Freitag, 26. März 2021

Rezension: Ewald Arenz * Der große Sommer

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13:
978-3832181536
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: März 2021
 
 
 
 
Inhalt:
So hat sich Friedrich seine Sommerferien bestimmt nicht vorgestellt. Er muss nämlich für die Nachprüfung in Mathe und Latein lernen. Aus ist der Traum von Sonne, Strand, Meer und Familienurlaub. Er soll zu den Großeltern, auf Nana freut er sich riesig, aber Großvater, den er lange siezen musste, der Regeln hat und extrem streng ist, da hält sich die Begeisterung wirklich in Grenzen. Doch zumindest muss auch seine Schwester Alma zurückbleiben und sein bester Freund Johann fährt ja auch nicht die kompletten Wochen weg und dann gibt es da auch noch Beate. Der Sommer beginnt und hält für Frieder so einiges parat. Wird es beim Großvater schlimm sein? Wie fühlt sich verliebt sein an? Und was ist, wenn der beste Freund sich verändert?

Meinung:
Vor Kurzem habe ich erst das Werk „Alte Sorten“ vom Autor gelesen und für großartig befunden und nun schnell das Neuste hinterher, diesmal warte ich nicht so lange. Ach, die Schulzeit, die Zeit der langen Ferien und der Genuss von zu viel freier Zeit. Jahrhundert Jahre her und doch steckt man in den ersten Seiten wieder darin fest. Allerdings kann ich mich gar nicht so präsent an den einen Sommer in meinem Leben erinnern, Friedrich allerdings schon. Was dieser erlebt und ob mich dieser Sommer mitreißt, erzähle ich euch nun.

Der große Sommer ist ein bisschen eine Zeitreise zurück zu den Anfängen, dorthin, wo sich das Leben bewusst verändert und man Entscheidungen trifft oder erlebt, die einen später prägen. Friedrich hat eine große Familie, immerhin fünf Geschwister und er ist der Älteste. So ist die Familie irgendwie immer in Bewegung, Ruhe findet man dort eher weniger und ständig ist da jemand, der etwas möchte. Für Friedrich, der gern auch Frieder genannt wird, normal und als er allein zurückbleiben soll, fühlt sich das mehr als befremdlich an. Mathe und Latein sind es schuld. Seine Achillesfersen und dann soll der Großvater helfen. Frieders Begeisterung hält sich in Grenzen, immerhin hat er den Herrn Professor eher unterkühlt, distanziert und sehr streng in Erinnerung. Wie gut das man da Freunde hat und ein Mädchen kennenlernt, Beate im flaschengrünen Badeanzug.

Dieser Roman ist ein bisschen wie eine Erinnerung aufgebaut, das zurückerinnern, das schwelgen an Vergangenen und die Sehnsucht nach Unbeschwertheit. Frieder erinnert sich zurück und erzählt uns die Geschichte seines großen Sommers. Beginnt vom Klassenzimmer aus und mit dem vernichteten Urteil, das er ohne Nachprüfung hängen bleiben wird. Allein die Szenen aus dem Klassenzimmer heraus sind herrlich, strenge Lehrer, flotte Sprüche, aber alles mit stil und das tat richtig gut. Danach der Abschied der Familie und der Einzug bei den Großeltern. Ein wirklich interessantes Paar, sehr ungewöhnlich und Frieder ist in einem Alter, wo einen das doch mehr interessiert. Wie kann seine liebe Nana diesen Mann lieben? Wieso leben sie so ungewöhnlich miteinander? Und Frieder entdeckt da wirklich sehr spannende Dinge. Ich musste da an meine Oma denken, wie sie meinen Opa im Krankenhaus gepflegt hatte, diese Zeit und ihre Erzählungen fand ich megaspannend. Wie Schade, dass wir hier nicht noch mehr gehört haben. Und natürlich noch Beate, die er erst noch finden muss und dann irgendwie auch seine Gefühle erklären, damit das mit den großen Sommer auch wirklich passiert. Aber es gibt nicht nur Sonnenschein, sondern es passieren auch unschöne Dinge und daran wächst unser Frieder und bekommt Hilfe von ungeahnter Seite.

Ich muss es direkt loswerden, dieses Buch hat mir sogar noch einem kleinen Ticken besser gefallen als „Alte Sorten“ und ich kann es gar nicht genau sagen, warum. Eigentlich kann man beide Bücher nicht miteinander vergleichen, während es in einem um innerliche Narben geht, ist es hier eher das Erwachsenwerden. Ewald Arenz erzählt das so lebendig, feinfühlig, humorvoll und beschwingt, dass es einfach eine große Freude ist, darin abzutauchen und einfach auch diesen Sommer mitzuerleben. Mann merkt einfach, das der Autor ein Talent hat zu beobachten und kleinste Dinge mit bedacht wieder zu geben. Deshalb fühlt man sich seinen Figuren so nah, sie sind nicht nur Protagonisten aus einem Buch, sondern man verbringt wirklich diese Zeit hautnah mit ihnen mit. Man lacht, macht Unfug, leidet, erlebt Schmetterlinge im Bauch und Enttäuschungen mit. Der Autor lässt dabei Wahrheiten und auch Lebenswissen einfliessen, ohne erhoben Zeigefinger, sondern ganz lässig und beiläufig und macht daraus eine tiefere Geschichte. Somit bin ich begeistert und liebe diesen Sommer und ich glaube, denn muss ich nochmals lesen, da steckt so viel mehr drin. Außerdem muss ich es allein wegen seiner Sprache nochmals lesen, die einfach wunderbar herrlich und zum Genießen ist.

Der große Sommer bekommt von mir eine ganz klare Leseempfehlung, weil er nicht einfach nur glücklich macht, sondern einen auch tief im Inneren trifft. Allein über den Großvater könnte der Autor noch einen Roman schreiben. Klug, humorvoll und voller Leben.
 
Henry und ich sind verliebt in diese Geschichte und deshalb gibt es die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 

 
Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. ›Alte Sorten‹ (DuMont 2019) stand auf der Shortlist »Lieblingsbuch der Unabhängigen« 2019 und platzierte sich als Hardcover wie als Taschenbuch auf den Spiegel-Bestsellerlisten. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe von Fürth.
 
Quelle: Dumont Verlag
 
Weitere Werke des Autors:
 

 
Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das  Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

  1. Ein wunderbares Buch! ich habe heute auch meine Rezension eingestellt und es gehört zu meinen Highlights!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      es ist wie Sommerkino und ich freu mich, das es dir auch so gefallen hat.
      Hab einen schönen Sonntag
      Sharon

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