Sonntag, 6. Januar 2019

Rezension: Petra Hartlieb * Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Dumont
ISBN-13: 
978-3832198879 
Preis: 18,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1 
Erscheinungsdatum: Dezember 2018 


Leseprobe? Kaufen? 


Inhalt:
Eine Buchhandlung in der Weihnachtszeit zu führen, ist nicht immer ein Spaß. Der Laden muss weihnachtlich geschmückt sein, die Auswahl groß und dann kommen die Kunden in Scharen. Diese wollen natürlich die beste Beratung, stellen die verrücktesten Fragen, suchen Bücher nach Fernsehtips aus, wobei der Titel des Buches verloren ging und das bitte alles superschnell. Diese hektische Zeit schildert hier Petra Hartlieb aus ihrer Buchhandlung in Wien. Lässt uns hinter die Ladentheke gucken, die nächtliche Warenannahme sichten und bei der alltäglichen Wahnsinnsaufgabe zuschauen. Ob sie wohl alles schaffen werden? Können Sie jeden Wunsch erfüllen? Und wie sieht eigentlich die Vorweihnachtszeit eines Vollblut-Buchhändlers aus?

Meinung:
Ich sollte vielleicht vorab erwähnen, dass ich „Meine wunderbare Buchhandlung“ nicht gelesen habe, sondern nur ihre Jahreszeitenreihe vom Kindermädchen Marie Haidinger. Außerdem habe ich dieses Buch auch gar nicht auf dem Schirm gehabt, sondern es wurde mir geschenkt. Überraschend, unverhofft, aber mit viel Liebe. Und da Weihnacht war und es das Fest der Liebe ist, habe ich es an dem ersten Weihnachtstag verschlungen. Wie mir der Wahnsinn gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Petra Hartlieb verschönt in ihren Erzählungen nichts, sie bleibt knallhart bei der Wahrheit und kommt dabei nicht immer sonderlich gut rüber. Deshalb ist dieses Buch auch nicht unbedingt die heitere Lektüre, die sich mancher Leser vielleicht wünscht, sondern sie beschreibt wirklich den absoluten Kraftaufwand eines selbstständigen Buchhändlers. Ich kannte schon ähnliche Anekdoten von meinem Buchhändler und ich beneide keinen, wirklich keinen, zu dieser Zeit. Es ist nämlich nicht unbedingt die netteste Zeit mit Kunden, sie fordern, sie sind schnell ungeduldig, sogar patzig, wissen oft alles besser und können alles nicht schnell genug bekommen. Auch das Beraten kostet einfach mega viel Kraft und fordert Energien, die man irgendwann nicht mehr hat. Selbst ich habe es dieses Jahr gemerkt, das meine Lieblingsbuchhändlerin spontan gar keinen Tipp für mich hatte, da sie einfach leer geredet war. Nur geht nicht jeder Kunde verständnisvoll damit um. Allerdings lieben Buchhändler ihren Beruf und gehen meistens darin total auf, sind herzlich und verzücken einen mit Buchtipps, nur die Weihnachtszeit treibt sie an ihre Belastbarkeitsgrenzen.

Genau so beschreibt es Petra Hartlieb, der einfache Wahnsinn der Weihnachtszeit und sie bleibt da nicht bei netten Geschichten, sondern holt da sehr aus. Allein die Vorbereitung ist schon Stress, denn so ein Laden muss von null Komma nix, dass ganze Spektrum an Weihnachtssachen hergeben. Allein das Geschenkpapier auszusuchen ist ein absoluter Akt. Dann die Logistik in einem Buchladen, die neuen Bücher kommen, die Bestellungen und wie viel Bücher in der Zeit von Hand zu Hand gehen ist schirr undenkbar. Außerdem lässt die Autorin nicht nur den Laden in Vordergrund stehen, sondern berichtet auch von den nicht vorhandenen Privatleben. Mit der Familie eine schöne Vorweihnachtszeit zu haben, ist einfach unmöglich und bleibt total auf der Strecke. Nach Ladenschluss, bzw. wenn man mit allem Vorbereitungen für den nächsten Tag fertig ist, möchte man nur eins, etwas essen und nicht reden. Weihnachten ist toll, aber eine Buchhandlung zur Weihnachtszeit ein Krieg.

Für mich waren die kleinen Anekdoten herrlich ironisch geschrieben und bringen einen sehr zum Schmunzeln und man ist sehr solidarisch dabei. Allerdings nimmt die Schattenseite in diesem Weihnachtsgeschäft hier sehr zu, mit jeder weiteren privaten Geschichte fing das Jammern an. Ich kann es leider nicht anders beschreiben, ja es kostet Kraft und ja, man kann irgendwann nicht mehr, aber man fühlt, sich nach dem Lesen einfach schlecht zur Weihnachtszeit in eine Buchhandlung zu gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Absicht war, aber es schleicht sich einfach ein, dass das Leid einfach immer größer zu sein scheint. Und das ist für mich auch ein bisschen der Knackpunkt des Buches, ehrliche Worte sind völlig in Ordnung, aber wie viel Elend darf man als Leser ertragen. So weiß ich ganz ehrlich nicht, wie man dieses Buch bewerten soll. Will man wirklich ehrlichen und privaten Weihnachtswahnsinn von selbstständigen Buchhändlern lesen? Reicht es nicht aus vom Kundenwahnsinn zu erzählen? Ich bin nicht sicher, ob viele das wirklich verstehen, oder es total als Jammerei abtun. Eine schwierige Gratwanderung.

Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung ist kein Zuckerschlecken und bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Ich fand es mutig, sehr ehrlich, aber auch einem dicken Ticken zu viel privates Familiendrama.
 
Henry und ich fanden die Buchhändleranekdoten amüsant und dafür gibt es drei Bücherpunkte:
 
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Über die Autorin:


Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren und ist in Oberösterreich aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und Geschichte und arbeitete danach als Pressereferentin und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. 2004 übernahm sie mit ihrem Mann eine Wiener Traditionsbuchhandlung im Stadtteil Währing, heute »Hartliebs Bücher«. Davon erzählt ihr Bestseller ›Meine wundervolle Buchhandlung‹ (2014). Zuletzt erschienen von ihr ›Wenn es Frühling wird in Wien‹ (2017) und ›Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung‹ (2018).

Quelle: Dumont Verlag


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