Montag, 10. September 2018

Rezension: Tom Rachman * Die Gesichter


Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: dtv
ISBN-13:
978-3423289696
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 19,59 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2018

Übersetzer: Bernhard Robben 



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Inhalt:
Bear Bavinsky ist ein großer Künstler, hat zahlreiche Ex-Frauen und so einige Kinder. Mit Natalie hat er eine aufregende Zeit in Rom und einen Sohn, Charles, der nur Pinch genannt wird, aber alles Schöne findet ein jähes Ende. So geht der Maler zurück nach Amerika und lässt Mutter und Sohn zurück. Pinch sehnt sich nach seinem Vater und richtet sein Leben danach aus, Liebe, Anerkennung und Stolz in den Augen seines Vaters zu sehen. Er eifert ihm sogar nach und versucht sich selbst in der Malerei, was von seinem Vater aber beiläufig abgetan wird. Für Pinch ein Schock, aber er findet, neue Wege um seinen Vater zu unterstützen und selbst Großes zu schaffen. Seine Suche findet auch ein Ende und seine wirkliche Begabung tritt ihm irgendwann entgegen und Pinch hat Pläne, große Pläne, für sich selbst und der Unsterblichkeit von Bear Bavinskys Kunst. Wird Pinch seinen Vater noch stolz machen? Welche Begabung schlummert in Pinch? Und wird ihm sein Lebensweg glücklich machen?

Meinung:
Ich kann gar nicht mehr so genau sagen, warum ich unbedingt dieses Buch lesen wollte. Aber ich glaube, es ist die Kunst gewesen und die Dramatik in Familien. Immerhin sind Künstler keine einfachen Leute und machen es nicht nur sich, sondern auch ihrer Umgebung verdammt schwer. Wie ist es da, ein Kind von solchen Eltern zu sein und warum ist seine Liebe so unverwüstlich zu seinem Vater. Das wollte ich unbedingt wissen und nun erzähle ich euch, ob mir die Geschichte gesamt gefallen hat, oder nicht.

Die Geschichte ist in fünf Lebensabschnitte unterteilt und wir fangen mit der Kindheit an. Pinch schaut zu seinem Vater auf, dem großen gefeierten Ausnahmekünstler, der überall gern gesehen wird und der sich gewannt und charmant im leuchtenden Mittelpunkt aufhält. Er liebt seinen Vater abgöttisch und saugt förmlich jedes Wort und jede Tat auf. Dabei nimmt er seine Mutter gar nicht so genau wahr. Obwohl Natalie auch Künstlerin ist, bleibt sie immer im Hintergrund, kann sich kaum mit ihren Töpferarbeiten hervor heben und verliert sich selbst immer mehr. So nimmt der Weggang des Vaters auch das Licht aus Pinch Universum. Er bleibt mit der Mutter zurück und für diese dreht sich alles nur noch um ihren Sohn, er fühlt sich beengt und bekommt keine Luft. Während so Natalie immer mehr am Lebenskraft verliert und in eine Depression abrutscht, sehnt sich Pinch nur noch nach seinem Vater. Nach Jahren sehen sie sich wieder, aber so glücklich, wie erhofft wird das Treffen für Pinch nicht, denn sein Wunsch sein malerischer Nachfolger zu werden, erstickt der Vater im Keim und so sucht Pinch im weiteren Leben immer wieder nach Möglichkeiten, seinen Vater stolz zu machen und aus seinem Schatten zu treten.

Tom Rachman erzählt hier eine große Familiengeschichte, von einer einnehmenden und Komplexen Vater-Sohn-Beziehung. Ein Vater, der talentiert, charmant, eigensinnig und absolut einen einnehmenden Charakter hat. Dieser dazu führt, dass er sich selbst für größer hält, als er ist und sich als übermächtig und dem gefeierten Künstler da stellt, dessen Werke ins Museum gehören und nicht in private Sammlungen. Aber im Laufe der Gesichte lässt der Autor so einige andere Farbschattierungen durchblicken und wir nehmen nicht nur den übergroßen Künstler wahr, sondern jemanden der auch um Anerkennung kämpfen muss. Die Kunstszene ist ein hartes Pflaster und auch ein Bear Bavinsky hat ein Haltbarkeitsdatum. In den Augen von Pinch ist der Vater aber unerreichbar und seine Kunst das Maß aller Dinge. Er sehnt sich danach, es ihm gleich zu tun und lechz förmlich danach enger in den Dunstkreis seines Vaters zu kommen. Seine Angst, dass sein Vater ihn vergisst, da es immer neue Frauen und Kinder gibt, ist riesengroß. So richtet er sein Leben danach aus, seinem Vater nützlich sein zu können und probiert nach der Malerei eine Biografie über seinen Vater zu schreiben, allerdings ist diese nicht mit Erfolg gekrönt und so muss Pinch weiter suchen. Dabei dreht sich alles in seinem Leben um seinen Vater und er selbst bleibt auf der Strecke.

Dieser Autor beschreibt diese Beziehung sehr einnehmend, ergreifend, mitfühlend und emotionsvoll. Die Figuren wurden warmherzig ausgeschmückt und richtig lebendig dargestellt. Die Konflikte fand ich greifbar und man geht so richtig in Pinchs Welt mit. Man leidet mit, man freut sich über kleine Erfolge und man gönnt Pinch am Ende seinen Durchbruch, denn er hat sein Schicksal doch noch ein bisschen ausgetrickst. Überhaupt wurden hier die Gefühle und Konflikte gut aufgegriffen, entwickelt und erstaunlich unterhaltsam rübergebracht. Ich glaube, das hat mich wirklich überrascht, es war überhaupt nicht trocken, sondern klasse zu lesen, immerhin ist der Stoff nicht leicht, denn Familie kann so unhübsch sein. Dennoch fand ich es Schade, dass der Klappentext schon auf das Ende hindeutet, da man als Leser immer erwartet, dass die Entwicklung früher beginnt und man somit noch mehr zu lesen bekommt. So hat man das Gefühl, die Geschichte zieht sich etwas hin, weil man ja auf die große Begabung wartet. Also etwas Geduld.

Für mich war „Die Gesichter“ ein toller Roman über eine besondere und machtvolle Vater-Sohn-Beziehung, die mich toll unterhalten und wunderbar überrascht hat.
 
Henry und ich mochten dieses Künstlerding unglaublich gern und deshalb vier Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:

Tom Rachman, geboren 1974 in London, wuchs in Vancouver auf. Er war Auslandskorrespondent der Associated Press in Rom, die ihn u. a. nach Japan, Südkorea, Ägypten und in die Türkei entsandte. Später arbeitete er als Redakteur des International Herald Tribune in Paris. Rachmans erster Roman ›Die Unperfekten‹ wurde gleich nach Erscheinen zu einem internationalen Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in London.  

Quelle: dtv Verlag
 
Vielen lieben Dank an den dtv Verlag für dieses Rezensionsexemplar.  

Kommentare:

  1. Huhu Sharon,
    danke für deine Rezension. Ich habe das Buch auch hier und bin sehr gespannt auf die Geschichte. Ich hoffe ich komme bald dazu es auch zu lesen.
    Liebe Grüße, Petra

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    1. Hallo Petra,

      aber gerne doch und ich wünsche dir jetzt schon schöne Lesestunden und lass dich überraschen :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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  2. Bore da, Inga.
    Die Figur des Vaters ist mir eher grundsätzlich unsympathisch, weil er vermutbar Frauen als Eroberungen & Kinder als Beiwerk sieht. Yikes!
    Besonders bitter wird es dadurch natürlich, dass Pinch ihn förmlich anhimmelt. Nicht besser liesse sich eine verschwendete Lebenszeit umschreiben, als einem, in seiner Selbstherrlichkeit gefangenen, Egozentriker in die Fußstapfen treten zu wollen.
    Dabei bedeuted Leben mehr als der Prestige des Augenblicks.

    Mir brennt jetzt natürlich die Frage ein weniger auf den Fingern, ob Pinch, oder gar sein Erzeuger, zum Ende hin zu einer Einsicht kommen?
    ;-)

    bonté

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    1. Guten Abend Robert,

      ja, der Vater war schon nicht ohne, Tyran und Künstler halt. Selbstverliebt, eingebildet und ein Darsteller durch und durch. Aber dadurch hatte man einen guten Blick ins Kunstleben und das war wirklich interessant. Also Pinchs Leben war wirklich nicht toll, aber das Ende Robert, das Ende ist der Hammer. Aber ich verrate nix...

      Ich kann nur so viel verraten, der Vater wird keine Einsicht bekommen. Aber mehr psssttttt....

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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