Montag, 18. Mai 2020

Rezension: Claire Adam * Goldkind

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten 
ISBN-13: 978-3455005981
Preis: 23,00 EUR 
E-Book: 16,99 EUR 
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Januar 2020
Übersetzer: Marieke Heimburger und Patricia Klobusiczky 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Clyde hat Feierabend und kehrt zu seiner Familie zurück, seit diese im eigenen Haus überfallen wurde, mit gemischten Gefühlen. Was könnte der heutige Abend bringen und siehe da, einer der Söhne ist noch draußen unterwegs. Es wird immer dunkler, die Tiere der Nacht erwachen langsam und nur auf Bitten seiner Frau, macht sich Clyde auf, um seinen Sohn zu suchen, aber vergebens. Dieses Kind macht ihm nur Scherereien, wütend und ohne ihm kehrt er nach Hause zurück, wenn der heimkommt, kann er was erleben. Wie können Zwillingsbrüder nur so unterschiedlich sein. Peter der Kluge und Paul, das Problemkind. Paul kommt nicht heim, das Warten zieht sich hin und dann melden sich die Entführer. Ihre Forderung ist ungeheuerlich und Clyde muss sich, für eins der Leben seiner Kinder entscheiden. Soll er auf die Forderung eingehen? Gibt es überhaupt für Paul Rettung? Und kann er wirklich die Entscheidung treffen, ein Kind zugunsten des anderen zu opfern?

Meinung:
Dieses Buch hat mich schon in der Vorschau total angesprochen, weil die Thematik einfach ungeheuerlich ist und die Qual, sich für ein Kind zu entscheiden unmöglich erscheint. Dazu kommen noch begeisterte Worte von Sarah Jessica Parker dazu und ja, ich wollte es unbedingt lesen. Dieses vom Cover her unschuldige Buch, was mit starken Inhalt aufwartet. Wie mir die Geschichte über die Zwillingsbrüder gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Diese Geschichte wird in drei Teilen erzählt. Im ersten werden wir direkt ins Geschehen geworfen, Clyde kommt nach Hause, ist froh, das seine Lieben wohl auf sind, und ist gleichgültig darüber, das einer seiner Söhne fehlt, das Problemkind. Er wünscht sich Ruhe, weniger Verantwortung, aber das Quengeln seiner Frau, lässt ihn schlussendlich keine Wahl und er muss Paul suchen gehen. Die Nacht legt sich über den Dschungel und Clyde muss sich nun da durchschlagen, ohne wirklich zu wissen, wo sich sein Sohn rumtreiben könnte. Die Suche bleibt erfolglos, wütend, verärgert und mit dem Gedanken an eine Standpauke hält er im Wohnzimmer über Nacht Wache, aber Paul bleibt verschwunden.

Der zweite Teil der Geschichte erzählt die Familiengeschichte. Clyde der sich immer aus allem raus hält und nur wegen seiner Frau, ihre Familie willkommen heißt. Wie ein Leben in Trinidad verläuft, welche Sorgen ihn Plagen, welche Last auf seinen Schultern liegt und wie diese Familie tickt. Dazu erzählt es die Geschichte, von den beiden Söhnen, Zwillinge, Peter und Paul. Peter, der Überflieger, das Goldkind, der ein Vorzeige-Sohn ist, auf den man stolz ist, da er in der Schule als Talent gilt und mit Förderung und Stipendien rechnen kann. Dagegen steht Paul, bei dessen Geburt es Komplikationen gab und der sich sein ganzes Leben lang anhören muss, das er zurückgeblieben ist. Einer der nur Probleme macht, der still und mit seinen langen Haaren merkwürdig erscheint. Ein Kind, wie man es sich nicht wünscht. Und dieses verschwindet nun und was dahinter steckt, wird im dritten Teil erzählt.

Claire Adam hat eine Geschichte erzählt, die einen hart packt, mit brutaler Offenheit überrumpelt und einen wirklich gespannt den Atem anhalten lässt. Das Leben in Trinidad ist schwer und ich musste erst ein Mal nachschlagen, wo das Land überhaupt liegt. Mir war diese Gegend nicht wirklich bekannt, das Leben umso weniger und wie es dort gesellschaftlich zugeht. Ein Land wo man sich in der Nacht hinter seinen Mauern versteckt, wo der Dschungel direkt gegenüber ist und ein Leben nicht wirklich etwas wert ist. Wo es kriminelle Banden gibt, Gangster an jeder Ecke und in jeder Familie. Wo das Wort Geld, Missgunst und Habgier hervorruft und eine komplette Familie in den Ruin schicken kann. Clyde wollte sich da immer raus halten, ist lieber bescheiden am Rande der Gesellschaft und versucht, seine Werte an seine Söhne weiterzugeben und doch erreicht ihn eine unglaubliche Forderung.

Die Autorin, die selbst in Trinidad geborgen und aufgewachsen ist, erzählt hier mit einer brutalen schonungslosen unaufgeregten Offenheit über die Ereignisse und vieles konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Dass die Familie zuerst so ruhig geblieben ist, dass Peter seinem Bruder so gleichgültig gegenüber steht, dass alles Clyde entscheidet und was er überhaupt vor hat. Dieses Buch ist sehr intensiv und das auf so vielen Schichten, gesellschaftskritisch, familiendramatisch und ein Mafiakomplott. Man ahnt schon, wohin das alles am Ende führen wird, ist aber nicht willens es zu glauben, es zu begreifen, immer noch hoffte ich auf eine andere Lösung. Ein Roman, der einen extrem durchschüttelt und auch danach noch lange beschäftigt.

Goldkind ist schonungslos, intensiv, brutal und mitreißend erzählt. Eine Geschichte, die berührt, erschreckt und so viele Genre miteinander verbindet.
 
Henry und ich haben dieses Buch mit großem Interesse gelesen und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Claire Adam wurde in Trinidad geboren, wo sie auch aufwuchs. Sie studierte Physik an der Brown University in Rhode Island und erwarb später einen Master in Creative Writing am Goldsmith College der University of London, der Stadt, in der sie auch heute lebt.



Vielen lieben Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar.  

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