Mittwoch, 27. Januar 2021

Rezension: Anna Schneider * Grenzfall: Der Tod in ihren Augen

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag  
ISBN-13:
978-3596700509

Preis: 10,99 EUR
E-Book: noch 4,99 EUR
Reihe: 1. Teil
Erscheinungsdatum: Januar 2021  

 
 
 
 
Inhalt:
Alexa Jahn möchte Karriere machen und nimmt somit eine neue Stelle bei der Kripo Weilheim an. Gerade angekommen und noch nicht einmal das Präsidium betreten, wird sie mit zu einem allein stehenden Rucksack mitgenommen. In den Bergen heißt das nämlich höchste Gefahr, denn wo ist der Träger hinverschwunden. Die Bergwacht und die Polizei macht sich auf die Suche und entdeckt dabei eine Tote an einer Felswand hängend. Das allein ist schon schlimm, aber bei der Untersuchung stellt man fest, dass der Körper der Frau nicht komplett ist. Und es kommt noch dicker. Alexa muss die Leitung übernehmen und sich auch noch mit den Kollegen aus Österreich arrangieren, da ein zweiter Fund alle aufhorchen lässt. Was hat das alles zu bedeuten? Wohin soll die Ermittlung laufen? Und kann Alexa sich beweisen? 

Meinung:
Ich mag Krimis und wenn es auch noch solch eine tolle Kombination aus Bayern und Österreich ist, dann geht mein Herz auf. Der Plot klang richtig gut und so ein Reihenauftakt hat doch immer was für sich. Dazu ist mir die Autorin keine Unbekannte und ihre Gefängnisärztin konnte sehr bei mir punkten. Ob es auch Jahn und ihr österreichischer Kollege Krammer schaffen werden, erzähle ich euch jetzt.

Alexa Jahn ist jung, ehrgeizig und willensstark. Sie will hoch hinaus und ist bereit, dafür zu kämpfen. So sagt sie auch nicht nein, als sie die Chance bekommt, diesen Fall als Ermittlerin zu leiten. Entweder hopp oder top, man muss im Leben nun mal was wagen. Allerdings fühlt sie sich auch sehr einsam, fremd und überfordert. Dazu neue Kollegen, die sich kennen und ihr gegenüber skeptisch sind, die Lage wird nicht einfacher, als sich dann auch noch die Österreicher einschalten.

Bernhard Krammer hat die Nase voll von solchen Fällen und ihren Auswirkungen, genau deshalb hat er sich von Wien nach Tirol versetzen lassen und nun kommt so ein Fall. Am liebsten würde er in Rente gehen, den ganzen Tag Opern hören und sich von Menschen fernhalten. Eben ein waschechter Eigenbrötler. Aber die junge Kollegin entzündet einen Nerv bei ihm, der den alten Spurenfuchs erwachen lässt, und er hat eine Fährte aufgenommen.

Diese beiden Figuren bilden die zwei Hauptdarsteller, obwohl Alexa definitiv den größeren Part hat. Durch ihre Augen erleben wir ihre Umgebung hautnah mit, den Wald, die Berge, die malerische Umgebung, die aber auch unheimlich und beängstigend sein kann. Die Menschen, mit denen sie noch fremdelt und der Fall, der sie unglaublich mitnimmt. Eine Frau so zugerichtet und die Identität kann lange nicht ermittelt werden. Wo setzt man am besten an? Wie kommt man dem Täter auf die Spur? Und was soll das Motiv sein? Ein Fall, der die Ermittler verzweifeln lässt und doch geht Alexa jeden Hinweis nach und versucht unter den Beweisen den einen zu finden, der die Richtung angibt.

Anna Schneider hat sich ein tolles Setting rausgesucht und einen wirklich gemeinen Fall. Die Autorin lässt uns nämlich lange zappeln und ein Motiv ist in weiter Ferne erst zu erkennen. Wie ein Hase hat sie mit ihren Auftakt so einige Haken geschlagen. Ihre Figuren hat sie auch gut ausgewählt, eine junge Frau, die in der heutigen Zeit mit beiden Beinen im Leben steht und hoch hinaus will, passt doch perfekt ins Hier und Jetzt. Alexa ist jemand, den man gut verstehen kann und mit der man gerne mitgeht. Aber ich bin ein Bernhard Krammer Fan, Kaffeehaus-Genießer, Opernhörer und Wienlieber, genau meine Kragenweite, denn muss die Autorin für mich reingeschrieben haben, denn von ihm will ich viel mehr lesen. Seine paar Kapitel lassen einen nur einen Vorgeschmack.

Ich habe diesen Krimi gern gelesen und er hat auch alles, was ein Krimi haben muss und ist ein richtig guter Auftakt. Für meinen Geschmack hätte es aber ein bisschen weniger Alexas Gedankengut sein können, auch wenn es zum Verständnis gut ist, hätte mir weniger besser gefallen, da es noch ein bisschen geraffter wäre und atemloser. Dafür war mir Krammer zu kurz gekommen, aber man kann ja nicht alles haben. Somit ist aber auf jeden Fall mein Interesse an mehr da und ich muss nun wirklich ein Jahr auf einen neuen Fall warten, das ist Folter genug.

Grenzfall Teil eins ist ein gelungener Start für alle Krimiliebhaber, spannend, aber mit pfiff und interessanten Persönlichkeiten. Da geht noch mehr, die Autorin läuft sich gerade warm.
 
Henry und ich würden trotz Mord dort auch Urlaub machen und so gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:

 
Schon als Kind liebte Anna Schneider Geschichten und lauschte im Wirtshaus ihrer Großmutter den Erzählungen der Gäste. Vor allem wenn es spannend wurde, war ihr Interesse geweckt. So ist es wenig verwunderlich, dass sie eine Vorliebe für Kriminalfälle entwickelte und sich nach dem Abitur bei der Polizei bewarb. Zum Glück wurde sie damals abgelehnt, sonst wäre sie vielleicht nie zum Schreiben gekommen. Für ihre Thriller lässt sie sich gern im Alltag inspirieren. So auch für die »Grenzfall«-Serie: Eine Zeitungsmeldung über einen vermissten Wanderer in Lenggries im Tölzer Land brachte sie auf die Idee. Die Nähe zur österreichischen Grenze tat dann ihr übriges. Die Serie spielt in beiden Ländern, Deutschland und Österreich, und lässt zwei gegensätzliche Ermittler aufeinandertreffen, die erst einen Weg finden müssen, als Team zusammenzuwachsen. Anna Schneider lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.
 
 
Vielen lieben Dank an den S. Fischer Verlag für das  Rezensionsexemplar.
 

Freitag, 1. Januar 2021

HAPPY NEW YEAR


"Wird's besser? Wird's schlimmer?"
fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer
lebensgefährlich.
(Erich Kästner)
 
 
Hallo meine lieben Leser und Leser*innen,
 
den Spruch vom letzten Jahr habe ich einfach wieder verwendet, ich konnte ja nicht ahnen, wie wahr dieser für 2020 wurde. Keiner hätte Anfang 2020 mit solch einem Jahr gerechnet. Was für ein Wahnsinn und es ist nicht mal das Virus, der mich so aufregt, nein, es ist die Unvernunft der Menschen. Aber davon möchte ich ehrlich gesagt gar nicht erst anfangen. Uns geht es gut, für uns hat sich nicht wirklich viel verändert, da wir auch schon davor ruhig gelebt haben und mit uns zweien gut auskommen. Dafür bin ich auch so dankbar und auch dafür, dass der Göttergatte recht gelassen mit meinen Paniken umgegangen ist und mich wieder auf den Boden geholt hat. Trotzdem hat mich gerade die zweite Jahreshälfte unheimlich Kraft gekostet und mich zu einigen Überlegungen angestiftet. 
 
Das Lesen viel mir schwer, die Freude am Bloggen verflog und auch der Blick in die Bücherwelt gefällt mir immer weniger. Es geht so viel Spaß verloren, wenn man sich vorab überlegen muss, was man überhaupt sagen darf, ob man sich politisch korrekt ausdrückt, oder ob man gleich einen Sturm lostritt. Die Diskussionen über Bücher werden so oft unsachlich und anderer Meinung sein ist oft fatal. Lesen und Lesen lassen wird immer schwerer. Dazu kommen die ganzen Likes und Follower und der ständige Druck, diesen ganzen Wahnsinn mitzumachen und nicht auf der Strecke zu bleiben. Das soll jetzt kein Jammern werden, denn jeder muss seinen Weg finden und ich fühle mich ausgebrannt und ein bisschen leer, denn mir Druck selber machen kann ich meisterhaft. Also überlege ich die ganze Zeit, wie ich damit am besten und für mich umgehe.

So kommt mein Plan für 2021 und zwar wieder mehr Freude haben und Spaß an den Dingen zu haben, die kommen. So möchte ich meinen Blog keineswegs einstellen, sondern so etwas wie ein Sabbatjahr einlegen. Weniger veröffentlichen, sondern nur das, worauf ich Lust habe, nicht ständig den Neuerscheinungen (ich habe noch keine Vorschau angeschaut) hinterhechten (keine Mittwochspost mehr), sondern mal in meinen Bücherstapeln schwelgen. Außerdem überlege ich, meine Twitter- und Facebook-Accounts einzustellen (voraussichtlich im Januar 2021). Seien wir ehrlich, Twitter war nie mein Ding, da ist mir das Gemotze einfach zu groß und Facebook ist einfach nicht mehr das, was es mal war, es gibt einfach keinen Austausch mehr. Somit würde ich nur meinen Blog behalten und mein Instagram-Account und nur posten, wenn ich Lust und Laune dazu habe. So ganz möchte ich diese Welt nämlich nicht loslassen, da sie mich so lange begleitet hat und einen festen Bestand auch in meinem Herzen hat. Somit habe ich ein Jahr, um mir das alles in Ruhe anzusehen und zu schauen, ob die Akkus für die Lesewelt sich wieder aufladen. Denn mein Blog ist ein Hobby, eine Leidenschaft und soll eins machen, nämlich Spaß, gell?

Somit wünsche ich uns allen ein tolles 2021 mit mehr Normalität, Beständigkeit und mehr Freude an den kleinen Dingen. Lasst es uns gelassen angehen und lieb zueinander sein. Fühlt euch geherzt und Prost auf ein gesundes und aufregendes Jahr.

Ganz liebe Grüße
Eure Baker & Cats
 

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Rezension: Ruth Ware * Hinter diesen Türen

Broschiert: 368 Seiten
Verlag: dtv
ISBN-13:
978-3423262712
Preis: 15,90 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: Dezember 2020
Übersetzer: Stefanie Ochel
 
 
 
 
Inhalt:
Ein abgelegenes Haus in Schottland, dessen Mauern schon einiges gruseliges erlebt haben. Eine Familie, die es kauft, umbaut und mit allem technischen Raffinessen ausstattet. Und die neue Nanny, die sich der Aufgabe widmet, auf die beiden Töchter aufzupassen. Nun sitzt sie im Gefängnis, unverstanden, vorverurteilt und möchte doch einfach nur angehört werden. Sie beteuert inständig immer ihre Unschuld, aber ist sie so unschuldig, wie sie tut? Was ging in diesem Haus vor? Und spukte es dort wirklich?

Meinung:
Seit ihrem Buch Woman in Cabin 10 ist Ruth Ware gar nicht mehr aus der Thrillerecke wegzudenken. Sogar meine Buchhändlerin hatte mir das Buch empfohlen und ich habe es direkt mit nach Hause genommen, aber leider liegt es da noch ungelesen. Nun aber habe ich mein erstes Buch von ihre gelesen und ob ich es mochte, erzähle ich euch nun.

Der Beginn der Geschichte fing schon ziemlich originell an, nämlich, wie jemand versucht, einen Brief an Mr. Wrexham zu schreiben. Der Brief beginnt und bricht immer wieder ab, man merkt sofort, derjenige sucht nach den richtigen Worten und scheint sie nicht zu finden, aber eins ist gewiss, ich wollte wissen, wer dieser Herr ist und was es so dringend zu erzählen gibt. Schlussendlich gelingt es der jungen Frau und wir erfahren, dass Mr. Wrexham Strafverteidiger ist und der Brief von einer Gefangenen kommt. Aber nicht nur das, sondern auch das ihr Fall durch die Presse geht, dass es ein Kind betrifft und das es mehr als übel für sie aussieht. Nun hat sie ihm geschrieben und hofft auf Antwort, so verzweifelt, dass sie nach drei Tagen vergebens wieder zu Stift und Papier greift und ihm einfach alles von Anfang an erzählt. So beginnt dieses Buch und lässt einen nicht mehr los, bis man das Geständnis gelesen hat.

Ruth Ware kann einen ziemlich gut um den Finger wickeln und einem in eine Geschichte hineinziehen. Was mir besonders gut gefallen hat, es ist unblutig und spielt mehr mit unserer eigenen Wahrnehmung. Mit unserer eigenen Fantasie und diese wird natürlich noch angefeuert, weil wir die Geschichte nur aus der Sicht der angeblichen Mörderin lesen und können wir dieser Frau überhaupt ein Wort glauben. Geschickt, irreführend und mit jeder Menge Gruselpotenzial stattet sie hier ihre Geschichte aus. Da haben wir also die Einsamkeit Schottlands, abgelegen, karg, beeindruckend und doch bei Nacht gespenstisch. Dazu noch die Vergangenheit des Hauses und meine Nackenhaare stehen aufrecht. Aber nicht nur das verstrickt die Autorin geschickt hinein, auch die modernen technischen Spielereien der Hausherren waren mehr als befremdlich, wenn mit aus dem nichts, jemand mit einem redet. Überall gibt es Kameras, nichts lässt sich ohne die Happy App steuern und Privatsphäre ist in diesem Haus ein Fremdwort. Außerdem legen die Kinder auch noch ein komisches Verhalten an den Tag, das man glaubt, gleich kommt irgendeine Mörderpuppe um die Ecke. Diese ganzen Ängste und Raffinessen machen es nicht nur der jungen Frau schwer, sondern einem selbst auch. Tja, und dann auch noch die Nanny, die auch ihre Geheimnisse hat. Ruth Ware mag oldschool schreiben, aber das verdammt effektiv und sehr spannend.

Für mich passte die komplette Mischung richtig gut zusammen. Man traute keinem, man hatte Sorge, um die Ecke zu schauen, und wenn es Nacht im Buch war, zog man beim Lesen die Decke höher. Mich hat diese Geschichte förmlich aufgesogen und nicht mehr losgelassen, weil man einfach wissen wollte, was wirklich wahr ist und was Fantasie. Wo habe ich mich als Leser geirrt, gibt es eine logische Erklärung für den Spuk, oder nimmt uns die Autorin auf den Arm und sie hat das gut gemacht. Sie lässt einen nicht hängen, sondern haut am Ende nochmals richtig einen raus und schockt einen. Aber auf guterweise, zumindest bei mir, denn ich fand es passend, es rundete alles ab und machte dieses Buch zu einem richtig guten Thriller.

Hinter diesen Türen hat alles, was für mich ein Thriller haben muss, gute Erzählweise, Schockmomente und immer das Spiel mit der eigenen Wahrnehmung. Oldschool, aber verdammt gut gemacht.

Henry und ich konnten das Buch nicht aus den Händen legen und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 

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Über die Autorin:
 

Ruth Ware wuchs im südenglischen Lewes auf und lebte nach ihrem Studium an der Manchester University eine Zeit lang in Paris. Sie hat als Kellnerin, Buchhändlerin, Englischlehrerin und Pressereferentin für einen großen Verlag gearbeitet und wohnt jetzt mit ihrer Familie in der Nähe von Brighton. Mit ihren raffinierten, atmosphärischen Thrillern ist sie zu einer der erfolgreichsten internationalen Bestsellerautorinnen geworden.

 
Quelle: dtv
 
Vielen lieben Dank an den dtv für dieses Vorab-Leseexemplar.