Montag, 3. Februar 2020

Rezension: Antti Tuomainen * Klein-Sibirien

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt  
ISBN-13: 978-3498065560
Preis: 20,00 EUR
E-Book: 14,99 EUR
Reihe: 1/1
Erscheinungsdatum: Januar 2020
Übersetzer: Niina Katariina Wagner und Jan Costin Wagner




Inhalt:
Es ist Nacht als der ehemalige Rallye-Fahrer Tarvainen über die Straßen fliegt, sein Begleiter ist der Allkohl und der Wunsch, sein Leben zu beenden. So rast er durch die schneebedeckte Einöde Nordfinnlands, als plötzlich der Himmel sich auftut und ein Meteorit durch sein Autodach kracht. Dieses Stück aus dem All entpuppt sich als millionenschwerer Schatz und bringt die Bewohner von Hurmevaara mächtig durcheinander. Das gute Stück soll vorübergehend ins Museum, bevor es abgeholt wird, damit keiner auf dumme Gedanken kommt, beschließt der Gemeinderat, das man den Meteoriten auch nachts bewacht. Darunter auch der Pfarrer des Ortes, Joel, der auch eine militärische Vergangenheit hat und somit nicht ganz ohne Erfahrung ist. Diese Erfahrung macht sich auch direkt bezahlt, denn man ist hinter dem Meteoriten her und das organisierte Verbrechen schläft nicht. Dabei hat Joel ganz andere Sorgen, seine Frau ist schwanger und eins ist gewiss, er kann nicht der Vater sein. So kämpft der Pfarrer mit der Eifersucht und gegen Berufskriminelle, die nach den Sternen greifen. Wird er den Meteoriten beschützen können? Welche Versuchungen werden sich ihm offenbaren? Und von wem ist seine Frau schwanger?

Meinung:
Ich bin ehrlich gesagt immer hochentzückt, wenn der Rowohlt Verlag einen neuen Roman von Antti Tuomainen herausbringt und Gott sei Dank, passiert das seit drei Jahren im Januar. Somit sind mir herrliche Lesestunden in Januar garantiert und eine skurrile Geschichte noch dazu. Mehr mag ich vorab gar nicht verraten, sonst liest keiner weiter, also erzähle ich doch gleich mal, wie es mir in Klein-Sibirien gefallen hat.

Im Prolog erleben wir eine rasante Fahrt, die einfach unglaublich toll beschrieben ist, wir fliegen über die Straße, sehen links und rechts eine Schneelandschaft, spüren die Kälte und riechen den Dunst vom starken Allkohl und dann macht es BÄMMMMM. Das Ereignis ist geschehen und wir lernen Joel kennen, der Pfarrer, der erst seit zwei Jahren im Dorf ist und sich die Untergangslitanei eines Gläubigen in seiner Sprechstunde anhört. Er ist für einen Pfarrer recht ungewöhnlich, er predigt nicht unbedingt wie ein Geistlicher, er verhält sich nicht starr nach Gottesgesetz, sondern ist eher ein Zuhörer, der die richtigen Worte findet und doch spürt man, das auch er Wunden hat, die noch nicht ganz genesen sind. Eine große Belastung scheint zu sein, dass er seiner Frau immer noch nicht gestanden hat, dass er seit einer Kriegsverletzung unfruchtbar ist. Aber das wird ihn auch gleich in den Abgrund werfen, denn diese eröffnet ihm, dass sie schwanger ist. Er ist sprachlos und durcheinander, seine Krista, das kann nicht sein, bevor er das Gespräch nutzt, verschwindet er lieber in die Nachtschicht ins Museum und bewacht diesen Meteoriten. Aber auch hier erlebt er eine Überraschung, denn er wird überfallen und niedergeschlagen. Er verfolgt die Täter, nur um dann festzustellen, dass sie die falsche Vitrine erwischt haben. Aber nun hat Joel eine Aufgabe, denn er will die Kriminellen fernhalten und Kristas Liebhaber finden.

Das ist das Grundgerüst der Geschichte, wie immer ist diese etwas schräg, ich frag mich immer, wie kommt der Autor nur auf solche Ideen, aber sie sind genial. Ein Spiel aus menschlichen Abgründen und Zwickmühlen der eigenen Moral. Natürlich läuft nicht alles glatt, natürlich eröffnen sich immer neue Probleme und ganz klar gerät unser Joel ins Hintertreffen. Er allein gegen ein ganzes Dorf, zumindest kommt es ihm so vor, denn er sieht jetzt alles mit anderen Augen, hinterfragt jedes Gespräch und sieht hinter allem etwas Verdächtiges. Da tun sich ganz klar Missverständnisse auf und auch seine Ehe läuft gerade ohne ihn, ins Verderben. Wie soll Joel überall Klarheit hinein bekommen, er versucht sein Alltag anders zu gestalten und gerät immer tiefer in Ungereimtheiten. Auch das Versteckspiel mit seiner Frau, bringt ihn an seine Grenzen und dann tauchen auch noch Drohungen auf. Joel muss ein Spiel auf Messersschneide spielen und fühlt sich dem so gar nicht gewachsen.

Klein-Sibirien ist wieder hervorragend geschrieben, ich weiß nicht, wie der Autor das immer hinbekommt, aber er ist ein ganz großer Erzähler. Seine Geschichten sind mit so viel Humor bestickt und auch die Action kommt nie zu kurz, aber das ist nicht alles, denn er spielt auch mit seinen Figuren ein moralisches Zwickmühlen Schach und macht diese somit für uns Leser, lebendig, menschlich, nahbar. Man fühlt mit ihnen, schwankt mit ihren Entscheidungen und Tanz mit ihnen den Krimiwalzer mit melancholischer Melodie. Ich könnte jetzt noch viel mehr Worte des Lobes ausdrücken, oder ich sage einfach, lest es, unbedingt. Eine richtig starke Geschichte die fantastisch unterhält und absolut Spaß macht. Diesen Autor müsst ihr entdecken und unbedingt ausprobieren.

Klein-Sibirien hat mich wieder gepackt, amüsiert, begeistert und jetzt heißt es wieder warten, auf den nächsten Januar. Ein Autor, der eine unvergleichliche Erzählstimme hat und diese wirklich meisterhaft einsetzt. 

Henry und ich finden diesen Finnen mega und sind wohl schon große Fans, deshalb die vollen Bücherpunkte:
 
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Über den Autor:


Antti Tuomainen, Jahrgang 1971, ist einer der angesehensten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde u.a. mit dem Clue Award, dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet, seine Romane erscheinen in über 25 Ländern. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.
 
Quelle: Rowohlt Verlag

Weitere Werke bei Rowohlt:

https://www.genialokal.de/Produkt/Antti-Tuomainen/Die-letzten-Meter-bis-zum-Friedhof_lid_32842857.html?storeID=barbershttps://www.genialokal.de/Produkt/Antti-Tuomainen/Palm-Beach-Finland_lid_36844381.html?storeID=barbers

Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das  Rezensionsexemplar.  

Kommentare:

  1. Hyvää huomenta, Inga.
    Offensichtlich scheint Pastor Joel eine Art Don Camilo des hohen Nordens zu sein, wenn es darum geht kirchlichen Klischees nicht zu entsprechen. Daß seine Frau nun schwanger ist, könnte er dennoch (weniger sauertöpfisch) als netten Wink des Schicksal ansehen (denn, wann hätten sich Ärzte nicht schon geirrt). :-)
    Wie Du das Szenario des Romans beschreibst, kommen mir ausdauernd die Filme von Aki Kaurismäkiin den Sinn.
    bonté

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    1. Hallo Robert,

      haha... der Vergleich ist ja goldig, aber so habe ich mir ihn gar nicht vorgestellt, aber er ist schon ein ungewöhnlicher Mann Gottes.
      Also wenn ich dich an Filme erinnere, dann habe ich alles richtig gemacht, JAWOHL!

      Liebe Grüße
      Inga

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