Freitag, 9. März 2018

Rezension: Jean Webster * Lieber Daddy-Long-Legs

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Königskinder
ISBN-13:
978-3551560445
Preis: 18,99 EUR
E-Book: 12,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2017
Übersetzer: Ingo Herzke
Illustrationen: Franz Renger 


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Inhalt:
Jerusha Abbott lebt in einem Waisenhaus und ist mit ihren fast 18 Jahren die Älteste von den Kindern. Niemand wollte sie haben, und obwohl sie eine Begabung in der Schule zeigt, wird sie nicht gefördert, so ist ihr weiteres Leben ungewiss, bis an den einem Tag, wo das ungewöhnlichste überhaupt passierte. Jedes Jahr kommen am selben Tag, Wohltäter ins Waisenhaus und diesmal betrifft es auch Jerusha, denn ein geheimnisvoller Gentleman möchte ihr das College finanzieren. Allerdings hat er auch Bedingungen an dieses Arrangement geknüpft, er möchte einmal im Monat Post von ihr erhalten und anonym bleiben, aber sie darf ihn gern mit Mr. Smith anreden. Jerusha kann es nicht fassen, aber stürzt sich mit Begeisterung in ein unbekanntes Leben und nimmt ihre Aufgabe als Briefeschreiberin sehr ernst. Was wird sie wohl alles erleben? Wie wird sich das College auf sie auswirken? Und wird sie jemals erfahren, wer ihr großer Gönner wirklich ist?

Meinung:
Ein Klassiker, der 1912 erschienen ist, kommt in neuer Übersetzung und Gewand in die Buchläden. Tja, und mit dem Königskinder Verlag hat die Geschichte die perfekte Wahl getroffen. Denn die Geschichte passt perfekt, denn sie ist charmant, herzlich, und voller Abenteuer. Ob ich nun allerdings zur Briefeschreiberin werde, erzähle ich euch nun.

Jerusha Abbott kennt nichts anderes als das Waisenhaus, denn niemand wollte sie adoptieren und so fristet sie ihr Dasein bis zu ihren 18. Lebensjahr dort. Sie ist ein aufgeweckter Mensch, trotz des schweren Stands lebensfroh und hat einen kleinen Hang zum zynischen Humor. Genau dieser Humor wird ihr Schicksal besiegeln, denn ihr Wohltäter wird darauf aufmerksam und ermöglicht ihr ein ganz neues Leben. Jerusha, die sich ab da, nun Judy nennt, stellt sich dem College, versucht schnell sich ihre Herkunft nicht anmerken zulassen und schreibt ihren Gönner wie eine Wilde. Und das ist der Clou an der Geschichte, denn es ist ein Briefroman, wir bekommen alles nur durch ihre Briefe an Daddy Long Legs erzählt.

Waisenhausgeschichten sind gerade bei den Klassikern gut vertreten und da ist es doch recht erfrischend, eine Sicht von einem Mädchen zu lesen und dann auch noch so humorvoll. Dieses Mädchen nimmt einen schnell in ihren Bann, sie erzählt beschwingt, aber auch mit kleinen Seitenhieben ihren Gönner gegenüber von ihren Leben, und da sie keine Familie hat, muss er nicht nur mit einem Brief pro Monat rechnen, sondern mit sehr vielen. Somit erleben wir auch Judys Veränderung mit, von ihrer Unsicherheit mit dem großen Reichen in ihrer Umgebung ist bald nichts mehr übrig, sie gewinnt Selbstbewusstsein, stellt sich Herausforderungen und nimmt ihr Leben immer mehr in die eigene Hände. Aus einem Mädchen was nur harte Arbeit und Einsamkeit kennt, erblüht eine junge kluge Frau mit Träumen. Und wir dürfen der Entwicklung beiwohnen und ich muss gestehen, diese Briefromane haben was. Man kann so schön zwischen den Zeilen lesen und somit noch viel mehr erfahren. Auch die Stimmung ist herrlich wieder gespiegelt und so erleben wir vier Jahre College im Schnellraffer und Abenteuer mit. Und auch die Frage, wer ihr Gönner ist, ist wunderbar mit eingearbeitet und lässt uns doch schnell spekulieren. Einfach ein köstliches Amüsement.

Für mich waren es ganz zauberhafte Lesestunden mit einem Mix aus Charles Dickens und Jane Austen. Mein Herz hat bei vielen Stellen heftig mit gefiebert und wild geklopft. Diese alten Geschichten sind einfach immer wieder schön zu schmökern, denn mal ganz ehrlich, es gibt heute noch immer solche Lebensgeschichten und deshalb ist dieser lebensfrohe, humorvolle und charmante Briefroman zeitlos und absolut lesenswert.
 

Henry und ich hatten richtig schöne Schmunzelmomente und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Jean Webster, eigentlich Alice Jane Chandler Webster (1876 - 1916), war eine amerikanische Schriftstellerin und Journalistin und eine Nichte von Mark Twain. Sie studiert Englisch und Ökonomie am Vassar College. Ihr berühmtester Roman ist der Briefroman „Daddy-Long-Legs“. Er wurde mehrfach verfilmt, in viele Sprachen übersetzt, und ist seit 1947 in verschiedenen Ausgaben auch auf Deutsch erschienen. 


Weitere Werke:

https://www.genialokal.de/Produkt/Jean-Webster/Lieber-Feind_lid_34756007.html?storeID=barbers

 Erscheinungsdatum: 21.03.2018


Vielen lieben Dank an den Königskinder Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Bore da, Inga.
    Der Roman - etwas mehr als ein Jahrhundert nur Vergangenheit - scheint uns wie aus weiter Ferne zu kommen. In den vielen Aspekten, die unser modernes Leben bestimmen. Die Zeit unserer Urgroßeltern eigentlich; aber wer von uns kennt sie noch. So besehen stehen uns die Romane von damals näher, weil sie beschreiben.
    Bei all den Geschichten rund um diese Jahrhundertwende kommt mir immer wieder in den Gedanken, wie die Welt aussähe, wäre das Jahr 1914 völlig anders verlaufen.

    Dein Hinweis auf erfolgte Verfilmungen hat mich in diesbezügliches Neuland geführt, das ich dann gleich beackern konnte. Neue Filme sind immer wieder anmerkenswert - auch wenn sie nahezu 100 Jahre auf der Abspielrolle haben.
    Womit sich der Kreis wider schließt.

    bonté

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    1. Guten Abend Robert,

      das mag schon sein, aber ich liebe ja auch alte Klassiker und diese mag ich genauso gern. Es ist doch toll sich in andere Zeiten hinein fallen zu lassen und Probleme zu erkennen, die es immer noch gibt. Und gut erzählte Bücher haben doch einen tollen Nachhal ...

      Juhuuuuuuuu.... ich konnte mal dich filmmäßig überraschen! Thatmademyday!!!

      Ganz liebe Grüße

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  2. Hey du,
    danke für deine tolle Rezi. Ich habe das Buch auch hier und nach deinen Worten möchte ich es auch unbedingt bald lesen, denn meine Neugier ist wieder geweckt.
    Liebe Grüße, Petra

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    1. Hallo Petra,

      das freut mich unglaublich zu lesen, also dann ran, es läßt sich ja auch blitzschnell verschlingen. Ganz viel Lesevergnügen wünsche ich dir :-)

      Ganz liebe Grüße
      Sharon

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