Freitag, 15. März 2019

Rezension: Romy Hausmann * Liebes Kind

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: dtv
ISBN-13:
978-3423262293 

Preis: 15,90 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Februar 2019




Inhalt:
14 Jahre ist es her, seit Lena verschwunden ist. 14 lange Jahre und nun taucht sie wieder auf. Sie liegt im Krankenhaus und hat eine Tochter mit dabei, Hannah. Eine Tochter, die sich eigenartig verhält und in Rätseln spricht. Sie erzählt von ihrem zu Hause und das ihr Bruder noch dort ist. Die Polizei versucht aus dem gesagten, den Ort zu finden und entdecken, eine Hütte im Wald. Eine fensterlose Hütte, versteckt, abgeschieden mit einem verängstigten Jungen und einem bis zur Unkenntlichkeit, erschlagen Entführer darin. Sie spielen dort Familie, Vater, Mutter und Kinder, mit strengen Regeln und harter Hand, denn der Vater steht über alles, er versorgt seine Familie, er kümmert sich, er macht den Tag und die Nacht, wie ein Gott. Wie also konnte Lena entkommen? Wie aus dem Albtraum ausbrechen? Und gibt es nach dem Martyrium überhaupt ein Danach?

Meinung:
Liebes Kind ist das Thrillerdebüt von Romy Hausmann. So ein netter Name und so ein hartes Buch. Ich dachte zuerst, naja, was soll da schon kommen, der Albtraum ist vorbei und jetzt kommt die Wiederauferstehung ins Leben, aber falsch gedacht. Wo andere Thriller enden, fängt dieser erst an und mit einer Wucht. Aber ich greife zu viel vorweg. Als ich das Buch bekommen hatte, dachte ich, mal sehen, klingt ziemlich gut, ich lass mich darauf ein und nun habe ich es gelesen, nein, ich habe es regelrecht verschlungen und warum erzähle ich euch nun.

Eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll und was ich verraten kann, diese Geschichte ist von Überraschungsmomenten bespickt und macht es unglaublich schwer, nicht wirklich in die Tiefe zu gehen. Aber ich werde mein bestes geben. Vielleicht vorab, die Geschichte wird aus drei Sichten erzählt, zum einen haben wir da Matthias, das ist der Vater von Lena und er hat nie aufgegeben, nach seiner Tochter zu suchen. Er legte sich mit allem an, der Polizei, der Presse, einfach allen, von denen er sich nicht verstanden füllt und wo er meint, sie tun nicht genug. Seine Suche grenzt schon an Wahnsinn und die Offenbarung, dass man Lena gefunden hat, lässt ihn erzittern. Dann haben wir Hannah, die Tochter von Lena, die in dieser Hütte geboren wurde, die nichts anderes kennt, außer den Regeln und das ihr Bruder ein Trottel ist und ihre Mama sich manchmal auch so benimmt. Sie ist bei der Flucht aus der Hütte dabei, sie begleitet ihre Mutter beim Unfall und fährt mit ihr ins Krankenhaus. Hannah kommt überraschend gut, in der ihr unbekannten Welt zurecht und gibt Information weiter. Aber ihre Sicht lässt einen, auch einen Schauer über den Rücken laufen und man hat das Gefühl, sie spielt ein Spiel. Konzentriere dich Hannah. Tja und Lena, sie ist verstummt, verängstig und nun auch noch eine Mörderin. Sie kann es nicht glauben aus dem Gefängnis heraus zu sein, aber kann sie der Freiheit trauen, ist es endlich vorbei. Lena steckt in einer Schwebe fest und muss sich erst wieder finden.

Ich werde, nichts weiter verraten, denn jedes weitere Wort würde zu viel verraten, die Überraschungsmomente zerstören und euch nicht mit offenem Mund weiter lesen lassen. Nur so viel, seid euch mit nichts sicher. Romy Hausmann hat für mich hier wirklich was Neues erschaffen, eine solche Idee kannte ich bis dato nicht. Ein wahres Spiel aus Schein und Wahrnehmung, fesselnd, einnehmend und zum Mitfühlen. 

Da denkt man im ersten Teil, mein Gott, die arme Lena, was für eine Qual, was für eine Erniedrigung und was für ein Überlebenskampf. Der absolute Horror und Albtraum schlecht hin und dazu auch noch Kinder. Für die ist das Leben total normal, die kennen es nicht anders, was für ein Leben soll das sein. Da liest man aus Lena- und Hannahs Sicht und kommt aus dem Grauen gar nicht mehr raus und denkt, es hat ja jetzt ein Ende. Aber was soll da nun kommen und es ist wirklich so, wenn man denkt, jetzt wird alles gut, dreht die Autorin erst richtig auf. Mit der Flucht ist der Albtraum noch nicht vorbei. Romy Hausmann hat die Geschichte verdammt gut und sehr raffiniert erzählt, sie gibt uns immer mal ein Häppchen, worüber man als Leser fällt und sich fragt, ist das jetzt ein Fehler, oder gewollt und dann macht es BÄÄMMMM in der Geschichte. Ich sag euch der Hammer! Der beste Thriller, den ich in den letzten Jahren verschlungen habe. Wo bitte kommen diese Horrorgedanken und Psychospielchen der Autorin her, dabei sieht sie so lieb aus. Für mich absolut stimmig am Ende und eine verdammt gute Mischung, da ist ihr ein richtiger Pageturner gelungen.

Liebes Kind ist ein albtraumhafter Rausch, fesselnd, spannend und extrem gut konzipiert. Einfach der Hammer! Genial, unbedingt lesen.

Henry und ich sind wahnsinnig begeistert von der Geschichte und vergeben die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Romy Hausmann wurde 1981 geboren und war mit 24 Jahren Redaktionsleiterin bei einer Münchner Fernsehproduktion. Dort hat sie mit hunderten von Protagonisten gearbeitet und von deren Leben erzählt: von misshandelten Ehefrauen, somalischen Kriegsflüchtlingen, vernachlässigten Kindern. Seit der Geburt ihres Sohnes arbeitet sie frei fürs Fernsehen, seit 2016 schreibt sie regelmäßig für den blog www.mymonk.de. Darin erzählt sie von all den persönlichen Dingen und Erfahrungen, die ihr wirklich wichtig sind: Von nicht-linearen Lebenswegen, von Stolpersteinen und Niederlagen, vom Mut zur Veränderung und der Zuversicht, auch im Scheitern stark sein zu können. Liebes Kind‘ ist ihr Thrillerdebüt. Romy Hausmann wohnt mit ihrer Familie in einem abgeschiedenen Waldhaus in der Nähe von Stuttgart.

Quelle: dtv Verlag

Vielen lieben Dank an den dtv Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hallo,

    ach, Mist. Das Buch habe ich letztes als Buch des Monats für unseren Krimilesekreis vorgeschlagen, aber wir habe uns für ein anderes entschieden... Aber ich hatte eh vor, es dann halt auf eigene Faust zu lesen! ;-)

    Gute Rezensione!

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

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    1. Hallo Mikka,

      aufgeschoben, ist doch nicht aufgehoben, dann lest ihr es halt beim nächsten Mal. Genau, oder du verschlingst es für dich ganz allein, nimmt dir bloss Zeit, das lässt dich nämlich nicht los.

      Vielen Dank, ich freu mich riesig :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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