Montag, 14. September 2020

Rezension: Adriana Popescu * Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln

Broschiert: 464 Seiten
Verlag: cbj  
ISBN-13: 
978-3570313374
Preis: 13,00 EUR
E-Book: 9,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: September 2020 
 


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Inhalt:
Man hat es als Neuer an einer neuen Schule nicht leicht, man muss sich Blicken und Neugier stellen und ob man will oder nicht, den Mittelpunkt ertragen. Allerdings begegnet einem auch ein Lächeln, der Tausch eines Kugelschreibers und die Hoffnung auf einen neuen Lebensabschnitt wird zum Greifen nah. Zumindest glimmt dieser Funke bei Samuel auf, als er auf Marie trifft. Beide fühlen sich angezogen und sind doch auch vorsichtig, da sie auch mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben. In eines dieser Probleme tappt Samuel auch direkt, denn er sprengt eine Mobbingattacke und legt sich mit Andi an, der sich für den Coolsten hält. Der andere Schüler, Theo, das Lieblingsopfer, stellt sich auch noch als jüngerer Bruder von Marie heraus. So nähern sich die drei einander an und doch schweben Geheimnisse zwischen ihnen. Warum ist Theo so passiv? Warum ist Samuel an einer neuen Schule? Und wie sieht es in Marie aus?

Meinung:
Adriana Popescu hat ein neues Jugendbuch geschrieben und ich musste es sofort lesen. Eine Geschichte, die mich zurück in meine Schulzeit katapultiert und so einige Erinnerungen an meinem coolsten und gehasstesten Mitschüler wach rief, aber darum geht es hier gar nicht. Es geht um Chancen, um Neuanfänge, um Verzeihen und um Mut für sein Leben zu finden. Ihre ersten Bücher waren ja locker leichte Lektüre, aber seit dem Mond werden die Töne ernster, gewichtiger und ich finde die Mischung immer äußerst gelungen. Dazu noch der wunderbare Popescu Sound, der mich immer einfängt und zu einer Berg- und Talfahrt der Gefühle einlädt. Ob mir diese Geschichte nun ein Lächeln im Dunkeln gezaubert hat, erzähle ich euch nun.

Es wird ein bisschen schwierig, die Figuren zu beschreiben, ohne ihre Geheimnisse direkt preiszugeben, denn diese sind für den ersten Teil es Buches ja entscheidend wichtig. So lernen wir in abwechselnden Erzählsträngen Samuel, Marie und Theo kennen. Also legen wir mit Samuel los. Dieser ist also neu an der Schule versucht sich von allen zurückzuhalten, aber gegen Großmäuler hat er was und mischt sich auch ein, wenn alle anderen wegschauen. Er scheint das Opfer zu verstehen, auch wenn man nicht verstehen kann, wie das genau zusammenpasst. Somit ist Samuel im ersten Moment stark etwas geheimnisvoll und doch liegt auf ihm ein Schatten. Man ahnt, dass etwas in seinem alten Leben passiert sein muss, aber genau kann man es nicht direkt greifen. Nur so viel er lebt jetzt bei seiner Mutter, soll sich von seiner alten Clique fernhalten und immer brav zur Schule gehen. Diese Aussicht gefällt Samuel immer besser, weil er dort Marie jeden Tag begegnet.

So kommen wir doch direkt zu den Geschwistern Marie und Theo. Auch in dieser Familie ist etwas passiert, und zwar bei Theo. Seit diesem Erlebnis dreht sich alles um den kleinen Bruder und die Welt steht somit still. Theo kämpft mit Panikattacken, Ängsten und dunklen Dämonen, er zweifelt an sich der Welt und will am liebsten sein Zimmer nicht verlassen. So versucht er, alles stoisch über sich ergehen zu lassen, ohne sich zur Wehr zu setzen, und wird somit zum Lieblingsmobbingopfer. Marie versucht, das alles auszugleichen, auf Wunsch vom Theo belügt sie die Eltern, wahrt dem Schein von dem perfekten Schultag und wird immer mehr in einem Lügenstrudel hinabgezogen. Sie muss funktionieren, Verantwortung übernehmen für die Eltern, für Theo und sie selbst verschwindet immer mehr. Erst durch Samuel wacht sie langsam wieder auf und dieses beginnende Kribbeln möchte sie ganz für sich alleine haben.

Drei Teenager, drei unterschiedliche Schicksale und doch träumen alle drei von einem Ausweg, um neu anzufangen. Adriana Popescu beginnt die Geschichte mit dem typischen Schulkram, lernen, genervt sein und Tuscheleien über den Schulflur, das kennen wir doch alle, daran können wir uns zurückerinnern und sind somit direkt in der Geschichte. Aber schnell wird klar, da steckt aber noch einiges mehr in den Figuren und wir steigen immer tiefer in die Geheimnisse, Gefühle und Erlebnisse ein. Dieser Tiefgang ist unglaublich einfühlsam, aber auch authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Genau so könnte es wirklich sein und genau deshalb kann man es so gut nachempfinden. Diese Spirale von Jugendgruppen, welche Einflüsse, Umgebungen oder auch die Suche nach Liebe, ein Leben steuert und beeinflusst. Die Sichten aus beiden Seiten von Opferrolle und Täter ist mehr als gelungen. Ab wo es nicht mehr nur lustig ist und ab wo muss sich entscheiden, was richtig ist. Wo fängt Verantwortung an und bin ich bereit, dass Richtige zu tun, aber auch kann ich verzeihen. Ist eine zweite Chance überhaupt möglich.

Die Autorin hat viele Sichten beigesteuert, einige Gedanken und manche Denkanstöße gesetzt und einen dabei mehr als gut unterhalten. Ich habe einfach mitgelitten, mitgefiebert und manchmal einfach nur vor Freude gelacht. Drei unterschiedliche Figuren und die lebensecht beschrieben und einfach für jedes Leserherz gemacht sind. Ich wollte die Geschichte gar nicht mehr loslassen.

Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln, ist eine einnehmende Mischung aus Humor und Tiefgang. Diese Autorin schaut in die Seele ihrer Figuren und macht diese für uns sichtbar und lebendig. Ich liebe diese Geschichte.

Henry und ich machen mit dieser Autorin gerne Gedankenspaziergänge und deshalb gibt es die vollen Bücherpunkte:


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Über die Autorin:


Adriana Popescu, 1980 in München geboren, arbeitete als Drehbuchautorin fürs Fernsehen, schrieb für verschiedene Zeitschriften und studierte Literaturwissenschaften, bevor sie sich ausschließlich dem Schreiben von Romanen widmete. Mittlerweile harrt eine große Fangemeinde ihren nächsten Veröffentlichungen entgegen, die in mehreren großen Publikumsverlagen erscheinen.

Quelle: cbj Verlag

Vielen lieben Dank an den cbj Verlag für das  Rezensionsexemplar.

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