Montag, 9. März 2020

Rezension: Francesco Dimitri * Das Buch der verborgenen Dinge

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Heyne  
ISBN-13:
978-3453320352
Preis: 14,99 EUR
E-Book: 11,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Februar 2020
Übersetzer: Felix Mayer




Inhalt:
Ein Pakt aus der Jugendzeit bringt die vier Freude Fabio, Mauro, Tony und Arturo einmal jährlich nach Casalfranco, zum selben Platz und zur selben Uhrzeit zusammen. Eine Rückkehr in ihr Heimatort, in die Vergangenheit, welche sie immer noch mit offenen Fragen da stehen lässt und Geheimnisse, die noch nicht gelüftet sind. Drei der Freunde treffen ein, nur Arturo taucht nicht auf, gerade derjenige, der das Ritual eingeführt hat und der vor zwanzig Jahren schon ein Mal verschwunden ist. Fabio, Mauro und Tony machen sich Sorgen und fürchten das etwas Schlimmes passiert sein könnte. Somit machen sie sich auf die Suche nach ihren Freund und fangen bei seinem abgelegenen Bauernhof an. Als sie diesen verlassen vorfinden, breitet sich die Angst, dass er wieder verschwunden sein könnte, noch größer in jedem der drei aus und die Suche geht weiter. Wo ist Art? Wird er nach sieben Tagen wieder auftauchen? Und welches magische Geheimnis bewahrt er?

Meinung:
Ich habe eine Schwäche für italienische Geschichten und diese versprach mir so einiges. Nämlich Freundschaft, Abenteuer, Magie und dieses ganz bestimmte Flair, was irgendwie nur Italiener hinbekommen. Und was soll ich sagen, ich bin in Casalfranco eingetaucht und wollte gar nicht mehr weg, zumindest am Anfang, ob es auch noch so am Ende war, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte wird aus Sicht von Fabio, Mauro und Tony erzählt, denn Arturo ist ja verschwunden. Alle vier haben eine Geschichte zu dem Ort, alle vier haben bestimmte Erinnerungen und Beweggründe von dort ausgebrochen zu sein und ihr Glück, in der großen weiten Welt zu machen. So ist Fabio nach London geflüchtet, um seinen Vater zu entgehen, der ihm immer das Gefühl gibt, ein Versager zu sein. Nur leider läuft seine Fotografenlaufbahn nicht so erfolgreich, wie alle glauben. Nein, er ist sogar an einem Scheidepunkt in seinem Leben, wo es nicht mehr weitergeht und er überlegen muss, wie er sein Leben noch retten kann, ohne das es alle mitbekommen. So ist er widerwillig nach Casalfranco zurückgekehrt, sogar inkognito und er würde gern, Mauro‘s Anhang aus dem Weg gehen, wenn er könnte. Somit kommen wir zu Mauro, der mit Frau und Töchtern angereist ist und einen kleinen Familienurlaub dran hängt. Ihn hat es nach Mailand verschlagen, wo er sich als Anwalt abrackert und von seinen Töchtern genervt ist. Er ist unglücklich, er empfindet alles als Last und wünscht sich ein anderes Leben, sehr zum Leidwesen seiner Frau Anna, die diese Midlife-Crisis nicht verstehen kann. Und zu guter Letzt haben wir Tony, aus ihm ist ein Arzt in Rom geworden. Er hat aber am meisten mit dem Kleingeist der Leute zu kämpfen, denn sein falscher Lebensumgang ist nicht wirklich mit der katholischen Kirche zu vereinbaren. Sprich, Tony ist homosexuell und das geht ja gar nicht, trotzdem ist gerade Tony sehr gläubig, hat aber auch mit anderen familiären Kram zu kämpfen, denn seine kleine Schwester hat in die Mafia eingeheiratet und will sich nicht umstimmen lassen.

So hat jeder seine Geschichte, jeder seine Vergangenheit und auch kleine Geheimnisse und alle werden durch Art verbunden. Dieser Arturo ist ein schlauer Kopf, er saugt Wissen in sich auf, lässt seine Freunde daran teilhaben, treibt sie im Leben an, steuert manche Entscheidung und fordert sie ständig zu Höheren hinaus. Aber ihn umgibt auch etwas Geheimnisvolles, etwas, was er verschweigt, etwas, was ihn vor zwanzig Jahren aus der Bahn geworfen hat und er nie wirklich offenbart hat, was damals passiert ist. Als er im Olivenhain für sieben Tage verschwand, seine Freunde haben ihn nicht bedrängt, aber nun scheint dieser Vorfall sich zu wiederholen und die drei Freunde suchen verzweifelt Art und Antworten, denn nun wollen sie es wissen und geben sich mit nichts anderen als der Wahrheit ab. Somit verstricken sie sich immer mehr in den Ort, öffnen Türen, die geschlossen bleiben sollten und werden sogar ins Mafiageschehen hineingezogen. Alles für Art.

Dieser Autor hat eine Geschichte geschrieben, die irgendwie in keine Schublade passt. Am Anfang lässt er das italienische Flair erblühen, Sonne die erbarmungslos scheint, Meeresrauschen, kühler Eistee und nostalgische Erinnerungen. Aber das Erscheinungsbild trügt, hier findet kein erholsamer Kurztrip statt, sondern es geht hinab in die Tiefen der menschlichen Gedanken und wird mit voranschreiten immer düsterer. Hier stehen die Figuren im Zentrum der Geschichte und allein deren Entwicklung, Wirrungen und Irrungen sind schon sehr unterhaltsam und zeigen auch ihre Schattenseiten auf. Dazu noch der verschwundene Freund und immer die Frage, was bitte, ist damals wie heute passiert. Hier lässt der Autor einen lange spekulieren und bringt dann eine ganz ungewöhnliche Lösung. Ich mag nicht zu viel sagen, aber seine Mischung aus Übersinnlichen und Heiligen fand ich extrem gut gelungen. Auch dieser eigene Zwist aus Glauben oder Unglauben, den der Autor beim Leser auslöst, fand ich gut eingefädelt und macht aus der Geschichte, etwas Besonderes. Für mich war es ein Buch mit Lesesog, auch wenn es da einige merkwürdige Dinge gab.

Das Buch der verborgenen Dinge ist fesselnd, atmosphärisch, mit einer Prise Übersinnlichen und jede Menge Freundschaftsproblemen, die gelöst werden müssen und einem Ende, was dem Leser schmunzeln lässt.
 
Henry und ich hatten mit diesem Buch richtig viele gute Lesestunden und vergeben vier Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:


Francesco Dimitri ist ein in London lebender italienischer Autor und Geschichtenerzähler. Er hat Romane, Sachbücher, Essays und Comics verfasst, für Kino, digitale Medien und Zeitschriften geschrieben und für Top-Geschäftskunden gearbeitet. Auf seiner ständigen Suche nach Wundern hat er Dokumentarfilme über UFO-Kulte gedreht, tief in den Wäldern Siebenbürgens geschlafen, sich mit Mathematikern, Künstlern, Köchen, Psychologen und Bühnenmagiern unterhalten.

Quelle: Heyne Verlag


Vielen lieben Dank an den Heyne Verlag für das  Rezensionsexemplar.  

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