Freitag, 30. August 2019

Rezension: Cornelia Funke & Guillermo del Toro * Das Labyrinth des Fauns


Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: S. Fischer
ISBN-13: 
978-3737356664
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Juli 2019
 

Übersetzer: Tobias Schnettler
Illustrator: Allen Williams 




Inhalt:
Ofelia muss mit ihrer Mutter in die Berge ziehen, dort ist ihr neuer Stiefvater mit seinen Truppen stationiert. Aber von glücklicher Familienzusammenführung kann man hier wahrlich nicht sprechen. Der Ort ist überaus dunkel, kalt und unheimlich und trotzdem zieht es Ofelia mehr in den Wald, als im selben Haus zu sein, wie ihr unbarmherziger Stiefvater. Ihre neue Zufluchtsstätte hat nämlich noch mehr zu bieten, hier gibt es einen geheimnisvollen Faun und er stellt Ofelia drei Aufgaben. Kann sie diese erfüllen, ist sie die lang verschollene Prinzessin des Reiches. Ofelia ist begeistert und lässt sich auf dieses phantastische Abenteuer ein und wird immer mehr in diese Welt hineingezogen. Aber wird ihr der Mix aus wundervoll und grausam zugleich gefallen? Kann sie die Aufgaben meistern? Und was wird der Stiefvater dazu sagen?

Meinung:
Das Labyrinth des Fauns ist eine Hommage an den Film, Pans Labyrinth. Guillermo del Toro hat sich nämlich schon immer gewünscht, dass es zu seinem Film auch ein Buch geben soll und für ihn gab es nur eine, die dessen Aufgabe gewachsen ist. Nämlich Cornelia Funke. Ich kann ihn da absolut verstehen, diese Frau hat es nämlich drauf und ist ein Sprachgenie. Natürlich füllte sich Frau Funke geschmeichelt, geehrt, aber der Aufgabe nicht wirklich gewachsen, da sie den Film kennt und sehr liebt, aber wie soll man da Nein sagen können. Somit schlug sie vor, 10 Geschichten zu schreiben, die den Schlüsselszenen des Films mehr Hintergrundwissen geben sollten. Und nun liegt uns dieses Werk vor und ich muss vorab gestehen, ich hab immer noch nicht den Film gesehen, mich schrecken immer noch diese Bilder vom bleichen Mann ab. Aber gelesen habe ich es nun und davon mag ich euch erzählen.

Die Geschichte spielt in Spanien des Jahres 1944, also einer Zeit, die alles andere als fröhlich war. Ofelia ist die Tochter eines Schneiders und hatte eine ganz besondere Bindung zu ihren Vater. Beide liebten das Magische und Schöne, nun ist er nicht mehr da und ihre Mutter hat neu geheiratet. Völlig zum Unverständnis der Tochter, aber die Mutter ist der Meinung, ohne einen Mann geht es halt nicht. Aber dann so ein kalter, grausamer und unbarmherziger Soldat, ist einfach, nicht nachzuvollziehen. Die Mutter steht unter Druck und will ihren neuen Mann gefallen, und zwar mit samt Tochter und Ofelia möchte Liebe, Freiheit und ein zu Hause. Deshalb ist sie lieber im Wald und begegnet dort einen Faun, der ihr eine Geschichte über sein Reich und der verschollen Prinzessin erzählt. Ofelia, die hinter der Geschichte nichts Böses vermutet, ist Feuer und Flamme und nimmt die drei Aufgaben an, damit sie als Prinzessin des phantastischen Reiches helfen kann. Allerdings hatte sie nicht vermutet das diese so faszinierend und grausam zugleich sein können.

Diese Geschichte ist wie ein Spiegel, auf der einen Seite, bei ihrer Mutter herrscht Krieg, Gewalt und Grausamkeit. Die Rebellen wollen zuschlagen, aber ihr Stiefvater zerschlägt alles und lässt keine Gnade walten. Zu seiner Frau ist er auch nicht sonderlich nett, sondern sehnt sich nur nach der Ankunft seines Sohnes, seines einzigen Erbens. Welches Kind will sich solch einer Welt nicht entziehen und lieber in Märchenbücher und Geschichten hinein flüchten. Da ist es doch genial, wenn einem plötzlich ein Faun begegnet, der Hilfe benötigt und man sich somit nützlich machen kann, ohne an die Gefahren zu denken. Ofelia nimmt allen Mut zusammen, verpflichtet sich, zu helfen, und übernimmt Verantwortung für sich und einer Welt, die sie nicht kennt und doch steht sie dafür ein. Aber auch bei ihrer Mutter versucht sie, das Gleiche zu unternehmen.

Cornelia Funke schafft hier eine sehr düstere Atmosphäre mit grausamen und brutalen Einschlägen. Aber Krieg ist nicht schön und auch auf der phantastischen Ebene ist nicht alles heile Welt. Sehr lebendig und mit der Kraft von Worten schafft sie eigene Bilder, setzt die Grenzen zwischen Gut und Böse ganz klar und gestaltet aus einer schon bestehenden Welt ihre eigene. Für mich ist die Geschichte absolut gelungen, ich finde die Idee mit den 10 Geschichten klasse und konnte trotzdem dem roten Faden des großen und ganzen folgen. Der Schluss ist höchst dramatisch und gerade deshalb auch was sehr besonderes. Obwohl ich den Film noch nicht kenne, habe ich nicht das Gefühl, was verpasst zu haben oder nachholen zu müssen. Ich glaube, die Idee, aus einem Film nun ein Buch zu machen und das 13 Jahr nach dem Kinostart ist gelungen.

Das Labyrinth des Fauns, ist packend, faszinierend, aufwühlend, dunkel und sehr traurig. Aber auch ein unglaublicher Schatz an Worten und Bildern die einen Mitreißen und einen mit einem erlebten Abenteuer zurücklassen. Großartig.


Henry und ich sind Cornelia Funke Fans und hier wieder voll auf unsere Kosten gekommen und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autoren:
 


Cornelia Funke, geboren 1958, zählt zu den international erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. Das US-Magazin »Time« wählte sie zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2005, das ZDF kürte sie 2007 zu einer der 50 »Besten Deutschen Frauen«. Für ihre Bücher wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Cornelia Funke lebt in Malibu, Kalifornien.

Guillermo del Toro wurde 1964 in Guadalajara, Mexiko, geboren. Er ist Filmregisseur, Drehbuchautor, Produzent und Romanautor und erhielt für sein Schaffen unzählige Preise. Mit Werken wie »Pans Labyrinth« zählt er zu den bekanntesten und erfolgreichsten Regisseuren der Welt. Für seinen Film »The Shape of Water. Das Flüstern des Wassers« erhielt er 2018 zwei Oscars.



Vielen lieben Dank an den S. Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Guten Morgen!

    ENDLICH lese ich mal eine positive Rezension zu dem Buch! Ich selber kenne den Film (noch) nicht, aber ich liebe den Schreibstil von Cornelia Funke und bin schon mega gespannt auf das Buch! Es liegt auch schon bereit und wird jetzt im September gelesen und ich freu mich auch richtig drauf!

    Leider sagen ja viele, dass es zu viel Gewalt zeigt (für ein "Kinder-Jugend" Buch) und dass die Botschaft am Ende zu negativ sei.

    Ich möchte mich aber überraschen lassen, denn das schreckt mich nicht ab, sondern macht mich eher noch neugieriger :) Ob ich das mit der Gewalt genauso empfinden werde glaube ich eher nicht, muss ich dann sehen, aber ich finde das in dem Punkt oft auch übertrieben sorgenvoll reagiert wird. Jugendliche sind da doch meist abgehärteter als man denkt ^^

    Den Film möchte ich nach dem Lesen aber unbedingt sehen!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      ja, es ist brutal und grausam, aber wenn man den Namen del Toro liest, weiss man schon vorab das es kein Spaziergang wird. Außerdem wenn man die Grimm Märchen genauer betrachtet, sind diese auch nicht ohne. Außerdem glaube ich, das Kinder solche Dinge ganz anders wahrnehmen.

      Ich wünsche dir viel Freude bei der Lektüre und geniess es. Denn Film muss ich immer noch gucken ...hust...

      Ganz liebe Grüße und hab einen schönen Sonntag
      Sharon

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    2. Ja, so sehe ich das auch. Ich versuche das auch manchmal zu vermitteln, aber viele denken da anders. Kinder nehmen grade gelesene Sachen nur soweit auf, wie sie es auch "verdauen" können.
      Natürlich gibts da auch Grenzen, aber ob die hier wirklich überschritten wurden, bezweifle ich. Ich bin sehr gespannt und freu mich sehr auf das Buch. 2-3 Bücher hab ich noch vorher dann kann ich endlich damit anfangen :D

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