Mittwoch, 16. Juni 2021

Rezension: Makoto Shinkai & Naruki Nagakawa * Das Geschenk eines Regentages

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag
ISBN-13: 978-3103970678
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 18,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: April 2021
Übersetzer*in: Heike Patzschke
 
 
 
 
Inhalt:
Ein kleiner weisser Kater weiß gar nicht, wie er in diesem Karton gelandet ist und warum dieser am Straßenrand steht. Er ist allein, es fängt an zu regnen und seine Lebensgeister schwinden, aber dann nähert sich jemand. Miyu findet den kleinen Kater und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Dort wird er aufgepäppelt und bekommt den Namen Chobi. Zusammen werden sie ein eingespieltes Team, Chobi entdeckt die Nachbarschaft und Miyu fühlt sich nicht mehr so einsam. Aber warum ist Miyu so allein? Wird Chobi ihr helfen können? Und welche Bekanntschaften lauern noch in der Nachbarschaft auf ihn?

Meinung:
Dieses Buch erreichte mich als Überraschungspost und als Katzenbesitzer passte es doch ganz gut in mein Leben. Was ich überaus interessant fand, ist das Autoren Duo, Makoto Shinkai ist ein erfolgreicher Regisseur von Animefilmen und Naruki Nagakawa Drehbuchautor. Da stellt sich mir die Frage, wieso nun ein Buch und auch noch eins mit so leisen Tönen. Aber mehr jetzt und ob es mir gefallen hat, erzähle ich nun auch.

Eigentlich beinhaltet das Buch vier Geschichten, deren Figuren aber ineinander verwoben sind und so ein roter Faden entsteht. Zuerst kommt Miyu und Chobi. Hier beherrscht Miyus Einsamkeit die Geschichte und wie gut da so ein kleiner Kater ist. Chobi ist auch etwas Besonderes, immer milde, erhaben und treu seinem Zweibeiner gegenüber. Als er die Welt der Nachbarschaft für sich entdeckt, lernt er Mimi kennen und so beginnt die zweite Geschichte mit Mimi und so weiter. Aber nicht nur die tierischen Begleiter begegnen sich immer wieder, sondern auch die Menschen begegnen sich und wer weiß, was das für Auswirkungen hat. Verraten werde ich nix.

Dieses Buch ist eine ruhige Geschichte mit leisen Tönen und mancher melancholischer Schwingung und erzählt über die heilende Wirkung von Tieren. Hier besonders Katzen, aber es gibt auch John, einen alten Hund und ich denke, jedes Tier spürt auf besondere Weise, was seinem menschlichen Freund fehlt und versucht zu helfen. Ihr Kosmos ist dabei auf die kleinen Dinge des Lebens gerichtet, ein gutes Schläfchen, mit Sonnenstrahlen spielen und nicht der Zeit, dem Job hinterher zu hetzen. Einfach das Leben zu nehmen, wie es ist und es zu genießen. Natürlich haben auch die Vierbeiner ihre Probleme, aber sie nehmen es eher hin und machen weiter. Da ist der Mensch viel zu grüblerisch. Deshalb bekommt die Geschichte auch immer zwei Perspektiven, einmal vom Mensch und vom Tier.

Ich denke, es ist ein Buch, was perfekt zu einem Regentag passt. Man kuschelt sich ein, trinkt einen Tee und streichelt die Katze auf dem Schoss, dann dieses Buch und es wird ein guter Tag. Einfach eine Wohlfühlgeschichte, die einen innerlich wärmt und kurzweilig gut unterhält. Für jeden Tierfreund auf jeden Fall eine absolute Bestätigung und es ist so gut, einfach von seinem Haustier bedingungslos geliebt zu werden. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen.

Das Geschenk eines Regentages erzählt verschiedene Geschichten über die Beziehung zwischen Mensch und Tier, einfühlsam, kurzweilig, heilend.

 
Henry und ich fanden das Büchlein entzückend und so gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autoren:
 

 
Makoto Shinkai, 1973 in Koumi/ Nagano, geboren, ist einer der erfolgreichsten Animekünstler und Filmregisseure Japans. Nach dem Literaturstudium arbeitete er als Grafikdesigner für Videospiele, bevor er seinen Durchbruch als Regisseur mit Animefilmen wie »Children Who Chase Lost Voices« und »The Garden of Words« erreichte. 2016 war sein »Your Name« der kommerziell erfolgreichste Anime aller Zeiten. Seitdem wird Shinkai als der »neue Miyazaki« gehandelt. 2018 wurde er in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences berufen, die jährlich die Oscars vergibt. »Das Geschenk eines Regentages« ist Shinkais erster Roman, den er gemeinsam mit seinem Animekollegen und Drehbuchautor Naruki Nagakawa schrieb und der auf seinem ersten preisgekrönten Kurzfilm »She and Her Cat« (Kanojo to Kanojo no Neko) von 1999 basiert. Der Roman wurde über Nacht zum Bestseller in Japan. 
 

Naruki Nagakawa, geboren 1974 in Japan, ist ein preisgekrönter Drehbuch- und Buchautor.

 
 
Vielen lieben Dank an den S. Fischer Verlag für das  Rezensionsexemplar. 
 

Montag, 14. Juni 2021

Rezension: Theresa Hannig * König und Meister


Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Edition Roter Drache
ISBN-13: 
 978-3968150147
Preis: 15,00 EUR
E-Book: 4,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Februar 2021
 
 
 
 
Inhalt:
Ada König wird von ihrem Vater zum Essen eingeladen und wie so oft gehen sie alten Traditionen nach. Gleiche Uhrzeit, gleiche Gaststätte und gleiches Essen, nur das ihrem Vater, was auf der Seele liegt und er ihr was Wichtiges mitteilen möchte. Aber die Jahre haben die Beziehung zwischen Vater und Tochter etwas auseinandergebracht und so hört Ada nur mit halbem Ohr ihrem Vater zu. Auf der Rückfahrt sehen sie Rehe und ehe sich Ada versieht, kommen sie von der Straße ab und überschlagen sich. Ihr einziger Gedanke ist nur bitte nicht ich bitte nicht ich. Aber kann so ein Wunsch ohne Folgen bleiben? Der Vater liegt nach dem Unfall in Koma und Ada fragt sich die ganze Zeit, was wollte er ihr sagen. Und kann es sein, dass sie verfolgt wird? Wird Ada mit einem Besuch in ihrem Elternhaus schlauer? Und hat sie nun aus Versehen einen Pakt mit dem Teufel geschlossen?

Meinung:

Theresa Hannig ist für mich keine Unbekannte, denn ich hatte schon ihren Roman „Die Optimierer“ gelesen und fand diesen richtig klasse. Diesmal geht sie aber nicht in die Zukunft und lässt Science-Fiction mit der Wirklichkeit verschmelzen, sondern lässt hier ein bisschen das Unheimliche mit einfliessen. Ein Spannungsroman mit übersinnlichem Einfluss, ob mir das auch gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Ada König ist jemand, der für seinen Beruf entflammt, aber auf der sozialen Schiene auf der Strecke bleibt. So ist ihr Freundeskreis gleich null und ihr einziger Kontakt ihr Vater, aber dieser steckt in seiner Welt fest. Früher war ihr Vater ihr ein und alles, er war der König ihrer Welt, aber mit zunehmendem Alter sieht man manche Dinge klarer anders und man wundert sich über sich selbst. Nun passierte dieser Autounfall und Ada ist allein, ihre Mutter ist beruflich sehr eingespannt und hat ihr Kind schon lange sich selbst überlassen und so ist Ada gerade voll überfordert. Aber nicht nur das, sie hat Schuldgefühle, übermächtig und drängend, denn sie hat nur für ihr eigenes Leben gebeten und nicht auch für ihres Vaters. Was hat sie da nur geritten?!? Jetzt nagt nicht nur, dass schlechte Gewissen und ihre Albträume an ihr, sondern in der Klinik begegnet sie dem „Verbrannten Mann“ und fühlt sich ständig beobachtet. Bis ihr der Kragen platzt und sie sich dem stellen will, dem Pakt über Leben und Tod und der Preis, der dafür verlangt wird. Nun muss Ada drei Aufgaben erfüllen, damit sie ihr Leben normal weiterleben kann. Eine Reise beginnt in die Vergangenheit, zu ihren eigenen Leben und der Wahrheit.

Dieser Mysterythriller lässt sich richtig gut lesen, hat an den richtigen Stellen Gänsehauteffekte und ich liebe es, wenn die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Dazu noch jede Menge interessante und unbeugsame Figuren, deren Vergangenheit zu manchem Schauer beim Lesen einlädt. Ada hat wirklich Eltern, die es in sich haben, der Vater, der sich als Lehrer berufen fühlt und mehr in sein Leben hineininterpretiert, als da ist. Und eine Mutter, die sich dem Dorfleben entzieht und lieber Karriere macht, als Ehefrau und Mutter zu spielen. Wie kann man da gescheit heranwachsen soll, ist echt fraglich. Tja, und meine Lieblingsfigur ist Elvis, ein junger Mann, der bettelt und den Ada auf ungewöhnlicherweise kennenlernt. So wird es nie langweilig, sondern sorgt für einen Lesesog, weil man einfach mehr herausfinden möchte. Komische Familie, komisches Haus und ein Baum der Meister heißt, klingt doch irre. So steckt in dieser Geschichte nicht nur der Aspekt von was ist, wenn ich einen Pakt mit dem Teufel abschließe, sondern wohin führt mich der Blick in die Vergangenheit. Was ist mit den Eltern passiert? Warum ist die Beziehung gescheitert? Und was könnte damals vorgefallen sein?

Theresa Hannig hat einen richtig feinen Spannungsroman geschrieben, der mit einigen Überraschungen aufwartet und nicht gleich zu entwirren war. So machte es Spaß zu lesen und mitzurätzeln. So manches ergibt nämlich nicht immer direkt Sinn und wird erst später klarer. Dazu noch die Familienstudie, denn wenn man Familie hat, hat man immer was zum mitreden und diese ist echt nicht ohne. Dazu noch das dörfliche Umfeld mit seinen Eigenheiten, das rundet die Geschichte nochmals fein ab.

König und Meister ist ein Mysterythriller, der spannend, abwechslungsreich und mit einer guten Portion Schauer ausgestattet ist. Ich habe es gern gelesen und so manch eine Frage schwirrt noch im Kopf herum.
 
Henry und ich mochten diese Mischung und hatten großen Lesespaß, dafür gibt es vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Theresa Hannig wurde 1984 in München geboren. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und VWL an der LMU München arbeitete sie u.a. als Softwareentwicklerin und SAP Beraterin. Ihr erster Roman Die Optimierer wurde mit dem 1. Stefan-Lübbe-Preis und dem Phantastik-Literaturpreis Seraph 2018 für das beste Debüt ausgezeichnet.
Hannigs zweiter Roman Die Unvollkommenen (Shortlist Phantastikpreis der Stadt Wetzlar 2020) erschien 2019. Theresa Hannig liest und diskutiert ihre Romane an Schulen im Rahmen des Deutsch- und Ethikunterrichts. Zudem spricht sie als Speakerin über Themen wie Gesellschaft & KI, Demokratie & Überwachung, Zukunft der Arbeit und Frauen in der digitalen Welt.  

 
 Vielen lieben Dank an den Edition Roter Drache für das  Rezensionsexemplar.
 

Dienstag, 1. Juni 2021

Rezension: Manuela Golz * Sturmvögel

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13: 
978-3832181376
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 17,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Mai 2021
 
 
 
 
Inhalt:
Emmy erblickte das Licht der Welt im November 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel. Ihre Kindheit ist geprägt von Ebbe und Flut, von harter Arbeit und Verlusten. Aber auch ihr weiteres Leben ist nicht nur Zuckerschlecken. Zwei Weltkriege hat sie miterlebt und trotz der Schrecken nie ihren Humor und ihren sturen Kopf verloren. Nun ist sie am Ende ihres Lebens angekommen, zumindest mag sie nicht mehr, denn sie ist zufrieden mit dem, was sie hatte. Während ihre älteste Tochter ihre Mutter zum Arzt schleift, um alles Menschenmögliche zu tun, ist sie aber auch neugierig, was sich im Keller an Schätzen befindet. Wird sie etwas Interessantes finden? Gibt es in der Vergangenheit ihrer Mutter Geheimnisse? Und was hat Emmy alles erlebt, in ihren 86 Sommern?

Meinung:
Sturmvögel wurde mir einfach so vom Verlag zugeschickt und da ich gerade Geschichten, die zur Kriegszeit spielen mag weil ich, wie ein Staubsauger die Kraft zu Leben und den Willen zum Überleben in mich aufsauge, dachte ich, das könnte etwas für mich sein. Also schlug ich es auf und musste auch direkt über diese ältere Dame schmunzeln. Übrigens ist die Geschichte von der Autorin eigenen Großmutter inspiriert. Und ob das alles mich überzeugen konnte, erzähle ich euch nun.

Wir schreiben das Jahr 1994 und Emmy lebt im Berlin in einer Zwei-Zimmer-Wohnung und ist doch recht zufrieden mit ihrem Lebensabend. Genüsslich schleckert sie Schogetten, schaut aus dem Fenster und genießt den Augenblick, wären da nur nicht diese Schwächeanfälle. Die führen nämlich dazu, dass ihre große Tochter Hilde sie zum Arzt zerrt, untersuchen lässt und für Emmy nix Neues herauskommt. Während sich also Hilde schon um Dinge kümmert, wie den Keller ausräumen und sich schon Gedanken ums Erbe macht, geht Emmy ihren eigenen Weg und amüsiert sich, denn Hilde findet im Keller Ordner, die sie mächtig beschäftigen. Allerdings sind nicht alle Geschwister so bereit, sich um ein Erbe Gedanken zu machen, wie Hilde und ihr Bruder Otto, denn Tessa ist da strickt gegen.

Und so erleben wir in Rückblenden, was Emmy so alles erlebt hat. Das Drama ihrer Eltern auf einer kleinen Nordseeinsel. Ihr Leben als Dienstmarkt in Berlin, ihre verbotene Liebe zu einem höheren Sohn und natürlich die Schrecken des Krieges. Aber nicht nur ihr eigenes Leben beschäftigt Emmy, sondern auch das ihrer Kinder. Aber mehr müsst ihr selber herausfinden.

Zu diesem Buch gibt es schon richtig viele begeisterte Stimmen und sie loben die Geschichte, aber ich kann mich da nicht ganz anschließen. Es fing eigentlich schon mit dem Anfang an, für mich war die Geschichte einfach zu sprunghaft, mir fehlte ein bisschen der rote Faden. Die Kapitel wechselten sich wild ab, mal aus ihrer Kindheit, dann aus dem ihrer Kinder und mittendrin Emmy im jetzt. Aber so richtig zusammenpassen wollte es in meinen Augen nicht. Hätte das jetzt mit dem Vergangenen zu tun gehabt okay, aber so war es leider nicht. Die Hauptfigur hätte ihr Leben ja auch jemanden erzählen können, so das man da besser Zugang bekommt, aber egal, das fand ich nicht so gelungen. Dazu dann auch die Hauptprotagonistin als ältere Junggebliebene Dame hat sie für mich funktioniert, auch noch als Kind, aber die Berliner Anfänge waren mir zu überzeichnet, ständig hörte man nur jauchzen, schreien, überschwänglich und das bei einem Hausmädchen seiner Zeit. Ja, Emmy ist speziell, ja, Emmy ist stur, macht, was sie will und hat einen vorlauten Mund. So ein bisschen hatte ich das Gefühl, wir sind in einer Soap und schauen der toughen Heldin zu, wie sie sich über Stand und Moral hinwegsetzt und für ihre Freiheit kämpft. Ich weiss nicht recht, mich konnte es nicht überzeugen. Da gibt es so viele andere Geschichten, die mich eher packen konnten, zu mal mir der geschichtliche Aspekt hier recht auf der Strecke blieb.

So genug gejammert, ich habe es ja auch zu Ende gelesen und das fiel mir ganz leicht. Es ist nämlich seicht geschrieben und so fliegt man auch schnell durch die Seiten. Was mir gefallen hat, sind die erbsüchtigen Kinder, die wirklich ganz nach dem Vater kommen und allein das man das beim Lesen merkt, wie ähnlich diese doch dem Vater kommen, ist schon mal ein großer Punkt. Ach, Familie, wer eine hat, hat immer was zu erzählen, hier mit Augenzwinkern und das ist ja auch mal was. Ach, und ich mochte Emmy‘s Vater, ein Mann, der seiner Zeit voraus war und Mädchen gefördert hat, ein toller Vater.

Sturmvögel war für mich eine kurzweilige, unterhaltende Geschichte mit witzigen Momenten. Allerdings gibt es bessere Zeitgeschichten, die mehr nachhallen.
 
Henry und ich haben das Buch zwar schnell gelesen, aber überzeugen konnte es nicht, deshalb drei Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
 

 
Manuela Golz, geboren 1965, studierte Germanistik, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie lebt in Berlin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeutin. 2006 debütierte sie mit ›Ferien bei den Hottentotten‹ als Autorin. Ihr neuer Roman ›Sturmvögel‹ ist vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspiriert.
 
 
Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar.