Mittwoch, 13. Mai 2020

NEUES auf dem Büchermarkt ...

Hallo meine Buchduftliebhaber,

momentan gefallen mir Geschichten, die sich mit vergangener Geschichte beschäftigen. Ich finde, es so spannend und interessant Wissenslücken zu flicken oder auch Unbekanntes zu entdecken, das hat natürlich nicht immer was Positives, aber so gerät Geschehens auch nicht in Vergessenheit. Hier haben wir solch eine Geschichte, mit Rumänien habe ich mich nie beschäftigt, aber auch hier gibt es eine bewegende Vergangenheit und ein Mädchen, was sich dem allen stellen muss. So haben wir Familiengeschichte, Vergangenes und Gefahr, klingt gut? Dann lasst uns doch mal den Klappentext genauer anschauen:


Die Geschichtensammlerin
Verlag: Wunderraum
Erscheinungsdatum: 25.05.2020

Ileana sammelt Geschichten. Manche sind Märchen, andere handeln von der Vergangenheit, und die gefährlichsten erzählen die Wahrheit. Wie die Gedichte von Ileanas Onkel Andrei. Doch die Wahrheit kann tödlich sein im kommunistischen Rumänien des Jahres 1989, wo Lebensmittel, Strom oder warmes Wasser knapp sind und die Menschen in ständiger Angst leben. Als Andrei verschwindet, ist die ganze Familie in Gefahr. Ileanas Geschichtensammlung wird von ihrem Vater vernichtet, sie selbst zu den Großeltern aufs Land geschickt. Doch die Securitate folgt ihr bis in die Wälder der Karpaten. Nun braucht Ileana eine Geschichte, die Mörder aufhalten kann …


Ich finde, es unglaublich wichtig, vergangene Gräueltaten nicht zu vergessen und eher daraus zu lernen, damit das nie wieder passiert. Nur leider ist der Mensch, der dumme Mensch viel zu beeinflussbar und sieht seine Taten nicht im wirklichen Licht. Angst, dass manches sich in der Geschichte wiederholt, ist gerade in unserer Zeit wieder auf dem Plan und deshalb sind Bücher einfach so unglaublich wichtig, damit wir einfach nicht vergessen. Diese Geschichte beinhaltet wohl auch eher eine dunkle Schattengeschichte, die manche gern vergessen sehen, aber umso wichtiger, ist es präsent zu halten. Momentan sind solche Bücher bei mir genau richtig, vielleicht liegt es auch nur einfach am Alter ...lach... Habt ihr das Buch schon entdeckt? Mögt ihr Geschichten die aufwühlen und neue Einblicke gewähren? Und was lest ihr gerade lieber, was Leichtes oder doch eher schwere Kost?

Ganz liebe Grüße
Eure, sich dieser Geschichte zuwenden wollende, Sharon

Montag, 11. Mai 2020

Rezension: Antoine Laurain * Glücklicher als gedacht

Broschiert: 288 Seiten
Verlag: Atlantik 
ISBN-13: 
978-3455650471
Preis: 16,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: April 2020
Übersetzer: Claudia Steinitz




Inhalt:
François Heuretevent ist schon seit Jahren Bürgermeister von Perisac, beliebt, gefeiert und der Wiederwahl steht nichts im Wege. Doch das Unglaubliche passiert, er verliert gegen seinen Konkurrenten und fällt in ein tiefes Loch. Aus dem Rathaus muss er ausziehen, seine Tage dümpeln vor sich hin und nun bekommt er auch noch seinen Kram hinterher geschickt. Kartons, über Kartons mit Erinnerungen an goldene Zeiten und aus einem überschwänglichen Gefühl heraus, kippt der Turm aus Kartons um und ein Klassenfoto findet seinen Weg zu François. Dreißig Jahre ist es nun her, dass er die Schulkameraden gesehen hat, eine Gruppe von junger Menschen, die den Blick in die Zukunft gerichtet hat. In François blüht der Gedanke auf, sie alle wiederzusehen, zu schauen was sie aus ihrem Leben gemacht haben und ob ihre Träume wahr geworden sind. Wird er sie alle finden? Ist diese Reise eine Schnapsidee? Und welche Geheimnisse aus der Vergangenheit werden François betreffen?

Meinung:
Für mich ist es schon der siebte Roman aus der Feder von Antoine Laurain. Unglaublich, der Siebte schon, ich darf mich also wirklich Fan-Girl nennen. Aber aufgepasst, diese Geschichte ist nicht ganz neu, diese ist schon 2009 in Frankreich erschienen und somit vor seinen großen Durchbruch mit „Dem Hut des Präsidenten“. Aber wen stört es, wenn man einfach den Charme seiner Worte liebt. Also erzähle ich euch mal, ob mich dieses Buch glücklich gemacht hat.

François Heurtevent ist der Sohn einer Schauspielerin und eines Zahnarztes. Eigentlich sollte er Jura studieren, ist aber schlussendlich als Assistenten von Andre Dercour, den großen Politiker, gelandet. Einen großartigen und vielschichtigen Zeitgenossen, in dessen Büro sind große Persönlichkeiten ein- und ausgegangen und er hat den Grundstein für François Leben gelegt. Er ist Bürgermeister von Perisac, mit einer Meisterköchin verheiratet und hat eine studierende Tochter und einen verschlafenen Kater. Sein Leben ist friedlich und er wusste, was er wollte, bis diese Bombe eingeschlagen ist. Nun heißt es Wunden lecken und in ein Abenteuer eintauchen, was ihn an den Ursprung seiner Karriere bringt. Mehr verrate ich nicht, nein mehr will ich dazu nicht sagen, denn dann fängt es erst an. François findet nicht nur einige Wegbegleiter, nein auch sein Leben wird neu gestrickt und Geheimnisse aufgedeckt und dieses Kaleidoskop an Geschehen muss man einfach selbst genießen und jeden neuen Lichteinfall selbst betrachten.

Antoine Laurain hat einfach ein Gespür für Geschichten, in der großen Geschichte. So entdecken wir andere Leben und stolpern natürlich auch in die Vergangenheit von François hinein und mit Politikern hat es unser Autor. Eine ziemlich interessante Welt und er verspinnt so unglaublich gern tatsächliche Geschichte und Fiktion, da gibt er immer einen das Gefühl, selbst dort gewesen zu sein. Politik mit Weitsicht mit kleinen Hieben für das Hier und Jetzt und dem interessanten Wandel. Sogar Geheimnisse und kriminalistische Tätigkeiten lässt er einfliessen. Das macht Spaß, das macht Freude, das ist Antoine Laurain. So schickt er seinen Protagonisten los und lässt mit vielen geschickten Zufällen sein Leben neu überdenken und entdecken. Da verfällt man schon einmal in Nostalgie und erlebt melancholische Momente, hat aber auch Überraschungen auf dem Tablett und sieht sich selbst neu. Eine kleine Reise durch das eigene Leben.

Was ich besonders mag, sind immer die Tänze durch die Zeit, in die uns der Autor entführt, die er mit lustigen Anekdoten füllt und uns an Vergangenes erinnert. So erleben wir immer selbst eine Erinnerung im eigenen Leben und somit nimmt die Geschichte für jeden noch eine andere Ebene ein. Für mich war diese Geschichte wieder ein Abenteuer aus Witz, Charme und Genuss. Und der eigentliche Appell an das Glück perfekt rübergebracht. Müssen wir erst in andere Leben schauen, ob wir doch glücklich sind. Ja, vielleicht sollte jeder so eine Zeitreise wie Françoise machen, oder sich im Leben umschauen. Eine tolle Aussage, denn wir streben manchmal an der falschen Stelle, somit eine tolle Anregung und auch typisch Antoine Laurain, der anscheinend weiß, worauf es ankommt.

Glücklicher als gedacht ist wieder ein typisch charmanter Antoine Laurain Roman, der uns mit Genuss unterhält und begeistert zurücklässt. Für mich immer noch ganz große Klasse, an Erzählkunst.
 

Henry und ich fanden diese Reise einfach wieder großartig und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:

 
Antoine Laurain arbeitete als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler in Paris. Er ist in Frankreich ein gefeierter Bestsellerautor. Mit Liebe mit zwei Unbekannten (2015) gelang ihm der internationale Durchbruch. Auch sein Roman Der Hut des Präsidenten (2016) war in zahlreichen Ländern ein Bestseller. Zuletzt erschien von ihm auf Deutsch Ein Tropfen vom Glück (2019).

Quelle: Atlantik Verlag 


Vielen lieben Dank an den Atlantik Verlag für das  Rezensionsexemplar.


Sonntag, 10. Mai 2020

Rezension: Liz Moore * Long Bright River


Gebundene Ausgabe: 413 Seiten
Verlag: C.H. Beck
ISBN-13: 
978-3406748844 
Preis: 24,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: Januar 2020
Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann




Inhalt:
Mickey Fitzpatrick bekommt auf ihrer Tour durchs Viertel in Philadelphia, den neuen Kollege aufs Auge gedrückt. Dieses Viertel ist kein einfaches Pflaster hier herrschen Drogen, Prostitution und allerlei anderes Elend vor, trotzdem will Mickey das Viertel nicht verlassen. Der Grund, ist ihre Schwester Kacey, die vom rechten Weg abgekommen und der Sucht verfallen ist. Trotz, dass sie seit Jahren nicht mehr miteinander sprechen, passt sie als große Schwester immer noch auf. Auf ihrer Tour werden sie zu einem Todesopfer gerufen, man geht von der üblichen Überdosis aus, aber als Mickey die Tote sieht, fällt ihr was auf, und zwar Mord, und dieses Opfer, scheint nicht das Erste zu sein. Ein Serienkiller treibt sich im Viertel rum und Mickey fällt auf, dass sie ihre Schwester schon länger nicht gesehen hat. Wird Mickey sich auf die Suche machen? Wo ist Kacey? Und was hat diese beiden entzweit?

Meinung:
Long Bright River ist mir ständig in meiner Timeline angezeigt worden und zwar mit wohllobenden Stimmen. Jeder der es gelesen hatte, war begeistert und da ich ein neugieriger Mensch bin, musste ich es haben. In meiner Buchhandlung besprochen und dieser ist es wohl auch aufgefallen und somit haben sie direkt drei geordert. Nun hieß es, wann lese ich es und eine Freundin hat sich direkt geopfert und wir sind zusammen durch die Straßen von Philadelphia gestreift.

Die Geschichte wird immer abwechselnd erzählt, und zwar immer aus Mickeys Sicht, im jetzt und damals. Jetzt ist sie Streifenpolizistin, allein erziehende Mutter und eine ziemliche Einzelgängerin. Sie verlässt sich nur auf sich selbst, vertraut selten jemanden und ist allem gegenüber mehr als skeptisch. Der Einzige in ihrem Leben, den sie ansatzweise vertraute, war ihr Partner, der durch eine Verletzung momentan nicht im Dienst ist. Nun macht sie den Streifenjob lieber allein und findet den neuen Kollegen eher störend und anmaßend. Seine Meinung ist abfällig dem Viertel gegenüber und das lässt sie böse aufhorchen. Die Menschen haben nämlich alle eine Geschichte und nicht die Ablehnung verdient. Ein schwerer Job, und nun diese Mordserie und Kacey ist nicht zu finden. Mickey steckt in der Moralischen Zwickmühle, sucht sie nach ihr, oder nicht.

Damals war sie die große Schwester, die immer auf die Kleine aufpassen musste. Während Kacey ein kontaktfreudiges Kind ist, hält sich Mickey lieber im Hintergrund. Zu Hause haben sie nichts zu lachen, beide Eltern sind nicht mehr da und diese Großmutter ist die Bösartigkeit in Person. Von Liebe, Geborgenheit und Vertrautheit ist keine Spur zu finden und das ganze Ausmaß wird seine Kreise ziehen. Aufwachsen ist hier keine leichte Aufgabe, von Förderung, Ermutigung und sinnvoller Betreuung keine Spur. Mickeys Weg ist steinig, grausam und erschreckend und es nimmt in ihrem Leben nicht wirklich ein Ende. In allen Lebensabschnitten wird ihr das Vorankommen schwer gemacht.

Dieses Buch lässt mich nicht ganz so begeistert zurück, wie andere Leser, aber was mir gut gefallen hat, ist der Realismus. Hier erleben wir die Schattenseite unserer Gesellschaft, den Sumpf der Süchtigkeit und den Abwärtsverlauf. Wie man in einem solchen Viertel aufwächst, welche Schwierigkeiten man durchlebt und wie solche Familien mit einem umgehen. Außerdem wird das Straßenleben hier in Szene gesetzt und es ist absolut schockierend. Als gut behütetes aufgewachsenes Kind ist es erschreckend, wie elendig es dort zu geht. Wie Polizei und auch Freier mit Menschenleben umgeht und wie respektlos die Behandlung ist. Ein gesellschaftliches Bild was schockiert, grausam ist und doch die Realität widerspiegelt. Es gibt so viele Facetten an dem Buch, die immer wieder dieses Leben im anderen Licht zeigt und jeder Aspekt zeigt, wie nah es doch der Wirklichkeit kommt.

Was mir weniger gut gefallen hat, ist leider doch der Mix, es wird zwar als Familiendrama angekündigt, aber auch mit den Mordfällen und der Spannung gespielt. Da haben wir dieses Familiendrama und es ist einfach ein Drama. Es ist ein Drama, wie diese Schwestern aufwachsen müssen, es ist ein Drama, das Mickey immer die Verantwortung aufgedrückt bekommen hat, und es ist ein Drama, das sie nie ihr eigenes Leben  bestimmen durfte und sogar von ihrer Familie ausgeschlossen wird, weil sie doch anderes geworden ist, als sie. Es ist ein Drama, wie Kacey in diesem Sumpf abdriftet und ihr Leben wegwirft und es ist absolut ein Drama, das sie von der Familie aber mehr Zuspruch bekommt als die Schwester. Diese Familie lastet schwer auf einen, beim Lesen, es macht wütend, ist unbegreiflich und sehr frustrierend. Und ich kann es nicht ganz nachempfinden, warum Mickey immer noch dran festhält. Ich habe mit meiner Schwester gebrochen und manchmal sind Wunden nicht anders zu heilen. Das ist ein Knackpunkt, dann kommt auch der Fall dazu, diese Polizeiarbeit fängt eigentlich vielversprechend an, wird aber immer wieder ausgebremst und schlussendlich durch Mickeys Überreaktionen auf Eis gelegt. Schade fand ich das, sehr schade.

Long Bright River ist ziemlich traurig, erschreckend und real. Für mich aber mehr Familiendrama und Gesellschaftsbild, als Krimi. Allerdings fand ich großartig, dass Liz Moore nicht analysiert oder anklagt, sondern die Tatsachen, so grausam sie sind, für sich sprechen lässt.
 
Henry und ich sind nicht ganz überzeugt, aber insgesamt gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


geboren 1983, hat zunächst als Musikerin in New York gearbeitet und anschließend begonnen Romane zu schreiben. «Long Bright River» ist ihr vierter Roman, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Liz Moore hat für ihre Romane u. a. den Rome Prize erhalten. Sie lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.