Montag, 27. November 2017

Rezension: Julie Otsuka * Wovon wir träumten


Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: mare
ISBN-13:
978-3866481794
Preis: 18,00 EUR
E-Book: 7,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Juli 2012
Übersetzer: Katja Scholtz 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Anfang des 20. Jahrhunderts machen sich viele japanische Frauen auf den Weg nach Amerika, um dort japanische Einwanderer zu heiraten. Sie kennen ihre Ehemänner nicht und auch diese Männer haben sich ihre Frauen über einen Heiratsvermittler ausgesucht. Unter den Frauen herrscht ein großes Bangen auf der Überfahrt, aber auch die Hoffnung auf ein gutes Leben. Ihre Ankunft ist ernüchternd, denn ihre Männer sehen selten, wie die auf dem Foto aus und statt Wohlstand, erwartet sie harte Arbeit. Welche Schicksale werden sie erwarten? Wird es besser werden? Oder hat die Zukunft noch schlimmer Dinge mit ihnen vor?

Meinung:
Wovon wir träumten, hatte mich damals angesprochen, einmal wegen des wunderschönen Buchcovers und auch weil das Thema Japan eine Rolle spielte. Aber war ich damals wirklich darauf vorbereitet, dass dieses Büchlein über Epochen geht und das Schicksal vieler Frauen wiedergibt? Ich glaube nicht wirklich, obwohl es ja klar und deutlich auf dem Buchrücken steht, hatte ich irgendwie eine andere Vorstellung. Nun habe ich es Jahre später endlich zur Hand genommen und gelesen.

Ich glaube, was sofort beim Lesen auffällt, ist die gewählte Sprache der Autorin. Sie gibt nicht einer Frau eine Stimme, sondern allen, wie in einem kleinen Mikrokosmos kommt jede zu Wort, ohne wirklich zu sprechen. Die Autorin fängt ziemlich gelungen jedes Schicksal ein und gibt ihren Kapiteln immer ein übergreifendes Thema, wie, die Überfahrt, die Ankunft, das Einleben, Kinder und so weiter. Dabei erzählt sie nicht nur das Geschehene, sondern zählt endlos jedes Schicksal der Frauen auf. Was mich am Anfang allerdings unglaublich beeindruckte, wirkte bei mir mit jeder Seite abstumpfender, denn wenn man nur noch Schlechtes und Grausames liest, kann man es selber nicht mehr ertragen und verschließt sein Inneres. So konnte ich nicht jedes Schicksal tragen und ratterte nur noch die Zeilen bis Kapitelende runter. Es ist unglaublich schmerzvoll, was diese Zeit mit den Frauen gemacht hat.

Was mich immer wieder noch schockt und wütend macht, ist die historische Geschichte von Amerika. Der Befreiungsstaat, wo träume wahr werden und man alles Erreichen kann und dann erfährt man, was sie mit ihren eigenen Einwanderern gemacht haben. Natürlich wird dieses Thema schön ruhig gehalten und die Vorwürfe auf andere Nationen gerichtet, ohne sich selbst an die Nase zu packen. Deshalb finde ich solche Bücher gut und fand diesen Leidensweg einer ganzen Generation wichtig, auch wenn die Schicksale nicht leicht zu verdauen sind.

Diese Frauen wurden von ihren Träumen bitter enttäuscht und mussten einen schweren Leidensweg gehen. Durch ihre Traditionen geprägt fiel ihnen der Anschluss und das Leben in der neuen Welt schwer, selbst ihre Kinder verleugneten später ihre Herkunft und trotzdem haben sie ihr Schicksal ertragen und sind ihren Weg durch viele schwere Hürden gegangen, um dann doch leise zu verschwinden. Eine unglaublich mutige, aber auch traurige und berührende Geschichte.
 
Henry und ich haben den Schmerz oft förmlich gespürt und vergeben dafür vier Bücherpunkte:

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Über die Autorin:
  


Julie Otsuka, geboren 1962 in Kalifornien, lebt heute in New York City. 2002 erschien in den USA ihr Debütroman When the Emperor Was Divine. Sie war Guggenheim-Stipendiatin und wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Wovon wir träumten ist ihr zweiter Roman und der erste, der auf Deutsch erscheint.  

Quelle: mare Verlag

Kommentare:

  1. Konban wa, Inga san.
    Im Grunde wie leider hat sich die Lage für Frauen, in ähnlichen Situationen, seither nicht wirklich verändert. Seien es Osteuropäerinnen, die in die westeuropäische Protitutionfalle gelockt werden, Textilarbeiterinnen in Schwellenländern, denen der karge Lohn noch gekürzt wird, oder asiatische Frauen, die in Haushalten arabischer Ölstaaten defacto wie Sklaven angesehen & dementsprechend behandelt werden. Die patriarchale Niedertracht hat nicht wirklich abgenommen.

    Wie in den Ländern Südamerikas, sind die Staaten auf dem Unrecht, der Vertreibung & Bekämpfung der ursprünglichen Bevölkerung gebaut - hier genügt kein Pathos von Freiheit, um dies bemänteln zu können.
    Die Nachfahren der japanischen Einwanderer wurden nach Pearl Habor (& der Kriegserklärung an das Japanische Kaiserreich) allesamt in Internierungslager gezwungen - im krassen Gegensatz jetzt zu den amerikanischen Nachfahren der Einwanderer aus anderen Achsenmächten. Klarer lässt sich offener Rassimus nicht beweisen.

    Sorry - ich muss fast ähnlich klingen wie die niederschmetternden Passagen in obigem Buch.
    Aber wie Du ebenso schreibst - solche Wahrheiten zu berichten bleiben wichtig.

    Ein gelungener Einblick Deinerseits.

    Dexter scheint sich jetzt Bücher gern als Pfotenunterlage zu nehmen... :-)

    bonté

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    1. Hallo Robert,

      du hast vollkommen einen weiteren Gedankenpunkt angesprochen, die Rechte der Frauen sind noch nicht überall gleich und werden unterdrückt. Allein diese Katalogfrauen gibt es noch und allein der Gedanke ist bbrrrrrrrrr.....

      Ich bin von der amerikanischen Geschichte total tief traurig, denn soviel Leid und Ungerechtigkeit und dann dieses Weltbild. Schämen sollten sie sich!

      Man soll veilleicht verzeihen, aber man darf nie vergessen!! NIE!!!

      Danke für deine Worte und das mit Dexter bin ich wohl schuld, das macht er nämlich so toll, wenn er dazu genötigt wird ..hihi...

      Ganz herzliche Grüße
      Inga

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