Montag, 22. Januar 2018

Rezension: Franziska Seyboldt * Rattatatam, mein Herz


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: KiWi
ISBN-13:
978-3462050479
Preis: 18,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: Januar 2018 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
An guten Tagen hat Franziska einen Panzer, wie eine Schildkröte, nichts kann ihn durchbrechen, oder sie verletzten. An schlechten Tagen fühlt sie sich wie ein Sieb, durchlässig, dünnhäutig und verletzlich. Es gibt einige Schildkrötentage, aber leider noch mehr Siebtage. Die Angst ist ihr ständiger Begleiter und lässt sich ungern abschütteln. Aber wie damit umgehen? Wie den Alltag beschreiten, ohne daran zu zerbrechen? Wie sich selber finden und sich der Angststörung zustellen? Unter Angststörungen soll jeder 6. Deutsche einmal im Leben leiden. Angststörungen sollen laut internationaler Studie häufiger auftreten als Depressionen. Über diese Erkrankung wird aber gern geschwiegen, damit ist bei Franziska jetzt Schluss. Auf in den Kampf, mit der Angst.

Meinung:
Als ich dieses Buch in den Händen hielt, dachte ich, ja endlich nimmt das mal einer in die Hand und stellt sich diesem unangenehmen, totgeschwiegenem Thema. Aber wie darüber berichten, wie das verdeutlichen, und kann man das anderen begreiflich machen, wie schlimm es manchmal in einem auszieht. Mir fehlen da nämlich oft die Worte und so stecke ich meistens in mir selber fest.

Franziska Seyboldt lebt ein Leben mit der Angst, seit der Kindheit bestimmte diese maßgeblich ihr Leben. Griff ständig in dieses ein, bestimmt es, spielte mit ihr und war allgegenwärtig um sie herum. So wurden aus einfachen Dingen im Leben, riesige Herausforderungen und Kämpfe. Was anderen spielend leicht viel, war für sie ein Marathonlauf und ihr Körper führte ein ständiges Achterbahnleben. Aber auch der Kopf war in ständigem Aufruhr und diese Gedankentornados kamen nie zur Ruhe. Die eigene Panikmache muss doch immer schön geschürt werden. Aber muss man sich diesem Leben wirklich so ergeben, kann man die Angst nicht bezwingen und genau davon erzählt uns die Autorin.

Als Erstes viel mir die Art und Weise, der Wortwahl der Autorin ins Auge und ich mochte diese zynische, oft sarkastische Art. Wenn man schon nichts im Leben zu lachen hat, dann kann man sich halt auch ein bisschen Humor bewahren. Dadurch ließen sich die kurzen Kaptitel unglaublich schnell lesen und machten aus der schweren Kost, auch ein vergnügliches Entdecken und ich hatte einiges zu entdecken. Viele Situation kommen einen bekannt vor, oft sieht man sich selbst und da haben wir es mit den, jeder sechste Deutsche leidet einmal darunter. Die Frage ist dann, woher kommt das und diesen, ihren Weg, geht die Autorin mit uns durch. Viele dieser Zwänge und Einschränkungen sind mir auch wohl bekannt gewesen und zeigen, wie früh schon ein Weg mit dieser Erkrankung beginnt. Wie wir und schon im heranwachsenden Alter beeinflussen und falsch weiter entwickeln. Wie sensible Menschen überempfindlich ihre Umgebung wahrnehmen und, und, und. Übrigens kann ich davon auch ein Lied singen. Aber warum können wir nicht darüber offen sprechen, warum wird man von der Gesellschaft abschätzend angesehen. Auch das beschreibt die Autorin ziemlich gelungen. Und ja, ich könnte jetzt ein riesiges Plädoyer halten, warum, dieses Denken absoluter Quatsch ist. Um ehrlich zu sein, sollte wirklich jeder dieses Buch gelesen haben, denn irgendwann wird dieses Thema im eigenen Umkreis da sein, und wie es bei den Betroffenen aussieht, ist unglaublich wichtig zu verstehen. Da helfen nämlich die klugen Sprüche nicht immer.

Wie ihr seht, hat auch mich dieses Thema schon ereilt und es ist ein Kampf, immer da und während. Der Blick durch Franziska Seyboldt ist auf jeden Fall hilfreich, auch wenn ich sagen muss, dass es mir zum Ende hin zu schnell zu einem besseren Leben geführt hat. Denn von nett, auf egoistisch schalten ist so ein Zwischending, mit dem ich nicht ganz umgehen kann. Auch das darüber Reden ist mit Sicherheit nicht in jeden Berufszweig umsetzbar, aber es ist ein Schritt in die richtig Richtung. Jeder muss für sich eben den richtigen Weg finden und dazu zu stehen ist ein Anfang, denn wir sind nicht schwach, bei Weitem nicht.

Rattatatam, mein Herz ist unglaublich humorvoll und gibt uns einen wirklich guten Blick in ein Leben mit der Angst, der immerwährende Kampf ist toll beschrieben und macht Mut für alle, es auch zu schaffen. Ein Tabuthema, was keines sein sollte und eine Erkrankung, die mehr in den Fokus muss. Ich hoffe, dass das Buch ganz viele Leser findet und zur Diskussion einlädt.
 
Henry und ich fanden die Geschichte mutig, ehrlich und humorvoll und vergeben dafür vier Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:

Franziska Seyboldt, geboren 1984 in Baden-Württemberg, studierte Modejournalismus und Medienkommunikation in Hamburg. Seit 2008 lebt und arbeitet sie in Berlin. Sie ist Redakteurin, Autorin und Kolumnistin bei der taz, schreibt Werbetexte und Bücher für Erwachsene und Kinder. »Rattatatam, mein Herz« ist ihr drittes Buch.

Quelle: KiWi Verlag

Vielen lieben Dank an den KiWi Verlag für dieses Rezensionsexemplar. 

Freitag, 19. Januar 2018

Rezension: Bernhard Aichner * Schnee kommt


Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
Verlag: Haymon
ISBN-13:
978-3709971581
Preis: 17,90 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2014




Inhalt:
Es ist spät am Abend und es beginnt zu schneien, auf den Straßen ist nicht ganz so viel los und der Tunnel wird kaum befahren. Aber doch wollen einige Autos mit ihren Passagieren den Berg durchfahren, um genau zu sein drei Wagen, denn dann passiert ein Unfall. Ein Wagen überschlägt sich und zwei fahren auf. Wird es Überlebende geben? Kommt schnell Hilfe? Wohl eher nicht, denn nicht nur im Tunnel passiert ein Drama, sondern auch am Tunneleingang kommt ein Lkw ins Schleudern und rasiert nicht nur das Wärterhäuschen um, sondern blockiert die ganze Einfahrt. Nun stecken die Leute im Tunnel und davor fest, jeder von ihnen hat eine Geschichte, ein Geheimnis und je länger das Warten auf Hilfe dauert, umso mehr nimmt das Drama seinen Lauf. Was hat jeder Einzelne zu verbergen? Welche Fäden werden wo gezogen? Und gibt es ein Entkommen aus diesem Tunnel?

Meinung:
Ich bin ein absoluter Fan von diesem Autor und habe nicht nur seine Blum Reihe gelesen, sondern auch seinen Max. Nun brauchte ich Überbrückungsliteratur von Bernhard Aichner, da es noch ein bisschen dauert, bis was Neues kommt und da packen wir doch die Gelegenheit beim Schopfe und gönnen uns eins seiner vorherigen Werke. Tja, und da Winter ist, klingt doch Schnee ganz passend. Wie mir das Einschneien gefallen hat, erzähle ich euch nun.

In dieser Geschichte gibt es keine zentrale Erzählfigur, da alle Mitspielenden mehr oder minder zu Wort kommen. Da haben wir das Muttersöhnchen, der die Stellung als Tunnelwärter bezogen hat. Die blinde Künstlerin, die gar nicht blind ist. Ihr Partner, der auch ganz gern die Fäuste sprechen lässt. Der entstellte Arzt, der nicht mehr schön ist und seine erfolgreiche Frau, die damit leben muss. Ein zynischer Polizist, der seine Begleitung vor dem Tunnel rausgeschmissen hat. Diese Frau steigt zu einer Familie, die sich streitet und deren Kind unaufhörlich weint. Und wir haben noch Ruben, ein Mann der, den tot schon ins Auge gesehen hat und auf den Weg in ein neues Leben ist. Jeder hat seine Geschichte, alle kommen zu Wort und was zu erst verwirrend scheint, strickt sich Stück für Stück weiter und die Maschen ziehen sich immer mehr zusammen.

Um es auf den Punkt zu bringen, es ist auf jeden Fall anders, als Blum und Max, aber nicht weniger lesenswert. Für mich war es mehr wie ein Theaterstück, da alle Figuren irgendwie miteinander verflochten sind und der große Aha-Effekt in jeder Ecke lauerte. Dadurch hatte das Ganze eine zu unrealistische Seite bekommen, allerdings, wenn man die Geschichte als Kammerspiel sieht, ist es hervorragend konzipiert. Das ist halt eine Geschmackssache, mir war es im ersten Moment zu viel des Guten.

Aber der Herr Aichner kann einfach erzählen. Er nimmt sich nämlich jeder Figur an, lässt uns sie kennenlernen, die Begebenheiten abklopfen, und hört dann am geschicktesten Punkt auf und geht zur nächsten Person über. So erfährt man häppchenweise von jeden etwas, blickt voyeuristisch in deren Leben und hat immer mehr den Eindruck, da lauert im jeden ein Untier. Einige verstecken sich gut hinter ihrer Fassade, manche treiben ein verrücktes Spiel und doch sind sie alle auf der Suche nach ihren Glück und verheddern sich dann in diesem Tunnel. Die Wahrheit wird mit jeder Seite mehr aufgedeckt und was zuerst leise anfing, erhebt sich immer mehr zu einem Paukenschlag und lässt den Leser überrascht zurück.

Schnee kommt, ist ein überraschendes Buch, was langsam an Fahrt zulegt und am Ende ziemlich einschlägt. Ich mochte es recht gern, aber ich fand seine anderen Werke ein Ticken stärker, aber lohnen tut es sich auf jeden Fall.
 
Henry und ich fanden diesen abgründigen Blick ziemlich interessant und vergeben vier Bücherpunkte:

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Über den Autor:


Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Mehrere Literaturpreise und -stipendien, zuletzt der Burgdorfer Krimipreis (2014). Zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele sowie Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Bei HAYMONtb erschienen die Max-Broll-Krimis 'Die Schöne und der Tod' (2010), 'Für immer tot' (2011) und 'Leichenspiele' (2012) sowie der Roman 'Nur Blau' (2012).  

Quelle: Genial Lokal

Mittwoch, 17. Januar 2018

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Bücherentdecker,

passiert es euch auch, das ihr ein Buchcover seht und denkt, oh wow, was ist denn das! Ich war hier sofort neugierig und musste es mir näher anschauen. Die Geschichte ist eine Romanvorlage zu einem Film und hat direkt eine Kindheitserinnerung wachgerufen. So was Ähnliches habe ich schon gesehen, aber das hier klingt genauso gut. Aber bevor ich hier endlos losplappere, schaut euch das Buch einfach an:
 

The Shape of Water
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 01.03.2018

Ein unglaubliches Geheimnis und eine unmögliche Liebe, die alle Grenzen überschreitet 

Der Mystery-Erfolg von Guillermo del Toro

Ein geheimes US-Militärlabor 1963: Im streng gesicherten Labortrakt F-1 wird eine Kreatur aus dem Amazonas gefangen gehalten, deren Erforschung einen Durchbruch im Wettrüsten des Kalten Krieges liefern soll. Doch eines Nachts entdeckt die Reinigungskraft Elisa das Wesen, das halb Mann und halb Amphibie ist. Die stumme junge Frau tut etwas, woran noch kein Wissenschaftler gedacht hat: Sie bringt dem Wasserwesen die Gebärdensprache bei. Als sie erfährt, dass das »Projekt« schon bald auf dem Seziertisch enden soll, muss Elisa alles riskieren, um ihren Freund zu retten…

Das neue Meisterwerk von Kultregisseur Guillermo del Toro – die Romanvorlage zum preisgekrönten Blockbuster!
 

Na, was meint ihr, Buch oder Film? Ich wusste gar nicht, das Guillermo del Toro auch Autor ist, eigentlich kenne ich ihn eher als Regisseur und das öfters gruselig. Aber hier bin ich schon verzaubert, eine ungewöhnliche Freundschaft oder sogar eine aufkeimende Liebe. Allerdings wird es bestimmt in ein Drama enden, zumindest können sie nicht zusammenbleiben. Aber man braucht ja nicht immer ein Happy End oder? Habt ihr es schon entdeckt? Wie gefällt euch das Buchcover?

Ganz liebe Grüße
Eure, den Badeanzug entstauben gehende, Sharon