Montag, 28. Mai 2018

Rezension: Julia Fischer * Die Fäden des Glücks

Broschiert: 384 Seiten 
Verlag: Knaur Verlag
ISBN-13: 978-3426226551
Preis: 14,99 EUR 
E-Book: 12,99 EUR 
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: April 2018 


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Inhalt:
Carlotta Calma ist eine begabte Schneiderin, denn sie hat das Talent bei jedem Kunden eine wahre Wandlung herbei zuführen, optisch wie seelisch. Aber hat sie auch selbst ihren Platz im Leben gefunden? Irgendwie lässt sich das eigene Glück nämlich nicht wirklich bei ihr sehen, dafür ist sie der Dreh- und Angelpunkt in ihrer Familie. Eine sprunghafte Mutter und zwei jüngere Geschwister, deren sie mehr Erziehungsberechtigte ist, als Schwester und eine Liebe aus Kindertagen, der sie immer noch nachhängt. So stürzt sie sich in ihre Arbeit und macht aus jeder Frau eine Schönheit und dabei träumt Carlotta vom Reisen. Aber so soll es nicht bleiben, denn ihr Jugendfreund Daniele kreuzt ihren Weg und werden da alte Gefühle wieder entflammt? Oder sieht das Leben einen anderen Weg für Carlotta vor? Denn plötzlich nimmt ihr Blickfeld noch einen anderen Mann wahr, der sich zwar diskret im Hintergrund hält, aber trotzdem immer mehr Raum in Carlottas Gedanken Einzug hält. Wer ist er? Warum hält Carlotta an der Vergangenheit so fest? Und welches Abenteuer hält ihr Glück für sie bereit?

Meinung:
Ein Buch von Julia Fischer ist ein Versprechen zum Träumen, Wohlfühlen und die Freude ihren Worten zu lauschen. Irgendwie entführt sie mit ihren Geschichten in eine andere Sphäre, die sie mit ihrer wunderschönen Erzählkraft untermalt und einen glücklich zurück lässt. Ob ihre Reise nach Turin ein ähnliches Gefühl, wie bei ihrem Vorgänger, bei mir zurückgelassen hat, erzähle ich euch nun.

Eins vorab, Julia Fischer bleibt Italien treu und entführt uns nach Turin und in die Welt der Stoffe. War es vorher der berauschende Duft war, sind es nun die opulenten Ballen aus herrlicher Wolle. Dazu kommt noch ein Spritzer Oper und eine junge Frau, die ein bisschen was von Aschenputtel und hässlichen Entchen hat und schon sind hervorragende Grundlagen für eine zauberhafte Geschichte gelegt.

Nehmen wir also Carlotta etwas näher unter die Lupe. Sie ist die älteste Tochter von Mimi, der Gewandmeisterin an der Turiner Oper, da ist, Drama und die Liebe zu Stoffen ja vorprogrammiert. Außerdem ist sie als junges Mädchen noch mit zwei kleinen Schwestern gesegnet worden und nimmt sich deren an, da ihre Mutter ganz gern leidenschaftliche Tête-a-Têtes mit Opernsängern hat. Die verschiedenen Väter spielt so im Leben der Töchter nie eine Rolle. So ist Carlotta, die als Kind recht rundlich geraten war, nun zu einer Schönheit herangereift und hat die Leidenschaft für Stoffe zu ihrem Beruf gemacht. Ihre Schneiderei kann sich auch die einfache Frau leisten und ihre Besonderheit ist es, in jedem Kleidungsstück eine passende Botschaft für den zukünftigen Träger hinein zu sticken. Aber insgeheim ist Carlotta auch etwas einsam, immer wurde sie in ihrem Leben fremdbestimmt und hat sich nie was Eigenes gegönnt, oder den Mut gehabt ihre Träume zu leben. Vielleicht ist sie deshalb, so bodenständig und ihrer Altersgruppe so weit hinaus erwachsen geworden. Tja, und wie das Schicksal so will tritt die Familie Giordano ein zweites Mal in ihr Leben, aber ganz anders als Carlotta sich es erträumt hatte.

Julia Fischer bezirpst ihren Leser, lässt ihn Stoffe bewundern, Figuren kennenlernen und bevor man sich versieht, ist man in ihren Fäden eingesponnen und berauscht sich an den Farben und Tönen. Diesmal gibt es ein ganzes Sammelsurium an tollen Figuren, genervte Butler, sympathische Kleinkriminelle, intrigante Ex-Ehefrauen, überzogene Models, große Filmstars und vieles mehr, was zum Schmunzeln und Entdecken einlädt. Köstlicher Spaß auf so vielen Seiten. Einfach herrlich gezeichnet, harmonisch eingefügt und keinen Spritzer zu viel vertan. Auch die Liebesgeschichte erinnert einen an eine ganz besondere Köstlichkeit, ganz zart, fast schüchtern packt man diese aus und dann möchte man sie nicht essen, da diese einfach zu sehr zum Bewundern ist und doch kann man nicht widerstehen. Diese beiden Liebenden machen es einem auch wirklich nicht leicht und treiben den Leser wirklich an seine Grenzen, das war schon ein bisschen Folter.

Aber was wieder wirklich eine wahre Verzückung war, ist einfach die Sprache, die Klangfarbe ihres Erzählstils, die unglaublich talentierte Verwendung von Wörtern. Danach fühle ich mich immer ganz berauscht und beschwingt, es ist so traurig, das wir im Alltag so wenig mit unserer Sprache spielen. Dabei haben wir solch einen voluminösen Wortbestand zur Verfügung und das ist einfach das i-Pünktchen bei Julia Fischers Geschichten. Die Liebesgeschichte ist toll, aber mit den verwendeten Worten ist es ein Gedicht, was verzückt und einem einfach in eine andere Welt bringt. Ich bin absolut begeistert und hätte jetzt gern sofort die nächste Geschichte von dieser Autorin. Das Einzige, was ich hier nur anmerken möchte, ist, es gab zu wenig Szenen der beiden, wirklich zu wenig, man lechzte förmlich durch die Seiten! Frau Fischer das war sehr sehr gemein und verdammt gut konzipiert.

Die Fäden des Glücks ist ein ganz zauberhafter stilechter Roman, der einem nicht nur in Urlaubsstimmung bringt, sondern einem Eintauchen lässt, in die Welt der Stoffe und Farben. Mit einer ungewöhnlichen aber auch ehrlichen Liebesgeschichte, die einem mitfiebern lässt. Ich bin wieder ganz verzückt.
 
Henry und ich sind durch diese Geschichte geschwelgt und dafür gibt es die vollen Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:
   


Julia Fischer (geb. 1966) ist Schauspielerin und lebt mit Mann und drei Kindern in München. Sie arbeitet auch als Sprecherin und hat zahlreiche Hörbücher eingesprochen.




Weitere Werke der Autorin:

https://www.genialokal.de/Produkt/Julia-Fischer/Sehnsucht-auf-blauem-Papier_lid_25275258.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Julia-Fischer/Die-Galerie-der-Duefte_lid_31734406.html?storeID=barbers

1. Buch I 2. Buch: Rezension

Vielen lieben Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Salut, Inga.
    Ich denke die Bühne allen Erzählens ist der ideale Ort, um der Sprache jeden Anmut zu verleihen, den eine Situation bedingen könnte. Der Alltag dagegen ist eben zusehr dem Alltag geschuldet.
    Aber es stimmt - ein formvollendetes Parlieren (dies zumal zwischen Figuren, denen wir jedes Glück gönnen) offenbart allerlei Reize. Kein Wort, dem nicht eine Rose anhängen würde.

    bonté

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    1. Ciao Robert,

      das ist doch das Schöne an einer Geschichte, einfach wegträumen und raus aus dem Alltag. Das verschönert doch uns die Routine ;-)
      Diese Beiden waren eine ganze verlockende Parliene-Schachtel.

      Ganz liebe Grüße
      Inga

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  2. Hallo,

    irgendwie juckt es mir jetzt in den Fingern, mal wieder meine Nähmaschine rauszukramen, ich habe ewig nichts mehr genäht...

    Schöne Rezension, das Buch klingt nach einer bezaubernden Geschichte!

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,

      du kannst nähen!!! Dann mach das, oder liess erst das Buch und lass dich verzaubern, oder anstecken mit Ideen und Stoffen ... es lohnt sich ;-)

      Danke fürs verlinken und ganz liebe Grüße
      Sharon

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