Montag, 25. Mai 2020

Rezension: Angie Kim * Miracle Creek

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: hanserblau
ISBN-13: 
978-3446266308
Preis: 22,00 EUR
E-Book: 16,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: März 2020
Übersetzer: Marieke Heimburger




Inhalt:
Familie Yoo ist nach Miracle Creek gezogen und bietet dort Überdruckbehandlungen an. Dazu benötigt man ein U-Boot, was sich in einer Scheune befindet und deren Benutzung für allerlei Krankheitsbilder verwendet werden kann. So wäre es ein ganz normaler Tag gewesen, wenn da nicht diese Demonstrantinnen wären, der Stromausfall und am Ende des Tages steht der Sauerstofftank in Flammen. Zwei Menschen sterben dort drin. Kitt, die Mutter von fünf Kindern ist und der autistische achtjährige Henry. Die Ermittlungen beginnen und schnell kommt es zur Anklage, gegen Elizabeth, Henrys Mutter. Diese sitzt nun vor Gericht und während die Beweise erdrückend sind und man immer mehr an ihre Schuld glaubt, entspinnt sich ein Netz aus, Geheimnissen und Verrat der anderen Beteiligten. Ist Elizabeth an dem Tod ihres Sohnes wirklich schuld? Wie hat sich diese Brandstiftung wirklich zugetragen? Könnte es auch anders gewesen sein?

Meinung:
Letztes Jahr habe ich aus dem Verlag „Der Gesang der Flusskrebse“ gelesen und das hatte mir sehr gefallen. Nun beim Durchstöbern der Frühjahr-Vorschauen sprang mir dieses Buch direkt ins Auge. Auch wieder eine etwas ruhigere Geschichte, die durch einen guten Klappentext direkt Lust auf mehr macht, weil man das große Ganze einfach erfahren möchte und ob diese Mutter wirklich ihr Kind auf dem Gewissen hat. Nun habe ich es gelesen und wie mir diese Geschichte gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Dieser Roman wird aus verschiedenen Sichten erzählte, was ein unglaublicher guter Ausgangspunkt ist. So erleben wir das Geschehene aus verschiedenen Blickwinkeln heraus, erkennen, das es da dunkle Lücken gibt und das es vielleicht doch anders gewesen sein könnte. Aber zuerst kommt das Ereignis selbst und wird von Young Yoo berichtet, diese steigt schon mit der ersten Lüge ein, das nämlich sie am Kontrollpult saß und nicht ihr Mann und dann gab es den Knall und ihr ganzes Leben steht kopf. Ihr Mann sitzt nun im Rollstuhl und ihre Tochter ist gebrandmarkt. So hatten sie sich ihr Leben in Amerika nicht vorgestellt, deshalb haben sie nicht alles auf sich genommen und haben Korea verlassen, damit ihre Tochter eine bessere Zukunft hat. Nun sitzen sie vor Gericht und schauen Elizabeth auf der Anklagebank an. Young geht ihrem Gedanken nach, ihrer Geschichte und das soll sie nicht nur allein, jeder aus der Runde der Beteiligten hat seine Geschichte und seinen Beitrag an dem Geschehen.

Gleichzeitig erleben wir die Gerichtsverhandlung und die hat es in sich, der Staatsanwalt beginnt und man ist geschockt, erstaunt und zweifelt kein bisschen an der Schuld, der Angeklagten. Zermürbend, stichfest und unantastbar scheinen die Beweise zu sein, dazu kommt noch das Verhalten der Angeklagten, die teilnahmslos dabei sitzt und keine Regung von sich gibt. So scheint es im ersten Blick keine Zweifel zu geben. Aber dann kommt die Verteidigung und man knickt ein, die Beweise sind mehr Indizien, Hören Sagen und auf keinen Fall beweisen sie ihre Schuld. So ist man als Leser Hin und Her gerissen und weiß, hier wird man der Wahrheit nicht auf den Grund gehen, sondern man muss in die Köpfe der Zeugen gucken, da könnte doch das eine oder andere erhellende dabei sein.

Angie Kim baut dadurch einen absoluten Lesesog auf, man ist wirklich an die Seiten gefesselt, erfährt so viel und ist sich ganz im Klaren, hier stimmt etwas nicht, aber das wie, ist die große Frage. Eigentlich packt die Autorin jede Menge menschlicher Probleme ein. Kinderwunsch, Ehefrust, Entfremdung, Einsamkeit, Rassismus, Missbrauch, Sorgen und natürlich auch die Betreuung eines besonderen Kindes. Die Last der Mütter, von Kindern mit Behinderung und deren Aufopferung. So ist Elizabeth eine Vorzeige-Mutter, die aus ihrem autistischen Sohn, einen normalen Mitmenschen machen möchte. Einer der Gefühle versteht und ablesen, verstehen und wieder geben kann. Dafür nimmt sie alles auf sich, ein Termin jagt den Nächsten, Ernährung, Lernzeit und Fortschritt steht jeden Tag auf ihrem Plan. Manche empfinden sie übermotiviert, übertrieben und verstehen ihren Wunsch nach immer mehr nicht. Das ist ein zentrales Thema in der Geschichte, wie gehe ich mit so einem Kind um, wie sieht es bei den Müttern im Inneren aus und kann diese Last zu einer Kurzschlussreaktion führen.

Diese Autorin überrascht, stimmt nachdenklich und packt die Gefühle sehr einfüllig an und trifft dadurch einen tiefen Kern. Außerdem lässt sie einen immer ständig neu überdenken, denn aus einer Sicht, ist die Handlung vielleicht gut, aber ein andere sieht es anders. Das macht aus dieser Geschichte wirklich ein spannendes Buch und es steigert sich immer zu. Konflikte brechen auf, Nervenkitzel setzt ein und ich war auf die Lösung mehr als gespannt. Ich habe das Buch extrem gern gelesen, da es eine tolle Mischung war und allein die Herangehensweise mit der Gerichtsverhandlung absolut genial zu lesen war. Eine Geschichte, die ihrer 500 Seiten gerecht wird.

Miracle Creek ist ein Buch über die Schwäche der Menschen, einfühlsam, spannend und genial erzählt. Ich kann es nur empfehlen.
 
Henry und ich fanden das Buch ganz toll und dafür die kompletten Bücherpunkte:

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Über die Autorin:


Angie Kim wurde in Südkorea geboren und kam als Teenager nach Baltimore. Sie studierte Jura in Stanford und Harvard und arbeitete als Anwältin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Virginia. Einer ihrer Söhne war jahrelang in Sauerstofftherapie. Miracle Creek ist ihr erster Roman. 


Vielen lieben Dank an den hanserblau Verlag für das  Rezensionsexemplar.

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