Montag, 20. Januar 2020

Rezension: Melanie Raabe * Die Wälder

Broschiert: 432 Seiten
Verlag: btb        
ISBN-13: 978-3442757534
Preis: 16,00 EUR
E-Book: 12,99 EUR 
Reihe: 1/1  
Erscheinungsdatum: Dezember 2019 


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Inhalt:
Nina kommt von einer sehr langen Schicht aus dem Krankenhaus nach Hause und erhält dort die Nachricht, das ihr bester Freund Tim gestorben ist. Tim, eine Freundschaft aus Kindertagen, die das Erwachsenwerden überdauert hat und der sie vor seinem Tod noch mehrfach probiert hat zu erreichen. Nina kann es nicht fassen und entdeckt in der Post noch einen Brief von Tim, mit einer Aufgabe. Sie soll seine Schwester finden und den Täter stellen. Das bedeutet zurück ins Dorf ihrer Kindheit, in die endlosen unheimlichen Wälder und sich erneut der Vergangenheit stellen. Ein Plan, der unwirklich ist, unausführbar und doch ist es Tim‘s letzter Wille. Kann Nina diesen Wunsch erfüllen? Stellt sie sich der Vergangenheit? Wird sie zu den Ort zurückkehren, denn sie niemals mehr betreten wollte?

Meinung:
Die Wälder, ist der vierte Thriller, den Melanie Raabe beim btb Verlag veröffentlicht hat und da ich ihre Bücher immer sehr mochte, musste ich natürlich auch diesen lesen. Mit ihrem ersten Thriller „Die Falle“ hatte sie mich so begeistert, ihrer Art zu erzählen, ist so fesselnd gewesen und macht einfach Spaß. Nun habe ich mich in die düsteren Wälder begeben und ob ich heile daraus hervorgegangen bin, erzähle ich euch nun.

Nina ist mit ihrem Beruf verheiratet, als Ärztin ist sie damit vollkommen ausgefüllt und ansonsten hat sie ihren Hund. Ihr soziales Umfeld hält sich damit in Grenzen, aber mit Tim hatte sie immer Kontakt gehalten. Dabei begann diese Freundschaft in Kindheitstagen und obwohl sie damals verzog, hatten sie das besondere Glück ihre Verbundenheit zu bewahren. Deshalb trifft sie sein Tod auch wie ein Schock und die damit verbundene Aufgabe in einem großen Zwiespalt. Immerhin ist in ihrer Kindheit was Schlimmes passiert, was ihr handeln und denken geprägt hat und was keiner aus der damaligen Truppe wirklich überwunden hat. Zu den anderen hat sie nicht mehr wirklich Kontakt, aber was soll sie diesen auch erzählen, dass sie eine Aufgabe von Tim bekommen hat. Nun schwankt Nina mit sich, soll sie sich dem allen stellen, oder Vernunft bewahren und nicht dem Irrsinn verfallen.

Somit ist Nina auch unsere Hauptprotagonistin und oft schwer zu verstehen. Eine Ärztin die sich einen irren Plan annimmt und Hals über Kopf agiert. Aber damit ist sie nicht die Einzige auch David, der beste Freund von Tim taucht in den Plan auf und als Polizist reagiert er nicht besser als Nina. Der Versuch das alles besser zu verstehen, befindet sich in ihrer Kindheit, wo ein Verbrechen stattgefunden hat, was die Kinder damals mehr als nur traumatisiert hat. Dieses Erlebnis hat ihr Erwachsenwerden beeinflusst und bestimmt in den Tiefen, ihres Unterbewusstseins immer noch über ihre Ängste und Gefühle. Keiner der damaligen vier konnte damit abschliessen und nun, durch Tim, stehen sie vor der Auflösung, aber ist das der richtige Weg dazu.

Melanie Raabe ist eine Geschichtenerzählerin und ihr Sound ist einfach unglaublich toll und atmosphärisch und macht aus ihren Büchern etwas Sogmäßiges. Man spürt ihre Geschichten förmlich körperlich mit und davon lebt auch dieses Buch, nämlich von der Atmosphäre. Wenn sie von den Wäldern spricht, bekommt man Gänsehaut, kann die Nacht sehen, das Unheil schmecken und schaut sich auch ganz gern über die Schulter, ob da auch wirklich kein böser Nachbar steht. Aber das allein reicht für einen Thriller nicht ganz aus, oder? Die Idee, abwechselnd die Kapitel mit der Aufgabe und dann mit den Kindheitserinnerungen zu erzählen, passt am Anfang schon ganz gut und hat auch einen kleinen Clou, der ein bisschen in die Irre führt, aber es füllt auch mehr Seiten. Was aber wirklich überraschte, dass die Lösung einfach unspektakulär mittendrin erscheint und mehr im Sande verläuft, als einen zu packen und erstaunt zurückzulassen. Ich glaube hier passt einfach die Bezeichnung Thriller nicht so gut, es ist eher ein Roman, denn im Grunde geht es um die vier Freunde und wie ein schlimmes Erlebnis das eigene Leben unbewusst bestimmt.

Die Wälder sind toll geschrieben und das führt durch die Geschichte, aber es zieht sich auch sehr in die Länge. Dazu kommt, dass die Handlung der Figuren für einen selbst nicht immer ganz schlüssig ist und die Spannung, ist oft ein bisschen für den Leser manipuliert. Aber ich habe es trotzdem gern gelesen, den Anfang fand ich wirklich stark und diese kleinen Unheimlichkeiten perfekt in Szene gesetzt, aber ansonsten kam nicht so viel Inhalt, vielleicht ein bisschen zu wenig und mit der Auflösung bin ich nicht wirklich ganz glücklich, denn diese passierte 100 Seiten vor Ende und danach kam eigentlich mehr, als die Reinigung für die Kindheitsgeschehnisse.

Die Wälder sind definitiv anders als erwartet, atmosphärisch, absolut, eine Fallstudie, was ein Trauma in der Kindheit mit vier Freunden macht. Aber als Thriller fand ich es etwas mager und auch an einigen Stellen fragwürdig. 

Henry und ich fanden die Atmosphäre klasse, aber die Story etwas mau, deshalb drei Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


MELANIE RAABE wurde 1981 in Jena geboren. Nach dem Studium arbeitete sie tagsüber als Journalistin – und schrieb nachts heimlich Bücher. 2015 erschien DIE FALLE, 2016 folgte DIE WAHRHEIT, 2018 dann DER SCHATTEN. Ihre Romane werden in über 20 Ländern veröffentlicht, mehrere Verfilmungen sind in Arbeit. Melanie Raabe betreibt zudem gemeinsam mit der Künstlerin Laura Kampf einen erfolgreichen wöchentlichen Podcast rund um das Thema Kreativität, „Raabe & Kampf“. Melanie Raabe lebt und arbeitet in Köln.

Quelle: btb Verlag

Weitere Romane von Melanie Raabe:

https://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/Der-Schatten_lid_36759808.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/Die-Falle_lid_25995775.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Melanie-Raabe/DIE-WAHRHEIT_lid_29702068.html?storeID=barbers



Vielen lieben Dank an den btb Verlag für das  Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Salut, Inga.
    Da das Buch nicht auf die Auflösung (in einer Konfrontation)hinausläuft, ist die andere Erzählstruktur vielleicht der Ansatz der Autorin, anders (& anderes)zu erzählen. Wie Du schreibst, ein wenig mehr das Drama, als der Thriller.
    Anzunehmenderweise wird sich Schoko selbst wohl nicht in einen Wald begeben möchten... ;-)
    bonté

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    1. Bonjour Robert,

      das mag schon sein, aber für mich war es dadurch zu wenig, an Inhalt, bzw. wurde es dadurch recht in die Länge gezogen. Naja, ich mag ihre Bücher trotzdem total gern.

      Ach, der Schoko, der begibt sich lieber zu seinen Katzenpapa auf die Couch :-)

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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