Montag, 17. August 2020

Rezension: Fabio Geda * Ein Sonntag mit Elena

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: hanserblau
ISBN-13: 
978-3446267954
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 15,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: August 2020
Übersetzer: Verena von Koskull




Inhalt:
Es ist Sonntag in Turin und in der Küche des damaligen Ingenieurs ist Chaos ausgebrochen, denn er hat sich vorgenommen, für die Familie seiner ältesten Tochter zu kochen. Da soll es Leibspeisen geben und diese nach den Rezepten seiner verstorbenen Frau, es riecht sogar wie früher und dann kommt der Anruf. Sie kommen nicht, da eine von den Enkelinnen vom Baum gefallen ist. Frustriert und besorgt hält er es nicht mehr in der Wohnung aus und geht spazieren. Die Stadt scheint zu schlafen und wenig Leute sind unterwegs, dann trifft er im Park auf Elena und ihrem Sohn Gaston. Sie unterhalten sich nett und tauschen sich aus und da fällt ihm das Essen ein und lädt diese beiden einfach zum Mittag ein. Ist das eine gute Idee? Werden sie die Einladung annehmen? Und was ist mit seinen anderen Kindern?

Meinung:
Ich habe ja eine Vorliebe für italienische Autoren, die können so toll schreiben oder zumindest treffen sie genau meinen Geschmack. Es ist immer dieses besondere Gefühl von Leben enthalten und der Leichtigkeit, dieses zu leben und diese Geschichte, klingt total danach. Also habe ich an einem Sonntag zu dieser Geschichte gegriffen und sie in einen Rutsch verschlungen. Wie sie mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die komplette Geschichte wird von der jüngsten Tochter Giulia erzählt und das ruft sofort ein Gefühl von Kindheitserinnerungen hervor. Ihr Vater war Ingenieur und auf der ganzen Welt unterwegs, um Brücken zu bauen. Große, kleine, komplizierte oder dringend benötigte. In seinem Beruf ging er auf und zu Hause hatte er seine wunderbare Frau und die Mutter seiner drei Kinder. Die älteste Sonia, lebt mit ihrer Familie auf dem Land, der Sohn Alessandro lebt in Helsinki und mit Giulia, spricht er nicht mehr. So war der einstige Brückenbauer nicht in der Lage, die Brücken zu seinen Kindern aufrecht zu erhalten. Nun ist er einsam und nach dem Unfalltod von seiner Frau, der gemeinsamen Zeit beraubt. Aber er gibt sich Mühe und möchte endlich seine älteste Tochter nach Hause einladen und für ihre Familie kochen. So öffnet er das Rezeptbuch seiner Frau und versucht aus ihrer Handschrift schlau zu werden und hofft, das die Dinge, die er kocht, auch köstlich sind. Mit seinem Resultat und den erwachten Erinnerungen zufrieden, kommt dann doch der böse Anruf und alles war umsonst. Aber er darf so was nicht sagen, sondern sorgt sich um die Enkelin, die vom Baum gefallen ist. Nur was macht er mit dem Essen.

Die Geschichte ist eigentlich kurz erzählt, aber durch die ganzen angehäuften Erinnerungen und erzählten Lebensabschnitte, wird der Roman tiefgründiger und intensivier. Es ist die Geschichte einer Familie, die sich mit der Zeit entfremdet und doch zeigt, wie wichtig Kindheitserinnerungen sind, wie wichtig der Platz zu Hause ist und welcher Inbegriff Familie hat. So trifft der Papa auf eine junge Frau und ist über sich selbst überrascht, dass er sie zum Essen einlädt. Immerhin könnte sie ihn auch beklauen, aber er spürt auch bei Elena eine Einsamkeit, die ihm an diesen Tag nicht fremd ist. So unterhalten sie sich, erzählen sich Lebensanekdoten und stupsen sich gegenseitig zu Neuanfängen an. Es ist die Besonderheit von Begegnungen mit Fremden, die eine andere Sicht der Dinge haben können, weil sie nicht mit der Familie verwurzelt sind und somit einen neuen Einblick bieten.

Obwohl die Geschichte ein ganzes Leben umspannt ist sie mühelos zu lesen, sorgt für melancholische und gleichzeitig heitere Momente. Eigentlich schafft es der Autor einen selbst noch mal ein bisschen in die Kindheit zurückzuversetzen und einen bildlich zu zeigen, welche schönen Momente einen prägen und was einen später immer noch beschäftigt. Familie ist ja ein Thema, was jeder mit sich trägt und diese Entfremdung ist, glaube ich vielen bekannt, das man aber auch hier zusammenwachsen kann und neue Wege findet, ist einfach perfekt für einen Sonntag. Ganz ehrlich nach der Geschichte hatte ich ein wollig warmes Gefühl im Bauch, sonnige Kindheitserinnerungen im Kopf und Lust auf einen Kuchen meiner Mutter. Ein Buch also was voller Wärme, Glück und Erinnerungen ist. Ich mochte es wirklich sehr gern.

Ein Sonntag mit Elena, ist nicht nur ein Mittagessen, sondern beinhaltet ein ganzes Leben, voll Glück, Zuversicht und den Mut für Neuanfänge. Herrlich erzählt, mit berührenden Charakteren und einer wunderbaren Atmosphäre, die nur Familienrezepte hervorrufen.
 
Henry und ich finden diese Geschichte ganz wunderbar und deshalb gibt es die vollen Bücherpunkte:


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Über den Autor:


Fabio Geda, 1972 geboren, arbeitete viele Jahre mit Jugendlichen und schrieb für Zeitungen. Bereits sein erster Roman Emils wundersame Reise war in Italien ein Überraschungserfolg; das Buch Im Meer schwimmen Krokodile brachte ihm international den Durchbruch und stand auch in Deutschland auf der Bestsellerliste. Fabio Geda lebt in Turin. 


Vielen lieben Dank an den hanserblau Verlag für das  Rezensionsexemplar.

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