkt hätte, wenn Jerome 1,80 gewesen wäre?.. :-)
    Seltsamerweise ein subtil gepflegtes "Unding", hatte doch der toughe Filmheld Humphrey Bogart das "Problem" kleiner als viele seiner Filmpartnerinnen zu sein. Also wurde am Set öfter mit einer Kiste getrickst, wenn Grossaufnahmen anstanden. Insofern waren Lauren Bacall & Bogey auch in dieser Hinsicht ein anmerkenswertes Paar.

    Für Dexter ist die Angelegenheit völlig unkompliziert - knuddeln & liebhaben reicht. :-)

    bonté

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    1. Grüß Gott Robert,

      wir Mensch sind einfach erbärmlich, aber ich bin bestimmt manchmal auch etwas vorurteil behaftet. Obwohl ich das gar nicht möchte, aber der Mensch ist manchmal ein Schaf und rennt der Herde her. Dabei sind wir doch jeder für sich einzigartig. Tja und Schule war auch für mich ein Horror! Mobing ist mir nämlich auch bekannt ... jung und dumm ...

      Tja, das wäre bestimmt auch nett gewesen, aber sie hatte ja einen kleinen Freund und Basketballer müssen ja eine gewisse Größe haben ;-)
      Die alten Filme ...ach ...

      Genau, diesen Kater muss man lieb haben! Die kleinen Dinge halt ...

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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