Sonntag, 22. Juli 2018

Rezension: Martin Krist * Kalte Haut

Taschenbuch: 360 Seiten
Verlag: Selfpublishing
ISBN-13:
978-3745091533
Preis: 10,99 EUR
E-Book: 1,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Februar 2018




Inhalt:
Sera Muth hat ihren freien Tag und der steht ganz im Zeichen des Familien Frühstücks, da kommen ihre Schwestern mit Kindern und ihre Mutter, es ist laut und wild. Tja, und bevor ihr Leben im Mittelpunkt aller steht, wird sie zu einem Fall, wegen Ehrenmords dazu gerufen. Der Vorfall geht ihr zu herzen und lässt sie über sich selbst grübeln, aber bevor sie überhaupt richtig loslegen kann, kommt schon der nächste Mord. Dieser Fall ist so brisant, dass alles andere in Schatten steht. Der Mörder foltert seine Opfer und schickt dieses Video an die Presse. Genau eine Stunde danach, wird der Journalist zum Fundort der Leiche geführt. Die Polizei ist ratlos und zieht den Polizeipsychologen Dr. Babicz hinzu. Dieser war bis vor Kurzem in Amerika tätig und hat einen Serienmörder hinter Schloss und Riegel gebracht. Nun versucht er hier zu helfen und ahnt Schlimmes, denn der Mörder aus den USA hatte eine ähnliche Vorgehensweise. Mit was hat es Kommissarin Sera Muth und ihr Team zu tun? Wird es auch zu einer Opferwelle kommen? Und warum verhält der Täter sich, wie der Serienmörder aus Amerika?

Meinung:
Ein Thriller von Martin Krist ist ja immer eine gute Idee, das holt einen aus einem Leseloch definitiv heraus und man weiß, es wird gut. Vorweg vielleicht noch als kleine Anmerkung, dieser Thriller ist nicht ganz neu, sondern nur neu aufgelegt. Ob er mir im neuen Kleid gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Sera Muth kennt man schon von anderem Kalkbrenner Fällen, denn sie ist ein Bestandteil dieses Teams, aber hier solo im Mittelpunkt. Sonst steht sie eher am Rande der Geschichte, umso erfreulicher mal hinter ihrer Fassade gucken zu dürfen und da muss sie sich gar nicht verstecken. Sera ist türkischer Abstammung und muss den Spagat zwischen ihrer Freiheit und Familie hinbekommen. Ihr Vater ist zwar stolz auf ihren Weg und lässt sie beruflich gewähren, aber das Thema Heirat und Kinder ist wohl nie vom Tisch. Für Sera eine aufreibende Sache und ihr sonstiges Privatleben auch eher eine Gratwanderung. Also eine Frau mit vielen Geheimnissen und einem Leben, was nicht leicht ist, zum frei und glücklich sein, fehlt ihr einfach die Zeit. Das fand ich richtig gut in Szene gesetzt, diese ganze Spannung in ihrer Familie, die brodelnde Tradition, diese beiden unterschiedlichen Welten, in deren sie sich bewegt. Sera muss immer den richtigen Ton finden, in die passende Rolle schlüpfen und das macht sie innerlich mürbe. Zum ersten Mal war mir diese Frau nah und ich konnte sie in einem ganz anderen Licht sehen. Für meinen Geschmack darf sie gern mehr in den Kriminalfällen auftreten, denn mit Sera würde ich auch gern mal was trinken gehen.

Der Fall an sich war mal was ganz anderes, das hatte ich bis jetzt von Herrn Krist nicht gelesen und erwartet. Ein Serienkiller in Berlin und das ziemlich blutig und unschön. Das ist diesmal nichts für schwache Nerven. Dabei fing es richtig gut mit diesem Ehrenmord an und für mich wäre dieser Weg authentischer gewesen. Aber hier geht es in eine andere Richtung und der Autor bringt Dr. Babicz ins Spiel. Ein Mann der vier Jahre in Amerika einen Serienkiller gejagt hat und nun wieder in die Heimat zurückkehrt. Seine Vergangenheit liegt im Schatten und er scheint einige seelische Wunden zu tragen. Zurück in Berlin möchte er neu beginnen und stürzt sich doch direkt wieder in die Arbeit. Diese Person war mir von Anfang an suspekt und passte nicht so richtig rein. Schnell war für mich klar, wohin der Hase laufen soll und das hat mir ein bisschen den Spaß genommen.

Klar ist der Thriller wieder ein richtiger Krist, gut konzipiert, rasant geschrieben, die Cliffhänger an der richtigen Stelle und auch der Spannungsbogen ließ nichts offen. Aber mich störte Dr. Babicz und die amerikanischen Splatter-Elemente, das passte nicht so gut zusammen, aber jeder muss sich ja mal ausprobieren, oder? Allerdings wenn ich das ausblende und mich auf Sera Muth und den anderen Fall beziehe, war es absolut großartig, das war für mich real, greifbar, interessant, absolut überzeugend. So war dieser Thriller für mich ein abwechslungsreicher Mix, aus dem Gedanken, wirklich, ist das dein Ernst und ja, bleib lieber hier dran, ich mag mehr, also langweilig war mir absolut nicht.

Kalte Haut ist ein Mix aus Psychospielchen und Imigratioshintergrund. Ein Gemisch mit kulturellen Problemen und kaltblütiger Brutalität. Wieder sehr klasse in Szene gesetzt, auch wenn ich kleine Anmerkungen habe. Ich hätte wirklich gern mehr von dieser Kommissarin lieber Herr Krist.
 
Henry und ich haben den Blick in Sera Muth Kopf sehr genossen und vergeben vier Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:

Martin Krist ist das Pseudonym eines erfolgreichen Schriftstellers aus Berlin. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig und veröffentlichte in unterschiedlichen Genres Bücher. Nach einer Biografie über eine Rotlichtgröße aus dem Ruhrgebiet, über Tattoo-Theo, über die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und die Grunge-Ikone Kurt Cobain sowie zahlreichen anderen Buchprojekten, konzentrierte er sich ab 2005 auf Krimis und Thriller.
 
Quelle: Amazon

Vielen lieben Dank an Martin Krist für das Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

  1. Hoi, Inga.
    Wann immer Familien die eigenen Kinder als quasi "Eigentum" besehen (& nicht als eigenständige Menschen, denen man/frau einen Weg ins Leben gibt), dann klingt in mir der Wiederspruch an. Kinder sind eben keine Erfüllungsgehilfen, keine Tauschware, keine "formbare Masse". Die aus dieser Einstellung resultierenden Tragödien lassen sich allein in den Geschichtsbücher zuhauf finden.
    Eine Figur wie Sera kann ich also gut verstehen, wenn sie das Rollenspiel gegenüber familiären Traditionen zerreibt. Eine klare Antwort stünde Ihr gut.
    Vermutbar wollte der Autor diese Schiene, mit dem "Ehrenmord" nicht weiter begehen & so zieht man sich die Konfektionsware "Serienmörder" noch bei. In diesem Fall dann wohl einen Nachahmungstäter.

    bonté

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    1. Servus Robert,

      oh, ich stimme dir voll zu. Das muss schon gar keine kulturellen Hintergründe haben, sondern einfach nur wahnsinnige Eltern, die fordern, nix dafür tun und dann unglaublich enttäuscht sind. Ach, dieses ständige Hamsterrad ist schrecklich ...

      Zu einer klaren Anwort kann sie sich noch nicht durchringen, da es bedeutet, keine Familie mehr zu haben. Was mich jetzt nicht immer abschrecken würde.

      Ich denke auch, das der Krimi einfach nicht in diese Schiene abtrieften sollte, aber es war für mich nicht so harmonisch.

      Ich wünsch dir noch einen schönen Abend
      Inga

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