Montag, 29. Oktober 2018

Rezension: Wolf Haas * Junger Mann

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten 
ISBN-13: 978-3455003888
Preis: 22,00 EUR 
E-Book: 16,99 EUR 
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: September 2018 


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Inhalt:
Er bricht sich mit vier das erst mal sein Bein und es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, sein Trost ist die Schokolade und die Schokolade sorgt für ordentlich Übergewicht. Jahre später hat er einen Ferienjob an einer Tankstelle und den Wunsch abzunehmen. Beides hat was mit einem Schlüsselerlebnis zu tun, denn bei seinem letzten Ferienjob hat er Elsa gesehen und seit ihrem bezauberndem Lächeln ist es um ihm geschehen. Nur ist Elsa nun mit Tscho verheiratet, dem coolsten Jungen im Dorf und mit dem zu konkurrieren muss man sich schon anstrengen. Zuerst nimmt er das Gewicht in Angriff, zum Leidwesen seiner Mutter und dann freundet man sich einfach locker mit Elsa an, und bevor er sich versieht, beginnt sein Abenteuer. Wie viel wird er wohl abnehmen? Was wird in diesem Sommer 1973 passieren? Und warum kann er Tscho nicht leiden?

Meinung:
Wolf Haas ist in der Literatur kein Unbekannter, aber ich habe es bis jetzt nicht geschafft, etwas von ihm zu lesen. Somit ist „Junger Mann“ meine Premiere und ich bin ganz unvoreingenommen dran gegangen. Es spielt 1973 in Österreich, und wie ich später feststellte, war der Autor genauso alt zu der Zeit und lebt dort, wo sein Protagonist auch angesiedelt war. Ob es biografische Züge hat, keine Ahnung, aber auf jeden Fall gibt es ein Blick in die Jugend und davon erzähle ich euch nun.

Dieser 13-jährige Ich-Erzähler ist der typische unauffällige Junge im Dorf. Zu dick, zu uncool und die Familie verwunderlich. Immerhin ist der Bruder weg, die Mutter am Jammern und der Vater in Therapie. Kein leichtes Umfeld und bis jetzt fand er immer Trost in Schokolade, aber damit ist nun Schluss. Er will Elsa gefallen, da er sich unsterblich in diese junge Frau verliebt hat. Nur ist diese mit dem Lkw-Fahrer Tscho verheiratet. Übrigens wer hätte das gedacht, ausgerechnet der Tscho, der Herzensbrecher, der Coolste, einfach der Typ, den alle anhimmeln und kennen, nur man selber wird übersehen. So fühlt sich unser junger Mann ein bisschen Hin und Her gerissen, zwischen aufblühender Liebe und Angst vor ihrem Macker.

Wolf Haas wirft hier einen herrlichen Blick auf die Pubertät und erzählt diese mit viel Witz und Ironie. Sein Protagonist muss so einige Problemchen durchleben und ist ein Kind, dem die Zuneigung nicht unbedingt zufliegt. Aber genau das, macht ihn so unglaublich liebenswert und somit gerät er auch noch schön in Probleme anderer Art. Denn genau durch sein Benehmen, zeigt er eine Reife, die für sein Alter ungewöhnlich ist, und erklärt auch, warum er sich eher mit Älteren abgibt, als mit gleichaltrigen. Mag sein, dass in der kleinen Stadt nicht viel los ist, aber er ist einfach nicht der Typ dafür, viel zu sehr pflichtbewusst, hilfsbereit und altklug.

Außerdem bibbern wir dem Interesse von Elsa an ihm entgegen. Eigentlich müsste sich so eine Frau, ja nicht mit einem Teenager abgeben, aber die beiden verbringen einige Zeit miteinander und der Herr Autor hat da auch noch immer so kleine Andeutungen parat. Aber wenn man denkt, es wird vielleicht doch eine Liebesgeschichte auf unmoralischer Art, der denkt falsch, Wolf Haas überrascht uns und auf einmal haben wir ein Roadmovie vor uns. Mit überraschenden Momenten, Lebensweisheiten und einer Entwicklung die einen nicht los lässt. Dabei hält er aber seine heitere Stimmung bei und gibt uns gut dosiert ein bisschen Schmäh mit auf dem Weg.

Ich muss wirklich sagen, ich hatte unglaublich viel Freude beim Lesen und es war so überaus anders als erwartet. Manchmal denke ich, bei manchen Geschichten, was will der mir erzählen, wohin die Reise gehen soll, warum muss der Autor so hochtrabend daherreden, aber hier passte einfach alles. Man konnte sich gut rein fühlen, hatte selber einige Jugenderinnerungen präsent im Kopf und musste über manche Stellen wirklich schmunzeln. Dieser kleine Antiheld macht es einem so leicht ihn ins Herz zu schließen und ich fand hier diese Coming of Age Geschichte zum ersten Mal richtig gut und konnte mich damit total anfreunden.

Diese Geschichte so locker und luftig sie auch erzählt ist, hält so viel Realismus und Wahrheiten in sich, die einen berühren, ohne zur schweren Kost zu werden. Ein tolles Buch und ein wunderbarer Stil zu erzählen. Junger Mann ist absolut gelungen und wird nicht mein letzter Haas sein.

Henry und ich fanden diese Geschichte einfach wunderbar mit nostalgischem Flair und dafür die vollen Bücherpunkte:

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Über den Autor:
 


Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer geboren. Seine Brenner-Krimis erschienen ab 1996 in acht Bänden, zuletzt Brennerova (2014). Der Roman Das Wetter vor 15 Jahren erschien 2006, Verteidigung der Missionarsstellung 2012 bei Hoffmann und Campe. Wolf Haas lebt in Wien.


Quelle: Hoffmann und Campe


Vielen lieben Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar. 

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