Freitag, 20. April 2018

Rezension: Lea Coplin * Nichts ist gut. Ohne dich.


Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: dtv 
ISBN-13: 978-3423717786
Preis: 10,95 EUR  
E-Book: 8,99 EUR    
Reihe: 1/1    
Erscheinungsdatum: April 2018 


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Inhalt:
Jana steht im Buchladen und auf einmal steht die Zeit still, denn ihr gegenübersteht eine Vergangenheit, die sie unbedingt vergessen soll, nein, muss. Leander, der beste Freund ihres Bruders, den sie seit sechs Jahren nicht gesehen oder gehört hat, der einfach so verschwand, nach dem Autounfall ihres Bruders. Dessen Wagen er gefahren hat. Nun steht er vor ihr und dreht sich auf den Absatz um, verlässt den Laden und Janas Gefühlswelt überschlägt sich. Was will er in München? Warum war er im Buchladen? Und darf ich mich freuen ihn zu sehen, oder nicht? Aber kann man diese Fragen klären, wenn man sich aus dem Weg geht. Jana will Antworten, will wissen, warum sie sich zu ihm hingezogen fühlt, obwohl sie ihn hassen muss und gerät in ein Leben. In sein Leben, um es zu retten.

Meinung:
Lea Coplin ist ein Pseudonym einer unglaublich sympathischen Autorin. Ich habe von ihr sogar schon was gelesen und weiß, sie kann mich supergut unterhalten. Gelesen habe ich von ihr die Hollyhill Reihe, obwohl ich gestehen muss, dass der letzte Band noch auf mich wartet. Wie immer habe ich mir den aufgehoben, aber ich sollte wohl mal ran. Außerdem schreibt sie gefühlvolle Romane, die in England spielen. Nun aber ist sie Lea Coplin und ich kann euch sagen, die Geschichte ist unglaublich toll. Aber mehr nun hier.

Die Geschichte wird aus beiden Sichten erzählt und so fangen wir mit Jana an. Nach dem tragischen Tod ihres Bruders zerbricht die Familie und das Umfeld. Jana wird im Unklaren gehalten, weil sie erst zwölf ist und muss zu sehen, wie sich die Mutter abnabelt, die Schwester in ihr Studium stürzt und der Vater ins Schweigen verfällt, während sie ihren besten Freund verliert, nämlich Leander. Für Janas Familie ist klar, er ist Schuld, er hat die Familie zerstört und er soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. Aber wie wächst man als Kind in solch einer Familie auf. Jana verschließt sich, lässt ungern jemanden zu Nahe an sich ran und kompensiert ihre Gefühle über Sport ab. Sie sucht das Abenteuer ohne es zu spüren, oder zu genießen. Lebt in jetzt, ohne zu wissen, wie es weiter geht. Leanders auftauchen lässt sie aus einem Dornröschenschlaf aufschrecken, aber wie mit dem Leben umgehen.

Bei Leander fragt man sich, wieso so ein junger Mensch schon so viel leiden muss. Der Unfall seines besten Freundes überschattet sein ganzes Dasein, und obwohl er nie zur Rechenschaft gezogen wurde, ist die Schuld überragend. Die letzten Jahre hat er in Berlin im Internat verbracht, aber nun ist er in München und das hat seinen Grund. Er wohnt bei einem Freund in der WG und dieser lässt keine Minute vergehen, um ihn mit Informationen mit Jana zu füttern. Leander ist hin und her gerissen, soll er es wagen mit ihr Kontakt aufzunehmen, oder besser nicht. Sein Versuch hinterlässt nicht nur bei Jana Spuren, sondern auch bei ihm, aber wie soll es weiter gehen.

Tja, und da beginnt die Achterbahnfahrt der Autorin. Die Frage, was wirklich bei dem Unfall passiert ist, hängt wie das Damoklesschwert über den beiden. Während Jana bei null anfangen möchte, ist für Leander klar, dass sie das klären müssen, um unbeschwert neu zu starten. Aber wie geht man so was an, die Gefühlswelt ist zum Zerreißen gespannt und nicht nur die Freundschaft neu aufzubauen steht auf unsicheren Füßen, sondern die Liebe lässt sich auch nicht aufhalten.

Nichts ist gut. Ohne dich. Ist eine ehrliche, intensive und authentische Geschichte über zwei junge Menschen, die versuchen unsagbares Leid hinter sich zu lassen, weil sich ihre eingebauten Magnete einfach magisch anziehen. Jeder auf seiner Weise versucht eine Lösung zu finden, aber die Einflüsse aus der Umgebung machen jeden Versuch nicht leicht. Lea Coplin hat sich wirklich einen schweren Ausgangspunkt ausgesucht, aber sie spiegelt die Gefühle und Persönlichkeiten so gut rüber, das man das Gefühl hat, einen von beiden über die Schulter zu schauen und gern hätte man dann auch, den einen oder anderen am Ohrläppchen gezogen. Die Gefühlswelten mit seinen Problemen liegen klar und nackt vor einem und gern möchte man sie flicken. Was habe ich dieses Buch verschlungen, was habe ich es nach dem letzten Satz an mein Herz gedrückt und tief geseufzt.

In meiner Ausgabe gibt es einige Buchhändlerstimmen, wo immer wieder der Vergleich zu Colleen Hoover auftauchte. Ich kann das nicht beurteilen, da ich nichts von ihr gelesen habe, aber was ich unglaublich toll fand, ist, es kam ganz ohne Kitsch aus. Es gab keine Bad Boy Figur und kein schüchternes Mädchen, sondern Persönlichkeiten wie du und ich. Realistisch, greifbar und total zum Anfassen. Lea Coplin berührt, lässt das Herz schneller schlagen und die Geschichte absolut zu einem Sog werden, der einen umklammert und erst loslässt, bis die letzten Buchstaben verfliegen.

Ich kann euch diese Geschichte wirklich nur ans Herz legen, es ist spannend, berührend und hat so eine tolle Erzählweise. Ein kleiner Buchschatz, der den Alltag dahinfliegen lässt, damit man wieder in die Geschichte hineinspringen kann. Lesenswert.
 
Henry und ich fanden diese Geschichte einfach klasse und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über die Autorin: 

Lea Coplin ist das Pseudonym einer Autorin, die mit ihren gefühlvollen Romanen bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Mehr als fünfzehn Jahre arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich für die Schriftstellerei entschied. „Nichts ist gut. Ohne dich.“ ist ihr erstes Buch, das in ihrer Wahl-Heimatstadt München spielt, wo sie mit Mann und Katzen ganz in der Nähe der Schauplätze lebt. 

Quelle: dtv Verlag
 
Vielen lieben Dank an den dtv Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 18. April 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherseitenumblätterer,

manchmal sieht man eine Buchgestaltung und bleibt daran hängen, oder ist es der Name des Autors, der in meinem Kopf die Flügel aus breitete, um im Kreis zu fliegen. Geschehen ist das nämlich mir mit folgendem Buch. Das Cover erinnerte mich an Warhol Kunstdruck von Marilyn Monroe und der Name, tja, der Name kam mir bekannt vor, weil ich zwei Bücher (Fünf Viertelstunden bis zum Meer, Die Eismacher) schon von ihm besitze. Hüstel, sollte ich aber auch mal lesen. Da muss es also doch klingeln, aber jetzt schaut doch mal selbst das Buch an:


Mama Tandoori
Verlag: btb
Erscheinungsdatum: 14.05.2018

Der Vater hegt keinerlei Zweifel: es wird ein Mädchen. Die Geburtsanzeige für Eva van der Kwast liegt bereits beim Drucker. Als dann sehr zur Bestürzung der Eltern in einer Klinik in Bombay 1981 der kleine Ernest das Licht der Welt erblickt, nimmt ein nicht ganz unbelastetes Verhältnis zwischen Sohn und Eltern seinen Lauf.

In seinem autobiografisch gefärbten Roman präsentiert Ernest van der Kwast einen bunten Reigen von Charakteren, von Bollywood Star Onkel Sharma bis zu seiner Tante Jasleen, einer einstmals erfolgversprechenden Siebenkämpferin. Allen voran aber seine Mutter, die Matriarchin des Klans, geliebt und gefürchtet, eine Tyrannin mit dem Herzen einer Löwin. Eine Frau von eisernem Willen, beinahe absurder Gründlichkeit und bei aller Stärke erfüllt von einer tiefen Traurigkeit um ihren behinderten Sohn Ashirwad. Sie ist es, bei der alle Fäden der Geschichte zusammenlaufen. »Mama Tandoori« lässt einen Staunen, Nachdenken und Lachen - ein wunderbar witziges Famlienporträt, das mitten ins Herz trifft.
 

Wer hatte auch diesen Effekt? Kennt jemand schon die Bücher von diesem Autor? Und wer hat es auch auf der Wunschliste stehen? Klingt diese Familie nicht interessant und dabei bin ich gar nicht so ein Bollywood Gucker. Aber allein zu erfahren, wie es ist, zwischen den Welten aufzuwachsen ist spannend. Eine bunte, voller Kraft und Herz erzählte Familiengeschichte, die mein Geschmack anspricht. Eure auch?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich jetzt ein Curry zaubern gehende, Sharon

Freitag, 13. April 2018

Rezension: Agatha Christie * Passagier nach Frankfurt


Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Atlantik 
ISBN-13: 978-3455002621
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: November 2017
Übersetzer: Julian Haefs




Inhalt:
Sir Stafford Nye ist Diplomat und auf der Rückreise nach London, in Frankfurt gestrandet. Gelangweilt versucht er die zwei Stunden Aufenthalt zu ertragen und beobachtet die Leute. Dann setzt sich eine Frau neben ihn und bittet ihn um Hilfe, man sei hinter ihrem Leben her und nur er könnte ihr helfen. Stafford wird hellhörig und seine Lethargie fällt von ihm ab, er ist neugierig und lässt sich tatsächlich auf ihren Vorschlag ein. Das Vorhaben scheint geglückt zu sein und die Frau gerettet, aber nun nagt an Stafford, die Frage, wer ist sie. So versucht er Mittel und Weg zu finden, um sie nochmals zu sehen und er hat Glück, ihre Wege sollen sich wieder kreuzen und sein Auftrag ist noch lange nicht vorbei. Diese mysteriöse Frau zieht ihn in ein internationales politisches Intrigenspiel und gegen wen er kämpft, muss Stafford ganz allein herausbekommen. Wer ist der Feind? Wer ist die Frau? Und kann Sir Stafford Nye die Fäden entwirren?

Meinung:
Ich mag die Bücher von Agatha Christie unglaublich gern, ihre Figuren, der Charme der alten Zeit und der Witz dieser klugen Frau. Natürlich machte mich dieses Buch neugierig, immerhin ist dieser Krimi so weit unbekannt gewesen, da er nur in einer Sammeldedition bis dato erschienen und erst jetzt als Einzelband erstrahlt. Also startet ich mit viel Vorfreude in dieses Abenteuer, und wie es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte ist in drei Teile unterbunden und der Erste ist eben Sir Stafford Nye und der unbekannten Frau gewidmet. Ein Diplomat, der in seinen Kreisen mit leicht gerümpfter Nase angesehen wird, da man ihn die mangelnde Ernsthaftigkeit anlastet. Aufgrund dessen wird er eben nur für zweitklassige politische Angelegenheiten eingesetzt und ist nun überrascht, dass dieser Mann am Flughafen überfallen wurde. Was Stafford Nye natürlich recht kommt, denn niemand soll von seiner Mithilfe wissen. Allerdings wurmt es ihn, dass er nichts über diese Frau herausbekommt und so nimmt er seine Umgebung anders wahr und amüsiert sich über die kleinen Zufälle, die neu in seinem Leben sind. Tja, und ob Zufall oder nicht, er schlittert in einer höchst brenzligen Angelegenheit hinein. So erfahren wir im zweiten Teil was unsere Sicherheit bedroht und im Letzten, ob es gelingt, dieser Übermacht Einhalt zu gewähren.

Am Anfang der Geschichte ist als Einleitung ein Interview mit der Autorin abgedruckt und in diesem beteuert sie mehrfach, dass Geschichten erfunden sind und auch ihr Ton ist etwas sonderbar gewählt. Bestimmend, abwehrend und eine leichte Note vom genervt sein, schimmern durch. Das ist eigentlich ein Vorgeschmack auf das Kommende. Während mich der erste Teil der Geschichte noch amüsierte und ich die charmante Figur Sir Stafford Nye ziemlich großartig fand, der Snob als Diplomat, wurde schnell klar, dass diese Geschichte von Zeichen der eigentlichen Geschichte beeinflusst wurde. Immerhin hat Agatha Christie diesen Roman mit achtzig geschrieben und schon einiges mitgemacht und deshalb ist diese Geschichte von nationalsozialistischem Hintergrund durchwandert. Vielleicht sollte dieser Roman ein Weckruf sein, wie schnell solche Dinge passieren können, oder welche Strippen gezogen werden, um solch schauerhafte Zeiten hervor zu rufen. Man spürt ganz deutlich das sie diese Zeit, den Krieg und all das verarbeiten wollte. Allerdings finde ich schon die Jahresangabe von 1970 nicht glücklich gewählt, es fällt einfach schwer ihr Beschriebenes in diese Zeit zu verbinden, da ihr ganzer Rahmen mehr zu 1930 passt. Auch ihre ausschweifenden Erzählungen über die unmögliche Jugend lassen einfach vermuten, dass sie die Hippiebewegung alles andere als gut gefunden hat. Hier schwanken so viele Untertöne mit und machten das Lesen alles andere als leicht.

Der Grundgedanke mag vielleicht toll gewesen sein, der Anfang ließ auch die alte Autorin wirklich durchschimmern, aber der ganze Rest, klang nach  einer verbitterten alten Dame, die mit den Menschen und der Moderne nicht mehr klarkommt. Zwischen durch herrschte solch ein Wirrwarr, dass ich überlegte, was will sie uns eigentlich erzählen. Sie bombardiert den Leser mit tausend Figuren, aber vertiefte diese nicht, so dass man ständig überlegte, wer war das nochmals und dann taucht unser lieber Sir Nye nur gelegentlich auf. Klar konnte man der Grundgeschichte folgen, aber mir war das zu wenig, zu gestellt, zu viel gewollt und nichts richtig geworden. Die Realität und Logik blieb auf der Strecke und machen aus diesem Roman ein langatmiges und langweiliges Lesen. Ich war ehrlich enttäuscht, da ich mich so auf britisches Leseflair gefreut hatte.

Passagier nach Frankfurt hat überhaupt nicht meinen Nerv getroffen, vielleicht muss man auch nicht alle Agatha Christie Bücher lesen und sich einfach an ihre hervorragenden Klassiker halten. Einzig ihr Diplomat konnte mich verzücken und seine Tante, aber der Rest mehr als fragwürdig.


Henry und ich fanden es nicht very british und somit gibt es nur zwei Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Quelle: Atlantik Verlag


Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für das  Rezensionsexemplar.